Bankgründungs Blog

Bankengründung in der Finanzkrise – Erfolgsmodell Carve out

Grüne Wiese Ansatz vs. Etabliertes Geschäftsmodell

Wir sehen sowohl in der Spitze der Finanzkrise als auch in deren Ausläufern, die jetzt noch zu spüren sind, Gründungen neuer Banken. Es zeigt sich allerdings, daß diese Bankengründungen momentan überwiegend keine strategischen Neugründungen sind, die ein neues Geschäftsfeld oder eine neue Kundengruppe bearbeiten, sondern Ausgründungen aus bestehenden Banken sind.

Hier sind insbesondere Ausgründungen in Form von bisher separat operierenden Abteilungen oder ganzen Geschäftsfeldern von Banken zu beobachten. Die Gründe dafür liegen häufig in einer Fokussierung der Strategie der abgebenden Bank aufgrund regulatorischer Anforderungen. Damit ist der Anlass dieser Bankengründungen eher exogen durch den Gesetzgeber oder wettbewerbsrechliche Anforderungen vorgegeben. Dennoch zeigt sich, dass gerade diese Carve outs letztlich erfolgreich am Markt operieren.

Die Gründe darin liegen zum einen im stabilen Geschäftsmodell, dass zumeist über Jahre hinweg erprobt und erfolgreich ist und zum anderen in den eingeführten Prozessen sowie den damit verbundenen Akteueren (Mitarbeitern). Bereits im Vorfeld des Carve outs gibt es eine ausreichende und sehr zuverlässige Basis für die Berechnung des Business Case, der auf historische Zahlen zurückgreifen kann.

Herausforderung Operations und Banklizenz

Die Stabilität der zugrundeliegenden Zahlen und des vorhandenen Geschäftsmodells darf allerdings nicht den Blick verstellen für die Notwendigkeit der sauberen Trennung der aufbau- und ablauforganisatorischen Strukturen und der Komplexität einer eigenen Lizenzierung. Die Einbindung einer Abteilung oder eines Geschäftsbereichs in eine bestehende Bank ist deutlich einfacher – auch aufgrund der gewachsenen Strukturen – als der in allen Belangen einer Bank eigenverantwortlich zu führende Betrieb einer Bankenneugründung.

Dennoch zeigt sich, dass Carve outs mit bestehendem und stabilem Geschäftsmodell auch Jahre nach der Gründung i.d.R. erfolgreicher am Markt agieren als vor der Bankengründung.

Bankengründung mit schlankem Target Operating Model (TOM)

Die globale Krise im Bankenbereich scheint beherrschbar oder in Teilen bereits überwunden. Jetzt zeigt sich wieder ein aufkommendes Gründungsinteresse für neue Banken. Die Gründe dafür sind vielfältig, von einer geänderten strategische Ausrichtung hin zur Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen. Bankengründungen werden dabei im Wesentlichen von bereits bestehenden Banken durchgeführt.

Grenzen der Auslagerung und Verschlankung des TOM

Das Ziel dieser Bankengründung kann grob umrissen werden mit der Erhöhung der Durchschlagskraft bei der Marktbearbeitung, der Eroberung neuer Marktanteile und der Etablierung eines sehr auf die Kundenbedürfnisse fokussierten Geschäftsmodells. Damit zeigt sich vielfach in der Folge der Finanzkrise, dass sich Marktanteile neu verteilen und die aktivsten Banken frühzeitig tätig werden. Neben den strategischen Überlegungen, die im Vorfeld einer Bankgründungsentscheidung getroffen werden müssen, spielt hier insbesondere die Entscheidung für ein zukünftiges Target Operation Model eine entscheidende Bedeutung für den Erfolg der neu gegründeten Bank.

Das TOM wird damit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Neue Institute werden aus unser Praxiserfahrung überwiegend als "Lean Bank" aufgestellt und beziehen den überwiegenden Teil der Leistungen, die nicht direkt am Kunden erbracht werden, über Dienstleister. Im klassischen Fall einer Bankengründung oder Ausgründung durch eine Bank, werden sehr häufig die vorhandenen Prozesse und Strukturen über vertragliche Regelungen auf das neue Institut übertragen. Damit wird die Mutter, oder das abgebende Institut zum Dienstleister mit sehr dezidierten Kenntnissen bzgl. der Abläufe in der neuen Bank. Sind die Auslagerungen sehr weitgehend, stößt die daraus resultierende schlanke Personaldecke an regulatorische Grenzen, da dann möglicherweise Vertretungen gem. Funktionentrennung, Urlaub und Krankheit sowie Kündigung die Fortführung des Geschäfts beeinträchtigen können.

Neue Aufgaben mit deutlicher Orientierung in Richtung Marktbearbeitung

Aufgrund der bei Bankgründungen vielfach zu beobachtenden Verringerung der Fertigungstiefe und der damit einhergehenden Auslagerung aller wesentlichen Prozesse schafft dies personelle Freiräume, die insbesondere für die fokussierte Marktbearbeitung genutzt werden können und sollten. Gerade in neu gegründeten Banken kann somit die Relation von Mitarbeitern am Kunden zu Mitarbeitern im Backoffice enorm optimiert werden. Dies führt auf der einen Seite zu einer Unterstützung der oftmals mit Gründungen von "Lean Banks" verfolgten Strategie einer starken Marktfokussierung und auf der anderen Seite zu einer sehr schlanken und dennoch schlagkräftigen Personalausstattung.

Erlaubnispflicht bei Handel mit Emissionszertifikaten

Eine zunehmende Anzahl von Unternehmen wird zukünftig zur Abgabe von Emissionszertifikaten verpflichtet sein. Immer mehr Unternehmen werden sich zwecks Deckung und Absicherung ihres Bedarfs an Emissionszertifikaten am Handel mit Emissionszertifikaten beteiligen. Bestimmte Ausgestaltungen von solchen Handelsgeschäften können allerdings eine Erlaubnispflicht des beteiligten Unternehmens auslösen. Unter Umständen kann die Beantragung einer Banklizenz für den Handel mit Emissionszertifikaten erforderlich sein. Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema. Emissionszertifikate BaFin schafft Klarheit herunterladen

Die Übergangsvorschriften des ZAG laufen ab

Am 30. April 2011 enden die Übergangsvorschriften des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes (ZAG). Danach können bisher Unternehmen, die bereits vor dem 25. Dezember 2007 eine Erlaubnis zum Betreiben des Finanztransfergeschäfts und des Kreditkartengeschäftes innehatten sowie Unternehmen, die bereits vor dem 25. Dezember 2007 erlaubnisfrei ihre Tätigkeiten im Bereich der Zahlungsdienste (zum Beispiel das Zahlungsauthentifizierungsgeschäft) ausgeübt haben noch bis zum 30. April 2011 von den Übergangsvorschriften Gebrauch machen. Ab dem 1. Mai 2011 benötigen sie jedoch eine Erlaubnis nach dem ZAG zum Betreiben der entsprechend erlaubnispflichtigen Zahlungsdienste. Dieses Erlaubnisverfahren beinhaltet  die Einreichung einer umfangreichen Dokumentation bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Dabei ist unter Anderem die Übermittlung von Unterlagen über den Nachweis des erforderlichen Anfangskapitals, des Geschäftsplans mit einer Budgetplanung für die ersten drei Geschäftsjahre sowie eine Beschreibung der internen Kontrollmechanismen und der Darstellung des organisatorischen Aufbaus nötig. Da die BaFin bei vollständiger Antragseinreichung lediglich innerhalb von drei Monaten über den Antrag entscheiden muss und ohne entsprechende Erlaubnis nach Ablauf der Übergangsvorschriften keine erlaubnispflichtigen Zahlungsdienste im Sinne des ZAG mehr durchgeführt werden dürfen, liegt gegebenenfalls Handlungsbedarf vor.

Link zum Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz veröffentlicht auf der Homepage der BaFin (www.bafin.de

Das Restrukturierungsgesetz ist in Kraft getreten

Das Restrukturierungsgesetz vom 9. Dezember 2010 wurde am 14. Dezember 2010 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Spätestens seit dem 1. Januar diesen Jahres gelten nunmehr alle Vorschriften des Restrukturierungsgesetzes. Durch die Regelungen des Gesetzes soll gemäß der Gesetzesbegründung unter anderem die geordnete Abwicklung von Banken geregelt werden. Dabei beinhaltet das Gesetz für Banken, die in Schwierigkeiten geraten sind, die Möglichkeit der Durchführung eines geordneten Verfahrens (Sanierungsverfahren und Reorganisationsverfahren). In diesem Zusammenhang erhält auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Möglichkeit von einer Bank frühzeitig entsprechende Schritte zur Krisenbewältigung fordern und auch durchsetzen zu können.

Link zum Bundesgesetzblatt: Restrukturierungsgesetz 
(Aus lizenzrechtlichen Gründen darf nur der Link auf das Bundesgesetzblatt weitergegeben werden, nicht die pdf-Dokumente.)

Neue Vorschriften für E-Geld Institute

Der am 27. September 2010 veröffentlichte Gesetzesentwurf der Bundesregierung soll der Umsetzung der Zweiten E-Geld-Richtlinie dienen. Inhaltlich sei die Zweite E-Geld-Richtlinie in wesentlichen Teilen mit der Zahlungsdiensterichtlinie und den Geschäftsaktivitäten der Zahlungsinstitute verzahnt. Die Umsetzung der Richtlinie hat bis zum 30. April 2011 zu erfolgen. Ziel ist es gemäß der Gesetzesbegründung, den Besonderheiten des E-Geld-Geschäfts durch die Schaffung eines eigenen Institutstyps Rechnung zu tragen. Geplant ist, ähnlich wie bei den Instituten, die das Zahlungsgeschäft betreiben, die Tätigkeiten der E-Geld Institute aus dem KWG herauszunehmen und im Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz zu regeln. Nach der Zweiten E-Geld-Richtlinie sei die Kreditinstitutseigenschaft zum Betreiben des Geschäfts nicht mehr erforderlich.

 Link zum Gesetzesentwurf zur Umsetzung der Zweiten E-Geld-Richtlinie veröffentlicht auf der Homepage: www.bundestag.de

„Aufsicht light“ – Präzisierung der Regelungen für Finanzierungsleasing- und Factoringunternehmen

Bisher bedürfen Finanzierungsleasing- und Factoringunternehmen für das Eigengeschäft in Finanzinstrumenten ohne Dienstleistungscharakter (Treasury)dem Gesetzeswortlaut nach einer zusätzlichen Erlaubnis. Außerdem unterliegen sie einem weitergehenden Aufsichtsregime, dem der Wertpapierdienstleistungsunternehmen. Das Gesetz zur Umsetzung der geänderten Bankenrichtlinie und der geänderten Kapitaladäquanzrichtlinie schafft den Tatbestand des Eigengeschäfts zum 31. Dezember 2010 für Finanzdienstleistungsinstitute, die das Finanzierungsleasing, das Factoring oder das Sortengeschäft betreiben und daneben keine anderen Finanzdienstleistungen erbringen, ab. Diese Neuregelung spiegelt die Verwaltungsauffassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wider und damit stellt noch einmal klar, dass Finanzierungsleasing- und Factoringunternehmen einer „Aufsicht light“ unterliegen sollen.

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/017/1701720.pdf

Ein Plan für die Schieflage

Mit dem am 25. August 2010 veröffentlichten Gesetzesentwurf eines Gesetzes zur Restrukturierung und geordneten Abwicklung von Kreditinstituten …(Restrukturierungsgesetz) zieht die Bundesregierung Konsequenzen aus einer durch die Finanzkrise gewonnenen Lehre. In Schwierigkeiten geratene Institute benötigen geordnete Verfahren zur Sanierung oder Abwicklung, bei denen das Management weiterhin (weitestgehend) in seiner Verantwortung verbleibt. Der Gesetzesentwurf enthält daher entsprechende Verfahren zur Sanierung und Reorganisation eines Instituts. In das Kreditwesengesetz sollen Maßnahmen zur Verbesserung der Eigenmittelausstattung und Liquidität eingeführt werden. Nach diesen soll es der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht u. a. gestattet sein,  bei Zweifeln an einer soliden Finanzlage eines Instituts, von diesem einen Geschäftsplan für mindestens drei Jahre anzufordern.

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Aus dem Bankaufsichtsrecht bekannte Anzeigeverfahren für KAGen

Letzte Woche erschien der Diskussionsentwurf der Bundesregierung zur Umsetzung von OGAW IV (Richtlinie 2009/65/EG). Danach wird nun, in Bezug auf den beabsichtigten Erwerb einer bedeutenden Beteiligung an einer KAG, auf das umfangreiche Anzeigeverfahren nach § 2c Kreditwesengesetz (KWG) verwiesen. Zudem soll zukünftig auch die Möglichkeit der grenzüberschreitenden kollektiven Vermögensverwaltung bestehen, was eine Ausweitung des Europäischen Passes für Verwaltungsgesellschaften bedeutet. Letzteres erfordert ebenso die Durchführung eines entsprechenden Anzeigeverfahrens bei der BaFin unter Einreichung eines Geschäftsplans.