Das neue EEG 2017 (2): Die Ausschreibungen für Wind onshore

Das EEG 2017 gestaltet die Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien grundlegend um. Wir stellen Ihnen in loser Folge die Änderungen vor. Heute: Die Ausschreibungen für Wind onshore

Mit Inkrafttreten des EEG 2017 zum 1. Januar 2017 erfolgt eine Förderung von Windenergieanlagen an Land nur noch nach erfolgreicher Teilnahme an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur. Ausgenomen davon sind Anlagen mit einer installierten Leistung von maximal 750 kW sowie Pilotwindenergieanlagen. Auch Alt-Projekte bleiben vom Ausschreibungsverfahren verschont, sofern bis Anfang 2017 die immissionsschutzrechtliche Genehmigung erteilt, die Anlage an das Marktstammdatenregister gemeldet und bis Anfang 2019 in Betrieb genommen wird.

Voraussetzung für die Teilnahme an einem der drei bis vier jährlichen Gebotsverfahren ist neben dem Vorliegen der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung und der Registrierung der Anlage auch die Hinterlegung einer Sicherheit in Höhe von 30 Euro pro Kilowatt zu installierender Leistung. Die Sicherheit verfällt ganz oder teilweise, wenn der Windpark einen Zuschlag erhält und nicht binnen 24 Monaten realisiert wird.

Den Zuschlag erhält der Bieter, der das geringste Gebot abgibt. Dabei kommen die Bieter nach dem jeweiligen Gebotswert in aufsteigender Reihenfolge zum Zuge, bis das Ausschreibungsvolumen des Gebotstermins ausgeschöpft ist. Die Höhe des Ausschreibungsvolumens ergibt sich direkt aus dem EEG und liegt zunächst bei jährlich ca. 2.800 MW.

Für die sog. Netzausbaugebiete, d.h. Regionen, in denen das Übertragungsnetz besonders stark überlastet ist, wird das Ausschreibungsvolumen durch eine Obergrenze noch weiter beschränkt werden. Die Netzausbaugebiete sollen bis spätestens März 2017 durch das BMWi festgelegt werden, die Obergrenze soll 58% des bisherigen durchschnittlichen Zubaus in diesen Gebieten betragen. Projekte in diesen Gebieten müssen daher mit Verzögerungen bei der Realisierung rechnen.

Der für die Förderung maßgebliche anzulegende Wert ergibt sich aus dem Zuschlagswert, wird aber noch anhand des Referenzertrages nach unten oder oben korrigiert. Das Gebot in der Ausschreibung entspricht der Förderung für einen fiktiven Standort mit einem Referenzertrag von 100%. Die Förderung wird anhand des tatsächlich gemessenen Referenzertrages berechnet und wird in regelmäßigen Abständen – auch rückwirkend – angepasst, wenn der Ertrag um mehr als 2% von dem zuletzt ermittelten Wert abweicht. Zu viel oder zu wenig geleistete Zahlungen sind verzinst zu erstatten.

Die Einführung des Ausschreibungsregimes erhöht das Projektentwicklungsrisiko von Onshore-Windparks signifikant durch die Gestaltung als „späte“ Ausschreibung, durch den Bedarf zur Finanzierung von Bietsicherheiten und letztlich durch die Ungewissheit des Zuschlags an sich. Projektentwickler werden zukünftig mitunter einen langen Atem brauchen und können dadurch gezwungen sein, mit größeren Einheiten oder finanzstarken Partnern zu kooperieren.

Alle Beiträge aus der Blog-Reihe „Das neue EEG 2017“ finden Sie hier.

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