EU-Winterpaket (4): Europas Strompreiszonen – Ein Ein- und Ausblick

Teil des EU-Winterpakets ist die umfassende Novellierung der Strommarkt-Verordnung (VO Nr. 714/2009). In diesem Zuge soll in Art. 13 eine Ermächtigungsgrundlage zugunsten der EU-Kommission eingeführt werden. Damit wird es der Kommission erlaubt, nach Abschluss des sog. Bidding Zone Review über die künftige Gestaltung der überprüften Gebotszone zu entscheiden (siehe hierzu auch unser Beitrag vom 17.07.2017).

Eine Gebots- oder Strompreiszone stellt dabei einen gemeinsamen Markt dar, innerhalb dessen ein einheitlicher Großhandelspreis für dasselbe Stromprodukt existiert.

Bislang ist der Bidding Zone Review in der sog. CACM-Verordnung geregelt. Die Übertragungsnetzbetreiber und die Mitgliedstaaten resp. deren Regulierungsbehörden sind die zentralen Figuren in diesem Prozess und bestimmen über die Beibehaltung oder Neuordnung der überprüften Preiszone(n). Dieses Konzept würde durch die Neufassung der Strommarkt-Verordnung verändert werden. Der Kommission stünde ab dann, basierend auf einem Vorschlag der Übertragungsnetzbetreiber, quasi ein Letztentscheidungsrecht über eine oder mehrere Gebotszonenkonfigurationen zu.

Auswirkungen auf den deutschen Strommarkt

Im Hinblick auf den deutschen Strommarkt ist diese neue Rechtsgrundlage in zweifacher Hinsicht relevant:

  1. Zwischen Deutschland und Österreich besteht derzeit (noch) eine einheitliche Strompreiszone, deren Trennung allerdings im Rahmen eines Beschlusses der ACER im November 2016 angeordnet wurde. Die dagegen u.a. von der österreichischen Regulierungsbehörde E-Control eingelegte Beschwerde hat der ACER-Beschwerdeausschuss am 17.3.2017 als unbegründet abgewiesen Zwischenzeitlich haben sich BNetzA und E-Control auf die Einführung eines Engpassmanagements an der deutsch-österreichischen Grenze zum 1.10.2018 verständigt, in dessen Rahmen aber auch weiterhin bis zu 4,9 GW Strom uneingeschränkt gehandelt werden können. Zumindest in diesem Umfang soll die einheitliche Strompreiszone also erhalten bleiben. Nichtsdestotrotz wäre die Kommission –würde die Strommarkt-Verordnung, wie oben dargestellt, umgesetzt werden – grundsätzlich in der Lage, die (vollständige) Trennung der Preiszone auf Grundlage des Art. 13 anzuordnen. Eine entsprechende, vorab erforderliche Gebotszonenüberprüfung findet bereits statt.
  2. Gleichzeitig steht eine Aufspaltung der innerdeutschen Strompreiszone im Raum. Kernproblem sind die sog. Ringflüsse, d.h. unkontrollierte Stromflüsse, die durch die Übertragungsnetze in den Anrainerstaaten um Deutschland führen. Der zur Behebung dieser Ringflüsse mitunter notwendige Netzausbau wird in den folgenden Jahren kaum bedient werden können. Zur Entzerrung dieser Problematik könnte sich eine Aufteilung der deutschen Strompreiszone (auch bezeichnet als „market splitting“) anbieten (zur Vertiefung der Thematik verweisen wir auf die Beiträge in et 2017, S. 82 ff. sowie RdE 2017, S.172 ff.). Folge wären zwei Großhandelsmärkte mit zwei unterschiedlichen Großhandelspreisen. Die konkreten Auswirkungen einer solchen Aufspaltung auf die einzelnen Marktteilnehmer sind derzeit nur schwer einschätzbar. Tendenziell aber dürften die Effekte auf den Großhandelsmarkt als eher nachteilig einzuschätzen sein. Gleiches dürfte auch für Industriekunden mit Standorten in beiden Strompreiszonen gelten.

Im nächsten Beitrag unserer Serie erfahren Sie Details zu einer möglichen Einführung von Regional Operation Centres.
Alle Folgen unserer Serie können Sie hier nachlesen.

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