MaRisk-Novelle 2017 – Auslagerungen: Die Herausforderungen für Leasinggesellschaften im Zuge der Neufassung des AT 9 MaRisk

Die Aufsicht beabsichtigt mit der Neufassung des AT 9 MaRisk eine effektivere Steuerung und Überwachung der Auslagerungen zu gewährleisten, um Störungen im Betriebsablauf im Zusammenhang mit Auslagerungen entgegenzuwirken. Welche wesentlichen Änderungen vorgenommen wurden und welche Herausforderungen daraus für Leasinggesellschaften resultieren, ist im Nachfolgenden dargestellt.

I. Definition & Abgrenzung nach AT 9 Tz. 1 MaRisk n.F.
Anpassung bzw. Veränderung Herausforderung für Leasinggesellschaften
  • Auslagerungstatbestand ist unabhängig von der möglichen zivilrechtlichen Ausgestaltung der (Auslagerungs-) Verträge, wobei die Auslagerungsdefinition zunächst nicht durch den einmaligen oder gelegentlichen Fremdbezug von Gütern und Dienstleistungen erfüllt ist
  • Unterstützungsleistungen für bezogene Software des Risikomanagements bzw. der Kerngeschäftssysteme sind fortan generell als Auslagerung zu verstehen
  • Validierung bestehender Auslagerungs- und Abgrenzungsdefinitionen sowie ggf. Anpassung von Prozessen bzw. der schriftlich fixierten Ordnung.

→ Grundlage für die Einstufung ist dabei der Vertragsinhalt und nicht die rechtliche Vertragsgestaltung z.B. in Form von Werkverträgen

  • Analyse der externen Unterstützungsleistungen für risikomanagementrelevante IT und Kerngeschäftssysteme

 

II. Auslagerbarkeit der Kontrollbereiche AT 9 Tz. 5 MaRisk n.F.
Anpassung bzw. Veränderung Herausforderung für Leasinggesellschaften
  • Vorhalten fundierter Kenntnisse und Erfahrungen im Unternehmen als Auslagerungsvoraussetzung, um wirksame Überwachung sowie ggf. effektives Re-Insourcing zu gewährleisten
  • Grundsätzlich keine Vollauslagerung der besonderen Funktionen möglich

Ausnahmen:

RisikocontrollingFunktion: bei nicht wesentlichen Tochterunternehmen innerhalb einer Institutsgruppe

Compliance-Funktion sowie Interne Revision: nur bei kleinen Instituten

  • Auf- und Ausbau von Kompetenzen innerhalb des Unternehmens (trotz Auslagerung) bedeutet i.d.R. höheren Ressourcen- und Schulungsbedarf.

 

 

  • Umfangreicher Bedarf an eigenen Ressourcen für wesentliche Tochterunternehmen und mittelgroße bzw. große Leasingunternehmen (vorhalten von Abteilungen, Schulungsmaßnahmen u.ä.)

 

 

III. Exit-Prozesse & Handlungsoptionen AT 9 Tz. 6 MaRisk n.F.
Anpassung bzw. Veränderung Herausforderung für Leasinggesellschaften
  • Festlegung sog. Exit-Prozesse – soweit sinnvoll und möglich – sowie entsprechender Handlungsoptionen für unbeabsichtigte oder unerwartete Beendigungen von wesentlichen Auslagerungen

Ausnahmen:

Gruppen- und verbundinterne Auslagerungen: Keine Notwendigkeit zur Erstellung von Exit-Prozessen

  • Definition von Exit-Prozessen – soweit sinnvoll und möglich – unter Berücksichtigung der Aspekte:

o  Aufrechterhaltung von Kontinuität und Qualität der ausgelagerten Aktivitäten und Prozesse

o  Wiederherstellung in angemessener Zeit

  • regelmäßige und anlassbezogene Überprüfungen der Handlungsoptionen

 

IV. Zentrales Auslagerungsmanagement AT 9 Tz. 12 f. MaRisk n.F.
Anpassung bzw. Veränderung Herausforderung für Leasinggesellschaften
  • Einrichtung eines zentralen Auslagerungsmanagement abhängig von Art, Umfang, Komplexität der Auslagerungen
  • Erstellung eines jährlichen Reportings an die Geschäftsleitung über die institutsinterne Bewertung der Dienstleistungsqualität des Auslagerungsunternehmens
  • Überprüfung ggf. vorhandener Prozesse sowie Weiterentwicklung bestehender Methoden und Verfahren für ein angemessenes Auslagerungsmanagement
  • Festlegung von Qualitätskriterien sowie Prüfung der Verfügbarkeit der Daten zur Erfüllung der Anforderungen an das Reporting

 

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