Ausweis negativer Zinsen – Aktuelle Diskussionen im IFRS IC und Implikationen für die Praxis

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat auf seiner Sitzung am 5. Juni 2014 beschlossen, für bei ihr getätigte Einlagen bei Überschreitung bestimmter Grenzwerte negative (Einlagen-)Zinsen zu erheben. Geschäftsbanken, die ihre Liquidität kurzfristig bei der EZB deponieren wollen, müssen als Entgelt für die Einlagemöglichkeit einen „Strafzins“ für die sog. Überschussreserven zahlen. Im November 2014 haben erstmals einzelne Kreditinstitute in Deutschland bekannt gegeben, bei Überschreitung bestimmter Grenzwerte negative Zinsen auf Guthaben ihrer Kunden einzuführen. Das IFRS IC hat sich in seiner letzten Sitzung im Rahmen einer Agenda-Entscheidung erneut zu Teilaspekten zu dieser seit einiger Zeit kontrovers diskutierten Fragestellung geäußert.

Zum Ausweis von negativen Zinsen in der Gewinn- und Verlustrechnung stellt das IFRS IC fest, dass es sich bei negativen Zinsen für Vermögensanlagen mangels Zufluss eines wirtschaftlichen Nutzens nicht um Erträge i. S. d. IAS 18 handeln kann.

Vor diesem Hintergrund können nach Auffassung des IFRS IC negative Zinsen nicht als negativer Zinsertrag ausgewiesen werden, sondern sind vielmehr in einem „geeigneten Aufwandsposten“ auszuweisen. Soweit es zum Verständnis des Abschlusses erforderlich ist, sind für die betreffenden Beträge zudem entsprechend den Grundsätzen des IAS 1 zusätzliche Erläuterungen zu machen.

Zur Frage des Ausweises negativer Zinsen auf finanzielle Verbindlichkeiten hat das IFRS IC in seiner Entscheidung nicht Stellung genommen. Folgt man der Betrachtungsweise in dem Staff Paper für die Sitzung des IFRS IC, so sind negative Zinsen auf finanzielle Verbindlichkeiten nicht als negativer Zinsaufwand oder Zinsertrag, sondern in einem „geeigneten Ertragsposten“ auszuweisen. Ebenso hat das IFRS IC keine Aussage zum Ausweis des „geeigneten Aufwandspostens“ bzw. des „geeigneten Ertragspostens“ getroffen. Folgt man auch hier der Argumentation in dem Staff Paper, so wird es als zulässig angesehen, diese beiden Posten – den „geeigneten Aufwandsposten“ und den „geeigneten Ertragsposten“ – jeweils als separaten Posten innerhalb des Zinsergebnisses auszuweisen. Da der Zinsüberschuss bei Kreditinstituten einer der wichtigsten finanziellen Leistungsindikatoren ist, empfehlen wir für die Kreditwirtschaft einen Ausweis innerhalb des Zinsergebnisses.

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