Kategorie: Bilanzierung

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Kostenreduzierung durch Entwicklung netzspezifischer Strom-Profile

Ausgangssituation

Verteilnetzbetreiber (VNBs) nutzen vorwiegend die synthetischen Standardlastprofile des Bundes­verbands der Energie­ und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) oder ziehen für die Bilanzierung ihre eigen entwickelten Standardlastprofile seit Jahren unverändert heran. Systematische Abweichungen des Lastgangs im Vergleich zu den Standardlastprofilen müssen durch Ausgleichsenergie kompensiert werden. Ausgleichsenergie verursacht Kosten bei den VNBs, die nicht auf die Netzentgelte umgelegt werden können. Mengenabweichungen werden zwar weitestgehend über die Mehr-­ und Mindermengen­abrechnung (MMMA) ausgeglichen, unter Kostengesichtspunkten ist dies jedoch nachteilhaft für den VNB. Die MMMA­-Preise sind im Durchschnitt geringer als die Ausgleichsenergiepreise. Zudem stehen einer MMMA eine Vielzahl von Bezugs­- und Absatzgeschäften über die Ausgleichsenergie gegenüber. Durch die Minimierung profilbedingter Bilanzkreisabweichungen entstehen erhebliche Kosteneinsparungen.

Unsere Lösung

Schritt 1: Bilanzierungsgüte bestimmen

PwC hat eine Methodik zur systematischen Optimierung von Standardlastprofilen auf Basis des Differenz­bilanzaggregats (DBA) entwickelt. Das DBA ist die Differenz aus Einspeisung (Netzzeitreihe und dezentrale Einspeisung) und Ausspeisung (Verbrauch von RLM-­ und SLP­-Kunden sowie Verlustenergie).

Als Ausgangspunkt der Profiloptimierung wird die Bilanzierungsgüte mit dem Bilanzierungsqualitäts­indikator (BQI) errechnet. Der BQI setzt das DBA in das Verhältnis zur Gesamtprofilbilanzierung und spiegelt die Güte der Profile wider. Hiermit werden strukturelle Abweichungen in der Bilanzierung offensichtlich. Unsere Erfahrung zeigt, dass der BQI unter Anwendung netzspezifischer Profile deutlich unter 10 Prozent liegen kann. Bei Verwendung der BDEW-­Profile liegt er meist über 15 Prozent. Somit können die Ausgleichsenergiekosten durch netzspezifische Profile in manchen Fällen halbiert werden.

Abb.2

Schritt 2: Optimierung der Profile

Zunächst muss die Bilanzierung auf Stammdatenfehler (z. B. fehlende Anlagen) analysiert und um diese korrigiert werden, um eine bereinigte DBA-­Grundlage für die Profiloptimierung zu generieren. Anschließend wird das DBA um die Mehr-­ und Mindermengen angepasst, damit keine Mengeneffekte in die Profilanpassungen übernommen werden. In Abbildung 1 ist der BQI vor und nach der Korrektur des DBA über ein Jahr beispielhaft dargestellt. Entsprechend der in Abbildung 1 dargestellten viertel­stündlichen DBA­-Abweichungen nach der Korrektur werden die Profile optimiert.

Das optimierte Profil (hier: Werktag Winter optimiert) ist insbesondere morgens erhöht (rote Fläche) sowie unter anderem über Mittag abgeflacht (orange Fläche), siehe Abbildung 2.

Blogbeitrag_Grafik 2

 

Ihr Nutzen

Durch netzspezifische Lastprofile, die an das Kundenverbrauchsverhalten angepasst sind, lassen sich dauerhaft Kosten einsparen. Der Aufwand für die Optimierung der SLP wird durch die erzielten Einsparungen oft schon im ersten Jahr mehr als kompensiert. Gegenüber einer reinen Bewirtschaftung des Differenzbilanzkreises können zudem regulatorische Grenzwerte der Bundesnetzagentur für das DBA eingehalten und Risiken aus der Bewirtschaftung reduziert werden.

 

Ansprechpartner

Jörg Netzband

Partner Risk Assurance

Tel.: +49 89 5790­5425

E-­Mail: joerg.netzband@de.pwc.com

Julia Fixle

Managerin Risk Assurance

Tel.: +49 89 5790­6188

E­-Mail: julia.fixle@de.pwc.com

 

 

Zählerstandsgangbilanzierung als Wegbereiter für variable Stromtarife?

Die Anpassung der Stromnachfrage an die fluktuierende Erzeugung stellt eine zentrale Herausforderung der Energiewende dar. Während variable Tarife mit wirksamen monetären Anreizen zur Verbrauchsverlagerung für Großverbraucher durch die registrierende Lastgangmessung (RLM) längst Realität sind, bleibt die Suche nach attraktiven variablen Tarifen im Haushaltskundenbereich bislang in aller Regel erfolglos. Durch den Einzug der Zählerstandsgangbilanzierung in die energiewirtschaftliche Gesetzgebung soll sich dieser Zustand nun ändern, was gleichzeitig mit weitreichenden Konsequenzen für die Marktkommunikation verbunden wäre.

Eine gute Datenqualität ist die Grundlage für ein erfolgreiches EVU

Der Änderungsdruck in der Energiebranche nimmt aufgrund von Regulierung, Liberalisierung und weitreichenden politischen Entscheidungen stetig zu.

Der hinter einer Endkundenabrechnung stehende Aufwand wird hierdurch immer größer. Ausschlaggebend für die Geschäftsergebnisse werden neben der Abrechnung mehr und mehr Prozesse, die im Hintergrund zur Erfüllung der regulatorischen Anforderungen und zur Harmonisierung von physischer und kaufmännischer Welt ablaufen:

  • Mehr-/ Mindermengenabrechnung
  • Bilanzierung
  • Bilanzielle Abgrenzung
  • Prognose im Zusammenhang mit Ausgleichsenergie
  • Marktkommunikation
  • Abwicklung des Erneuerbare Energien Gesetzes

Diese Prozesse laufen zumeist mit großem Zeitversatz und sind nur schwer in Beziehung zueinander zu setzen. Die Risiken in diesen Prozessen sind unmittelbar vom EVU zu vertreten.

Oft entwickeln sich die potentiellen Risiken zu realen Verlusten, ohne dass dies zunächst auffällt. Zutage treten die Datenschiefstände in der Regel erst, wenn diese bereits Probleme verursachen.

Die Pflicht – Erreichen eines gewissen Levels an Datenqualität als Grundlage

Bevor in einen geregelten Prozess des Datenqualitätsmanagements übergegangen werden kann, muss zunächst die initiale Datenbasis stimmen. Hierfür bedarf es einer Reihe von Schritten, bei denen wir ebenfalls unterstützen können:

  1. Analyse wesentlicher energiewirtschaftlicher Prozesse im Unternehmen, um prozessuale und finanzielle Risiken zu erkennen
  2. Initiale Beurteilung von bestehenden Problemfeldern und Schwachstellen in den Prozessen
  3. Identifizierung kritischer energiewirtschaftlicher Stamm- und Bewegungsdaten aus der vorangegangenen Prozessanalyse
  4. Auswertung und Analyse der identifizierten Stamm- und Bewegungsdaten
  5. Interpretation der Ergebnisdaten und Identifizierung von Verbesserungspotenzialen und Schwachstellen im Datenfluss sowie im systemseitigen Verfahren und in Customizing-Einstellungen

Bereits hier werden in der Regel versteckte Umsatzpotentiale und Möglichkeiten zur Reduzierung des Aufwands entdeckt.

Die Kür – Implementierung eines geregelten Prozesses zur Bewertung der Datenqualität

Nachdem ein gewisser Level an Datenqualität erreicht wurde, kann ein aktives Datenqualitätsmanagement ausgerollt werden. Grundlage dabei sind Data-Warehouse-Systeme wie z.B. das SAP BW. Hier können große Datenmengen verschiedener Herkunft miteinander vereint werden. Auf den Daten aufbauend sind Kontrollen zu implementieren, um die Datenqualität zu überwachen. Wenn möglich werden einerseits die Fehlerfälle an sich zur Behebung ermittelt. Andererseits erfolgt eine aggregierte Darstellung, um die aktuelle Situation im Rahmen von Management-Reportings schnell darstellen zu können und die Datenqualität zu steuern. Wir haben im Rahmen unserer bisherigen Projekte verschiedene wirksame Kennzahlen ermittelt:

Die Mehr-Mindermenge ist ein Faktor, der bei Netz- und Vertriebsgesellschaften hohe finanzielle Auswirkungen haben können. Daher stellen wir die Mehr-Mindermenge auf Netzseite mit der Netznutzungsmenge gegenüber. Wenn diese beispielsweise im Strom die Höhe von 3% der Netznutzungsmenge übersteigt deutet dies auf erste Schwächen in den zugrunde liegenden Daten und Prozessen hin. Durch das Datenqualitätsmanagement kann gegengesteuert werden und hohe Nachzahlungen in der Mehr-Mindermengenabrechnung vermieden werden.

Auf Lieferantenseite ist die Überwachung der Bilanzkreissalden von besonderer Bedeutung. Weisen diese eine höhere Menge aus, deutet dies beispielsweise darauf hin, dass Profilumstellungen beim DSO stattgefunden haben und diese Informationen beim Lieferant nicht vorliegen oder nicht verarbeitet wurden.

Eine sehr wichtige Kennzahl liefert zudem die retrograde Verprobung der Bilanziellen Abgrenzung mit der Verkaufsstatistik. Dieser Abgleich gibt z.B. Aufschluss über die Aktualität der im System hinterlegten Verbräuche und der herangezogenen Gewichtungsverfahren. Bei einer Abweichung größer als 2% ist eine Untersuchung und Optimierung der Bilanziellen Abgrenzung erforderlich.

Neben den genannten Kennzahlen, die auf etablierten Prozessen beruhen erweitern wir diese beständig um weitere Benchmarks für neu aufkommende Regularien. So setzen wir z.B. die monatlich an den BIKO gemeldeten EEG relevanten Verbrauchsmengen mit den für den jeweiligen Monat abgerechneten EEG Mengen in Beziehung, um die Abrechnungsquote der EEG-Anlagen zu ermitteln.

Was bleibt – Datenqualitätsmanagement ist der Schlüssel

Durch die Einführung eines Datenqualitätsmanagements können EVUs einerseits bestehende erlös- und umsatzmindernde Barrieren überwinden und sich andererseits gegen das Auftreten solcher in der Zukunft absichern.

In Kraft treten von IFRS-Rechnungslegungsstandards und Interpretationen beendet Hängepartie

Kurz vor Jahresende hat die Europäische Kommission im Amtsblatt der Europäischen Union L360 vom 29. Dezember 2012 Verordnungen zur Übernahme der in der folgenden Tabelle aufgeführten internationalen Rechnungslegungsstandards und Interpretationen in das EU-Recht veröffentlicht. Sämtliche genannten Regelungen traten somit am 1. Januar 2013 (drei Tage nach ihrer Veröffentlichung) in Kraft. Damit ist eine recht langwierige Hängepartie beendet und IFRS Anwender können planen:

Standard/Interpretation Inkrafttreten innerhalb der EU*
IFRS 10 „Konzernabschlüsse“ ab Geschäftsjahr 2014**
IFRS 11 „Gemeinsame Vereinbarungen“ ab Geschäftsjahr 2014**
IFRS 12 „Angaben zu Anteilen an anderen Unternehmen“ ab Geschäftsjahr 2014**
IFRS 13 „Bemessung des beizulegenden Zeitwerts“ ab Geschäftsjahr 2013
IAS 28 „Anteile an assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen“ ab Geschäftsjahr 2014**
Änderung IFRS 1 „Erstmalige Anwendung der International Financial Reporting Standards“
– Ausgeprägte Hochinflation und Beseitigung der festen Zeitpunkte für erstmalige Anwender
ab Geschäftsjahr 2013**
Änderung IFRS 7 „Finanzinstrumente: Angaben“
– Saldierung von finanziellen Vermögenswerten und finanziellen Verbindlichkeiten
ab Geschäftsjahr 2013
Änderung IAS 12 „Ertragsteuern“
– Latente Steuern: Realisierung zugrunde liegender Vermögenswerte
ab Geschäftsjahr 2013**
Änderung IAS 32 „Finanzinstrumente: Darstellung“
– Saldierung von finanziellen Vermögenswerten und finanziellen Verbindlichkeiten
ab Geschäftsjahr 2014
 IFRIC 20 „Abraumkosten in der Produktionsphase eines Tagebaubergwerks“ ab Geschäftsjahr 2013
* Für Unternehmen mit kalendergleichem Geschäftsjahr.
** Das Inkrafttreten wurde im Vergleich zur Originalregelung verschoben.

Neustart für offene Bilanzierungsfragen zu rate-regulated activities

Im September 2010 hatte das IASB das bereits existente Projekt zu rate-regulated activities gestoppt, da nach Ansicht des Boards keine kurzfristigen Lösungen für die vielfältigen Fragestellungen gefunden werden konnten. Das Thema bleibt aber  relevant und so hat das IASB hat in seiner Sitzung am 26. September 2012 den Neustart des Projekts zu rate-regulated activities beschlossen: zunächst soll durch den IASB staff ein Discussion Paper entworfen werden, dass auf den bereits erlangten Erkenntnissen aus dem rate-regulated activities Projekt als auch auf den Diskussionsstand zur Überarbeitung des Conceptional Framework  basieren soll. Das Discussion Paper soll das IASB darüber informieren, welche Informationen Nutzer bezüglich rate-regulated activities benötigen. Solch ein Discussion Paper könnte Ende 2013 zur Verfügung stehen und wäre ein wichtiger Meilenstein hin zu neu zu entwickelnden Regelungen zur Bilanzierung von rate-regulated activities.

Da ein Standard vor diesem Hintergrund voraussichtlich nicht vor 2016 fertig wäre, wurde kontrovers diskutiert ob eine Zwischenlösung  insbesondere bezüglich der Frage der Abgrenzbarkeit von regulatorischen Vermögenswerten und Schulden entwickelt werden soll. Eine Entscheidung dazu wurde durch das IASB nicht getroffen, stattdessen wird sich zunächst das IFRS Advisory Council mit dem Thema beschäftigen.

Entwicklungen bezüglich IFRS 10, 11 und 12

Zwei Entwicklungen bezogen auf die Standards IFRS 10, 11 und 12 haben in den letzten Monaten möglicherweise einige Erleichterungen für Anwender im Gepäck: der wahrscheinlich durch EU Endorsement auf 2014 verschobene Erstanwendungszeitpunkt sowie die aktuellen Änderungen der Übergangsregelungen durch das IASB.

Durch die wahrscheinliche Verzögerung des Erstanwendungszeitpunktes durch  EU Endorsement sind IFRS 10, 11 und 12 erst für Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2014 beginnen, d.h. ein Jahr später als in den Standards selbst vorgesehen. Dadurch erhalten Anwender in der EU ein Jahr länger Zeit, die Auswirkungen der zum Teil komplexen Regeln zu untersuchen. Eine frühzeitige Anwendung (wie durch die Standards selbst vorgesehen) soll dabei möglich bleiben.

Darüber hinaus ist die Änderung der Übergangsvorschriften durch das IASB selbst hilfreich: es wird klargestellt, dass der Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung des IFRS 10 das Geschäftsjahr ist, in dem erstmalig nach den neuen Standards bilanziert wird, d.h. in der EU beispielsweise der 1. Januar 2014 für Anwender mit einem Geschäftsjahr, das dem Kalenderjahr entspricht und die die Standards ab 2014 anwenden. Das bedeutet, dass bei der Analyse, ob Kontrolle und damit Konsolidierungspflicht nach IFRS 10 vorliegt, auf die Faktenlage am 1. Januar 2014 abzustellen ist – die Vorjahresangaben richten sich dann nach dieser Analyse. Damit haben die oben genannten Anwender noch bis Ende 2013 Zeit, gegebenenfalls transaktionale Änderungen an Unternehmensverträgen vorzunehmen, um das gewünschte Bilanzierungsergebnis nach IFRS 10 zu erreichen. Da die Analyse nach IFRS 10 gerade in Situationen mit knappen Mehrheitsverhältnissen und gleichzeitig vorliegenden Konsortialverträgen komplex sein kann und möglicherweise durchaus zu anderen Ergebnissen als nach IAS 27 führt, ist die zusätzliche Zeit vielen Anwendern sicherlich willkommen.

IFRS IC diskutiert Bilanzierung von regulatorischen Vermögenswerten und Schulden

Vor einigen Wochen hat das IFRS IC zum wiederholten Mal mit der Bilanzierung von sogenannten regulatorischen Vermögenswerten und Schulden befasst, die beispielsweise bei Liefervolumendifferenzen in einem preisregulierten Umfeld auftreten können. Anlass war eine IFRS IC Submission, die durch die Tatsache motiviert war, dass mehr und mehr Staaten IFRS anwenden und damit die Bilanzierung von Vermögenswerten und Schulden infolge von Regulierungsmaßnahmen wieder in den Fokus rückt. Die sich daraus ergebenden Diskussionen können auch für europäische Energieversorgungsunternehmen interessant werden.

Die IFRS IC Submission skizzierte ein klassisch kostenbasiertes preisreguliertes Umfeld in einer Monopolsituation und beinhaltete  die folgenden Fragen:

  1. Können nach IFRS Kunden in einem regulierten Umfeld zu einer „single unit of account“ zusammengefasst werden?
  2. Wenn ja, ist dann die Bilanzierung von regulatorischen Vermögenswerten und Schulden nach IFRS angemessen?

Das IFRS IC hat zwar beschlossen, die Fragestellung zunächst nicht auf die Agenda zu nehmen, da der Sachverhalt aus Sicht des Committees für eine IFRS Interpretation zu komplex und umfassend sei. Allerdings wurde dem IASB empfohlen, sich der Fragestellungen rund um die Bilanzierung von regulatorischen Vermögenswerten und Schulden erneut anzunehmen und einen Standard dazu zu entwickeln. Sollte sich das IASB auf Grundlage der Agenda Consultation gegen eine Aufnahme auf die Agenda entschließen, wird sich das IFRS IC erneut mit der Frage befassen. Es bleibt also Bewegung in dem Thema.

Aus den nun stattfindenden Diskussionen ergeben sich zwar unmittelbar keine Änderungen der bestehenden Bilanzierungspraxis in Europa. Dennoch werden wir die Entwicklungen der Diskussionen in diesem Bereich weiterhin beobachten, denn Änderungen könnten weitreichende Konsequenzen für die Abschlüsse von Energieversorgern auch in Europa haben.

Bilanzielle Abbildung des Regulierungskontos

Gemäß § 5 Absatz 1 ARegV werden Mehr- bzw. Mindererlöse aus Netzentgelten Strom und Gas, die aus der Differenz zwischen den zulässigen und den tatsächlich erzielten Erlösen eines Kalenderjahres entstehen, auf dem Regulierungskonto erfasst. Die Aktivierung eines Anspruchs auf künftig höhere Netzentgelte, der durch Mindermengen innerhalb eines Kalenderjahres entstanden ist, darf nach HGB aufgrund des Realisationsprinzips nicht aktiviert werden. Um eine Aktivierung eines solchen Anspruchs zu ermöglichen, werden zurzeit verschiedene Ansätze diskutiert. Ein Vorschlag sieht vor, das EnWG wie folgt zu ändern:

„Abweichungen zwischen den einzelnen Wertgrößen gemäß §§ 4 Abs. 3 und 5 ARegV und den in den Erlösobergrenzen hierfür im Einzelnen angesetzten Werten begründen bereits im Zeitpunkt ihrer Entstehung jeweilige Ausgleichsverpflichtungen und -ansprüche gegenüber Netzkunden. Dem Zeitpunkt des Entstehens der Ausgleichsverpflichtungen und der -ansprüche stehen die Bestimmungen zur Geltendmachung der Abweichungen in den Erlösobergrenzen nicht entgegen. Die Ausgleichsverpflichtungen und -ansprüche stellen somit Korrekturen der für das jeweilige Leistungsjahr abgerechneten Preise dar.“

Gegen diesen Vorschlag gibt es allerdings erhebliche bilanztheoretische Bedenken. Außerdem spricht dagegen, dass ein solcher Anspruch auch in  der Steuerbilanz zu aktivieren wäre und die Gefahr besteht, dass nicht realisierte Gewinne ausgeschüttet werden. Daher wird alternativ die folgende Änderung des EnWG diskutiert:

„Einzelne aktive Überhänge aus der Abrechnung künftig zu realisierender Ansprüche aus den §§ 4 und 5 ARegV dürfen als Bilanzierungshilfe im handelsrechtlichen Jahresabschluss aktiviert werden. Diese aktivierten Beträge sind bei der Ermittlung der Ausschüttungs- bzw. Abführungssperre gem. § 268 Abs. 8 HGB bzw. § 301 AktG zu berücksichtigen; passive Überhänge sind als Rückstellung gem. § 249 Abs. 1 S. 1, 1. Halbsatz HGB zu passivieren.“

Durch die Ausschüttungssperre würde dem Gläubigerschutz dadurch Rechnung getragen, dass die nicht realisierten Erträge gegen eine Ausschüttung gesperrt wären. Unverändert zur bisherigen Bilanzierungspraxis ist nach beiden Modellen für Passivüberhänge aus Mehrmengen zwingend eine Rückstellung zu bilden. Wegen des Stetigkeitsprinzips ist davon auszugehen, dass in beiden Modellen die einmal gewählte Bilanzierung grundsätzlich in den Folgejahren beibehalten werden muss. Steuerlich wäre die Bilanzierungshilfe nicht zu aktivieren.