Öffentlicher Nahverkehr: Evolution in kleinen Schritten

Die Städte sind im Wandel von der analogen in die digitale Welt. Dieser Wandel beeinflusst alle urbanen Lebensbereiche, wie wir wohnen, lernen, arbeiten, einkaufen, uns erholen oder uns fortbewegen. Im Rahmen unserer Studie „Digital mobil in Deutschlands Städten“ möchten wir Ihnen heute den digitalen Entwicklungsstand im Öffentlichen Nahverkehr vorstellen.

Digitalisierung eröffnet große Chancen für den ÖPNV
Digitale Technologien erlauben es, in den Bereichen Angebot und Betrieb völlig neue Wege zu gehen und so die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der öffentlichen Verkehrsunternehmen und -verbünde zu steigern. Die Digitalisierung ermöglicht vor allem individuellere Lösungen: Das Angebot kann bedarfsgerecht auf die Anforderungen der Kunden zugeschnitten werden. Fahrplaninformation in Echtzeit, dynamische Routenvorschläge und Fahrpläne, neue flexible Tarifstrukturen mit Best-Preis-Garantien sowie vielfältige mobile Bezahlmöglichkeiten steigern den Kundennutzen und damit auch die Kundenzufriedenheit.

Die Auswertung von Fahrgastdaten mit Hilfe von Big Data Analytics kann zur Optimierung der Fahrzeugauslastung und einem effizienterem Personaleinsatz genutzt werden. Darüber hinaus können Wartezeiten reduziert, Überfüllung vermieden und gleichzeitig die Sicherheit erhöht werden.

Neue Wettbewerber im Markt
Die Digitalisierung ermöglicht völlig neue Geschäftsmodelle im öffentlichen Verkehr, wodurch vermehrt technologiegetriebene Wettbewerber in den Markt treten. Unternehmen wie Uber beschäftigen sich mit der Frage, wie sie die Mobilität in den Städten revolutionieren können. Aber auch BMW oder Mercedes beschäftigen sich mit Konzepten wie „Carsharing“.

Die Beförderungsmöglichkeiten von A nach B sind heute vielfältiger als vor ein paar Jahren. Die Wachstumszahlen von Car- und Ridesharing-Angeboten zeigen, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird. Für ÖPNV stellt dieser Trend eine Herausforderung dar, die sie mit eigenen wettbewerbsfähigen und integrierten Angeboten stemmen müssen.

Einflussfaktoren auf den ÖPNV
Die folgenden vier Trends beziehungsweise Einflussfaktoren beeinflussen den ÖPNV maßgeblich:

Umstieg auf Elektromobilität
Elektromobilität bietet die Möglichkeit, die bislang noch mit fossilen Kraftstoffen betriebenen Verkehrsmittel des ÖPNV durch eine umweltschonendere Alternative zu ersetzen. Die großen Flotten der dieselbetriebenen Busse stellen hierbei das größte Optimierungspotenzial dar.

Von hohen Anschaffungskosten bis zu (noch) kurzen Reichweiten – Die Hürden für den flächendeckenden Einsatz von Elektrobussen sind vielfältig. Die Kölner Verkehrsbetriebe experimentieren in Kooperation mit Rheinenergie mit Ladung an Haltestellen über Stromabnehmer im Dach. Somit können die Stopps gleichzeitig zur Ladung genutzt werden. Fahrverbote für Dieselfahrzeuge im öffentlichen Verkehr können als zusätzlicher Akzelerator auf diesen Transformationsprozess wirken.

Einfluss von Sharing
Carsharing ist mittlerweile in vielen deutschen Städte angekommen prägt, insbesondere in größeren Städten das Bild der Innenstädte. Wesentlicher Treiber sind Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Die Zugangsbarrieren für spontanes, kurzeitiges Anmieten von Autos, Stadtrollern oder Fahrrädern sinken durch digitale Zahlungssysteme. Den ÖPNV stellt diese Entwicklung vor neue Herausforderungen. Sie müssen die Angebote Dritter in das eigene Angebot integrieren oder eigene Angebote schaffen, um mit dem Wettbewerb mithalten zu können. Die Kommunen sind hierbei gefordert. Sie können durch planerische und regulatorische Eingriffe dafür sorgen, dass sich die neuen Marktteilnehmer nicht die lukrativen Verkehre heraussuchen und es zu einer Degradierung des ÖPNV zum Dienstleister auf unrentablen Strecken kommt.

Nutzung von Echtzeitdaten
Echtzeitdaten sind die Grundlage für die Erweiterung eigener Kunden-Apps. Hierdurch können die Nutzer aktuelle Live-Informationen abrufen sowie nutzungsgerechte Routenplanung und Abrechnungssysteme nutzen. Die gezielte Fahrgast- und Verkehrsstromsteuerung kann mit Hilfe der Vernetzung von Verkehrsmittel sowie Infrastrukturen gesteuert werden.

Für eine effektive Fahrgaststeuerung müssen die Anbieter nicht nur wissen, wie sich Ihre Kunden von Haltestelle zu Haltestelle bewegen, sondern vielmehr wie die Wege von Tür-zu-Tür gestaltet sind. Aus der genauen Position und Bewegung im Netz und die Information darüber, welche Verkehre, Linien und Einrichtungen genutzt werden können wichtige Ableitungen getroffen werden.

Autonomes Fahren
Autonomes Fahren bietet auch für den ÖPNV große Chancen: Personalkosten werden eingespart, Unfälle und Ausfälle durch menschliches Versagen werden minimiert. Eine Automatisierung des schienengebundenen Verkehrs ist dabei leichter und frühzeitiger umzusetzen als autonom fahrende Busse.
Seit 2008 verkehrt in Nürnberg beispielsweise die U-Bahn auf bestimmten Linien vollständig fahrerlos – und mit einer nahezu hundertprozentigen Pünktlichkeit. Die Deutsche Bahn testet zudem auf dem EUREF-Campus in Berlin einen autonom fahrenden Minibus. In Zukunft wird das autonome Fahren auch neuen, mobilitätseingeschränkten Personengruppen den Zugang zur individuellen Mobilität ermöglichen. Der Einfluss dessen auf die ÖPNV-Unternehmen ist derzeit noch unklar und bleibt abzuwarten.

Weitere Ergebnisse zu dem digitalen Entwicklungsstand der deutschen Städte erfahren Sie hier: http://www.pwc.de/mobilitaetsstudie2017

 

Ansprechpartner:

Felix Hasse
Partner
Tel.: +49 211 981-1234
E-Mail: felix.hasse@de.pwc.com

Michael Jahn
Senior Manager
Tel.: +49 211 981-1871
E-Mail: michael.jahn@de.pwc.com

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