BaFin-Rundschreiben 3/2017 (GW) zum Videoidentifizierungsverfahren vom 10. April 2017

Das von der BaFin veröffentlichte Rundschreiben zum Videoidentifizierungsverfahren (3/2017) betrifft nicht nur die Banken, sondern auch Versicherungen und alle anderen Verpflichteten nach dem Geldwäschegesetz, die unter der BaFin-Aufsicht stehen und für die das Videoidentifizierungsverfahren in Frage kommt.

Das Rundschreiben berücksichtigt aktuelle Anforderungen an die Sicherheit und Praktikabilität derartiger Verfahren und ersetzt Ziffer III des Rundschreibens 1/2014 vom 5. März 2014. Das Rundschreiben 4/2016 vom 10. Juni 2016 wird aufgehoben.

Die BaFin fordert in ihrem aktuelle Rundschreiben die Adressaten des Schreibens auf, die Verfahren zur Videoidentifizierung bei begründetem Anlass (z.B. bei Bekanntwerden von Sicherheitsvorfällen), spätestens jedoch drei Jahre nach Inkrafttreten zu überprüfen, ob die gewählte Verfahrensweise den geldwäscherechtlichen Anforderungen und dem technischen Fortschritt entspricht und im Hinblick auf die gemachten Erfahrungen als ausreichend angesehen wird oder Anpassungen vorzunehmen sind.

Es werden unter anderem folgende Maßnahmen zur Überprüfung der zu identifizierenden Person eingeführt:  

  • Der Mitarbeiter muss sich durch psychologische Fragestellungen und Beobachtungen während der Durchführung des Identifizierungsvorgangs von der Plausibilität der Angaben im Ausweisdokument, der Angaben der zu identifizierenden Person im Gespräch sowie der vorgegebenen Absicht der zu identifizierenden Person überzeugen (z.B. Fragen nach dem Alter der Person)
  • Die Mitarbeiter werden geschult um zweifellos erkennen zu können, dass die zu identifizierende Person nach eigenem Willen das jeweilige Produkt beim entsprechenden Anbieter erwirbt (Gefährdung durch Phishing, Social Engineering, Verhalten unter Druck durch zweite Person etc.).  

Es dürfen nur Ausweisdokumente zur Videoidentifizierung verwendet werden, die über ausreichend fälschungssichere, im Weißlicht visuell und bei Bildübertragung mittels verfügbarer Technik ausreichend deutlich erkennbare und damit prüfbare Sicherheitsmerkmale sowie über einen maschinenlesbaren Bereich verfügen. Die optischen Sicherheitsmerkmale des Ausweisdokuments wurden ferner konkretisiert (z.B. Hologramme, Identigram etc.).

Die Regeln zur Identifikation von Neukunden anhand öffentlich verfügbarer Informationen im Internet oder sozialen Netzwerken wurden abgeschafft. Ebenso besteht das Erfordernis der Referenzüberweisung nicht mehr.  

Das Rundschreiben 3/2017 (GW) tritt am 15.06.2017 in Kraft.

 

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