Kategorie: Basel III

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Regulatory Roadshow 2017 – PwC lädt ein zum Regulatory BBQ im Regulatory Saloon

Auch in 2017 bleibt das Thema „Bankenregulierung“ in Europa in Bewegung. Der Baseler Ausschuss steht kurz vor dem Abschluss der Arbeiten für die Finalisierung von Basel III („Basel IV“). Zudem hat die Europäische Kommission im November 2016 erste Entwürfe für die Umsetzung verschiedener Baseler Vorschriften zu Basel III/Basel IV, wie z. B. die Regelungen zur Überarbeitung der Marktrisiken („FRTB“) oder den Standardansatz für Kontrahentenrisiken veröffentlicht. Somit hält Basel IV Einzug in europäisches Bankenaufsichtsrecht. Des Weiteren steht die Veröffentlichung der neuen MaRisk unmittelbar bevor und auch die EBA hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von wichtigen Guidelines und RTS veröffentlicht. Darüber hinaus geht die „TRIM-Exercise“ der Europäische Zentralbank in die nächste Phase.

Banken stehen damit vor der Herausforderung, die Folgen neuer Regulierungsanforderungen auf ihre Geschäftsmodelle abzuschätzen, sich auf die europäische Umsetzung erster Anforderungen einzustellen und gleichzeitig die neuen Veröffentlichungen der EBA zu berücksichtigen.

Wir laden Sie herzlich zu unserer Regulatory Roadshow 2017 ein. Wir bieten Ihnen eine kompakte Übersicht über die anstehenden Vorhaben auf Baseler und europäischer Ebene, dem aktuellen Stand zu dem Thema MaRisk sowie den neuen Entwicklungen im Bereich SSM, SREP und TRIM.

Unser Regulatory BBQ 2017 steht unter dem Motto:

Welcome to the Regulatory Saloon

  • High noon in Basel City:

Die Finalisierung von Basel IV

  • Zwei glorreiche Halunken – CRR II und CRD V:

Die Umsetzung von Basel in der EU kommt

  • Sein Name ist Nobody

Offenlegung: die neue große Herausforderung

  • Für ein paar Dollar mehr:

ICAAP, ILAAP, SREP, IRRBB, MaRisk

  • Wild, wild IRBA –

Vier Fäuste für Basel: PD, LGD, EaD und CCF

  • EBA Unchained:

    Future of IRB

  • Spiel mir das Lied von TRIM

  • Die glorreichen Neun

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen IFRS und Aufsichtsrecht

  • Der Schatz im Silbersee

Data Analytics

Lassen Sie sich von unseren Experten umfassend über die künftigen aufsichtsrechtlichen Anforderungen informieren – wir freuen uns auf Sie!

Termine und Veranstaltungsorte

04.05.2017, Berlin

11.05.2017, Frankfurt a. M.

29.05.2017, Stuttgart

12.06.2017, Hamburg

14.06.2017, Hannover

20.06.2017, Frankfurt a. M.

04.07.2017, Düsseldorf

11.07.2017, München

Die Teilnahme ist für Sie kostenfrei. Wir würden uns freuen, Sie auf unserer Veranstaltung begrüßen zu dürfen.

International venues

We look forward to meeting you also in:

The Netherlands (Amsterdam)

Greece (Athens)

Romania (Bucharest)

Ireland  (Dublin)

Turkey (Istanbul)

United Kingdom (London)

Luxembourg (Luxembourg)

Spain (Madrid)

Italy (Milano)

France (Paris)

Latvia (Riga)

Sweden (Stockholm)

Poland (Warsaw)

Austria (Vienna).

Detailed information on our international Roadshow 2017 is available on request.

Anmeldung

Bitte melden Sie sich online über www.pwc-events.com/basel4-Roadshow zur Veranstaltung an. Es öffnet sich eine Webseite mit weiteren Veranstaltungsinformationen.

Wir freuen uns, Sie bei unserem Regulatory BBQ 2017 begrüßen zu dürfen.

Herzlichst,

Ihr Martin Neisen

Global Basel IV Leader

Further enhancements of the Basel framework („Basel IV“) – auf einen Blick und aktualisiert

Offiziell geht es um die Finalisierung von „Basel III“ – nach Meinung vieler Bankenvertreter reichen die Anforderungen des Baseler Ausschusses inzwischen aber so weit, dass in der Branche längst von „Basel IV“ die Rede ist.

Was genau aber fällt unter dieses Stichwort? Welche neuen Vorschriften kommen in den nächsten Monaten und Jahren auf die Banken zu?

Unser Basel IV-Poster bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über alle anstehenden Regulierungsmaßnahmen des Baseler Ausschusses im Zusammenhang mit Basel IV – vom „Capital Floor“ bis zum „SA-CCR“, von den neuen Verbriefungsregeln bis hin zur CVA Capital Charge. Das Poster zeigt die gesetzlichen Grundlagen, benennt die relevanten Baseler Papiere und verdeutlicht die Verbindungen zwischen den einzelnen Regelungen untereinander. Die jetzt vorliegende 2. aktualisierte Auflage haben wir um Hinweise ergänzt, welche Regulierungsmaßnahmen sich innerhalb der Europäischen Union bereits in der Umsetzung befinden.

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Sie erhalten hiermit eine kompakte Übersicht aller im Zusammenhang mit „Basel IV“ stehenden regulatorischen Aktivitäten.

Kostenfrei bestellbar in englischer Sprache unter folgenden Links:

Weitere Informationen aus der Welt von Basel IV finden Sie auch hier: „Basel IV!? – The next generation of RWA“.

Mehr Aufsichtsrecht „auf einen Klick“ gibt es in unserer Recherche-Applikation PwCPlus.

EU Kommission veröffentlicht Entwürfe zu CRD V, CRR II und BRRD – Teil 1: Finalisierung von Basel III

Am Mittwoch, den 23. November 2016, hat die EU Kommission erste Entwürfe der überarbeiteten Fassungen der Capital Requirements Directive (CRD V), Capital Requirements Regulation (CRR II) und der Bank Recovery and Resolution Directive (BRRD) veröffentlicht. Die drei Dokumente bilden die Ausgangsbasis für die sich anschließenden Verhandlungen mit dem EU Parlament und dem Rat und erlauben einen ersten Ausblick auf die regulatorischen Herausforderungen für die Jahre nach 2017.

Inhaltlich lassen sich die vorgesehenen Änderungen der CRR einerseits nach Themen unterscheiden, die als Finalisierung von Basel III klassifiziert werden können. Dies umfasst z.B. die Einführung einer verbindlichen Mindestquote für die Leverage Ratio und die Net Stable Funding Ratio (NSFR) oder die Ergänzung der Regelungen für die Sanierung und Abwicklung von Instituten um die Vorgaben zur Total Loss Absorbing Capacity (TLAC) für global systemrelevante Banken. Darüber hinaus enthalten die Entwürfe andererseits Anpassungen, die inhaltlich dem Thema Basel IV zuzurechnen sind, beispielsweise die Einführung eines Standardverfahrens für Kontrahentenrisiken, die Neufassung der Regelungen für Marktpreisrisiken im Rahmen des Fundamental Review of the Trading Book („FRTB“) oder auch Regelungen für Investmentfonds. Im Vergleich zu bisherigen Umsetzung von Regelungen aus Basel ist zu erkennen, dass dem Thema der Proportionalität deutlich mehr Bedeutung beigemessen wird, um insbesondere den zahlreichen kleineren Instituten in der EU entgegen zu kommen.

Eine Einführung der Regelungen ist nicht vor dem Jahr 2019 zu erwarten. Gleichzeitig enthalten die Vorschläge bereits heute teilweise erhebliche Übergangsregelungen, sodass die vollumfängliche Umsetzung bis weit über das Jahr 2020 hinausgehen wird.

Hinsichtlich der Umsetzung ist zu berücksichtigen, dass wesentliche Sachverhalte von Basel IV wie die Neufassung des Kreditrisiko-Standardansatzes, Änderungen im Bereich der IRB-Ansätze und insbesondere die Festlegung eines „Floors“ für die Effekte aus der Anwendung des IRB auf Baseler Ebene bisher noch nicht final verabschiedet sind. Diese Themen sollen nach einer Finalisierung auf Baseler Ebene über einen weiteren Änderungsentwurf der CRR umgesetzt werden, der zeitlich voraussichtlich noch etwas weiter in der Zukunft liegen wird.

Dieser Blog-Beitrag befasst sich mit der Finalisierung der Basel III–Regelungen, die in dem Entwurf der CRR enthalten sind. Weitere Teile, die in den kommenden Tagen veröffentlicht werden, richten den Fokus auf die Themen Sanierung und Abwicklung sowie Basel IV.

1. Feste Vorgabe einer Net Stable Funding Ratio (NSFR)

Neben der kurzfristigen Liquiditätsdeckungsquote („LCR“) stellt die Einführung einer langfristigen Verschuldungsquote „Net Stable Funding Ratio (NSFR)“ die zweite wesentliche Komponente der im Rahmen von Basel III auf Baseler Ebene eingeführten Liquiditätsvorschriften dar. Im Gegensatz zu Basel enthält die aktuelle CRR lediglich die Vorgabe, einzelne Positionen zu ermitteln und zu melden, ohne konkrete Quoten vorzugeben (dazu auch unser Regulatory Blog Beitrag: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 2: Finales Papier des Baseler Ausschusses zur Net Stable Funding Ratio“ vom 05. November 2015). Der Entwurf der CRR II enthält einen neuen Abschnitt in Teil sechs (Liquidität), der die Einführung einer verbindlichen Mindestquote im Bereich der NSFR vorsieht. Im direkten Vergleich mit den Baseler Vorschriften ergeben sich keine wesentlichen Unterschiede.

Die NSFR errechnet sich als Verhältnis der verfügbaren stabilen Refinanzierung (available stable funding, ASF) zu der benötigten stabilen Refinanzierung (required stable funding, RSF). Neben diesen grundsätzlichen Vorgaben enthält die CRR II Anforderungen an die genaue Ermittlung von ASF und RSF.

2. Leverage Ratio von 3%

Die im Rahmen von Basel bereits festgelegte Mindest-Verschuldungsquote in Höhe von 3 % wird auch in der überarbeiteten CRR in gleicher Höhe von 3% übernommen. Ein zusätzlicher Aufschlag für global systemrelevante Banken ist, auch auf Baseler Ebene, noch in Diskussion. Zudem sind die zuständigen Aufsichtsbehörden für die Beaufsichtigung der Grundsätze und Prozesse der Institute zur Steuerung der Verschuldung verantwortlich und können auf dieser Basis zusätzliche Aufschläge auf die Leverage Ratio festlegen.

Analog zu den Baseler Vorgaben werden derivative Geschäfte über einen leicht abgewandelten Standardansatz für Kontrahentenrisiken (SA-CCR) abgebildet. Die Änderungen beziehen sich auf Einschränkungen bei der Berücksichtigung von Sicherheiten. Es ist somit erforderlich, dass Banken den SA-CCR – zumindest in Komponenten – für die Zwecke der Leverage Ratio noch einmal parallel berechnen.

Im Rahmen der aktuellen CRR wurde bereits darauf hingewiesen, dass den Auswirkungen einer Verschuldungsquote auf Geschäftsmodelle von Banken mit anscheinend geringerem Risiko besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden soll. Um bestimmte negative Auswirkungen zu vermeiden, sieht die CRR II vor, öffentliche Förderkredite von Förderbanken, Durchleitungsdarlehen und öffentlich garantierte Exportkredite unter bestimmten Bedingungen von der Berücksichtigung in der Leverage Ratio-Berechnung auszunehmen.

Weitere Änderungen der CRR beinhalten Themen, die auch Gegenstand des Baseler Konsultationspapiers zur LeverageRatio (BCBS 365) sind (dazu unser Regulatory Blog Beitrag: „Baseler Papier zur Überarbeitung der Regelungen für die Leverage Ratio“ vom 13. April 2016).

Zusammenfassend ist festzustellen, dass auch im Bereich der Leverage Ratio noch weiterer Umsetzungsbedarf besteht. Darüber hinaus stellt Einhaltung einer Leverage Ratio von 3 % für viele Banken eine Herausforderung dar und führt dazu, dass die Leverage Ratio als ein weiterer KPI in die Gesamtbanksteuerung aufzunehmen ist.

3. Weitere Änderungen

Privilegierung von Forderungen

Während die aktuellen Regelungen aus Basel keine gesonderte Behandlung für Forderungen an kleinere und mittlere Unternehmen („KMU“) vorsehen, wurde in der CRR ein so genannter „KMU-Faktor“ in Höhe von 0,7619 eingeführt. Die im Rahmen des KSA oder IRB ermittelten Eigenkapitalanforderungen für KMU werden mit diesem Faktor multipliziert, um die in der CRR damals neu eingeführten Kapitalpuffer – zumindest teilweise – zu kompensieren. Die Verwendung des Faktors ist allerdings auf KMU eingeschränkt und betraglich auf ein Gesamtexposure gegenüber dem KMU in Höhe von EUR 1,5 Mio beschränkt. Auf Baseler Ebene ist aktuell im Rahmen der Neufassung des Kreditrisiko-Standardansatzes erstmalig eine Privilegierung von Forderungen an KMU über eine Anrechnung in Höhe von 85 % vorgesehen, diese soll allerdings ohne betragliche Begrenzung erfolgen.

Der Entwurf für die neue CRR sieht nach wie vor für Kredite mit einem Gesamtvolumen bis zu 1,5 Mio EUR einen SMESupporting Factor in Höhe von 76,12% vor. Die leichte Verringerung des Faktors gegenüber dem heutigen Stand ist vermutlich nicht durch die Kommission beabsichtigt. Darüber hinausgehende Beträge werden wie folgt privilegiert:

  • Positionen von bis zu 1,5 Mio EUR an risikogewichteten Aktiva (RWA) erhalten weiterhin den supporting factor in Höhe von 76,12%
  • Ein hierüber hinausgehender Anteil einer Forderung erhält einen supporting factor von 85%.

In der Anpassung dieses Faktors ist bereits eine Berücksichtigung von „voraussichtlichen“ Anpassungen des Kreditirisko-Standardansatzes in Basel zu sehen. Es wird somit nicht zu einer „doppelten Berücksichtigung“ des KMU-Faktors kommen, sondern zu einer Erweiterung der bisherigen Regelungen um das „Element aus Basel IV“ für Beträge ab EUR 1,5 Mio EUR RWA. Im Vergleich zu den Baseler Vorgaben sind die Regelungen auf der Ebene der CRR somit sowohl materiell (teilweise 76,12 % statt 85 %) als auch hinsichtlich des Anwendungsbereiches (KSA und IRB statt nur KSA) vorteilhafter als Basel.

Neben der Ausweitung des KMU-Faktors enthält der Entwurf für die CRR eine weitere Form der Privilegierung, zu der es keine direkte Vorgabe aus Basel gibt. Für bestimmte Positionen zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten und anderen öffentlichen Vorhaben wird es ohne betragliche Begrenzung einen weiteren „supporting factor“ in Höhe von 75% geben, der sowohl für KSA als auch für IRB-Positionen anwendbar ist. Unter die Privilegierung fallen Finanzierungen, die die folgenden Anforderungen erfüllen:

  • Die Positionen sind den Forderungsklassen Unternehmen oder Spezialfinanzierungen zuzuordnen und nicht ausgefallen
  • Bestimmte Anforderungen ähnlich den Vorgaben für Spezialfinanzierungen, aber angepasst auf öffentliche Aufträge, werden erfüllt
  • Die vertraglichen Vereinbarungen stellen Einflussrechte des Kreditgebers sowie die Kreditqualität sicher
  • Anforderungen an die Qualität und das Risikomanagement des Projekts, seine Entwicklung und die operationelle Phase sind erfüllt
  • Zudem sieht die CRR II spezifische Kriterien für den Typ des Objekts und die erzeugten Zahlungsströme vor

Aufsichtsrechtliches Meldewesen

Für kleinere Institute sind im Rahmen des Entwurfs der CRR im aufsichtsrechtlichen Meldewesen nach Art. 99 Erleichterungen hinsichtlich der Meldeintervalle vorgesehen. Institute mit einer Bilanzsumme von bis zu 1,5 Mrd. EUR müssen einige COREP- und FINREP-Meldungen nur noch jährlich einreichen. Darüber hinaus wird die EBA beauftragt, bis zum 31.12.2019 im Rahmen eines Reports an die EU-Kommission die Kosten für die Implementierung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben bei den Banken zu ermitteln. Weiterhin werden durch die CRD V bestimmte Institute, die von EU Mitgliedsländern gegründet wurden und die der Finanzierung öffentlicher Aufgaben dienen, unter bestimmten Bedingungen vom Anwendungsbereich ausgenommen. Hierbei wird unter anderem auf die Bilanzsumme abgestellt. Insoweit fallen Institute, die von der EZB beaufsichtigt werden (SSM-Banken) nicht unter diese Ausnahmeregelungen.

Offenlegungsvorschriften

Im Bereich der Offenlegungsvorschriften lässt sich ebenfalls das von der Kommission verfolgte Proportionalitätsprinzip gut erkennen. In Abhängigkeit der Größe und Komplexität der Institute wird der Umfang und die Frequenz der Offenlegung angepasst werden. Hierzu werden Institute in drei Klassen unterteilt (große, kleine und andere Institute). Für diese Klassen kommen jeweils unterschiedliche Offenlegungsumfänge und -frequenzen zur Anwendung. Darüber hinaus wurden in Bezug auf die vorzunehmenden inhaltlichen Angaben weitere Präzisierungen und Angleichungen an die Baseler Vorschriften vorgenommen. (dazu auch Regulatory Blog Beitrag: „EBA Entwurf zu den Leitlinien für die Offenlegung unter Teil 8 der CRR“ vom 12. August 2016).

IFRS 9

Aufgrund der Einführung von IFRS 9 ist davon auszugehen, dass sich insbesondere in Bezug auf den Umfang der zu bildenden Risikovorsorge gegebenenfalls Änderungen erhebliche Änderungen geben wird, die sich auch auf die aufsichtsrechtlichen Kapitalquoten auswirken werden. (dazu auch unser Regulatory Blog Beitrag: „An der Schnittstelle zwischen IFRS 9 und Aufsichtsrecht“ vom 06. September 2016).

In dem Entwurf der CRR II sind erste Ansätze zu finden, um gegebenenfalls entstehende „Kliff-Effekte“ aufgrund plötzlich gestiegener Rückstellungen zu vermeiden. Es ist vorgesehen, die Unterschiede zwischen dem 12-Monats Expected Loss (regulatorische Berechnung) und der bilanziellen Risikovorsorge auf Basis des Expected Loss over Lifetime über eine Rückrechnung zu kompensieren, die sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren jeweils verringert und letztendlich (analog zu den phase-in-Regelungen im Bereich der aufsichtsrechtlichen Eigenmittel) auslaufen zu lassen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt fehlen allerdings noch Hinweise, wie diese Berechnungen für Institute vorzunehmen sind, die den Kreditrisiko-Standardansatz nutzen und somit aufsichtsrechtlich keine PD bzw. EL-Werte ermitteln oder einen Wertberichtigungsvergleich durchführen.

Investment Firms und Finanzholdinggesellschaften

In Bezug auf die Behandlung von Investment Firms unterscheidet die CRR II zwischen systemrelevanten und nicht systemrelevanten Investment Firms. Während systemrelevante Investment Firms die CRR II gelten soll ist vorgesehen, dass für nicht systemrelevante Investment Firms bis Ende 2017 separate verbindliche Vorgaben für die Beaufsichtigung zu erlassen sind. Bis dahin gilt für diese die CRR in ihrer aktuellen Fassung. Auch in diesem Regelungspunkt lässt sich somit in gewissem Umfang ein Proportionalitätsprinzip erkennen.

Für (gemischte) Finanzholdinggesellschaften sind ebenfalls Änderungen hinsichtlich der Beaufsichtigung vorgesehen. Aktuell unterliegen diese Gesellschaften lediglich einer Beaufsichtigung im Rahmen der Konsolidierung, wenn sie Muttergesellschaften von CRR Instituten sind. Zukünftig ist vorgesehen, diese auch direkt zu beaufsichtigen und ihnen auch eine direkte Verantwortlichkeit für die Einhaltung der Anforderungen auf Gruppenebene zu übertragen.

Weitere Informationen

Mehr Informationen zu den EU Vorschlägen finden Sie demnächst im Regulatory Blog.

Haben Sie Fragen zu einzelnen Themen ? Hier finden Sie unsere Ansprechpartner.

Die Aufzeichnung unseres Webcasts rund um CRR II und CRD IV: „Finalisierung von Basel III und 50 % Basel IV” im Rahmen des Basel IV-Channels können Sie auf Youtube unter pwc.baselIVchannel ansehen.

Das finale Verbriefungsrahmenwerk des Baseler Ausschusses wurde durch die Kapitalanforderungen für STC Verbriefungen erweitert

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat sein finales Rahmenwerk für Verbriefungen vom Dezember 2014 um die Neuregelungen zu „einfachen, transparenten und vergleichbaren“, so genannten (simple, transparent, comparable) STC-Verbriefungen ergänzt und am 11. Juli 2016 als überarbeiteten Standard zu der regulatorischen Behandlung von Verbriefungspositionen veröffentlicht (Revisions to the securitisation framework (BCBS 374)).

Hintergrund

Den Aktualisierungen im Verbriefungsregelwerk sind zwei Veröffentlichungen aus Basel hinsichtlich der STC Verbriefungen vorausgegangen. Ziel der im Juli 2015 zusammen mit der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) veröffentlichten, finalen Kriterien für die Identifizierung der STC Verbriefungen (Criteria for identifying simple, transparent and comparable securitisations (BCBS 332)) ist es, einen Markt für qualifizierte Verbriefungen zu etablieren, der sowohl für Investoren als auch für Originatoren und andere Parteien mit treuhänderischen Verantwortungen die Vergleichbarkeit solcher Verbriefungen erhöhen soll. Zudem soll eine verstärkte Transparenz der Verbriefungsstrukturen eine zuverlässigere Einschätzung der mit diesen Strukturen verbundenen Risiken und Erträge hervorbringen.

Darüber hinaus hat der BCBS im November 2015 ein Konsultationspapier über die Kapitalunterlegung für STS Verbriefungen (Capital treatment for „simple, transparent and comparable“ securitisations – consultative document ( BCBS 343 )) publiziert. Dabei wurden die Kriterien für STC Verbriefungen vom Juli 2015 um spezifische Kapitalvorschriften für diese Transaktionen erweitert. In diesem Papier schlägt der BCBS grundsätzlich eine Reduzierung der Eigenmittelanforderungen für STC Verbriefungen vor.

Nach der Konsultationsphase und einer quantitativen Auswirkungsstudie (QIS) hat der Baseler Ausschuss die STC Kriterien und die Kalibrierung der STC-Kapitalvorschriften finalisiert (vgl. BCBS 374).

Die STC Kriterien

Die Merkmale von qualifizierten oder STC-Verbriefungen zielen darauf ab, dass die mit Verbriefungsstrukturen verbundenen Risiken durch Anforderungen an die Ausgestaltung der Struktur, der Auswahl der verbrieften Vermögenswerte (Underlyings) und an das Reporting über die Wertentwicklung verringert werden. Diejenigen „nicht-ABCP“- und „True-Sale“-Transaktionen, die diese Eignungskriterien für STC-Verbriefungen erfüllen, sollen grundsätzlich mit einem geringeren strukturellen und Modellrisiko verbunden sein. Die Änderungen sind mit dem Ziel der Neubelebung eines vertrauenswürdigen Verbriefungsmarkts verbunden. Letztlich soll damit die Unternehmensfinanzierung gefördert werden.

Im Hinblick auf die Eigenkapitalunterlegung sind STC-Verbriefungstransaktionen nur dann begünstigt, wenn sie neben den bereits genannten auch zusätzliche Kriterien erfüllen. Diese sind:

    • Die zugrundeliegenden Risikopositionen müssen zum Portfolio-Abschlussstichtag den Bedingungen des KSA entsprechen und nach Risikominderung sind die standardisierten Risikogewichte wie folgt festgelegt:
      • [40%] auf den gewichteten Durchschnittswert der gesamten Positionen im Portfolio, die durch Wohnbauhypotheken oder Garantien gesichert sind
      • [50%] auf einzelne Positionen, die durch gewerbliche Hypotheken besichert sind
      • [75%] auf einzelne Mengengeschäftspositionen
      • [100%] auf jegliche andere einzelne Positionen
    • Eine explizitere Definition der Granularität: der Anteil von Risikopositionen gegenüber einem einzelnen Schuldner an dem gesamten Pool zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Verbriefung darf 1% nicht übersteigen.

Im finalen Dokument ist eine Bedingung für die Anrechnung als STC Verbriefung, welche die Verwendung eines Third-Party-Servicer außer bei RMBS ausschließen sollte (D 17), entfallen. Die restlichen Bedingungen (A1-D16) bleiben im Wesentlichen unverändert.

Neukalibrierung der wesentlichen Parameter für die STC Verbriefungen

Die Berechnungsansätze und die Anwendungshierarchie sind gegenüber dem Konsultationspapier unverändert geblieben (Siehe hierzu den Blogbeitrag: „Baseler Ausschuss – Finales neues Rahmenwerk für Verbriefungen“ vom 22. Juli 2015). In Anlehnung an die Ergebnisse einer quantitativen Auswirkungsstudie wurden jedoch wesentliche Parameter, die in dem methodischen Rahmenwerk genutzt werden, neu kalibriert. Konkret sinkt die Risikogewichtsuntergrenze (floor) von 15% für vorrangige Verbriefungspositionen auf 10% für vorrangige STC Verbriefungspositionen. Darüber hinaus beinhaltet die Ermittlung des aufsichtlichen Parameters p für STC-Verbriefungen im SEC-IRBA nun den Faktor x, der auf 0,5 gesetzt ist, während im Konsultationspapier, Werte im Intervall [0,6; 0,8] vorgesehen waren. Im SEC-SA sinkt der aufsichtliche Parameter p von 1 für nicht-STC Verbriefungen auf 0,5 für STC-Verbriefungen ab.

Fazit

Die Änderungen der Eigenkapitalbehandlung von STC Verbriefungen privilegieren STC-konforme Transaktionen durch tendenziell geringere Risikogewichte, insbesondere für die vorrangigen Tranchen, was deren Emission ankurbeln soll. Dennoch ist das überarbeitete Regelwerk an einigen Stellen nach wie vor konservativer als das bestehende CRR-Verbriefungsrahmenwerk. Beispielsweise liegt der verringerte Floor für die Risikogewichtung von STC-Verbriefungen in Höhe von 10% dennoch über dem aktuell geltenden CRR-Mindestrisikogewicht von 7%. Institute sollten daher genauer durchrechnen, wie hoch die Auswirkungen auf die Risikogewichte bzw. Kapitalkosten infolge der Modifikationen tatsächlich sind.

Dabei ist zu beachten, dass die privilegierte Kapitalbehandlung ausschließlich für Verbriefungen zulässig ist, die die umfangreichen STC Kriterien erfüllen. Bereits die Nicht-Einhaltung einer einzigen Anforderung kann zu wesentlich höheren Risikogewichten führen und signifikant höhere Kapitalanforderungen nach sich ziehen. Die Anforderungen an die Ausgestaltung von Verbriefungsstrukturen und deren Dokumentation gewinnen insoweit weiterhin an Bedeutung.

Der Zeitplan für die Umsetzung des überarbeiteten Verbriefungsrahmenwerks wird gemäß den ursprünglichen Bestimmungen beibehalten; das Rahmenwerk soll ab dem 1. Januar 2018 in Kraft treten.

Unklar ist, welche Auswirkungen die finalen Kriterien des BCBS 374 auf die folgenden Entwürfe der Europäischen Kommission zum Verbriefungsregelwerk haben werden:

Diese beinhalten aktuell bereits eigene Kriterien zur Identifizierung von einfachen, standardisierten und transparenten (simple, transparent, standardised) oder STS-Verbriefungen, die den STC Kriterien des Baseler Ausschusses sowie auch den geringeren Kapitalanforderungen für STC-Verbriefungen ähneln. Damit setzt BCBS 374 vergleichbare Anreize, verstärkt in solche Verbriefungen zu emittieren bzw. in diese zu investieren. Es bleibt abzuwarten, in welchem Ausmaß die Anforderungen aus BCBS 374 Eingang in das finale, für das Jahr 2016 angekündigte EU-Verbriefungsregelwerk finden.

Konsultationspapier der Europäischen Kommission – Umsetzung der NSFR in der EU

Am 26. Mai 2016 hat die Europäische Kommission ein Konsultationspapier zum Thema Umsetzung der Net Stable Funding Ratio (NSFR) in der Europäischen Union (Consultation Document: On Further Considerations for the implementation of the NSFR in the EU) veröffentlicht.

Ausführliche Informationen zur NSFR finden sich im Regulatory Blog Beitrag: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 2: Finales Papier des Baseler Ausschusses zur Net Stable Funding Ratio“ vom 05. November 2015. Zudem hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht zuletzt ein lang erwartetes FAQ-Dokument zur NSFR veröffentlicht (Basel III – The Net Stable Funding Ratio: frequently asked questions (BCBS 375)).

Hintergrund

Bereits im Dezember 2015 hat die EBA in ihrer Stellungnahme zur Kalibrierung der NSFR im europäischen Kontext eine Reihe von Vorschlägen für den Umgang mit europäischen Besonderheiten konkretisiert (EBA Report on Net Stable Funding Requirements under Article 510 of the CRR (EBA/OP/2015/22)). Daneben lassen zahlreiche Rückmeldungen der Konsultation „Call for Evidence – EU Regulatory Framework for Financial Services“ („Call for Evidence“) der Europäischen Kommission den Schluss zu, dass mit Einführung der NSFR die Finanzierung der Real-Wirtschaft eingeschränkt werden könnte.

Im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens der Europäischen Kommission zur Einführung der NSFR soll die Konsultation zur Umsetzung der NSFR dazu dienen, den EBA-Report zu ergänzen sowie die Rückmeldungen des „Call for Evidence“ zu konkretisieren.

Wesentliche Inhalte

  • Auswirkungen einer NSFR Implementierung

Die EBA kommt in Ihrer Stellungnahme zu dem Schluss, dass sich die BCBS Standards zur NSFR nicht nachteilig auf die Kreditvergabe, Vermögensmärkte oder Handelsbuchpositionen von Finanzinstituten auswirken. Andererseits deuten Rückmeldungen des „Call for Evidence“ der Europäischen Kommission auf Auswirkungen u.a. auf den Bond-Märkten hin. Da möglicherweise betroffene Bankaktivitäten, Transaktionen oder Geschäftsmodelle nicht hinreichend konkretisiert wurden, bittet die Europäische Kommission neben Angaben über die erwarteten Einschränkungen um genauere Rückmeldungen zu den Effekten einer NSFR-Einführung.

  • Derivative Transaktionen

Zur Ermittlung des erforderlichen Betrags an stabiler Refinanzierung für Derivatekontrakte schlägt der BCBS NSFR Standard ein mehrstufiges Vorgehen vor, welches zur Konsultation steht: Im ersten Schritt werden Derivateforderungen bzw. –verbindlichkeiten anhand ihrer positiven bzw. negativen Wiederbeschaffungswerte bestimmt und mit erhaltenen bzw. gestellten Sicherheiten (Variation Margins) verrechnet. Im nächsten Schritt werden die ermittelten Derivateverbindlichkeiten mit den Derivateforderungen aufgerechnet. Während ein Überhang an Derivateverbindlichkeiten nicht als Quelle stabiler Refinanzierungsmittel angesehen wird, muss ein Überhang an Derivateforderungen mit stabilen Refinanzierungsmitteln unterlegt werden (RSF 100%). Zusätzlich verlangt der BCBS NSFR Standard verfügbare stabile Refinanzierung in Höhe von 20% der Derivateverbindlichkeiten vor Aufrechnung von Sicherheiten.

Die EBA unterstützt die Vorgehensweise sowie den 20%-igen RSF-Aufschlag für Derivateverbindlichkeiten, da Sicherheitennachschüsse angemessen abgebildet würden. Die Europäische Kommission sieht hingegen die Dynamik eines Derivateportfolios über ein Jahr nicht angemessen berücksichtigt, weswegen das zukünftige Funding Risiko unter- bzw. überschätzt werden kann. Derzeit prüft die Europäische Kommission die Verwendung andere Methoden zur Bestimmung des zukünftigen Funding Risikos von Derivateverbindlichkeiten und schlägt insbesondere den Standardised Approach für Counterparty Credit Risk (SA-CRR) als einen risikoorientierten Ansatz zur Konsultation vor.

  • Kurzfristige Transaktionen zwischen Finanzinstituten

Der BCBS NSFR Standard sieht eine asymmetrische Behandlung von kurzfristigen Kreditvergaben (inkl. Reverse Repos) an Finanzinstitute bzw. aufgenommene Refinanzierungsmittel (inkl. Repos) von Finanzinstituten vor. Refinanzierungsmittel mit einer Laufzeit bis zu sechs Jahren erhalten einen ASF-Faktor von 0%. Für die kurzfristige Kreditvergabe an andere Finanzinstitute wird je nach Art der Besicherung hingegen ein RSF-Faktor von 10% bzw. 15% gewählt. Die Europäische Kommission stellt diese Vorgehensweise zur Konsultation und bittet um Vorschläge für alternative Vorgehensweisen.

  • Anwendung des Proportionalitätsprinzips

Für den Anwendungsbereich der NSFR auf europäischer Ebene schlägt die Europäische Kommission ein analoges Vorgehen wie für den Anwendungsbereich der LCR vor und bittet um Rückmeldung an welchem Kriterium das Proportionalitätsprinzip ausgerichtet werden kann.

Ausblick / Fazit

Finanzinstitute sollten die Konsultation nutzen, um sich genauer mit den Auswirkungen der NSFR auf ihr Institut zu beschäftigen. Einen Überblick gibt das Poster zur Übersicht der Liquiditätsanforderungen von PwC. Es zeigt die gesetzlichen Grundlagen sowie das Zusammenspiel der einzelnen Regelungen untereinander (die Auswirkungen in den einzelnen Säulen der Bankenaufsicht), die einzuhaltenden Quoten, relevante Meldetermine und viele weitere wichtige Informationen rund um das Themengebiet Liquidität.

 

IRRBB – Update zu den finalen Standards

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 22. April 2016 die finalen Standards zu Zinsänderungsrisiken im Bankbuch veröffentlicht (Standards – Interest rate risk in the banking book (BCBS 368)).

Hintergrund

Die jetzt veröffentlichten finalen Standards sind das Ergebnis der Überarbeitung der vom BCBS 2004 erstmals festgelegten Principles for the management and supervision of interest rate risk (IRR Principles). Die seit 2004 erfolgten Veränderungen der Finanzmärkte und Aufsichtspraktiken erforderten eine Anpassung der Grundlagen für die Identifizierung, Messung, Überwachung und Kontrolle der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch. Die überarbeiteten Principles waren in 2015 Gegenstand einer Konsultation, in deren Rahmen der Baseler Ausschuss zwei Optionen zur Messung der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch vorgestellt hat: einen standardisierten Ansatz als zusätzlichen Bestandteil der Säule I sowie einen erweiterten Säule II-Ansatz, der als Teil des aufsichtlichen Überwachungsprozesses auch die Anwendung bankinterner Modelle und Messeverfahren vorsieht (ausführlich zur Konsultation: Regulatory Blog Beitrag: „Zinsänderungsrisiken im Bankbuch – Konsultation des Baseler Ausschusses“ vom 11. Juni 2015).

Die Rückmeldungen zur Konsultation haben gezeigt, dass die Formulierung eines standardisierten Messverfahrens aufgrund der Komplexität und des heterogenen Charakters der Zinsänderungsrisiken keine ausreichend genaue und risikoangemessene Kapitalanforderungen liefern kann. Insoweit sieht der Baseler Ausschuss die Zinsänderungsrisiken im Bankbuch sachgerechter im Rahmen der Säule 2 erfasst. Neben den neugefassten Principles, die sich auf die bankinternen Risikomesssysteme und Modelle beziehen, umfassen die finalen Standards des Baseler Ausschusses auch einen Standardrahmen zur IRRBB-Messung, in den die Überlegungen zum standardisierten Säule I-Ansatz aus der vorhergehenden Konsultationspapier eingeflossen sind.

Die wesentlichen Änderungen

  • Anforderungen an die internen Prozesse

Die Erwartungen an die bankinternen IRRBB-Managementprozesse im Hinblick auf die Entwicklungen der Zinsschock und –stresszenarien sind deutlich umfangreicher gegenüber den IRR Principles. Das bankinterne Messsystem umfasst einen ganzen Katalog durchzuführender Szenarien. Neben einem in Abhängigkeit vom Risikoprofil und dem internen Risikotragfähigkeits­prozess (internal capital adequacy assessment process (ICAAP)) ausgewählten Zinsschock sind auf historischen und hypothetischen Daten beruhende Zins-Stresstestverfahren durchzuführen. Weiter sind sechs verschiedene Zinsschockszenarien (Annex 2) vorgeschrieben. Dazu gehören nicht nur Szenarien mit (Zins-)Parallelverschiebungen nach oben und unten, sondern auch Short-Rate-Erhöhung und –Senkung sowie Steepener-Schocks (mit Abstieg der kurzfristigen Zinssätze und Anstieg der langfristigen Zinssätze) bzw. Flattener-Schocks (Anstieg der kurzfristigen Zinssätze und Abstieg der langfristigen Zinssätze). Darüber hinaus können weitere aufsichtlich geforderte Szenarien hinzukommen.

Weiter wurden die Schlüsselaspekte und Modellannahmen, die die Institute bei der Messung ihrer Zinsänderungsrisiken berücksichtigen sollen, näher festgelegt. Für eine Reihe von gängigen Produkten werden im Rahmen der Standards die einzubeziehenden Kennzeichen definiert. Darüber hinaus sind regelmäßige Tests und Sensitivitätsanalysen erforderlich.

  • Offenlegung

Deutlich ausgeweitet wurden auch die Anforderungen an die Offenlegung des mit dem Zinsänderungsrisiko verbunden Risikopotenzials des jeweiligen Instituts. Zum einen betrifft dies die jährlich offenzulegenden qualitativen und quantitativen Informationen im Zusammenhang mit der Beschreibung der bankinternen Zinsrisikomanagementziele und –strategien (Table A, BCBS 368). Zum anderen sind die quantitativen Auswirkungen der verschiedenen Zinsschockszenarien auf Economic Value of Equity (EVE) und Net Interest Income (NII) offenzulegen.

  • Aufsichtlicher Prüfungsprozess

Der Rahmen für die regelmäßige aufsichtliche Prüfung der Zinsänderungsrisiken und die damit verbundenen Managementprozesse der Banken wurde ebenfalls überarbeitet und transparenter gemacht: Die Faktoren, die die Aufsicht bei ihrer Prüfung berücksichtigt, werden ausführlich dargestellt.

  • Schwellenwert für „Ausreißer”-Institute

Der Schwellenwert zur Identifizierung von sogenannten Ausreißer-Instituten (outlier banks), die kein angemessenes Zinsänderungsrisikomanagement betreiben wurde gegenüber der Vorversion gesenkt. Als Ausreißer gelten Institute, bei denen die Zinsschockszenarien zu einem Verlust von 15% des CET1-Kapitals führen (vormals 20%). Ausreißer-Institute müssen mit aufsichtlichen Konsequenzen rechnen, insbesondere mit zusätzlichen Kapitalanforderungen.

  •  Standardised Framework

Den standardisierten Rahmen zur Messung der IRRBB können die Banken alternativ anwenden oder – wenn die aufsichtliche Prüfung Mängel der bankinternen Messverfahren ergibt – seitens der Bankenaufsicht dazu verpflichtet werden. Der Standardrahmen basiert bei der Berechnung der IRRBB Mindestkapitalanforderungen allein auf den Änderungen des ökonomischen Kapitals (EVE). Für die Berechnung sind 5 Schritte vorgesehen (im Einzelnen dazu die Darstellung im Regulatory Blog Beitrag: „Zinsänderungsrisiken im Bankbuch – Konsultation des Baseler Ausschusses“ vom 11. Juni 2015)

Anwendungsbereich und Umsetzung

Die Standards zu den Zinsänderungsrisiken im Bankbuch richten sich in erster Linie an international tätige Banken auf konsolidierter Ebene. Es steht den nationalen Aufsehern jedoch frei, die Anforderungen auch auf die anderen Kreditinstitute anzuwenden. Von den Banken wird erwartet, die Standards bis 2018 umzusetzen.

Auswirkungen

Die Zinsschockszenarien erfordern komplexe Berechnungsmethoden. Gleiches gilt für die innerhalb der bankinternen Messverfahren und Methoden berücksichtigenden Faktoren und Optionalitäten. Ebenso werden die erweiterten Offenlegungsanforderungen zu einem erheblichen Ressourcen- und Zeitaufwand führen.

Operationelles Risiko – Wegfall des AMA und ein neuer Standardansatz für alle Banken

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 04. März 2016 das zweite Konsultationspapier zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für operationelle Risiken veröffentlicht (Standardised Measurement Approach for operational risk – Consultative Document (BCBS 355)).

Hintergrund

Die aktuelle Konsultation baut auf dem im Oktober 2014 veröffentlichten Konsultationspapier zur Überprüfung der bisherigen Verfahren zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für operationelle Risiken (Operational risk – Revisions to the simpler approaches – Consultative Document (BCBS 291)) auf. Unter dem Titel „Standardised Measurement Approach for operational risk“ stellt es einen aktualisierten Standardansatz für die Ermittlung der Eigenmittelanforderungen für operationelle Risiken vor. Zukünftig soll ein einfacher standardisierter Ansatz die Vergleichbarkeit zwischen den Instituten sicherstellen. Zusätzlich soll die Berücksichtigung von internen Verlusten als maßgeblicher Indikator für die Berechnung der operationellen Risiken integriert werden.

Der Baseler Ausschuss plant neben der Konsultationsphase bis zum 3. Juni 2016 eine weitere QIS durchzuführen, um die in dem zweiten Konsultationspapier enthaltenen Regelungen final zu kalibrieren.

Bezüglich der bisherigen Messverfahren für das operationelle Risiko sowie deren Überprüfung im ersten Konsultationspapier verweisen wir auf unseren dazugehörigen Beitrag im Risk Blog: Weiterentwicklung des Standardansatzes für operationelle Risiken (BCBS Konsultationspapier)“.

Notwendigkeit der Anpassungen im Rahmen des zweiten Konsultationspapiers (BCBS 355)

Das erste Konsultationspapier (BCBS 291) sah vor allem die Zusammenführung der beiden bisherigen Ansätze – BIA und STA – und die damit verbundene Überarbeitung der identifizierten Schwächen durch eine neu entwickelte Berechnungsmethodik vor.

Die Abschaffung des AMA wurde seitens des Baseler Ausschusses zwar diskutiert und angekündigt, jedoch erst mit dem zweiten Konsultationspapier (BCBS 355) konkret vorgeschlagen. Die inhärente Komplexität der ambitionierten Messansätze und eine fehlende Vergleichbarkeit, bedingt durch ein breites Spektrum an internen Modellen, haben dazu geführt, dass der AMA als Berechnungsmethodik Vertrauen verloren hat und rechtfertigt letztendlich dessen Abschaffung.

Da der Revised Standardised Approach aus dem ersten Konsultationspapier jedoch erwartungsgemäß keine Alternative für AMA-Banken darstellt, berücksichtigt der Baseler Ausschuss nun im Rahmen des Standardised Measurement Approach (SMA) zusätzlich interne Verlustdaten als maßgeblichen Indikator für die Berechnung des operationellen Risikos. Darüber hinaus sollen die im Zuge der ersten Konsultationsphase identifizierten Schwächen adressiert werden. Dazu gehört insbesondere die Benachteiligung gewisser Geschäftsmodelle, die zukünftig mit Hilfe verschiedener Anpassungen vermieden werden soll. Die Funktionsweise wird nachfolgend erläutert.

Funktionsweise des überarbeiteten Standardansatzes

Die Funktionsweise basiert auf dem Grundprinzip des im ersten Konsultationspapier dargestellten Business Indicator (BI) als neuem Proxy-Indikator (inkl. der Einordnung in so genannte größenabhängige „Buckets“) und kombiniert diesen mit bankspezifischen internen Verlustdaten. Die Berechnung des BI erfolgt weiterhin auf Basis der Gewinn- und Verlustrechnung. Gemäß dem zweiten Konsultationspapier setzt sich der BI aus drei Komponenten zusammen:

  1. Zins-, Leasing- und Dividendenkomponente
  2. Servicekomponente
  3. Finanzielle Komponente

Im Vergleich zum ersten Konsultationspapier haben sich insbesondere die folgenden Änderungen ergeben:

  • Berechnung der Zins-, Leasing und Dividendenkomponente:

Im zweiten Konsultationspapier werden in der ersten Komponente zusätzlich Dividendenerträge berücksichtigt und es erfolgt eine veränderte Berücksichtigung des Leasingergebnisses. Damit greift der Baseler Ausschuss die Kritik auf, dass deren inkonsistente Behandlung zu Arbitragemöglichkeiten innerhalb des Business Indicators führen könnte.

  • Berechnung der Servicekomponente:

Der neu eingeführten Parameter uBI (Unadjusted Business Indicator) adressiert unter anderem die bisher vergleichsweise hohen Eigenmittelanforderungen in Relation zu den operationellen Risiken von Instituten mit einer hohen Nettozinsmarge. Darüber hinaus wird der höhere der beiden Posten Provisionsaufwendungen und Provisionserträge berücksichtigt. Das ist zwar günstiger als im ersten Konsultationspapier, aber noch deutlich konservativer als heute.

  • Berechnung der finanziellen Komponente:

Die Berechnungslogik der finanziellen Komponente hat sich im Vergleich zum ersten Konsultationspapier nicht verändert. Sowohl das Nettoergebnis des Handelsbuches als auch des Bankbuchs werden als Durchschnitt der letzten drei Jahre (Absolutwert) berücksichtigt.

Analog zu den Vorschlägen des ersten Konsultationspapiers, erfolgt auch beim SMA eine Unterteilung des BI in fünf Buckets, welche jeweils mit einem Koeffizienten zur Berechnung der BI Komponente versehen sind. Im Vergleich zum ersten Konsultationspapier findet aufgrund der Berücksichtigung der Verlustkomponenten keine stufenweise Anwendung der Buckets mehr statt. Die Banken berechnen ihren BI ausschließlich in „ihrem“ Bucket. Darüber hinaus erfolgte auf Basis der Ergebnisse einer Auswirkungsstudie (QIS) eine Rekalibrierung der einzelnen Buckets im Vergleich zum ersten Konsultationspapier.

Die Eigenmittelanforderungen für Banken in Bucket 1 entsprechen denen der BI Komponente. Kleinere Banken mit einem BI bis zu € 1 Mrd. müssen somit keine Verlustdaten ermitteln. Bei Banken in den Buckets 2 bis 5 resultieren die Eigenmittelanforderungen aus der Multiplikation der BI Komponente mit dem Multiplikator interner Verluste. Die Berechnungsmethodik ist allerdings so kalibriert, dass auch bei größeren Instituten die erste € 1 Mrd. des BI nicht mit dem Multiplikator interner Verluste multipliziert wird. Erste Analysen haben gezeigt, dass Institute mit Schwerpunkten im Kreditgeschäft mit einer Bilanzsumme zwischen € 20 und 40 Mrd. in den Bucket 2 fallen können.

Die Analysen des Baseler Ausschusses haben ergeben, dass das Geschäftsvolumen einer Bank nur ein Einflussfaktor auf das operationelle Risiko ist. Zur Steigerung der Risikosensitivität ist jedoch die Berücksichtigung weiterer Indikatoren unerlässlich. Auf Basis der Analysen wurden interne Verlustdaten als ein wesentlicher Indikator identifiziert, die Banken ab Bucket 2 in ihrer Berechnung des OpRisk berücksichtigen müssen.

Gemäß den Vorgaben der MaRisk (BTR 4) haben heute schon alle Banken in Deutschland zumindest wesentliche operationelle Risiken mindestens jährlich zu identifizieren und zu beurteilen. Anwender der ambitionierten Messansätze sammeln derartige Informationen zu den Verlustdaten schon jetzt auf granularer Ebene und sollten daher in der Lage sein, basierend auf vorhandenen Informationen zukünftig die Verlustkomponente zu berechnen. Die eingetretenen internen Verluste werden im Rahmen des SMA über den Multiplikator interner Verluste (MIV) berücksichtigt, welcher sich aus einer Verlustkomponente und einer BI Komponente zusammensetzt. Die Verlustkomponente unterscheidet zwischen Verlustfällen über € 10 Mio und € 100 Mio sowie geringeren eingetretenen operationellen Verlusten. In diesem Zusammenhang sind die Verlustdaten der letzten zehn Jahre in die Berechnung einzubeziehen. Während des Übergangszeitraumes gibt es die Möglichkeit, sofern die entsprechenden Daten der letzten zehn Jahre nicht vorliegen, einen mindestens fünfjährigen Zeithorizont zu berücksichtigen. Liegen auch für diesen Zeitraum keine entsprechenden Daten vor, wird das operationelle Risiko bis dahin ausschließlich basierend auf der BI Komponente kalkuliert.

Ausblick

Auf Basis der Ergebnisse der QIS soll zukünftig sichergestellt werden, dass die Kombination von Verlustkomponente und Business Indicator eine stabile Eigenmittelunterlegung für operationelle Risiken gewährleistet. Insbesondere im Rahmen der zweiten Konsultationsphase wird der Baseler Ausschuss weiter an einer sinnvollen und wirksamen Kalibrierung dieses Indikators arbeiten.

Für alle Banken, die bisher den BIA oder den STA verwendet haben und zukünftig in die Buckets 2 bis 5 fallen, werden die neuen Regelungen zu komplexeren Berechnungen der OpRisk-Anforderungen führen. Im Hinblick auf die Verlustdaten werden umfangreiche Datenerhebungen und Analysen notwendig sein. Für diese Banken wird sich durch den neuen Ansatz erstmalig ein effektives OpRisk-Management auf die Kapitalanforderungen positiv auswirken und somit kompensierend zu den tendenziell steigenden Anforderungen aufgrund der neuen Systematik wirken. Die größten Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen werden sich allerdings voraussichtlich für diejenigen Banken ergeben, die aktuell den AMA nutzen. Hier ist insbesondere aufgrund der vorgegebenen einheitlichen Ermittlung des BI eine deutliche Erhöhung der Kapitalanforderungen zu erwarten.

Auf Basis des aktuell vorliegenden zweiten Konsultationspapiers sollten sich die Banken insbesondere heute schon mit den folgenden Fragen beschäftigen:

  • Liegen alle relevanten Daten in der notwendigen Granularität vor?
  • Welche Maßnahmen müssen bereits heute schon eingeleitet werden, um mögliche steigende Kapitalanforderungen durch ein potenziell optimiertes Management operationeller Risiken zu kompensieren?

Weitere Details zur Abschaffung des AMA und zur Umsetzungsphase des Standardised Measurement Approaches kündigte der Baseler Ausschuss im aktuellen Konsultationspapier für den Jahresverlauf 2016 an.

Ihre Ansprechpartner:

Martin Neisen

Peter Büttel

Basel IV Channel: Online Einführung in Basel IV

Basel IV nimmt seit dem Erscheinen der Baseler Papiere zum neuen Standardansatz für Kreditrisiken (Revisions to the Standardised Approach for credit risk – second consultative document) und Marktrisiken (Minimum capital requirements for market risk) im Dezember 2015 und Januar 2016 Gestalt an und wird zu einem immer wichtigeren Thema für die Bankenwelt. Wir schätzen den Umfang der durch Basel IV auf die Banken zukommenden Neuerungen und Anpassungsbedarfe als weitaus größer ein als die aus Basel III resultierenden und teilweise noch in der Umsetzung befindlichen Anforderungen!

Wir sehen es als unsere Aufgabe an, Sie zeitnah und flexibel über die bereits erschienenen und noch zu erwartenden Neuerungen im Zusammenhang mit Basel IV zu informieren. Anstatt einer weiteren Flut von E-Mails oder Newslettern haben wir hierzu mit dem „Basel IV Channel“ eine moderne Form der Kommunikation gewählt.

Der Channel ist unser neues Sprachrohr, um Ihnen in regelmäßigen Abständen einen Überblick zu einem gerade aktuellen Thema rund um Basel IV zu verschaffen. Dahinter verbirgt sich eine regelmäßige Reihe von folienunterstützten Online-Vorträgen. Sie wählen sich dazu ganz unkompliziert über einen Weblink ein. Im Zeitfenster von 15 bis 30 Minuten liefern wir Ihnen in sehr kompakter Form einen Überblick zu aktuellen Themen rund um Basel IV.

Wir möchten Sie hiermit zu unserem Basel IV Channel einladen.

Unsere Serie von Veranstaltungen startet am

11. März 2016 um 15 Uhr mit dem Pilot zum Thema „Basel IV – Eine Einführung“.

Wir laden Sie herzlich ein, sich kostenfrei und unverbindlich zu dem genannten Termin über den untenstehenden Link anzumelden. Sie werden live durch die Veranstaltung geführt. Information how to follow the Webinar in english are available soon – check out on this Website. Basel IV Channel in english: April 1st, 2016

Die nächsten Termine für den Basel IV Channel sind am 8. April 2016: „Revisions to the Standardised Approach for Credit Risk – second consultative document“ und am 6. Mai 2016: „Revised Market Risk Framework Part 1: SBA – Sensitivities-Based Approach“

Wir freuen uns, Sie zu dieser neuen Reihe begrüßen zu dürfen !

Herzlichst Ihr Martin Neisen,

Global Basel IV Leader

Und hier geht es direkt zur Anmeldeseite für unseren Basel IV Channel !

 

Finalisierung des Baseler Regelwerks zum Fundamental Review of the Trading Book – Minimum Capital Requirements for Market Risk

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 14. Januar 2016 den finalen Standard zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für Marktpreisrisiken (Minimum capital requirements for market risk, BCBS 352) veröffentlicht. Damit findet die im Mai 2012 gestartete und sich über mehrere Konsultationspapiere erstreckende Diskussion über eine grundlegende Überarbeitung der Handelsbuchvorschriften („Fundamental review of the trading book“) ihren Abschluss. Das Rahmenwerk sieht eine Umsetzung auf nationaler Ebene bis Januar 2019 vor. Die Institute haben bis Ende 2019 Zeit die neuen Anforderungen umzusetzen.
Die grundsätzliche Zielsetzung des Baseler Ausschusses ist dabei seit dem ersten Konsultationspapier unverändert (dazu unser Regulatory Blog Beitrag: „Konsultation zum Handelsbuch – Baseler Ausschuss zu Marktpreisrisiken, Handelsbuchabgrenzung und Standardmethoden“ vom 15. Mai 2012)
Das finale Regelwerk enthält wesentliche Änderungen zu drei Regelungsbereichen: Handelsbuchabgrenzung, Marktpreisrisikostandardansatz und Interne Modelle für Marktpreisrisiken.

Abgrenzung des Handelsbuches

Die Definition des Handelsbuches ist insbesondere für die Ermittlung der Kapitalanforderung für Marktpreisrisiken von Bedeutung, da diese Risiken im Anlagebuch (mit Ausnahme von Fremdwährungs- und Rohwarenrisiken) nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Bislang basiert die Abgrenzung der Bücher auf der nicht ausreichend konkretisierten Definition einer Handelsabsicht. Alle Positionen, die nicht mit einer Handelsabsicht gehalten werden, sind grundsätzlich dem Bankbuch zuzuordnen. Der Baseler Ausschuss hat dieses Vorgehen im finalen Regelwerk wie folgt geändert:

  • Vorgaben für eine zwingende Zuordnung zum Handels- bzw. Bankbuch für explizit genannte Geschäftsarten bzw. wenn ein bestimmter Haltegrund gegeben ist. So sind z.B. alle Handelstischpositionen zwingend dem Handelsbuch zuzuordnen. Anteile an einem Fonds mit fehlender Durchschaumöglichkeit, nicht-börsennotierte Eigenkapitaltitel oder Derivate auf Bankbuchpositionen sind hingegen zwingend dem Bankbuch zuzuordnen.
  • Definition bestimmter Geschäfte, die der Baseler Ausschuss in begründeten und vorab genehmigten Ausnahmefällen nicht unter dem Handelsbuch sieht. Darunter fallen z.B. Anteile an Fonds mit täglicher Durchschau, Handelspositionen gemäß Rechnungslegung und börsennotierte EK-Titel. Die Aufsicht behält sich das Recht vor, jederzeit eine Umwidmung von einzelnen Positionen veranlassen zu können.
  • Begrenzung der institutseigenen Entscheidung zu Umwidmung von Positionen zwischen den Büchern. Eine Umwidmung soll grundsätzlich nur noch in Ausnahmefällen zugelassen werden.
  • Definition von Anforderungen, die an einen Handelstisch gestellt werden. So ist ein Handelstisch durch eine Gruppe von Händlern und Konten mit einer klar definierten Geschäftsstrategie und definiertem Risikomanagement gekennzeichnet. Jeder Handelstisch ist dabei vom Aufseher vorab zu genehmigen.
  • Spezifische Anforderungen an den internen Risikotransfer zwischen Anlage- und Handelsbuch.

Insgesamt wird deutlich, dass der neue Standard einen intensiveren Einbezug des Aufsehers vorsieht. Darüber hinaus erhöhen sich die Anforderungen an die Datenbereitstellung sowie die Dokumentation. Somit sind z.B. die Einstufung der Positionen und das Vorgehen bei einer Umwidmung in internen Richtlinien festzuhalten und jährlich zu aktualisieren und der Aufsicht bzw. teilweise zunächst der internen Revision zur Genehmigung vorzulegen.
Die neuen Vorgaben für die Handelsbuchabgrenzung sind auch für sogenannte Nichthandelsbuchinstitute von großer Bedeutung. Diese Institute sollten sich bereits jetzt intensiv mit den Vorgaben beschäftigen. Das betrifft sowohl die potentiellen Auswirkungen auf die derzeitige Einordnung der vorhandenen Geschäfte zum Handels-bzw. Anlagebuch wie auch die Behandlung zukünftig anstehender Aktivitäten.

Marktpreisrisikostandardansatz

Im Vordergrund des überarbeiteten Marktpreisrisikostandardansatzes steht vor allem die erhöhte Berücksichtigung der Risikosensitivität. Die finalen Anforderungen zeigen, dass die Erfüllung dieses Ziels grundsätzlich mit einem Anstieg der Komplexität und damit auch der benötigten Datenqualität bei den Instituten einhergeht. Darüber hinaus verfolgt die Überarbeitung das Ziel, die durch die Finanzkrise aufgezeigten Schwächen zu beheben und eine internationale Vergleichbarkeit zwischen den Instituten herzustellen.
Das finale Rahmenwerk enthält – sowohl im Vergleich zu dem bisherigen Rahmenwerk wie auch zum dritten Konsultationspapier aus Dezember 2014 (Fundamental review of the trading book: outstanding issues – consultative document, BCBS 305) – deutlichen Veränderungen in der Struktur und Kalibrierung des Standardansatzes. In den meisten Fällen wird dies zu einem signifikanten Anstieg der Kapitalanforderung für Marktpreisrisiken führen. Die im Jahr 2015 durch den Baseler Ausschuss durchgeführte Auswirkungsstudie quantifizierte den Kapitalanstieg dabei bereits um 40%. Die wesentlichen Änderungen betreffen:

  • Änderung in der Zusammensetzung der Eigenmittelanforderung. In Zukunft ermittelt sich die Eigenmittelanforderung aus der Summe der bereits durch die Konsultation bekannten Risikoarten (Delta-, Vega-, Gamma- und Default Risiko) und einen pauschalen Add-on für alle durch den Standardansatz nicht erfassten Positionen (Residual Risk Add-on).
  • Änderungen bei der Berechnung des Curvature-Risikos und Beseitigung von mathematischen Fehlern.
  • Anwendung der neuen Berechnungslogik für Fremdwährungs- und Rohwarenpositionen auch im Bankbuch. Wie bisher unterscheidet das Regelwerk für die Ermittlung von Fremdwährungs- und Rohwarenrisiken nicht zwischen Bankbuch- und Handelsbuchpositionen. Insoweit kommt der überarbeitete Standardansatz für alle Positionen zur Anwendung.
  • Einführung einer Korrelationsszenario-Analyse um das Risiko von steigenden und fallenden Korrelationen in Stresszeiten zu adressieren. Bei dieser sind die Banken dazu angehalten insgesamt drei Korrelationsshifts zu betrachten (hohe Korrelation, mittlere Korrelation und niedrige Korrelation).
  • Überarbeitung der Methodik zur Berechnung der Korrelationen für das Delta- und Gamma- (Curvature)-Risiko. Gesonderte Korrelationsanforderungen bestehen, anders als in den vorherigen Konsultationen, für das Vega Risiko.
  • Anpassungen bei der Definition der Sensitivitäten, auf die der Standardansatz abstellt. Die von den Banken erwarteten Validierungsvorschriften dieser Sensitivitäten sind allerdings auch im finalen Rahmenwerk nicht vorhanden.

Interne Modelle

Die zwei wesentlichen Änderungen in Bezug auf die Nutzung interner Marktpreisrisikomodelle sind die Ablösung des VaR Verfahrens durch die Expected Shortfall Methodik sowie die Möglichkeit, Modelle zukünftig auch auf einzelne Handelstische einzuschränken. Gleichwohl muss grundsätzlich eine Parallelrechnung des Standardansatzes erfolgen, da dieser u.a. als Rückfallgröße, Benchmark und Rekalibrierungsbasis dient.
Die durch das finale Papier entstehenden bzw. sich ändernden Offenlegungsvorschriften sind nicht Teil dieses Standards, sondern werden vom Baseler Ausschuss in einem separaten Papier zur Konsultation gestellt werden.

Mehr zu diesen Themen in Kürze hier im Regulatory Blog von PwC.

Zweites Basler Konsultationspapier zur Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes – Revisions to the Standardised Approach for credit risk

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 10. Dezember 2015 sein zweites Konsultationspapier zur Überarbeitungen des Kreditrisikostandardansatzes (Revisions to the Standardised Approach for credit risk – second consultative document (BCBS 347)) veröffentlicht. Die Vorschläge stehen bis zum 11. März 2016 zur Konsultation. Parallel hierzu wird auf Basis der Daten zum 31. Dezember 2015 im Rahmen des Basel III-Monitorings eine umfassende quantitative Auswirkungsstudie durchgeführt werden.

Die grundsätzliche Zielsetzung des Basler Ausschusses bei Überarbeitung des Standardansatzes bleibt unverändert, allerdings führen die Vorschläge des aktuellen Konsultationspapiers teilweise zu wesentlichen Änderungen der im ersten Konsultationspapier vom Dezember 2014 diskutierten Methodik (dazu auch Regulatory Blog Beitrag: “ Basel IV? Neuer Standardansatz zur Messung des Kreditrisikos“ vom 12. Februar 2015).

Unter anderem enthält das Konsultationspapier die folgenden wesentlichen Änderungen gegenüber der vorherigen Version:

  • Bei Forderungen an Banken können im Rahmen eines „External Credit Risk Assessment Approach / ECRAexterne Ratings wieder verwendet werden. Die daraus resultierenden Risikogewichte entsprechen den Abstufungen im bisherigen Standardansatz und liegen zwischen 20 % und 150 %. Sofern keine externen Ratings verfügbar sind oder von der Aufsicht deren Verwendung nicht zugelassen wurde, kommt ein „Standardised Credit Risk Assessment Approach / SCRA“ zur Anwendung, in dessen Rahmen eine Einordung der Forderung in drei unterschiedliche Kategorien vorzunehmen ist. Die Zuordnung zu den Kategorien ist an verschiedene Kriterien (z.B. die Einhaltung von Pufferanforderungen) geknüpft und führt zu Risikogewichten von 50 %, 100 % oder 150 %. Für kurzfristige Forderungen liegen die entsprechenden Risikogewichte bei 20 %, 50 % und 100 %.
  • Sofern für Forderungen an Unternehmen externe Ratings verfügbar und anwendbar sind, führen diese analog zu dem aktuell geltenden Standardansatz zu Risikogewichtungen von 20 % bis 100 %. Forderungen ohne Rating erhalten ein Risikogewicht von 100 %. Darüber hinaus erhalten Forderungen an Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 50 Mio. EUR ein Risikogewicht von 85 %; Retailforderungen erhalten nach wie vor ein Risikogewicht von 75 %.
  • Sofern es sich bei den Forderungen um Spezialfinanzierungen handelt, können lediglich Emissionsratings verwendet werden. Die resultierenden Risikogewichte liegen zwischen 20 % und 150 %. Sofern – wovon in der Regel auszugehen ist – keine externen Ratings vorliegen, kommen in Abhängigkeit von der Art der Spezialfinanzierung und des Stadiums der Projektfinanzierungen Risikogewichte zwischen 100 %und 150 % zum Einsatz.
  • Nachrangige Schuldverschreibungen und Eigenkapitalinstrumente erhalten Risikogewichte von 150 % bzw. 250 %, im Gegensatz zu dem vorherigen Konsultationspapier mit Risikogewichten von bis zu 400%.
  • Für Wohnungsbaukredite, die alle qualitativen Anforderungen erfüllen, sieht der Basler Ausschuss die Risikogewichtung auf Basis des LTV vor. Diese kann für LTV-Werte bis zu 100 % zwischen 25 % und 55 % liegen. Sofern der LTV bei mehr als 100 % liegt, kommt das Risikogewicht des Schuldners zur Anwendung. Sollten einzelne Anforderungen, wie z.B. die Abhängigkeit der Rückzahlung von den Cashflows des Objektes) nicht eingehalten werden, können die Risikogewichte bis auf 120 % bzw. 150 % steigen.
  • Gewerbliche Realkredite, deren Rückzahlung nicht von den Cashflows aus den Objekten abhängt, erhalten bei einem LTV von bis zu 60 % ein Risikogewicht von 60%. Bei höheren LTV kommt das Risikogewicht des Schuldners zur Anwendung. Sofern die Rückzahlung von den Cashflows aus den Objekten abhängt erhalten die Positionen je nach LTV ein RW zwischen 80% und 130%

Das Konsultationspapier enthält analog zu dem ersten Konsultationspapier noch keine Vorschläge für die zukünftige Risikogewichtung für Staaten. Diese werden, zusammen mit Zentralbanken und öffentlichen Stellen Gegenstand gesonderter Überprüfungen („broader and holistic review of sovereign related risks“) sein.

Inwieweit die geänderten Vorgaben gegenüber der Vorgängerversion zu deutlich unterschiedlichen Kapitalbelastungen führen werden, hängt im Einzelfall von den institutsindividuellen Konstellationen ab.

Mehr zu diesem Thema in Kürze hier im Regulatory Blog.