Kategorie: CRD IV

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Basel IV-Channel – Episode 20: EBA draft RTS on economic downturn

Mit der aktuellen Folge des Basel IV-Channels wenden wir uns wieder einem Thema aus dem Bereich der Kreditrisiken und insbesondere dem IRB-Ansatz zu. Die European Banking Authority (EBA) hat im März 2017 den Entwurf eines technischen Regulierungsstandards vorgelegt, in dem Begriff, Schwere und Länge eines „economic downturns“ definiert werden. Dies ist als Grundlage bei der LGD-Schätzung und der Schätzung des Downturn-Konversionsfaktors bei fortgeschrittenen IRBA-Modellen zu berücksichtigen. Obwohl es sich damit nicht um ein direkt aus den Basel-IV Regelungen folgendes Thema handelt, müssen im Zusammenhang mit den anstehenden Änderungen des IRBA auch die Vorschläge der EBA berücksichtigt werden.

Der aktuelle Basel IV-Channel befasst sich mit dem Thema:

EBA draft RTS on economic downturn

Unsere PwC-Experten geben Ihnen einen Einführung über die im Entwurf vorgestellten Ansätze und erläutern die Auswirkungen. Dieser Beitrag ist in englischer Sprache.

Sie können sich zu unserem Basel IV-Channel über unsere Basel IV Webseite im Vorfeld anmelden und erhalten eine Informationsmail. (Alle Teilnehmer der vorherigen Veranstaltungen erhalten automatisch eine Information per E-Mail).

Den Webcast können Sie sich direkt auf Youtube unter pwc.baselIVchannel ansehen. Alternativ stellen wir für Sie die aktuelle Folge unseres Basel IV-Channels auch im MP4-Format auf unserer Basel IV Webseite zur Verfügung.

Sie haben eine Folge des Basel IV-Channels verpasst ?

Kein Problem – es besteht die Möglichkeit sich unter folgendem Link eine Aufzeichnung der Webcasts auf unserem Youtube-Channel anzuschauen.

Sie haben Fragen rund um Basel IV ?

Auf unserer Basel IV Webseite finden Sie Informationen und Ansprechpartner.

Wir freuen uns, Sie zu unserem nächsten Termin begrüßen zu dürfen.

Herzlichst Ihr

Martin Neisen,

Global Basel IV Leader

Regulatory Roadshow 2017 – PwC lädt ein zum Regulatory BBQ im Regulatory Saloon

Auch in 2017 bleibt das Thema „Bankenregulierung“ in Europa in Bewegung. Der Baseler Ausschuss steht kurz vor dem Abschluss der Arbeiten für die Finalisierung von Basel III („Basel IV“). Zudem hat die Europäische Kommission im November 2016 erste Entwürfe für die Umsetzung verschiedener Baseler Vorschriften zu Basel III/Basel IV, wie z. B. die Regelungen zur Überarbeitung der Marktrisiken („FRTB“) oder den Standardansatz für Kontrahentenrisiken veröffentlicht. Somit hält Basel IV Einzug in europäisches Bankenaufsichtsrecht. Des Weiteren steht die Veröffentlichung der neuen MaRisk unmittelbar bevor und auch die EBA hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von wichtigen Guidelines und RTS veröffentlicht. Darüber hinaus geht die „TRIM-Exercise“ der Europäische Zentralbank in die nächste Phase.

Banken stehen damit vor der Herausforderung, die Folgen neuer Regulierungsanforderungen auf ihre Geschäftsmodelle abzuschätzen, sich auf die europäische Umsetzung erster Anforderungen einzustellen und gleichzeitig die neuen Veröffentlichungen der EBA zu berücksichtigen.

Wir laden Sie herzlich zu unserer Regulatory Roadshow 2017 ein. Wir bieten Ihnen eine kompakte Übersicht über die anstehenden Vorhaben auf Baseler und europäischer Ebene, dem aktuellen Stand zu dem Thema MaRisk sowie den neuen Entwicklungen im Bereich SSM, SREP und TRIM.

Unser Regulatory BBQ 2017 steht unter dem Motto:

Welcome to the Regulatory Saloon

  • High noon in Basel City:

Die Finalisierung von Basel IV

  • Zwei glorreiche Halunken – CRR II und CRD V:

Die Umsetzung von Basel in der EU kommt

  • Sein Name ist Nobody

Offenlegung: die neue große Herausforderung

  • Für ein paar Dollar mehr:

ICAAP, ILAAP, SREP, IRRBB, MaRisk

  • Wild, wild IRBA –

Vier Fäuste für Basel: PD, LGD, EaD und CCF

  • EBA Unchained:

    Future of IRB

  • Spiel mir das Lied von TRIM

  • Die glorreichen Neun

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen IFRS und Aufsichtsrecht

  • Der Schatz im Silbersee

Data Analytics

Lassen Sie sich von unseren Experten umfassend über die künftigen aufsichtsrechtlichen Anforderungen informieren – wir freuen uns auf Sie!

Termine und Veranstaltungsorte

04.05.2017, Berlin

11.05.2017, Frankfurt a. M.

29.05.2017, Stuttgart

12.06.2017, Hamburg

14.06.2017, Hannover

20.06.2017, Frankfurt a. M.

04.07.2017, Düsseldorf

11.07.2017, München

Die Teilnahme ist für Sie kostenfrei. Wir würden uns freuen, Sie auf unserer Veranstaltung begrüßen zu dürfen.

International venues

We look forward to meeting you also in:

The Netherlands (Amsterdam)

Greece (Athens)

Romania (Bucharest)

Ireland  (Dublin)

Turkey (Istanbul)

United Kingdom (London)

Luxembourg (Luxembourg)

Spain (Madrid)

Italy (Milano)

France (Paris)

Latvia (Riga)

Sweden (Stockholm)

Poland (Warsaw)

Austria (Vienna).

Detailed information on our international Roadshow 2017 is available on request.

Anmeldung

Bitte melden Sie sich online über www.pwc-events.com/basel4-Roadshow zur Veranstaltung an. Es öffnet sich eine Webseite mit weiteren Veranstaltungsinformationen.

Wir freuen uns, Sie bei unserem Regulatory BBQ 2017 begrüßen zu dürfen.

Herzlichst,

Ihr Martin Neisen

Global Basel IV Leader

Further enhancements of the Basel framework („Basel IV“) – auf einen Blick und aktualisiert

Offiziell geht es um die Finalisierung von „Basel III“ – nach Meinung vieler Bankenvertreter reichen die Anforderungen des Baseler Ausschusses inzwischen aber so weit, dass in der Branche längst von „Basel IV“ die Rede ist.

Was genau aber fällt unter dieses Stichwort? Welche neuen Vorschriften kommen in den nächsten Monaten und Jahren auf die Banken zu?

Unser Basel IV-Poster bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über alle anstehenden Regulierungsmaßnahmen des Baseler Ausschusses im Zusammenhang mit Basel IV – vom „Capital Floor“ bis zum „SA-CCR“, von den neuen Verbriefungsregeln bis hin zur CVA Capital Charge. Das Poster zeigt die gesetzlichen Grundlagen, benennt die relevanten Baseler Papiere und verdeutlicht die Verbindungen zwischen den einzelnen Regelungen untereinander. Die jetzt vorliegende 2. aktualisierte Auflage haben wir um Hinweise ergänzt, welche Regulierungsmaßnahmen sich innerhalb der Europäischen Union bereits in der Umsetzung befinden.

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Sie erhalten hiermit eine kompakte Übersicht aller im Zusammenhang mit „Basel IV“ stehenden regulatorischen Aktivitäten.

Kostenfrei bestellbar in englischer Sprache unter folgenden Links:

Weitere Informationen aus der Welt von Basel IV finden Sie auch hier: „Basel IV!? – The next generation of RWA“.

Mehr Aufsichtsrecht „auf einen Klick“ gibt es in unserer Recherche-Applikation PwCPlus.

Die finalen EBA Leitlinien für die Offenlegung der Anforderungen unter Teil 8 der CRR

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) hat am 14. Dezember 2016 die finalen Leitlinien für die Offenlegung der Anforderungen unter Teil 8 der Verordnung 575/2013 (CRR) (Guidelines on disclosure requirements under Part Eight of Regulation (EU) 575/2013 (EBA/GL/2016/11)) veröffentlicht.

Hintergrund

Am 28. Januar 2015 hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) eine Überarbeitung der regulatorischen Offenlegungsanforderungen in der Säule 3 (Revised Pillar 3 disclosure requirements – BCBS 309) veröffentlicht. Am 11. März 2016 wurde diese um ein Konsultationspapier ergänzt, das die Offenlegungsanforderungen für Eigenmittel, Verschuldungsquote, Liquidität und einige weitere Bereiche beinhaltet (Consultative Document – Pillar 3 disclosure requirements – consolidated and enhanced framework – BCBS 356). Die Überarbeitung der Offenlegungsanforderungen zielt besonders auf die Sicherstellung von Konsistenz und Vergleichbarkeit der offengelegten regulatorischen Anforderungen zwischen den Instituten und im Zeitablauf durch die Vorgabe einheitlicher Formate ab.

Die überarbeiteten regulatorischen Anforderungen auf europäische Ebene (EBA/CP/2016/07) waren in 2016 Gegenstand einer Konsultation (ausführlich zur Konsultation: Regulatory Blog Beitrag: „EBA Entwurf zu den Leitlinien für die Offenlegung unter Teil 8 der CRR“ vom 12. August 2016).

Die nunmehr finalen EBA Leitlinien integrieren die Änderungsvorschläge des Baseler Ausschusses (BCBS 309) in die bestehenden Offenlegungsanforderungen der CRR. Diese werden aussagegemäß nicht geändert, sondern vielmehr um weitere Konkretisierungen und insbesondere die von BCBS 309 vorgesehenen standardisierten Vorlagen und Tabellen zur Offenlegung ergänzt. Damit wird es Instituten ermöglicht, die Offenlegungsanforderungen der CRR und des BCBS 309 gleichzeitig zu erfüllen. Durch diese Standardisierung soll dem Nutzer der offengelegten Informationen ein Maximum an Konsistenz und Vergleichbarkeit der Informationen zur Verfügung gestellt werden.

Wesentliche Inhalte

Anwendungsbereich

Die EBA-Leitlinien sind von allen global systemrelevanten Instituten (G-SII) sowie allen anderen systemrelevanten Institute (O-SII) anzuwenden. Daneben sollen weitere Institute zur Einhaltung von Teilen der Leitlinien verpflichtet werden, darunter bspw. signifikante Institute gemäß der Abgrenzung der zuständigen Aufsichtsbehörden. Dazu zählen u.a. alle Institute, die der direkten Aufsicht der EZB unterliegen bzw. solche, die als wesentliche Tochterunternehmen im Sinne von Art. 13 CRR gelten. Die zuständigen Aufsichtsbehörden dürfen überdies weitere Institute verpflichten, einige oder alle Regelungen der Leitlinien anzuwenden, wenn diese Institute grundsätzlich nach Teil 8 der CRR offenlegungspflichtig sind.

Institute, die nicht zur Anwendung der Leitlinien verpflichtet sind, unterliegen weiterhin ausschließlich den Offenlegungspflichten gemäß Teil 8 der CRR und der ergänzenden Durchführungsverordnungen. Sie können jedoch auf freiwilliger Basis einige oder alle Regelungen der Leitlinien anwenden, falls die Offenlegungsadressaten diese Informationen benötigen.

Die folgenden Kapitel der EBA-Leitlinie 2016/11 sind für alle Kreditinstitute relevant, um Verwirrungen bzgl. des Anwendungsbereichs der delegierten Verordnungen (DVO, RTS, ITS) und Leitlinien zu vermeiden:

  • 2. Allgemeine Offenlegungsanforderungen

Kapitel B: Immaterielle, geschützte oder vertrauliche Informationen

Kapitel E: Zeitpunkt und Frequenz der Offenlegung

  • 3. Risikomanagementziele und -Politik

Kapitel C: Informationen zu Governance Vereinbarungen

  • 5 Eigenmittel
  • 7. Makroprudenzielle Aufsichtsmaßnahmen
  • 12. Unbelastete Vermögenswerte
  • 14. Vergütung
  • 15. Leverage Ratio

Inkrafttreten

Die Leitlinien sollen zum 31. Dezember 2017 in Kraft treten und die Offenlegung zu ebenjenem Stichtag umfassen. Allerdings empfiehlt die EBA den global systemrelevanten Instituten bereits zum 31. Dezember 2016 einen Teil der in den Leitlinien enthaltenen Vorlagen und Tabellen offenzulegen. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um elf Tabellen mit quantitativen Informationen aus den Bereichen Eigenmittelanforderungen, Kreditrisiko, Kontrahenten-Ausfallrisiko und Marktrisiko.

Zudem wird den zuständigen Aufsichtsbehörden freigestellt, weitere Institute zur Offenlegung von Teilen der Leitlinien bereits zum 31. Dezember 2016 zu verpflichten oder ihnen dies zu empfehlen. Bislang ist nicht absehbar, ob bzw. in welchem Umfang die Aufsichtsbehörden planen, hiervon Gebrauch zu machen. Zumindest SSM-Banken sollten sich u. E. darauf einstellen, die genannten zehn Tabellen bereits auf Basis des Stichtages 31. Dezember 2016 offenlegen zu müssen.

Wesentliche Änderungen

Die finalen EBA Leitlinien reduzieren die Anzahl der Tabellen und Vorlagen im Vergleich zur Konsultation und umfassen daher insgesamt 10 Tabellen, die für die Offenlegung qualitativer Inhalte vorgesehen ist sowie 38 Vorlagen für die Bereitstellung quantitativer Inhalte. Hintergrund ist der Wegfall diverser ursprünglich vorgesehener Tabellen und Vorlagen im Bereich des Marktrisikos, der Kapitalanforderungen sowie der risikogewichteten Aktiva nach Exposure-Klassen. Für den Bereich Risikomanagement und Governance sind Vorlagen mit qualitativen Angaben zum allgemeinen Risikomanagement (Tabelle OVA) der Bank sowie dem Risikomanagement von Kreditrisiko (Tabelle CRA), Kontrahenten-Ausfallrisiko (Tabelle CCRA) und Marktrisiko (Tabelle MRA) zu veröffentlichen. Die Tabellen repräsentieren die Anforderungen des Artikels 435 (1) CRR.

Im Vergleich zum Konsultationspapier hat die EBA die Anforderungen des 435 (2) Buchstabe e) CRR bezüglich des Informationsflusses an das Leitungsorgan zu den Anforderungen an die Risikomanagementziele und -politik der Tabelle OVA hinzugefügt. Hingegen erfolgt zu den Buchstaben a bis d des Artikels 435 (2) CRR, die die Offenlegung der Unternehmensführungsregelungen fordern, lediglich eine Anleitung, die als Hilfestellung für die bereits existierenden Anforderungen zu verstehen ist. Ferner wird im Bereich Kreditrisiko und Kreditrisikominderung im IRB-Ansatz die zusätzliche Handlungsempfehlung aus dem Konsultationspapier zur Umsetzung der geographischen Unterteilung der PD- und LGD Angaben gemäß Artikel 452 Buchstabe j CRR vollständig in der finalen Version der Leitlinien außer Acht gelassen. Hingegen wird die Handlungsempfehlung zur Prüfung der Zuverlässigkeit (Backtesting) der PD-Werte in Anlehnung an die Anforderungen des Artikels 452 Buchstabe i CRR in Verbindung mit der Vorlage EU-CR9 beibehalten und ein Vergleich der PD-Werte zur tatsächlichen Ausfallquote gefordert

Nicht erfasste Bereiche

Die finalen EBA Leitlinien behandeln weiterhin nicht die Themen Eigenmittel, Makroprudentielle Maßnahmen (Kapitalpuffer und Indikatoren der globalen Systemrelevanz), Unbelastete Aktiva, Vergütung und Verschuldungsquote und Verbriefungen . Hierzu verweisen wir auf unseren Blogbeitrag EBA Entwurf zu den Leitlinien für die Offenlegung unter Teil 8 der CRR.

Häufigkeit/Frequenz der Offenlegung

Grundsätzlich orientiert sich die Frequenz der Offenlegung der EBA Leitlinien an dem überarbeiteten Baseler Offenlegungsrahmenwerk. Es soll daher eine jährliche Offenlegung von Tabellen sowie von Vorlagen, die die Verbindung zwischen Bilanzierung und Aufsichtsrecht darstellen, vorgenommen werden. Die meisten anderen Vorlagen (sowohl in flexiblem wie in fixem Format) sollen grundsätzlich halbjährlich offengelegt werden. Ausnahmen sind einige Vorlagen mit einem fixen Format. Hierzu zählen Vorlagen, die die RWA-Veränderungen und die Eigenmittelanforderungen beinhalten und quartalsweise offenzulegen sind. Somit wurde die Liste der(weiterhin gültigen) EBA GL 2014 14 im Hinblick auf die Anforderungen, die häufiger offengelegt werden sollten, für die unter die neue EBA GL 2016 11 fallenden Institute, ergänzt und erweitert (Ausführlich zur EBA GL 2014 14: Regulatory Blog Beitrag: „Umsetzung der EBA Leitlinien zur Offenlegung “ vom 07. Juli 2015).

Offenlegungszeitpunkt

Darüber hinaus konkretisieren die Leitlinien einige aktuelle Artikel von Teil Acht der CRR und stellen bspw. klar, dass die Anforderung des Art. 433 CRR (Zeitpunkt der Offenlegung) nicht gleichzeitig bzw. zum selben Datum mit der Veröffentlichung des Finanzberichts erfolgen muss, wobei eine zeitnahe Offenlegung nach Veröffentlichung des Finanzberichtes wünschenswert ist.

Fazit und Auswirkungen

Im Vergleich zur Konsultationsphase findet keine wesentliche Erweiterung der Anforderungen statt. Im Gegenteil, es entfallen sogar mehrere Vorschläge, Unterteilungen oder gar Zeilen und Spalten. Auch die qualitativen Anforderungen an das Kreditrisiko und die Kreditrisikominderungen im IRB-Ansatz sind nicht mehr notwendig. Durch mehrheitliche Handlungsempfehlungen spezifizieren die EBA Leitlinien die bereits bekannten Inhalte, bleiben aber im Wesentlichen im Rahmen der bekannten Anforderungen.

Ihr Ansprechpartner für Fragen zur Offenlegung bei PwC FS Regulatory Management: Carsten Rademacher

EU Kommission veröffentlicht Entwürfe zu CRD V, CRR II und BRRD – Teil 3 : Übernahme von Basel IV in EU-Recht

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) berät aktuell über ein umfassendes Reformpaket zur Überarbeitung der Methoden zur Berechnung der Eigenmittelanforderungen in der Säule I. Während zentrale Elemente der Basel IV Reformen, insbesondere zu den Themen Kreditrisiko und RWA-Floor weiterhin auf internationaler Ebene in der Diskussion sind, hat die EU-Kommission am Mittwoch, den 23. November 2016, erste Entwürfe für die Überarbeitung der Capital Requirements Directive (CRD V), Capital Requirements Regulation (CRR II) und der Bank Recovery and Resolution Directive (BRRD) veröffentlicht.

In Teil 1 unserer Regulatory Blog Reihe haben wir die Finalisierung von Basel III erläutert (EU Kommission veröffentlicht Entwürfe zu CRD V, CRR II und BRRD – Teil 1: Finalisierung von Basel III), Teil 2 ist den Änderungen im Bereich Sanierung und Abwicklung gewidmet (EU Kommission veröffentlicht Entwürfe zu CRD V, CRR II und BRRD – Teil 2: Sanierung und Abwicklung von Banken, TLAC und MREL). Dieser 3. Teil unserer Beitragsreihe befasst sich mit der teilweisen Umsetzung von Basel IV in EU-Recht.

Neufassung der Verfahren für die Ermittlung der Marktrisikopositionen

Als Reaktion auf die Finanzmarktkrise hat der Baseler Ausschuss bereits frühzeitig mit Anpassungen der Regelungen für die Behandlung von Marktrisikopositionen begonnen, die sich im Wesentlichen unter dem Begriff „Basel II,5“ zusammenfassen lassen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass in diesem Bereich eine grundlegende Überarbeitung inklusive einer Neufassung der Regelungen für die Abgrenzung des aufsichtsrechtlichen Handelsbuches notwendig war. Diese unter dem Stichwort „Fundamental Review of the Trading Book, FRTB“ zusammengefassten Arbeiten gehören zu den wichtigsten Reformvorhaben im Rahmen von Basel. Die im Januar 2016 veröffentlichten finalen Standards des Baseler Ausschusses umfassen sowohl die Abgrenzung von Anlage- und Handelsbuch als auch die Methoden zur Ermittlung der Kapitalanforderungen für Marktrisiken mittels Standardansätzen und internen Modellen (dazu Regulatory Blog Beitrag: „Finalisierung des Baseler Regelwerks zum Fundamental Review of the Trading Book – Minimum Capital Requirements for Market Risk“ vom 22. Januar 2016). Die CRR II beinhaltet den vollständigen FRTB und setzt diesen in der EU um.

Definition des Handelsbuches

Analog zu den Vorgaben aus Basel hat sich die Systematik für die Zuordnung von Finanzgeschäften zum regulatorischen Anlage- und Handelsbuch in den Grundzügen nicht geändert, wurde aber um konkrete Vorgaben ergänzt, die in Einzelfällen dazu führen können, dass Positionen, die bisher dem aufsichtsrechtlichen Anlagebuch zugeordnet waren, zukünftig dem Handelsbuch zuzuordnen sind und somit gegebenenfalls Nichthandelsbuchinstitute zu Handelsbuchinstituten werden können.

Beispielsweise wird eine Handelsabsicht für alle Geschäfte unterstellt, die handelsrechtlich zum Marktwert bewertet werden; darüber hinaus sollen alle Investmentanteile dem Handelsbuch zugeordnet werden, für die eine tägliche Bewertung durchgeführt bzw. täglich durchgeschaut werden kann. Eine abweichende regulatorische Behandlung darf analog der Regelung in BCBS 352 (Minimum capital requirements for market risk, BCBS 352) nur nach expliziter (Einzel-) Genehmigung der zuständigen Aufsichtsbehörde erfolgen.

Die Anforderungen an Handelsbuchinstitute müssen jedoch erst eingehalten werden, wenn der Umfang der Handelsbuchgeschäfte größer 5% (brutto) bzw. € 50 Mio beträgt.

Verpflichtende Anwendung des Standardverfahrens für Marktrisikopositionen

Im Wesentlichen erfolgt im Entwurf der CRR II eine Übernahme der in Basel vorgesehenen Regelungen unter Berücksichtigung eines gewissen Proportionalitätsprinzips.

Im Bereich der Standardansätze wird es analog zu Basel einen grundlegend neuen sensitivitätsbasierten Ansatz (SBA) geben. Die EU Kommission orientiert sich weitgehend an diesen Vorgaben und nimmt im Rahmen der CRR II nur wenige Änderungen vor. Diese betreffen im Wesentlichen die Ermittlung des Ausfallrisikos von Handelsbuchpositionen (sog. Default Risk Charge, DRC). Analog zu der bisherigen Vorgehensweise besteht eine weitere Abweichung zu den Vorgaben aus Basel in der Privilegierung von Schuldtiteln der EU Mitgliedsstaaten und gedeckten Schuldverschreibungen aus der EU.

Die Umsetzung des SBA erfordert einen erheblichen Zusatzaufwand, der insbesondere Institute mit kleineren Handelsbüchern überproportional belasten würde. Um für diese Banken eine Mehrbelastung zu ersparen, wird für diese die Möglichkeit geschaffen, weiterhin die bisherigen Ansätze zu nutzen, statt auf den SBA umzusteigen. Dies betrifft Institute, deren bilanzielle und außerbilanzielle Positionen, die den Marktrisikoregelungen unterliegen, bis zu 300 Mio EUR betragen bzw. maximal 10% der Bilanzsumme ausmachen. Darüber hinaus gibt es für einen Zeitraum von zwei Jahren für alle Institute die Möglichkeit, weiterhin die nach der aktuellen CRR geltenden Regelungen anzuwenden.

Der Interne Modell Ansatz

Die Regelungen im Bereich der internen Modellierungen entsprechen grundsätzlich den Vorgaben des Baseler Ausschusses, es ergeben sich allerdings in einzelnen Bereichen Unterschiede. So wird z.B. bei der Berücksichtigung der Liquiditätshorizonte in der CRR II grundsätzlich ein Zeitraum von 10 Tagen angesetzt, während Basel 20 Tage als Zeithorizont zugrunde legt. Analog gilt dies für Pfandbriefe, hier beträgt der Wert 20 Tage in der CRR II und 40 Tage in Basel. Weitere Änderungen ergeben sich in Bezug auf Fremdwährungspositionen innerhalb der EU sowie Konkretisierungen bei den nicht modellierbaren Risikofaktoren.

Im Vergleich zu den Baseler Regelungen nimmt die CRR II einige Präzisierungen in Bezug auf die Modelle zur Berechnung der Default Risk Charge für Ausfallrisiken (DRC) vor, überträgt aber weitere Präzisierungen als Arbeitsauftrag an die EBA.

Die Anforderungen an das Backtesting sowie die Formel zur Ermittlung des Multiplikators und die Erfordernis der P&L attribution wurden weitgehend unverändert aus dem Baseler Papier übernommen.

Kontrahentenrisiken und zentrale Kontrahenten (CCPs)

Neben den Baseler Regelungen zum FRTB stellt die Überarbeitung der Verfahren für die Quantifizierung von Kontrahentenausfallrisiken ein weiteres wichtiges Element von Basel IV, welches auf Baseler Ebene unter der Bezeichnung „SA-CCR“ bereits im März 2014 als finaler Standard veröffentlicht wurde (dazu auch: „SA-CCR – Rechnen mit dem Alpha-Faktor – Eine neue Formel zur Ermittlung des Kontrahentenausfallrisikos).

Auf Baseler Ebene ist vorgesehen, dass der SA-CCR neben der internen Modelle-Methode („IMM“) der einzige verbleibende Ansatz für die Ermittlung des Kontrahentenausfallrisikos ist. Die Marktbewertungsmethode sowie die Laufzeitmethode sind auf Baseler Ebene nicht mehr vorgesehen.

Die CRR II ergänzt den Baseler Regelungstext um einige Details und kleinere Änderungen wie beispielsweise die Mandatierung der EBA, die Bestimmung des wesentlichen Risikotreibers genauer auszuarbeiten oder die Kauf- und Verkaufspositionen für den SA-CCR zu bestimmen.

Auch im Bereich der Kontrahentenausfallrisiken ist ein Proportionalitätsgedanke daran zu erkennen, dass im Rahmen der CRR II für Banken mit nicht signifikanten Kontrahentenausfallrisiken Erleichterungen geschaffen werden. Hierzu erfolgt eine Abgrenzung anhand einer Unterscheidung in signifikante und nicht signifikante Derivateexposures. Signifikante Derivateexposure liegen gemäß CRR II dann vor, wenn der Absolutwert der Marktwerte der bilanziellen und außerbilanziellen Derivate über den Schwellenwerten von 150 Mio EUR bzw. 10% der gesamten Aktiva liegt. Sie folgt damit der Stellungnahme der EBA zum SA-CCR aus dem November 2016 (EBA Report on SA CCR and FRTB implementation (EBA/Op/2016/19)). Für Institute mit geringerem derivativem Exposure kommen entweder ein vereinfachter SA-CCR oder eine modifizierte Version der Laufzeitmethode (Ursprungsrisikomethode) zur Anwendung. Die Laufzeitmethode darf dabei nur für bestimmte Derivate genutzt werden und nur, sofern zusätzliche Schwellenwerte in Bezug auf das Derivativeexposure von 20 Mio EUR bzw. 5% der gesamten Aktiva eingehalten werden.

Hinsichtlich der Behandlung von Risikopositionen gegenüber zentralen Kontrahenten (CCPs) spezifizieren die Regelungen der CRR II einerseits die Berechnungsmethoden für Kapitalanforderungen und andererseits die Art und Weise, wie zukünftig die Beiträge für den Ausfallfonds bestimmt werden müssen.

Großkredite

Der Baseler Ausschuss hat im April 2014 erstmalig finale Standards in Bezug auf Großkredite herausgegeben. Diese basieren im Kern auf der bereits in der CRR enthaltenen Regelungen, beinhalten aber in einzelnen Bereichen Verschärfungen gegenüber den bestehenden Regelungen auf europäischer Ebene, was wiederum zu Anpassungen im Rahmen der CRR II führt. Die Änderungen in Bezug auf die Großkreditvorschriften können sowohl zu einer höheren Limitauslastung als auch weiteren operationelle Herausforderungen führen.

Kapitalbasis und Höhe der Obergrenzen

Zukünftig ist als Kapitalbasis nur noch das Kernkapital anzusetzen. Die bisherigeRegelung, nach der auch ein gewisser Anteil an Ergänzungskapital zulässig ist („eligible capital“) entfällt. Die Höhe der Obergrenze bleibt grundsätzlich bei 25 %, wird aber für Forderungen zwischen global systemrelevanten Instituten auf 15 % abgesenkt.

Für die Ermittlung des Kontrahentenausfallrisikos ist bei der Großkreditermittlung die Anwendung der IMM nicht mehr zulässig. Institute dürfen lediglich den SA-CCR, den vereinfachten SA-CCR sowie die überarbeitete Laufzeitmethode anwenden.

Anpassungen bei der Anrechnung von Forderungen

Die aktuelle CRR enthält in Art. 114 Abs. 5 eine Übergangsvorschrift, die bis Ende 2017 eine Nullgewichtung für Forderungen an Zentralregierungen, Zentralbanken und sonstige öffentliche Stellen in der EU, die auf eine EU-Währung lauten und in dieser refinanziert sind, die nicht der Währung des Sitzlandes entspricht. Im Anschluss an das Auslaufen dieser Regelung ist in der CRR II vorgesehen, ab 2018 eine gesonderte Obergrenze von 100% des Kernkapitals einzuführen, welche um 25%-Punkte p.a. sinkt, so dass die reguläre Großkreditobergrenze von 25% ab 2021 vollständig wirksam wird. Positionen, die vor dem 22. November 2016 eingegangen wurden, sind weiterhin vollständig von den Großkreditvorschriften ausgenommen.

Gedeckte Schuldverschreibungen können von den nationalen Aufsichtsbehörden unverändert in voller Höhe von der Anrechnung auf die Großkreditgrenze ausgenommen werden. Der Baseler Ausschuss hatte in seinem neuen Großkreditrahmenwerk zwar ebenfalls eine Erleichterung gestattet, aber eine Mindestanrechnung in Höhe von 20% gefordert (dazu Regulatory Blog Beitrag: „Das neue Baseler Rahmenwerk zur Messung und Überwachung von Großkrediten („Supervisory framework for measuring and controlling large exposures – Final Standard“ vom 21. Mai 2014))..

Großkreditmeldungen

Die Meldevorschriften für Großkredite werden in zwei Bereichen angepasst. Einerseits wird die Verpflichtung zur Meldung aller Positionen über 300 Mio EUR auf alle Institute ausgeweitet, die den Großkreditvorschriften unterliegen. Andererseits sind künftig die zehn größten Positionen gegenüber Schattenbanken zu melden. Die EBA soll technische Standards zur Definition von Schattenbanken entwickeln. Es ist zu erwarten, dass sie hierbei auf den Vorgaben der Leitlinie 2015/20 aufsetzen wird.

Weitere Änderungen

Verbriefungen

Anders als von vielen Beobachtern erwartet und seitens der Kommission angekündigt, hat man im CRR II-Entwurf auf eine Neuregelung des Themas Verbriefungen komplett verzichtet, obwohl hierzu bereits Konsultationsentwürfe der EU-Kommission (siehe Regulatory Blog Beitrag: „EU-Vorschläge für ein neues Verbriefungsrahmenwerk“ vom 28. Oktober 2015)  sowie Entwürfe aus dem Parlament vorliegen. Dabei handelt es sich um jeweils zwei verschiedene Regelwerke: Zum einen Regelungen für die Eigenmittelunterlegung von Verbriefungspositionen für Institute, zum anderen Regelungen für alle Originatoren (also neben Instituten insbesondere auch für Versicherungen und Asset Manager), die in Form einer Verbriefungsverordnung veröffentlicht werden sollen und z.B. Vorschriften zur Identifizierung von einfachen, transparenten und standardisierten (simple, transparent, standardised or STC-) Verbriefungen enthalten. Aufgrund der politischen Bedeutung von Verbriefungen als Teil der EU-Initiative zur Kapitalmarktunion ist davon auszugehen, dass zumindest die Regelungen zur RWA-Ermittlung auch zeitnah Eingang in die CRR II finden werden. Unklar ist allerdings, ob die Anpassungen in einem weiteren separaten CRR-Entwurf umgesetzt oder mittels eines delegierten Rechtsaktes Eingang in die CRR II finden (ähnlich wie die Vorschriften zur LCR und Leverage Ratio) oder ob sie mit z.B. den Anpassungen im Bereich des Kredit- und operationellen Risikos zusammengefasst werden.

Fondsbeteiligungen

Die bereits im Dezember 2013 durch den BCBS veröffentlichten Regelungen für die Behandlung von Beteiligungen in Fonds wurden nahezu unverändert in die CRR II übernommen (Capital requirements for banks‘ equity investments in funds – final Standard, BCBS 266). Lediglich die Fondsdefinition wird geringfügig erweitert und nicht mehr zwischen OGAW-Fonds und AIFs bzw. Fonds mit besonders hohen Risiken unterschieden. Die Handelsbuchvorschriften werden um Kriterien für die Zuordnung von Fondsanteilen zum Anlagebuch oder Handelsbuch ergänzt. Der Entwurf der CRR II enthält sowohl Regelungen für die Behandlung von Fonds im Anlagebuch als auch im Handelsbuch. Insbesondere im Anlagebuch ergibt sich in Bezug auf die Kapitalbelastung ein deutlicher Anstieg gegenüber den heutigen Regelungen, wenn keine Durchschau durch den Fonds erfolgt. Durch die neue Methodik zur Berechnung des risikogewichteten Positionswerts von Beteiligungen an Fonds wird zudem einer möglichen Hebelwirkung von Fonds Rechnung getragen. Die in Deutschland gängige Praxis, das durchschnittliche Risikogewicht eines Fonds auf Basis der zugrundeliegenden Vermögenswerte zu berechnen, wird zukünftig nur noch in leicht abgeänderter Form, und zudem mit einem 20%-Aufschlag auf die risikogewichteten Positionswerte möglich sein.

Haben Sie Fragen zu einzelnen Themen? Hier finden Sie unsere Ansprechpartner.

Eine Sonderausgabe des Basel IV-Channel zu CRD V, CRR II und BRRD: „Basel IV-Channel- Episode 10: CRR II – Regulatory Challenges for 2017 and beyond“  findet am 02. Dezember 2016 statt. Hier finden Sie alle Informationen zur Anmeldung.

Basel IV-Channel- Episode 10: CRR II – Regulatory Challenges for 2017 and beyond

Unser nächster Basel IV-Channel sollte eigentlich unsere Reihe der Basel IV-Themen fortsetzen. Aus aktuellem Anlass haben wir uns aber entschieden, den nächsten Basel IV-Channel den Vorschlägen der Europäischen Kommission zu den Änderungen der CRR und CRD IV und den daraus resultierenden Herausforderungen zu widmen.

Unser nächster Basel IV-Channel befasst sich daher am

Freitag, den 02. Dezember 2016

mit dem Thema: „CRR II – Regulatory challenges for 2017 and beyond„.

Unsere PwC-Experten informieren Sie über die Umsetzung der Basel IV-Regularien in die CRR II sowie die daraus resultierenden Herausforderungen für Ihr Kreditinstitut.

Wir laden Sie herzlich ein, sich kostenfrei und unverbindlich zu dem genannten Termin anzumelden. Hier geht es direkt zur Anmeldeseite für unseren Basel IV-Channel. (Alle Teilnehmer der vorherigen Veranstaltungen erhalten automatisch eine Einladung per E-Mail).

Den Webcast können Sie sich auf Youtube unter pwc.baselIVchannel ansehen .

Sie haben eine Folge des Basel IV-Channels verpasst ?

Kein Problem – es besteht die Möglichkeit sich unter folgendem Link eine Aufzeichnung der Webcasts auf unserem Youtube-Channel anzuschauen.

Wir freuen uns, Sie zu unserem nächsten Termin begrüßen zu dürfen.

Herzlichst Ihr

Martin Neisen,

Global Basel IV Leader

 

 

 

EU Kommission veröffentlicht ersten Entwurf zu Basel IV

Die EU Kommission hat am Mittwoch, den 23. November 2016, den ersten Entwurf für eine Überarbeitung bankaufsichtsrechtlicher Regelungen zu den Themen Kapitalanforderungen (Proposal amending Directive 2013/36/EU (COM(2016) 854 final) und Proposal amending Regulation (EU) No 575/2013 ( COM(2016) 850 final ), „CRD V“ und „CRR II“) sowie Sanierung und Abwicklung (Proposal amending Directive 2014/59/EU as regards the ranking of unsecured debt instruments in insolvency hierarchy (COM(2016) 853 final) und Proposal amending Directive 2014/59/EU on loss absorption and recapitalisation capacity of credit institutions and investment firms (COM(2016) 852 final), „BRRD“) veröffentlicht.

Die Entwürfe, die Grundlage für Verhandlungen mit dem EU Parlament und dem Rat sind, enthalten sowohl die Finalisierung bestehender Vorgaben, die als Basel III bezeichnet werden, als auch bereits Teile der anstehenden „Basel IV“ Reformen. Im Rahmen der Basel III Vorgaben werden eine verbindliche Obergrenze für die Verschuldung der Institute („Leverage Ratio“) in Höhe von 3% eingeführt sowie eine verbindliche Kennziffer zur Sicherstellung der fristenkongruenten Refinanzierung von Banken (NSFR), die beide in 2019 in Kraft treten sollen.

In Bezug auf Basel IV übernimmt die EU eine Vielzahl neuer Regelungen, unter anderem zur Messung und Begrenzung der Risiken aus Derivaten und Marktpreisrisiken aus der Handelstätigkeit von Banken. Darüber hinaus sind in der CRR Anpassungen durch die Vorgaben zur Begrenzung der Risiken für die Steuerzahler im Fall von Bankenkrisen („bail-in“) vorgesehen.

Die neuen Regelungen führen dazu, dass Banken wesentlich mehr Eigenkapital für riskante Geschäfte vorhalten müssen und sich mit großen Herausforderungen bei der Umsetzung der komplexen Regelwerke konfrontiert sehen werden“, so Martin Neisen, Partner und Leiter der globalen Basel IV Initiative bei PwC. Das Inkrafttreten ist für die Jahre nach 2019 vorgesehen. Ergänzt werden die Neuregelungen durch zahlreiche Ausnahmen, die insbesondere für kleinere Banken zu einer adäquaten, weil proportionalen, Beaufsichtigung führen sollen.

Offensichtlich haben die Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt, dass komplexe Neuregelungen nur in Zusammenhang mit einer Erhöhung der Proportionalität eingeführt werden können“, bestätigt Martin Neisen.

Trotz der Übernahme der ersten Basel IV Regelungen auf EU-Ebene scheinen die Verhandlungen über Basel IV auf internationaler Ebene nicht wie geplant voranzuschreiten. Gemäß dem bislang kommunizierten Zeitplan hätte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht bis Ende dieses Jahres die Arbeiten an dem Reformpaket abschließen müssen. Nach neuesten Informationen scheint die EU das Verhandlungsergebnis aber nur anerkennen zu wollen, wenn sichergestellt ist, dass auch die USA unter der neu gewählten Regierung unter Donald Trump die Regelungen umsetzen werden. Aufgrund der weithin bestehenden Erwartung, dass die Regelungen Banken in der EU empfindlicher treffen werden, als ihre Wettbewerber jenseits des Atlantiks, möchte die EU anscheinend keinesfalls eine Vorreiterrolle einnehmen, wenn nicht sichergestellt ist, dass auch andere Länder wie die USA die gleichen Regelungen einführen.

Es ist bemerkenswert, dass die EU hiermit Teile des Basel IV Regelwerks in Europa umsetzen will, obwohl die entsprechenden Verhandlungen auf Ebene des Baseler Ausschusses noch nicht abgeschlossen sind“, so Burkhard Eckes, Leiter des Bereichs Banking & Capital Markets bei PwC.

Weitere Details zu den Inhalten der Überarbeitung folgen in Kürze.

EBA Arbeitsprogramm – was steht an?

Die European Banking Authority (EBA) hat im Juni 2016 ihren Jahresbericht für 2015 veröffentlicht. Neben einem Überblick über die im Vorjahr begonnen Arbeiten, erläutert die EBA die aktuell im Fokus stehenden Themen. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die wesentlichen Maßnahmen, die für die kommenden Monate noch auf der Agenda der EBA stehen.

Kalibrierung der Leverage Ratio

Eines der wichtigsten Themen für 2016 ist Frage der Migration der Leverage Ratio in die Säule 1 und welches Mindestlevel unter Berücksichtigung der Business Modelle und Risikoprofile angesetzt werden soll. Dazu hat die EBA einen umfangreichen Bericht vorgelegt (EBA Report on the leverage ratio requirements under Art 511 of the CRR (EBA/OP/2016/13)). In diesem werden darüber hinaus verschiedene Aspekte der Auswirkungen der Leverage Ratio unter anderem auf die Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen sowie die Widerstandsfähigkeit und Risikobereitschaft der Institute, auf die Finanzmärkte, Clearingtätigkeiten oder zentrale Kontrahenten diskutiert. Auf Basis dieses Berichts soll die EU Kommission bis zum Jahresende 2016 einen Vorschlag zur Einführung der Leverage Ratio vorlegen.

Verbesserung des Kreditrisikorahmenwerks

Im Zentrum der Überarbeitung des Kreditrisikorahmenwerks steht der IRB Ansatz. Mit dem im Juli 2016 veröffentlichten RTS on the specification of the assessment methodology for competent authorities regarding compliance of an institution with the requirements to use the IRB Approach (EBA/RTS/2016/03) wurde die erste Phase der Überarbeitung des IRB Approach eingeläutet. Die nächste Phase umfasst den im Entwurf vorliegenden RTS im Zusammenhang mit der Wesentlichkeitsschwelle von überfälligen Krediten (RTS on the threshold of credit obligation past due (EBA/CP/2014/32) und die Leitlinien zur Anwendung der Ausfalldefinitionen (EBA Guidelines on the application of the definition of default (EBA/CP/2015/15), dazu auch unser Regulatory Blog-Beitrag: „EBA Leitlinien zur Definition des Schuldnerausfall – definition of default“ vom 08. Februar 2016).

Proportionalität in der Bankenaufsicht

Unabhängig von der Notwendigkeit einer einheitlichen Bankenaufsicht ist es gewollt, eine wirksame und angemessene Bankenregulierung zu entwickeln, die auch die Größe, das Geschäftsmodell und Risikoprofil der Institute berücksichtigt. Insofern hat die EBA weitere Untersuchungen im Zusammenhang mit möglichen Vereinfachungen und Erleichterungen angekündigt.

Non-Performing Loans (NPLs)

Die Problematik der notleidenden Kredite ist ebenfalls auf der Agenda der EBA. In diesem Zusammenhang erfolgt eine Bestandsaufnahme von länderspezifischen Lösungen im Umgang mit NPLs. Es gilt Faktoren zu identifizieren, die einer Auflösung von NPLs entgegenstehen. Je nach Bedarf und Ergebnis der Untersuchung will die EBA dazu policy statements herausgeben.

Unterstützung der Einführung von IFRS 9 im Bankensektor

Im Zusammenhang mit der Einführung von IFRS 9 hatte die EBA bereits Anfang 2016 eine Analyse angekündigt, die die Auswirkungen von IFRS 9 auf die Eigenmittel und die Vorbereitungen bzw. Umsetzungsstände innerhalb der Institute erheben sollte. In Laufe des Jahres sollen die Ergebnisse analysiert und die weitere Vorgehensweise beschlossen werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden auch Auswirkungen auf die zur Konsultation stehenden Guidelines on credit institutions’ credit risk management practices and accounting for expected credit losses (EBA/CP/2016/10) haben. Diese basieren auf den Leitlinien des Baseler Ausschusses zu Management und Bilanzierung von Kreditrisiken.

Compliance, Vergleichbarkeit und Konsistenz der Aufsichtspraktiken innerhalb der EU

Aufsichtliche Konvergenz steht ganz oben auf der Prioritätenliste der EBA. Nach einem ersten Bericht dazu in 2015 (EBA report on convergence of supervisory prac­tices) plant die EBA für 2016 weitere Maßnahmen, um die Einheitlichkeit der Bankenaufsicht voranzutreiben. Vorgesehen sind zum einen weitere Beobachtungen vor allem im Zusammenhang mit der Umsetzung der SREP-Leitlinien. Zum anderen plant die EBA Vor-Ort-Prüfungen bei den zuständigen Aufsichtsbehörden des SSM, um zu bestimmten Themen die gegenwärtigen Praktiken und Umsetzungsstände tiefergehend zu erheben. Im Fokus stehen dabei die Umsetzung und Anwendung der SREP-Methodik sowie die Herausforderungen und Schwierigkeiten der Home/Host-Überwachung durch die Supervisory Colleges.

Weiterentwicklung der EBA SREP-Leitlinien

Im Zusammenhang mit den zu Jahresbeginn 2016 in Kraft getretenen SREP-Leitlinien (dazu ausführlicher unser Blog Beitrag: „Update zu den Finalen Guidelines for the SREP“ vom 06. Februar 2015) entwickelt die EBA eine Reihe von ergänzenden Leitlinien, die sich in unterschiedlichen Stadien der Konsultation/Finalisierung befinden:

  • Stresstesting

Bis Anfang 2016 konsultierte die EBA die Guidelines on stress testing and supervisory stress testing (EBA/CP/2015/28). Diese ersetzen zum einen die CEBS Guidelines on institutions’ stress testing (GL 32) im Hinblick auf die institutsinternen Stresstests; zum anderen umfassen sie auch die Beurteilung dieser Stresstests durch die Aufsicht bzw. die aufsichtlichen Stresstests.

  • ICAAP und ILAAP

Die Konsultation zu den Guidelines on ICAAP and ILAAP information collected for SREP purposes (EBA/CP/2015/26) soll in 2016 abgeschlossen werden. Die Leitlinien konkretisieren, welche Informationen durch die Aufsicht bei der Beurteilung des ICAAP und ILAAP herangezogen werden sollen bzw. welche Informationen die Institute bereitstellen sollen (vgl. PwC Risk Blog: „Konsultationspapier: Guidelines on ICAAP and ILAAP information collected for SREP purposes veröffentlicht“ vom 18. Dezember 2015)

  • Behandlung des CVA Risk im Rahmen des SREP

    Die Konsultation zu den EBA Guidelines on the treatment of CVA risk under the SREP (EBA/CP/2015/21) startete im November 2015. Parallel dazu führte die EBA Anfang 2016 eine Quality Impact Study (QIS) durch, um die angemessene Kalibrierung der vorgesehenen Schwellenwerte sicherzustellen. Die noch zu finalisierenden Leitlinien sollen den Aufsichtsbehörden helfen, das CVA Risk der Institute angemessen zu beurteilen und adäquate Kapitalanforderungen zur Risikoabdeckungen festzulegen. 

  • Information and Communication Technology (ICT) risk

Auf der Prioritätenliste der EBA steht weiterhin, die aus Informations- und Kommunikationstechniken (ICT) resultierenden Risiken besser einzuschätzen und zu beurteilen. Hierzu will die EBA in 2016 Leitlinien vorlegen, die Details zur aufsichtlichen Beurteilung der ICT-Governance, zu institutsweiten Kontrollen der ICT-Infrastruktur und zu den Auswirkungen von ICT-Risiken auf die Kapitalausstattung beinhalten sollen.

Verbesserung der Einheitlichkeit bei der RWA Kalkulation

Um mögliche Unstimmigkeiten in der Berechnungsmethodik innerhalb der EU zu beseitigen, wird die EBA jährlich sog. „Benchmark Exercises“ durchführen. Der finale ITS on benchmarking portfolios muss noch von der EU Kommission angenommen werden. In 2016 liegen die Schwerpunkte der Benchmarking Exercise auf der Ermittlung des Kreditrisikos sowie des Marktrisikos. Der ITS bestimmt die benchmarking portfolios, sowie die Vorlagen, Definitionen und IT-Lösungen, die für die Exercise herangezogen werden. Ein weiterer RTS-Entwurf behandelt den Informationsaustauch zwischen der Nationalen Aufsicht und der EBA sowie die Standards der Bewertung der internen Modelle.

Überarbeitung der Säule 3

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat bereits 2015 eine Überarbeitung der regulatorischen Offenlegungsanforderungen in der Säule 3 (Revised Pillar 3 disclosure requirements – BCBS 309) vorgelegt. Mit Hilfe der Leitlinien für die Offenlegung unter Teil 8 der CRR (Consultation on Guidelines on disclosure under Part Eight of Regulation (EU) 575/2013 (EBA/CP/2016/07)) integriert die EBA die Änderungsvorschläge des Baseler Ausschusses in die bestehenden Offenlegungsanforderungen der CRR (ausführlicher dazu Regulatory Blog Beitrag: „EBA Entwurf zu den Leitlinien für die Offenlegung unter Teil 8 der CRR“ vom 12. August 2016).

Sicherstellen der Umsetzung des Rahmenwerks zum Krisenbewältigung

Mit der Bankenabwicklungsrichtlinie (BRRD) und der Richtlinie über Einlagensicherungssysteme (DGSD) ist der Rahmen für die Krisenbewältigung der Institute weitgehend gesteckt. Die EBA hat für 2016 mehrere Punkte auf ihrer Agenda, die die Umsetzung dieser Rahmenbedingungen unterstützen und zur Entwicklung einer effektiven Abwicklungsplanung beitragen sollen. Dazu gehört unter anderem die Veröffentlichung eines Bericht zur Umsetzung und Ausgestaltung der MREL (EBA interim Report on Implememtation and Design of the MREL framework (EBA/OP/2016/12)). Weitere Punkte sind die Prüfung und Bewertung von Abwicklungsfällen, die Zusammenarbeit mit nationalen Abwicklungsbehörden und auf internationaler Ebene mit dem Financial Stability Board sowie die Durchführung von vergleichenden Analysen von Abwicklungsplänen und die Entwicklung von praktischen Leitfäden zur Unterstützung der Abwicklungsbehörden in bestimmten regulierten Bereichen.

Verbraucherschutz und Überwachung von Finanzinnovationen

Für 2016 plant die EBA mehrere regulatorische Anforderungen, um Verbraucher besser vor Schäden durch Bankprodukte zu schützen. Dazu hat die EBA einen RTS für standardisierte Terminologie für die gebräuchlichsten Bankdienste angekündigt. Darüber hinaus ist ein ITS vorgesehen, der die Offenlegung solcher Dokumente behandelt, mit denen die Kosten der Kontenführung vergleichbar gemacht werden können. Die Finalisierung der Guidelines on the remuneration of sales staff (EBA/CP/2015/29) soll ebenfalls in 2016 abgeschlossen werden.

Im Hinblick auf Finanzinnovationen steht der Umgang mit Verbraucherdaten und den daraus resultierenden Risiken auf der „To do“-Liste der EBA. Bereits im Mai 2016 hat die EBA dazu ein Diskussionspapier veröffentlicht (Discussion Paper on innovative uses of consumer data by financial institutions (EBA/2016/01)).

Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) und Verordnung über Interbankenentgelte (IFR)

Im Zusammenhang mit der Zahlungsdiensterichtlinie sind der EBA zahlreiche Mandate zur Entwicklung von Standards und Leitlinien übertragen (z.B.: strong customer authentication and secure communication, framework for cooperation and exchange of information between Competent Authorties for passporting, guidelinies on complaints procedures). Seit Ende Juli 206 liegt der finale RTS on payment card schemes and processing entities under the IFR (EBA/RTS/2016/05) vor.

Fazit

Insgesamt wird die Arbeit der EBA wohl kaum weniger. Allerdings lässt sich eine gewisse Verschiebung erkennen: Die Intensität des „regulatorischen outputs“ wird reduziert zugunsten einer Verlagerung des Fokus auf die Auswirkungen des bisher gesetzten regulatorischen Rahmens. Jetzt geht es darum, das Reformpaket auch in der Praxis funktionsfähig zu machen und zu halten. Die große Herausforderung besteht darin, die Komplexität der Regulierungsvorgaben mit dem gewollten proportionalen Regulierungsansatz in Einklang zu bringen.

Spezialfinanzierungen – Risikogewichte nach dem Slotting Approach

Die European Banking Authority (EBA) hat am 13. Juni 2016 den finalen Entwurf der „Regulatory Technical Standards on Assigning Risk Weights to Specialised Lending Exposures under Art. 153(9) CRR” (EBA/RTS/2016/02) veröffentlicht. Damit kommt sie ihrem Auftrag zur Präzisierung der Faktoren nach Art. 153 Abs. 5 CRR, die die Institute bei der Zuweisung von Risikogewichten bei Spezialfinanzierungen im Rahmen des Slotting Ansatzes zu berücksichtigen haben, nach.

Hintergrund

Ausfallrisiken und potentielle Verluste bei Spezialfinanzierungen (Specialised Lending – SL) sind in besonders hohem Maße vom wirtschaftlichen Erfolg des finanzierten Projektes abhängig. Daher sind diese Risikopositionen, die grundsätzlich der Forderungsklasse Unternehmen angehören, im Rahmen der Anwendung des IRBA immer dann zu separieren, wenn die in Art. 147 Abs. 8 CRR aufgelisteten Kriterien zutreffen:

  1. die Forderung besteht gegenüber einer Gesellschaft, die speziell zur Finanzierung und Durchführung des Projektes gegründet wurde;
  2. die vertraglichen Vereinbarungen gewähren dem Kreditgeber einen erheblichen Einfluss auf die betreffenden Vermögenswerte und die durch diese generierten Einkünfte;
  3. die Rückzahlung der Verbindlichkeit wird im Wesentlichen durch Einkünfte gewährleistet, die durch die finanzierten Vermögenswerte erwirtschaftet werden.

Grundsätzlich stehen für SL drei Wege zur Zuweisung von Risikogewichten zur Verfügung:

  • der Basis-IRBA (bei dem die Institute keine eigenen Schätzungen für die LGD und die Konversionsfaktoren verwenden);
  • der fortgeschrittene IRBA (mit eigenen Schätzungen der LGD und der Konversionsfaktoren) sowie
  • für die Fälle, in denen die Bank nicht in der Lage ist, die Verlustwahrscheinlichkeit PD zu schätzen oder die Mindestanforderungen an die Bestimmung der Ausfallwahrscheinlichkeiten zu erfüllen, sieht Art. 153 Abs. 5 CRR die Zuweisung von aufsichtlich vorgegebenen Risikogewichten vor („Supervisory Slotting Approach“).

Supervisory Slotting Approach

Bei Anwendung des Slotting Approach haben die Institute die Zuweisung der Risikogewichte zu den Forderungen unter Berücksichtigung von fünf in Art. 153 Abs. 5 Satz 2 CRR aufgelisteten Faktoren vorzunehmen:

  • Finanzkraft,
  • politische und rechtliche Rahmenbedingungen,
  • Transaktions- und/oder Vermögenswertmerkmale,
  • Stärke des Geldgebers und des Trägers unter Berücksichtigung etwaiger Einkünfte aus öffentlich-rechtlichen Partnerschaften sowie
  • Absicherungspaket

Diese Faktoren sind als Hauptrisikotreiber zwingend bei der Ermittlung des Risikogewichts für die fraglichen Positionen zu berücksichtigen.

Die Zuweisung der Risikogewichte nach EBA/RTS/2016/02

Mit dem neuen RTS präzisiert die EBA diese Faktoren im Hinblick auf verschiedene Spezialfinanzierungsklassen. In Anlehnung an die entsprechenden Ausführungen des Baseler Ausschusses, unterscheidet die EBA folgende Klassen:

  1. Projektfinanzierungen,
  2. Immobilienfinanzierungen,
  3. Objektfinanzierungen sowie
  4. Rohstofffinanzierungen

Für jede SL-Klasse gliedert die EBA die Hauptrisikotreiber (Faktoren) mit Blick auf die jeweiligen spezifischen Risiken in einer Bewertungstabelle in Sub-Faktoren und Sub-Faktor-Komponenten auf. Beispielhaft zeigt die folgende Abbildung einen Teil der für Projektfinanzierungen vorgesehenen Bewertungstabelle:

SLQuelle: EBA/RTS/2016/02, S. 15.

Da es bei der Bewertung vorkommen kann, dass die Sub-Faktoren (bzw. auch die Komponenten der Sub-Faktoren) unterschiedlichen Kategorien zugeordnet werden, gibt die EBA in Art. 1 des RTS einen mehrere Schritte umfassenden Prozess vor, um eine gewisses Maß an Einheitlichkeit zu gewährleisten: Zunächst hat eine Aggregation ausgehend von den Sub-Faktor-Komponenten über die Sub-Faktoren bis zu den einzelnen Faktoren (Hauptrisikotreibern) unter Berücksichtigung der relativen Bedeutsamkeit der einzelnen Bestandteile zu erfolgen. Die Faktoren/Hauptrisikotreiber sind dann im Zuge der Ermittlung des gewichteten Durchschnitts einer einzigen Kategorie (gegebenenfalls gerundet) zuzuordnen.

Unter Berücksichtigung der verbleibenden Laufzeit erfolgt im letzten Schritt die Risikogewichtung über die Zuordnung der Spezialfinanzierung in die entsprechenden Kategorie (Tabelle 1 Art. 153 Abs. 5 CRR).

 Restlaufzeit  Kategorie

1

 Kategorie

2

 Kategorie

3

 Kategorie

4

 Kategorie

5

 Unter 2,5 Jahren  50%  70%  115%  250%  0%
 2,5 Jahre oder länger  70%  90%  115%  250%  0%

Ausgefallene Risikopositionen sind stets der Kategorie 5 zuzuordnen.

Herausforderungen für die Institute

Die detaillierten Vorgaben der EBA machen in aller Regel eine Anpassung der bestehenden Prozesse erforderlich. Die Institute haben umfangreiche Dokumentationsanforderungen zu erfüllen: So haben sie für sämtliche Positionen, die ein Risikogewicht mittels des Slotting Approach erhalten haben, folgende Infomationen zu dokumentieren:

  • die Spezialfinanzierungs-Klasse,
  • die Kategorie in Tabelle 1 (Art. 153 (5) CRR), der die fragliche Position letztlich zugeordnet wurde,
  • die Bewertung der Spezialfinanzierungs-Risikoposition auf jeder Ebene des mehrstufigen Aggregationsprozesses und zusätzlich
  • für jede Risikoposition die jedem einzelnen Faktor im Zuge des beschriebenen Aggregationsprozesses beigelegten Gewichtungen.

Zeitplan

Die Banken haben nach der (noch ausstehenden) Veröffentlichung des RTS im EU-Amtsblatt ein Jahr Zeit für die Anpassung ihrer bestehenden Prozesse.

Ausblick

Änderungen bei der aufsichtlichen Behandlung von Spezialfinanzierungen zeichnen sich auf Basis des Konsultationspapieres des Baseler Ausschusses zur Anwendung des IRBA („Reducing variation in credit risk-weighted assets – constraints on the use of internal model approaches“) vom 24. März 2016 ab. Vorgesehen ist, dass im Rahmen des IRBA künftig ausschließlich der Supervisory Slotting Ansatz anwendbar sein soll. Dies dürfte zu einer deutlich höheren Relevanz dieses Ansatzes in der Praxis führen. Da der Baseler Ausschuss seine Arbeiten im Zusammenhang mit der Überarbeitung der IRB-Ansätze bis zum Jahresende 2016 abschließen möchte, sollten sich alle Institute, die die Zuweisung von Risikogewichten bei ihren SL-Positionen bislang mit Hilfe des IRBA, aber nicht mittels des Slotting-Approach, vorgenommen haben, möglichst zeitnah mit den Vorgaben der EBA auseinandersetzen.

 

Single Resolution Board zur Umsetzung der MREL-Anforderungen

Das Single Resolution Board (SRB) in der Rolle der europäischen Abwicklungsbehörde mit der Verantwortlichkeit für EZB-regulierte und international tätigen Institute, hat zum 01. Januar 2016 seine Arbeit aufgenommen. Am 12. Januar 2016 fand ein Treffen zwischen den Vertretern der EZB, EBA, nationalen Aufsichts- und Abwicklungsbehörden und den Bankenverbänden statt. Dabei wurden seitens des SRB erste Konkretisierungen über Anforderungen und Zeitplan zur Umsetzung der MREL Anforderungen vorgetragen (SRB Second Industry Dialogue: SRB Approach to MREL in 2016 & Technical Aspects of calibrating MREL). MREL (“Minimum requirements for own funds and eligible liabilities“) als ein Teil der Abwicklungsplanung fordert, dass Institute über das regulatorische Kapital hinaus weitere Verbindlichkeiten vorzuhalten haben, die im Falle der Abwicklung abgeschrieben oder in neues regulatorisches Kapitel gewandelt werden können. Damit soll verhindert werden, dass künftig der Staat bzw. die Steuerzahler für eine Bankenrettung aufkommen müssen.

Indikative Anforderungen ab Q1 2016, Festlegung der Quote in Q3 2016

Für große Institutsgruppen soll die Entscheidung über die institutsindividuelle MREL-Quote in Q3/Q4 2016 erfolgen. Das SRB will den Instituten in Q1/Q2 bereits eine erste indikative MREL-Anforderung übermitteln, die im Anschluss über den formalen Genehmigungsprozess mit nationalen Behörden, EZB und Abwicklungskollegien in eine MREL-Quote, inkl. eines detaillierten Umsetzungs- und institutsindividuellen Phase-in-Plans überführt werden soll. Im Anschluss unterliegt die Quote einer jährlichen Prüfung und Aktualisierung im Rahmen der Abwicklungsplanung.

Einzel- und Gruppenebene

Grundsätzlich ist künftig eine MREL-Quote auf Gruppen- und auf Einzelebene zu erfüllen. In 2016 werden gem. aktueller Veröffentlichung zunächst die konsolidierten Anforderungen bzw. die der Mutterunternehmen in den Fokus gestellt; individuelle Töchteranforderungen werden im kommenden Jahr spezifiziert.

Erwartete Mindestanforderung

Auch wenn das SRB betont, dass MREL eine institutsindividuelle Einzelbewertung erfordert, werden die 8% Mindest-MREL-Quote bezogen auf die Gesamtverbindlichkeiten als Richtgröße für alle Banken unter SRB Verantwortung als wahrscheinlich erachtet. Hintergrund dieser Quote ist die Nutzung des Bankenrettungsfonds. Dieser kann nur in Anspruch genommen werden, wenn vorab bereits 8% der Verbindlichkeiten eines Instituts über einen Bail-in in der Abwicklung berücksichtigt wurden.

Für die Kalibrierung des MREL-Kapitals zur Verlustdeckung und anschließenden Rekapitalisierung des Restinstitutes will sich das SRB an die bestehenden Vorgaben der EBA orientieren (siehe auch EBA RTS 2015/05 und unseren Regulatory Blog Beitrag: „Update MREL: Präzisierung der Anforderungen durch die EBA“ vom 07. Oktober 2015). Die Finalisierung des RTS steht noch aus. Eine Offenlegung über das konkrete Verfahren zur Festlegung der jeweiligen Quoten sieht das SRB unter Berufung auf die Sensibilität der Informationen aktuell nicht vor.

Strategische Auswirkungen

Im Falle der Abwicklung muss grundsätzlich der Haftungskaskade der Insolvenz gefolgt werden, d.h. Investoren dürfen nicht schlechter gestellt werden als in der Insolvenz. Vor diesem Hintergrund will das SRB einen besonderen Fokus auf die Analyse von Verbindlichkeiten legen, die im Falle der Abwicklung aus operativen Gründen vom Bail-in ausgeschlossen werden könnten. Wird dieser Anteil als potentiell zu hoch eingestuft, führt dies zu einer höheren MREL-Anforderung. Für den geplanten Austausch mit dem SRB sollen sich Institute zudem ein eigenes Bild über vom Bail-in ausgeschlossene Verbindlichkeiten machen.

Darüber hinaus verlangt das SRB von den Instituten eine MREL-Emissions-Strategie zu möglichen Instrumenten, potentiellen Investoren und einer Einschätzung zum platzierbaren Volumen.

Operative Herausforderungen: granulares Reporting, Vorab-Datenerhebung ab Februar 2016

Das SRB kündigt erstmals offiziell an, dass MREL in eine laufende Meldeanforderung übergehen wird – ggf. als fester Bestandteil des COREP. Das Reporting kann ab 2017 in Kraft treten. Dabei ist ein granularer Aufriss der gesamten Passivseite zu erwarten. Eine Meldefrequenz wird vorerst nicht spezifiziert.

Unabhängig von einem regelmäßigen Reporting wird dem Hintergrund der Wirksamkeit eines Bail-in-Tools im Falle einer Abwicklung die Fähigkeit zur kurzfristigen Bereitstellung von Daten als eine essentielle Voraussetzung angesehen.

Bereits ab Februar 2016 sollen granulare Vorab-Datenerhebungen stattfinden, die das SRB als Entscheidungsgrundlage für die Festlegung der MREL-Anforderung heranziehen wird. Diese Datenabfragen können sowohl auf Gruppen- als auch auf Einzelinstitutsebene gestellt werden und auf Einzelgeschäftsinformationen heruntergebrochen sein.

Die Ankündigungen des SRB machen deutlich, dass der Aufbau eines MREL-Datenhaushaltes bereits in 2016 eine wesentliche Herausforderung für alle Banken darstellen wird.