Compliance FS Blog

Übergangsfrist zum BaFin RS 04/2016 (GW) – Videoidentifizierungsverfahren

Die BaFin hat mit Schreiben vom gestrigen Montag, 11. Juli 2016, die im RS 04/2016 enthaltenen Ausführungen ausgesetzt. Für eine Übergangszeit bis Ende des Jahres 2016 bleibt es damit bei den „alten“ Anforderungen des RS 1/2014 (GW).

Die BaFin führt aus, dass es „im Zuge der Umsetzung der Vierten Geldwäsche-Richtlinie, deren Kabinettsentwurf zum Jahresende geplant ist, beabsichtigt [ist], dem Gesetzgeber eine zukunftsgerichtete Antwort auf die Herausforderungen vorzuschlagen, die Datensicherheit und Digitalisierung an alle Verfahren der Kundenidentifizierung stellen, und neben der generellen Festlegung von Sicherheitsstandards auch eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Verpflichteten des Finanzsektors und auch der Nichtfinanzunternehmen nach dem Geldwäschegesetz (GwG) welche Verfahren zur sicheren Kundenidentifizierung nutzen können.“

Neue Anforderungen an die Videolegitimation

Das mit dem BaFin Rundschreiben (RS) 1/2014 von der Aufsicht gebilligte Verfahren der Videoidentifizierung löste eine kleine Revolution in der Kontoeröffnung aus. War es zuvor insbesondere für die Direktbanken nur durch das PostIdent-Verfahren möglich, Kunden nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 i. V. m. § 4 Abs. 1, Abs. 3 Nr. 1 und Abs. 4 Nr. 1 GwG zu identifizieren, so wurde bei Beachtung der Anforderungen des RS 1/2014 möglich, Kunden entweder selbst per Videotechnik zu identifizieren oder das Videoidentifizierungsverfahren auf externe Dienstleister auszulagern. Das Rundschreiben löste so einen regelrechten Boom aus und ebnete den Weg für neue Businessmodelle.

Der europäische Kampf gegen Terrorismusfinanzierung, Steuervermeidung und Geldwäsche

Die EU Kommission hat in ihrer Pressemitteilung vom 5. Juli 2016 der Terrorismusfinanzierung, Steuervermeidung und Geldwäsche den Kampf angesagt. Als erste Initiative des im Februar dieses Jahres von der EU Kommission veröffentlichten Aktionsplans hat die EU Kommission folgende, insbesondere die Transparenz erhöhende Maßnahmen, die die 4. EU Geldwäscherichtlinie ändern bzw. ergänzen formuliert.

Die wichtigsten Maßnahmen kurz gefasst:

  • Stärkung der Befugnisse der Zentralstellen für Geldwäsche-Verdachtsanzeigen der EU (FIU) und Förderung der Zusammenarbeit
  • Bekämpfung der Risiken von Terrorismusfinanzierung im Zusammenhang mit virtuellen Währungen – insbesondere Einbeziehen der Umtausch-Plattformen für virtuelle Währungen und der Anbieter von elektronischen Geldbörsen in den Geltungsbereich der 4. EU Geldwäscherichtlinie

EU-Vorschriften zur Bekämpfung von Insidergeschäften und Marktmanipulation anwendbar

Seit dem 3. Juli 2016 sind die Anforderungen der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 vom 16. April 2014 über Marktmissbrauch (Marktmissbrauchsverordnung) grundsätzlich anwendbar. Zeitgleich endete die Frist zur Umsetzung der Richtlinie 2014/57/EU vom 16. April 2014 über strafrechtliche Sanktionen bei Marktmanipulation (Marktmissbrauchsrichtlinie) in nationales Recht.

Primäres Ziel der Reform des Marktmissbrauchsrechts ist die Harmonisierung zum einen der in der EU geltenden Marktmissbrauchsvorschriften (Insidergeschäfte, Offenlegung von Insiderinformationen und Marktmanipulation) und zum anderen der strafrechtlichen Sanktionen bei Marktmanipulation. Die Marktmissbrauchsverordnung enthält gegenüber der Richtlinie 2003/6/EG über Insider-Geschäfte und Marktmanipulation erweiterte die Pflichten und führt u.a. neue Missbrauchstatbestände, wie etwa den versuchten Insiderhandel oder Benchmarkmanipulation, ein.

Erstes Finanzmarktnovellierungsgesetz im Bundesgesetzblatt veröffentlicht

In unserem Beitrag vom 8. Januar 2016 berichteten wir bereits über den Regierungsentwurf für die nationale Umsetzung europäischer Rechtsakte. Das Erste Gesetz zur Novellierung von Finanzmarktvorschriften auf Grund europäischer Rechtsakte (Erstes Finanzmarktnovellierungsgesetz – 1. FiMaNoG) wurde nunmehr am 1. Juli 2016 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.

Mit dem Gesetz werden vier europäische Rechtsakte in deutsches Rechts umgesetzt bzw. darin verankert:

Verschiebung von MiFID II und MiFIR in Kraft

Am 30. Juni 2016 wurden die Richtlinie (EU) 2016/1034 zur Änderung der Richtlinie 2014/65/EU über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) sowie die Verordnung (EU) 2016/1033 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 600/2014 über Märkte für Finanzinstrumente, der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 über Marktmissbrauch und der Verordnung (EU) Nr. 909/2014 zur Verbesserung der Wertpapierlieferungen und -abrechnungen in der Europäischen Union und über Zentralverwahrer im Europäischen Amtsblatt veröffentlicht.

Somit ist die am 10. Februar 2016 durch die Europäische Kommission initiierte Verschiebung von MiFID II und MiFIR seitens der europäischen Gesetzgebung final und tritt am 1. Juli 2016 in Kraft.

Weitere Level II-Maßnahme unter MiFID II: Delegierte MiFID Verordnung

Nachdem die Europäische Kommission am 7. April 2016 mit der Delegierten MiFID Richtlinie den ersten Delegierten Rechtsakt angenommen hatte, folgte am 25. April 2016 mit der Delegierten MiFID Verordnung (Anhänge) eine weitere Level II Vorgabe.

Die Delegierte MiFID Verordnung weist auf Geltungsbereich und Begriffsbestimmungen, organisatorische Anforderungen, Bedingungen für die Ausübung der Tätigkeit von Wertpapierfirmen, betriebliche Verpflichtungen für Handelsplätze, Positionsmeldungen in Bezug auf Warenderivate und Pflichten zur Bereitstellung von Daten für Datenbereitstellungsdienste hin sowie auf die zuständigen Behörden.

Die Delegierte Verordnung enthält die folgenden Klarstellungen:

  • Bedingungen für die Bereitstellung von Informationen

Zahlungskontengesetz im Bundesgesetzblatt verkündet und neue Abteilung zum Verbraucherschutz bei der BaFin eingerichtet

In unserem Beitrag vom 1. März 2016 berichteten wir bereits darüber, dass der Bundestag Ende Februar dieses Jahres zur Umsetzung der EU-Zahlungskontenrichtlinie das Zahlungskontengesetz (ZKG) verabschiedete. Das ZKG wurde nunmehr am vergangenen Montag (18. April 2016) offiziell im Bundesgesetzblatt verkündet, nachdem auch der Bundesrat diesem Gesetz Mitte März zugestimmt hat.

Das ZKG dient vor allem dem Schutz von Verbrauchern und bringt für diese bedeutsame Neuerungen mit sich. So müssen Banken ab Juni 2016 jedem Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU (einschließlich Personen ohne festen Wohnsitz und Asylsuchende) die Eröffnung eines sogenannten Basiskontos, d.h. eines Zahlungskontos auf Guthabenbasis mit grundlegenden Funktionen wie Ein- oder Auszahlungsgeschäft sowie Lastschrift- und Überweisungsgeschäft, anbieten.

PanamaPapers

Die Enthüllungen um die Geschäftstätigkeit der Kanzlei Mossack-Fonseca, losgetreten durch einen anonymen Tippgeber, beweisen einmal mehr, wie wichtig ordnungsgemäß funktionierende Geldwäschepräventionsmaßnahmen innerhalb eines Instituts sind.

Die den Medien zugespielten Unterlagen wurden von der SZ gemeinsam mit dem International Consortium for Investigative Journalists (ICIJ) ausgewertet. Am 3. April 2016 wurden erste Ergebnisse zeitgleich in mehreren Ländern veröffentlicht. Seitdem kommen täglich neue Erkenntnisse ans Tageslicht, wobei große wie kleine Banken im Zusammenhang mit über die Kanzlei Mossack Fonseca vermittelten Offshore-Firmen genannt werden. Der Reputationsschaden für die betroffenen Häuser ist derzeit kaum abschätzbar.

Aktionsplan der EU Kommission zur Intensivierung der Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung

Die terroristisch motivierten Anschläge in den vergangenen Monaten haben die EU Kommission auf den Plan gerufen. Die EU hat sich auf ein entschlossenes und koordiniertes Vorgehen verständigt, um dem Terrorismus den Kampf anzusagen. Bereits im Dezember 2015 schlug die EU Kommission eine Richtlinie zur Terrorismusbekämpfung vor. Im Februar 2016 wurde der Aktionsplan zur Intensivierung der Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung von der EU Kommission vorgestellt.

Neben der Identifizierung der Art und Weise der Finanzierung terroristischer Netzwerke muss die Austrocknung der Finanzströme und Entziehung der finanziellen Mittel Ziel im Kampf gegen den Terrorismus sein. Den Terroristen müssen die Optionen für die Finanzierung ihrer Aktivitäten entzogen werden.