Kategorie: Risikomanagement

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SREP 2016 und Aufsichtsrechtliche Ziele in 2017

Mitte Dezember hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Ergebnisse der Überprüfung und Bewertung im Rahmen des einheitlichen Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) für 2016 veröffentlicht (EZB: The Supervisory Review and Evaluation Process in 2016).

Die aufsichtsrechtlichen Kapitalvorgaben der direkt von der EZB beaufsichtigten Banken entsprechen in etwa denen des Vorjahres: durchschnittlich wird eine harte Kernkapitalquote von ca. 10% gefordert (EZB: SSM SREP Methodology Booklet – 2016 Edition), wobei diese Größe vom individuellen Geschäfts- und Risikoprofil der Bank abhängt. Für 2016 wurden auf Basis des SREP erstmals unterschiedliche Kapitalanforderungen gestellt: die unmittelbar rechtsverbindlichen Anforderungen der Säule 2 (Pillar 2 RequirementP2R) sowie die Empfehlungen zur Kapitalausstattung der Säule 2 (Pillar 2 GuidanceP2G). Auch wenn die Nichterfüllung der von der EZB ausgesprochenen Kapitalempfehlung keine unmittelbaren rechtlichen Konsequenzen hat, erwartet die EZB doch, dass die Banken dieser Empfehlung folgen. Tun sie es nicht, schauen die Aufseher genauer hin – und können entsprechende aufsichtliche Maßnahmen festlegen.

Um sicherzustellen, dass die Kapitalanforderungen und – empfehlungen auch eingehalten werden können, hat die EZB parallel zwei Empfehlungen veröffentlicht, die sich auf die Dividendenausschüttungs- und Vergütungspolitik der beaufsichtigten Banken beziehen (Empfehlung EZB/2016/44 der Europäischen Zentralbank vom 13. Dezember 2016 zur Dividenden- Ausschüttungspolitik und Empfehlung zur Vergütungspolitik). Sowohl die Festlegung der Dividendenausschüttungs- als auch die Vergütungspolitik sollte auf der Basis konservativer und vorsichtiger Annahmen erfolgen. Potentiell nachteilige Auswirkungen auf die Kapitalerhaltung sind vorausschauend zu berücksichtigen

Weiterhin hat die EZB bereits ihre Aufsichtsprioritäten für 2017 angekündigt (EZB-Bankenaufsicht: Prioritäten des SSM im Jahr 2017). Dabei stellt sie klar, dass es sich dabei nicht um eine abschließende Aufzählung handeln kann. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Niedrigzinsphase stehen die thematische Überprüfung der Geschäftsmodelle der Banken und deren Erfolgsfaktoren im Fokus der Aufsicht. Hierbei sollen auch mögliche Auswirkungen des britischen Referendums zur EU-Mitgliedschaft sowie potenzielle Risiken aus dem zunehmenden Wettbewerb durch FinTechs und Nichtbanken bei der Beurteilung berücksichtigt werden.

Weitere Aufsichtsmaßnahmen für 2017 betreffen das Kreditrisiko der Banken mit besonderem Fokus auf notleidende Engagements und Konzentrationsrisiken. Dazu hat die EZB bereits den Entwurf eines Leitfadens zu notleidenden Krediten (ECB Draft guidance to banks on non-performing loans)  vorgelegt. Dieser enthält neben den Best-Practice-Empfehlungen auch die Erwartungen der EZB, wie Banken ihren Bestand an notleidenden Forderungen managen und letztlich abbauen sollen. Im Wesentlichen geht es hier um die Anforderungen an Entwicklung und Umsetzung von NPL-Strategien, Governancestrukturen, Richtlinien und Prozesse sowie Hinweisen für die Berechnung von Wertminderungen, Abschreibungen und Bewertungen. Folgemaßnahmen oder Aufsichtsgespräche im Zusammenhang mit dem Leitfaden und der Bewertung von NPL hat die EZB bereits in Aussicht gestellt. Darüber hinaus analysiert die EZB bei den Instituten mögliche Auswirkungen von IFRS 9. Ebenso will sie den Stand der Vorbereitungen für die Einführung von IFRS 9 unter die Lupe nehmen.

Der Untersuchungsgegenstand „Risikomanagement“ wird um neue Aspekte erweitert: Zunächst erfolgt auch in 2017 eine Überprüfung der Einhaltung der Grundsätze für die effektive Aggregation von Risikodaten und die Risikoberichterstattung, um eine hohe Datenqualität als Voraussetzung für zuverlässige Risikoinformationen und eine verlässliche Risikokontrolle zu gewährleisten. Die internen Modelle der Banken zur Risikomessung und –beurteilung werden mit dem Targeted Review of Internal Models (TRIM) einem mehrjährigen Überprüfungsverfahren inklusive Vor-Ort-Prüfungen unterzogen. Um die Risiken im Zusammenhang mit Auslagerungen in den Griff zu bekommen, plant die EZB-Bankenaufsicht eine Untersuchung zur Bestandsaufnahme der ausgelagerten Aktivitäten der Banken und zur Steuerung der mit den Auslagerungen verbundenen IT und sonstigen Risiken.

IT- und Cyberrisiken wird die Bankenaufsicht in 2017 insgesamt intensiv hinterfragen. So hat die EZB angekündigt, den Ansatz zur Beurteilung der in dieser Hinsicht bestehenden bankseitigen Kontrollen auszubauen, und aufsichtliche Erwartungen zu IT-Risikokontrollen und –management für Banken zu erarbeiten, die für alle der europäischen Bankenaufsicht unterliegenden Banken gelten werden. Zudem läuft eine Konsultation der EBA zum Thema ICT Risk (Information and Communication Technology). Die EBA Leitlinien sollen den Aufsehern Umfang und Methoden aufzeigen, wie das ICT Risk im Rahmen des SREP einzuwerten ist.

Basel IV – Die Neuerungen des Basel IV-Pakets in Ihrer Hand

Warum noch ein Buch ?

Basel IV haben wir in unserem Regulatory Blog und unserem regelmäßigen Basel IV Channel ständig im Blick. Der Umfang der Reformvorschläge des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, die Komplexität der ins Auge gefassten Änderungen und die damit verbundenen Herausforderungen und vielen Fragen haben uns dazu bewogen, die Neuerungen des Basel-IV-Pakets kompakt in unserem aktuellen Buch: „Basel IV“ zusammenzufassen.

Unsere Regulatory-Experten aus allen Bereichen haben sich zum Ziel gesetzt, die umfangreichen Papiere für Sie zu strukturieren und Hilfestellung bei der Erfassung der komplexen Vorgänge, Methoden und Anforderungen zu geben. Herausgekommen ist eine übersichtliche, verständliche und praxisrelevante Darstellung des aktuellen Standes des Basel-IV-Pakets.

Was ist drin ?

Sie finden ausführliche Kapitel zu allen wichtigen Themen der Basel IV-Vorschläge:

  • Kreditrisikostandardansatz (KSA)
  • Kontrahentenrisiko (SA-CRR)
  • Verbriefungen
  • Basel IV für Fonds
  • Fundamental Review of the Trading Book
  • CVA Risk Capital Charge
  • Operationelles Risiko
  • Floor Regelung
  • Baseler Großkredit-Rahmenwerk
  • Offenlegung
  • Zinsänderungsrisiken im Bankbuch
  • Corporate Governance
  • TLAC und MREL

Für wen lohnt sich die Lektüre ?

Das Buch richtet sich sowohl an Praktiker, die die Reformvorschläge innerhalb der Bank und insbesondere im Risikomanagement und Regulatory Reporting umsetzen, als auch aufgrund der detaillierten Darstellungsweise an wissenschaftlich orientierte Leser. Durch die hohe strategische Relevanz ist das Buch jedoch auch für Führungskräfte, Strategiebereiche und Vorstände von besonderem Interesse.

Mit diesem Buch erhalten Sie einen umfassenden und einzigartigen Wegweiser durch den „Reformdschungel“, ergänzt durch viele Übersichten und Grafiken.

Das Buch ist erschienen im Bank-Verlag und kann im Webshop bestellt werden.

BaFin Konsultation zur Umsetzung der EBA-Leitlinien zur Begrenzung von Forderungen an Schattenbanken

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 22. Juni 2016 den Entwurf des Rundschreibens über Obergrenzen für Risikopositionen gegenüber Schattenbankunternehmen veröffentlicht und die Konsultationsphase eröffnet (Konsultation 05/2016 – Rundschreiben zur Umsetzung der EBA Leitlinien über Obergrenzen für Risikopositionen gegenüber Schattenbankunternehmen).

Hintergrund

Das im Entwurf befindliche Rundschreiben bezieht sich auf die am 14. Dezember 2015 von der EBA erlassenen und im Nachgang in die EU-Amtssprachen übersetzten „Guidelines on limits on exposures to shadow banking (EBA/GL/2015/20)“. Im Zuge des sog. „Comply or Explain“-Verfahrens haben die nationalen Aufsichtsbehörden „alle erforderlichen Anstrengungen“ zu unternehmen, um den Leitlinien der EBA nachzukommen. Für den Fall, dass die nationalen Aufsichtsbehörden den Leitlinien nicht zu folgen beabsichtigen, ist gegenüber der EBA eine Erklärung abzugeben. Gegenstand des vorliegenden BaFin-Entwurfs vom 22. Juni 2016 ist nun die vollständige Umsetzung der EBA-Leitlinien („Comply“); die BaFin sieht somit keinen Grund, den EBA-Leitlinien nicht zu folgen.

Wesentlicher Inhalt

Inhaltlich entspricht der Entwurf nahezu wortgleich den (ins Deutsche übersetzten) EBA-Leitlinien, über die wir bereits ausführlich berichtet haben (siehe dazu unseren Blog-Beitrag: „EBA-Leitlinie zur Begrenzung von Forderungen an Schattenbanken“ vom 7. Januar 2016 ). Die BaFin hat lediglich den Anwendungsbereich des Rundschreibens an die deutsche Banken- und Finanzaufsichtspraxis angepasst. Demnach erstreckt sich dieser auf sämtliche Kreditinstitute mit Ausnahme der bedeutenden beaufsichtigten Unternehmen im Sinne des Art. 2 Nr. 17 der Verordnung (EU) Nr. 468/2014 zur Einrichtung eines Rahmenwerks für die Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Zentralbank und den nationalen zuständigen Behörden und den nationalen benannten Behörden innerhalb des einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM-Rahmenverordnung). Letztere werden im Rahmen des SSM direkt durch die Europäische Zentralbank (EZB) beaufsichtigt und unterliegen somit den von der EZB als EU-Institution angewendeten EBA-Leitlinien. Darüber hinaus haben alle Finanzdienstleistungsinstitute der Gruppen I, II und V die Vorgaben des BaFin-Rundschreibens zu beachten.

Das Rundschreiben soll – wie in den EBA-Leitlinien vorgesehen – bereits zum 1. Januar 2017 in Kraft treten. Der Entwurf sieht keine Übergangsregelungen vor.

In Kürze informieren wir Sie an dieser Stelle über die aktuellsten fachlichen Diskussionen zur Umsetzung der Leitlinien sowie die bisherigen Erkenntnisse aus der Konsultationsphase.

Aktuelle Kapitalpufferanforderungen sowie Berechnung der zusätzlichen Kapitalanforderungen im Zusammenhang mit dem SREP

Die regulatorischen Eigenkapitalanforderungen an Banken wurden durch die Vorgaben der Eigenkapitalverordnung (Capital Requirements Regulation 575/2013 (CRR)) deutlich ausgeweitet. Als Reaktion auf die Finanzmarktkrise wurde die Mindestquote für das vorzuhaltende harte Kernkapital erhöht. Zusätzlich wurden die qualitativen Kriterien für die Eigenkapitalbestandteile verschärft, um die Verlustabsorptionsfähigkeit der Banken zu erhöhen. Darüber hinaus wurden im Zuge der Umsetzung der CRD IV (Richtlinie 2013/36/EU) weitere Kapitalpuffer in das Kreditwesengesetz eingeführt, um die Widerstandsfähigkeit der Banken zu stärken (vgl. hierzu auch den Blogbeitrag „ Update: Neue Beschlüsse zum CRD IV-Umsetzungsgesetz vom 23. Mai 2013).

Aktuelle Regelungen zu Kapitalpuffern (Säule I)

  • Kapitalerhaltungspuffer (§ 10c KWG)

Seit dem 01.01.2016 haben alle Banken schrittweise über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg den aus hartem Kernkapital bestehenden Kapitalerhaltungspuffer aufzubauen. Er soll die Institute befähigen, bis zu einem gewissen Grad Verluste auffangen zu können, ohne die Mindesteigenkapitalanforderungen zu unterschreiten. Seine Zielgröße beträgt 2,5% der RWA (des Gesamtforderungsbetrages nach Art. 92 Abs. 3 CRR).

  • Antizyklischer Kapitalpuffer (§ 10d KWG)

Mit dem institutsspezifischen antizyklischen Kapitalpuffer soll zur Begrenzung übermäßigen Kreditwachstums ein zusätzlicher Kapitalpuffer aus hartem Kernkapital aufgebaut werden, der in Krisenzeiten dazu beitragen soll, dass Banken ihr Kreditangebot nicht zu stark einschränken. Dieser Puffer kann bis zu 2,5% betragen (mit einer dreijährigen Aufbauphase). Der Betrag für den inländischen antizyklischen Kapitalpuffer wird auf Basis gesamtwirtschaftlicher Datenanalysen vierteljährlich durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) festgelegt. Derzeit beträgt er für Deutschland 0%. Sofern eine Bank maßgebliche Kredite in andere Länder vergeben hat, erfolgt die Ermittlung des institutsspezifischen antizyklischen Kapitalpuffers als gewichteter Durchschnitt der in- und ausländischen antizyklischen Kapitalpuffer. Übersichten zu den Quoten für den antizyklischen Kapitalpuffern finden sich auf den Homepages des European Systemic Risk Board (ESRB) sowie des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS).

  • Kapitalpuffer für systemische Risiken (§ 10e KWG)

Den Aufbau dieses Kapitalpuffers mittels hartem Kernkapital kann die BaFin zur Abfederung systemischer oder makroprudenzieller Risiken, die zu einer Systemgefährdung führen können, anordnen, wobei in Abhängigkeit von der Höhe des Kapitalpuffers, im KWG genannte, europäische Institutionen und Behörden vorab zu unterrichten bzw. um Zustimmung zu bitten sind. Eine entsprechende Anordnung ist nur zulässig, sofern keine anderen Maßnahmen nach dem KWG und der CRR zur Abmilderung dieser Risiken zur Verfügung stehen. Adressat soll nicht ein einzelnes Institut, sondern alle Institute oder bestimmte Arten oder Gruppen von Instituten sein. Der Puffer kann nur für Risikopositionen gelten, die in einem Mitgliedstaat belegen sind, oder er kann für Institute auf Gruppen- oder Einzelebene (gewissermaßen grenzüberschreitend) angeordnet werden. Der Puffer beträgt mindestens 1%, ist aber nach oben unbeschränkt. Derzeit besteht keine Anordnung der BaFin zum Vorhalten dieses Puffers.

  • Kapitalpuffer für global systemrelevante Institute (§ 10f KWG)

Global-systemrelevante Institute (G-SIBs) haben ab 2016 einen zusätzlichen Kapitalpuffer von 1% bis 3,5% in Form von hartem Kernkapital auf konsolidierter Ebene vorzuhalten. Mit diesem Puffer soll zum einen die Widerstandsfähigkeit von großen, international tätigen Banken gestärkt werden. Zum anderen soll im Falle einer Schieflage das Vorhandensein ausreichender Eigenmittel dazu beitragen, eine geordnete Abwicklung zu gewährleisten. Die jeweils aktuelle Liste der global systemrelevanten Banken findet sich auf der Homepage des Finanzstabilitätsrats (Financial Stability Board (FSB)). In Deutschland erfolgt die Identifizierung der betreffenden Institute durch die nationale Aufsicht nach Maßgabe der Kriterien für die globale Systemrelevanz (Delegierte VO (EU) 1222/2014 vom 08. Oktober 2014 zur Ergänzung der Richtlinie 2013/36/EU des Europäischen Parlaments und des Rates durch technische Regulierungsstandards zur Festlegung der Methode zur Bestimmung global systemrelevanter Institute und zur Festlegung der Teilkategorien global systemrelevanter Institute). Derzeit muss nur die Deutsche Bank einen zusätzlichen Kapitalpuffer für G-SIBs von insgesamt 2,0% in hartem Kernkapital bilden. Der stufenweise Aufbau hat von Januar 2016 bis Januar 2019 zu erfolgen.

  • Kapitalpuffer für anderweitig systemrelevante Institute (§ 10g KWG)

Um der Systemrelevanz einzelner Institute auf nationaler Ebene Rechnung zu tragen, identifizieren BaFin und Deutsche Bundesbank gemeinsam die sogenannten anderweitig systemrelevanten Institute (Grundzüge der Methode zur Bestimmung anderweitig systemrelevanter Institute (A-SRI)). Die Ermittlung erfolgt entsprechend den Vorgaben des § 10g Abs. 2 KWG unter Berücksichtigung der einschlägigen EBA-Leitlinien für die Kriterien zur Bewertung von anderweitig systemrelevanten Instituten (Leitlinien für die Kriterien zur Festlegung der Anwendungsvoraussetzungen für Art. 131 Absatz 3 der Richtlinie 2013/36/EU (CRD) in Bezug auf die Bewertung von anderweitig systemrelevanten Instituten (A-SRI) (EBA/GL/2014/10)). Im Juni 2016 hat die BaFin eine Liste der 16 Institute mit Sitz in Deutschland, die als anderweitig systemrelevant identifiziert wurden, veröffentlicht („In Deutschland identifizierte anderweitig systemrelevante Institute und deren Kapitalpuffer“) Sie sind verpflichtet, einen institutsindividuellen Kapitalpuffer aus hartem Kernkapital (A-SRI-Puffer) von bis zu 2% der RWA auf konsolidierter Ebene vorzuhalten. Die Höhe dieses institutsindividuellen Kapitalpuffers hängt vom Grad der Systemrelevanz des jeweiligen Instituts ab. Der A-SRI-Puffer ist ab dem 01.01.2017 vorzuhalten und erhöht sich schrittweise, bis er zum 01.01.2020 vollständig einzuhalten ist.

Vorgaben zur Berechnung des SREP-Zuschlag (Säule II)

Die EBA fordert in ihren Leitlinien zum Supervisory Review and Evaluation Process (Guidelines on common procedures and methodologies for the supervisiory review and evaluation process (SREP), (EBA/GL/2014/13), dass die zuständigen Behörden neben den Eigenkapitalanforderungen nach der Säule I zusätzliche Eigenmittelanforderungen zur Deckung folgender Risiken bestimmen müssen:

  1. das Risiko unerwarteter Verluste sowie unzureichend abgedeckter erwarteter Verluste;
  2. die Gefahr der Unterschätzung von Risiken aufgrund von Modellschwächen;
  3. Risiken im Zusammenhang mit Schwächen der internen Governance.

Im Zuge des SREP werden somit alle bedeutsamen Risikoarten von der Aufsicht beurteilt. Für jedes Institut wird anschließend die insgesamt angemessene Eigenmittelausstattung (bestehend aus Eigenmittelanforderungen nach Säule I zuzüglich SREP-Zuschlag) festgesetzt.

Diese Vorgehensweise wird als „Säule I-plus“-Verfahren bezeichnet.

Gemäß der EBA-SREP-Leitlinie stehen folgende Risikoarten im Fokus der Ermittlung des SREP-Zuschlags:

  • Bestandteile des Adressenausfall-, Markt-, und operationellen Risikos, die nicht über die Vorgaben der CRR abgedeckt sind,
  • Kreditrisikokonzentrationen,
  • Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch
  • Modellschwächen, die zu einer Risikounterzeichnung führen können.

Nach der Festlegung der zusätzlichen Eigenmittelanforderung ist die Aufsichtsbehörde verpflichtet, diese mit den bestehenden Kapitalpufferanforderungen abzustimmen. Sofern sich sowohl Kapitalpufferanforderung als auch der SREP-Zuschlag auf dieselben Risiken oder Komponenten dieser Risiken beziehen, ist das betreffende Risiko durch den Kapitalpuffer abgedeckt und insofern keine zusätzliche Eigenmittelanforderung anzusetzen.

Folgende Graphik, die der Broschüre der EZB zur SREP-Methodik des SSM entnommen wurde, verdeutlicht den Rückgang der Nettoanforderungen bei Einbeziehung des stufenweisen Aufbaus des Kapitalerhaltungspuffers unter ansonsten gleichen Bedingungen:

Kapitalpuffer

 

Welche Kapitalpuffer können bei der Berechnung des SREP-Zuschlags Berücksichtigung finden?

Der Kapitalerhaltungspuffer als zusätzliches Schutzschild im Falle einer negativen Entwicklung des Instituts oder der Märkte kommt mit seiner umfassenden Zielsetzung als gegenrechnungsfähige Komponente in Betracht. Eine entsprechende Anrechnung des antizyklischen Puffers ist aufgrund seiner im Bereich der Kreditvergabe angesiedelten Wirkweise ebenfalls theoretisch denkbar, dürfte in der Praxis allerdings. schwer einkalkulierbar sein.

Die Kapitalpuffer zur Absicherung von Systemrelevanz (G-SIB sowie A-SRI) haben eine andere Zielrichtung als der SREP-Zuschlag, da Überlegungen einer globalen oder nationalen Systemrelevanz innerhalb des SREP keine Rolle spielen. Insofern wäre eine entsprechende Kürzung des SREP-Zuschlags nicht sachgerecht.

Sofern eine Pflicht zur Vorhaltung eines Kapitalpuffers für systemische Risiken bestünde, müsste analysiert werden, für welche Risiken dieser Puffer zu bilden ist und ob diese Risiken auch bei der Festlegung einer etwaigen zusätzlichen Eigenmittelanforderung nach SREP eine Rolle gespielt haben.

Zum Zusammenspiel der Kapitalpuffer, des SREP-Zuschlags sowie des ausschüttungsfähigen Höchstbetrags verweisen wir auf die Broschüre der EZB zur SREP-Methodik des SSM.

Hinsichtlich des geplanten Procedere bei der bevorstehenden Festlegung einer SREP-Kapitalzuschlags bei weniger bedeutenden Institute in Deutschland vgl. „Verfahren zur Festlegung eines SREP-Kapitalzuschlags bei weniger bedeutenden Instituten“ vom 6. Juni 2016 im PwC Risk Blog.

Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 5: Ausblick: EBA Leitlinien zur Offenlegung und untertägigen Liquidität

Mit der Einführung der CRR hat eine Regulierungswelle mit besonderem Fokus auf dem Thema Liquidität begonnen. Auch nach Beginn der Meldeverpflichtung für die beiden Liquiditätskennziffern Liquidity Coverage Ration (LCR) (dazu Regulatory Blog Beitrag: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 1: die Delegierte Verordnung zur Liquidity Coverage Ratio“ vom 16. Mai 2015) und der Net Stable Funding Ratio (NSFR) (dazu Regulatory Blog Beitrag: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 2: Finales Papier des Baseler Ausschusses zur Net Stable Funding Ratio“ vom 05. November 2015) steht das aufsichtliche Rad nicht still. Daher stellt sich nun die Frage wie und in welcher Form das Thema Liquidität in die Offenlegung einfließen wird. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat hierzu bereits in 2014 und 2015 Vorschläge erarbeitet (Liquidity coverage ratio disclosure standards (BCBS 272) und Net Stable Funding Ratio disclosure standards (BCBS 324)), die im Laufe des Jahres 2016 durch die European Banking Authority (EBA) konkretisiert werden sollen.

Auch bezogen auf die Meldeanforderungen wird nach der Einführung der Additional Liquidity Monitoring Metrics (ALMM) – siehe hierzu auch Regulatory Blog Beitrag: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 3: Additional Liquidity Monitoring Metrics (ALMM) vom 14. Januar 2016) – noch nicht das Ende der regulatorischen Initiativen erreicht. Vielmehr ist nun die untertägige Liquidität Gegenstand der aufsichtlichen Beratungen. Hierzu hat der Basler Ausschuss bereits Vorschläge erarbeitet (Monitoring tools for intraday liquidity management (BCBS 248)), die ebenfalls bis Ende 2016 durch die EBA aufgegriffen werden sollen.

Zukünftige Offenlegungsanforderungen für die Liquiditätskennzahlen

Die Offenlegungsanforderungen des Baseler Ausschusses sehen zwei grundsätzliche Bereiche vor:

  1. Quantitative Offenlegung über Einhaltung und Zusammensetzung der Quoten anhand standardisierter Templates
  2. Qualitative Offenlegung in Umfang und Inhalt in der Verantwortung der Institute

LCR-Offenlegung

Für die Offenlegung der LCR hat die EBA, basierend auf dem Mandat gemäß Art. 435 CRR am 11. Mai 2016 einen ersten Entwurf für eine Leitlinie zur Konsultation gestellt (Draft Guidelines on LCR disclosure to complement the disclosure of liquidity risk management under Article 435 of Regulation (EU) No 575/2013 (EBA/CP/2016/06)). Die EBA hat sich hierbei an den Vorschlägen des Basler Ausschuss aus dem März 2014 orientiert.

Analog zu den bisherigen Offenlegungsanforderungen im Zusammenhang mit den regulatorischen Eigenmitteln, zeigen die Entwürfe von Baseler Ausschuss und EBA, dass sich die quantitative Darstellung nicht auf eine 1:1 Abbildung der Meldebögen beschränkt, sondern abgewandelte und aggregierte Aufrisse gefordert sind. So sind bspw. die HQLA nur in ihrer Gesamtheit aufzuführen – ohne Detaildarstellung der Level und Kategorien.

Dafür sind bei den geforderten Werten jedoch weitere Datenanforderungen zu erfüllen: Darzustellen sind die LCR-Positionen (1) ungewichtet nach Bilanzwert, (2) gewichtet nach Anwendung von Haircuts, bzw. Zufluss- oder Abflussraten sowie angepasste Werte nach Anwendung von Caps für Zuflüsse oder Level 2A und 2B Aktiva. Zudem sind die Werte als Durchschnittswert zum Ende eines jeden Quartals zu ermitteln, was eine tägliche Berechnung der LCR und ihrer Bestandteile voraussetzt. Dies dürfte für die Mehrzahl der Institute eine große Herausforderung darstellen.

Der Basler Vorschlag sah vor, dass den zuständigen Aufsichtsbehörden Spielräume bei der Umsetzung zugestanden werden. Diese sollten es ermöglichen, die geforderten Durchschnittswerte zunächst auf Basis der monatlichen Meldung zu ermitteln. Die EBA hat keine gleichwertige Übergangsregelung formuliert, die operative Umsetzbarkeit einer täglichen Berechnung mit der erforderlichen Qualität jedoch noch einmal zur Konsultation gestellt.

Ergänzend zu den LCR-Bestandteilen sollen folgende qualitative Teilaspekte durch die Institute offengelegt werden:

  • Konzentration der Refinanzierungsquellen
  • Derivate-Exposures und ggf. Sicherheitenverpflichtungen
  • Währungsinkongruenzen in der LCR
  • Beschreibung der Organisation des Liquiditätsrisikomanagements wie z.B. Grad der Zentralisierung im Fall von Gruppen und die gruppeninterne Steuerung
  • Andere Zu- und Abflüsse, die für das Liquiditätsprofil relevant sind

Der Basler Vorschlag sah auch eine Kommentierung zur Entwicklung der Quote und deren wesentlichen Treiber im Zeitablauf sowie eine Erläuterung zur Zusammensetzung der liquiden Aktiva vor. Diese Aspekte wurden von der EBA nicht übernommen.

Darüber hinaus enthält die EBA Leitlinie eine LCR-übergreifende qualitative Offenlegungspflicht, mit der ein breites Spektrum des internen Liquiditätsmanagements abgedeckt werden soll. Der Entwurf sieht insbesondere vor, Informationen zur Organisation und Governance des Liquiditätsrisikomanagements, zu den Reportingstrukturen sowie eine Darstellung der Liquiditätsstrategie offenzulegen. Gefordert ist zudem eine Stellungnahme der Geschäftsleitung zur Angemessenheit der Risikomanagementstrategie und -systeme im Verhältnis zur Geschäftsstrategie in Bezug auf die Liquidität.

Die Finalisierung und die anschließende Umsetzung der EBA Leitlinie durch die nationalen Behörden sollen bis zum Juni 2017 abgeschlossen sein. Für die Frequenz der Offenlegung wird in den Leitlinien keine verbindliche Vorgabe über die jährliche Frequenz hinaus gemacht. Speziell die LCR-Quote sowie ihre beiden wesentlichen Bestandteile, d.h. die hochliquiden Aktiva und der Nettozahlungsmittelabflüsse werden jedoch als „rasch veränderliche“ Werte definiert, für die gemäß den Vorgaben der EBA Leitlinie 2014/14 zur Offenlegung – umgesetzt über das BaFin Rundschreiben 2015/05 – Umsetzung der EBA-Leitlinien zur Offenlegung vom 08.06.2015 – eine höhere als eine jährliche Offenlegungsfrequenz angeregt wird. Dessen ungeachtet legen einzelne Institute bereits heute die LCR auf Basis der Baseler Vorgaben offen, weil dies u.a. von den Marktteilnehmern eingefordert wird.

NSFR-Offenlegung

Die Offenlegung der NSFR Bestandteile hängt im ersten Schritt mit den Entscheidungen des EU-Verordnungsgebers über die Kalibrierung und Anwendung der Standards zusammen, die bis zum Ende des Jahres erfolgen soll. Sofern die Einführung einer verbindlichen Quote final entschieden ist, kann im zweiten Schritt mit einer einheitlichen Offenlegungsanforderung gerechnet werden.

Unabhängig von der ausstehenden Entscheidung auf EU-Ebene hat sich der Baseler Ausschuss bereits Gedanken über eine standardisierte Offenlegung der NSFR gemacht und eine Anwendung ab 2018 angeregt.

Aufzubereiten wären hiernach die vierteljährlichen Stichtagswerte – entweder im Rahmen der halbjährlichen oder vierteljährlichen Gesamtoffenlegung des Institutes. Im Bereich der qualitativen Angaben sehen die Vorschläge des Komitees eine Zeitreihenanalyse und zusätzliche Erklärungen zu voneinander abhängigen Aktiva und Verbindlichkeiten vor.

Intraday Liquidity – Leitlinien zum Reporting der untertägigen Liquidität

Der Basler Ausschuss hat auch hier bereits in 2013 ein erstes Konsultationspapier veröffentlicht (BCBS 248).

Es ist zunächst nicht vorgesehen weitere harte Mindestanforderungen zu implementieren, sondern vielmehr Beobachtungskennzahlen abzufragen. Ein wesentliches Ziel besteht darin, typische Muster im Zahlungsverhalten der Institute im Normalszenario abzuwandeln, um die Entwicklung möglicher Stresssituationen rechtzeitig zu erkennen und ihnen begegnen zu können.

Das aktuelle Arbeitsprogramm der EBA sieht hier vor, bis zum 31. Dezember 2016 Leitlinien über eine nationale Umsetzung vorzulegen; vor diesem Hintergrund ist zunächst nicht mit einer Meldeanforderung vor 2017 zu rechnen.

In den EBA-Leitlinien zum zukünftigen Supervisory Review and Evaluation Process (Guidelines on common procedures and methodologies for the supervisiory review and evaluation process (SREP), (EBA/2014/13)), die bereits zum 01.01.2016 in Kraft getreten sind, wird das Thema der untertägigen Liquiditätssteuerung jedoch bereits heute als ein Bestandteil für die Bewertung des ILAAP (Internal Liquidity Adequacy Assessment Process) definiert.

Das vom BCBS vorgeschlagene Monitoring Tool-Set besteht aus vier Meldekomponenten, die für alle Banken relevant sind und drei weiteren Meldepositionen, die Banken mit einem speziellem Geschäftsmodell betreffen. Die Einreichung der Daten soll auf monatlicher Basis erfolgen – analog zur LCR Meldung.

1. Tägliche maximale Liquiditätsauslastung

  • Gemessen am Zentralbankkonto oder den zentralen Clearingkonten bei anderen Banken sollen die jeweils drei größten positiven und negativen Kontostände sowie der Tagesdurchschnitt im Meldezeitraum ermittelt werden.

2. Verfügbare Intraday Liquidität zu Beginn des Geschäftstages

  • Nach Ermittlung der täglich verfügbaren Liquidität zu Beginn eines jeden Tages in der Berichtsperiode sollen die Werte der drei Tage mit der geringsten verfügbaren Liquidität sowie der Durchschnittswert gemeldet werden.
  • Zusätzlich soll ein Aufriss über die Liquiditätsquellen, darunter Zentralbankguthaben, Guthaben bei Banken, erhaltene widerrufliche und unwiderrufliche Kreditlinien sowie verfügbare Sicherheiten gegeben werden.

3. Summe der Bruttozahlungen

  • Banken sollen angeben, welche Zahlungen auf Bruttoebene täglich insgesamt über ein zentrales Zahlungsverkehrssystem (z.B. TARGET 2) transferiert wurden. Vorgesehen sind hierbei die drei höchsten, bzw. niedrigsten Werte und der jeweilige Durchschnittswert im Berichtszeitraum.

4. Zahlungen mit fixem untertägigem Rückzahlungstermin

  • Hierbei müssen Banken die Werte ermitteln, für die untertägig ein fester Rückzahlungszeitpunkt (Uhrzeit) vereinbart ist und auch hier ist, neben den drei höchsten Tagesgesamtsummen, wieder ein Tagesdurchschnittswert über den Berichtszeitraum zu ermitteln.

Besonderheiten für Korrespondenzbanken und direkte Teilnehmer an Zahlungsverkehrssystemen

Korrespondenzbanken, die Zahlungen im Namen anderer verwalten und weiterleiten, müssen die drei höchsten Tagesummen an Zahlungen melden, die im Namen des Kunden getätigt werden sowie den Durchschnitt der täglichen Zahlungen in Berichtszeitraum. Darüber hinaus sieht das Baseler Komitee vor, dass Korrespondenzbanken die Tagessumme aller untertägig gewährten Kreditlinien sowie die untertägige Höchstauslastung dieser Kreditlinien, unter Berücksichtigung von Besicherungen und der konkreten Zusage erfassen. Direkte Teilnehmer an Zahlungsverkehrssystemen haben darüber hinaus auf stündlicher Basis das transferierte Geldvolumen zu ermitteln und den täglichen Durchschnittswert des Berichtszeitraumes zu bestimmen.

Herausforderungen für die Institute

Das Reporting der untertägigen Liquidität stellt die Banken vor große Herausforderungen. Neben der Bestimmung des Reporting-Umfangs in Bezug auf die relevante Konsolidierungsebene bzw. den rechtlichen Einheiten, Währungen, zu berücksichtigenden Niederlassungen und Liquiditätsquellen (Zahlungsverkehrssysteme, Korrespondenzbanken und Korrespondenzbank-Kunden) stellt insbesondere die Beschaffung der für das Reporting relevanten Datengrundlage die Banken vor große Herausforderungen.

So besteht für die Banken die Notwendigkeit alle für das Reporting relevanten Datenquellen zu identifizieren und die Daten auf Ebene der einzelnen Monitoring Tools für jedes Meldetemplate zu aggregieren.

Banken, die als Korrespondenzbanken im Markt auftreten, stehen zudem vor der Herausforderung alle Daten für die untertägige Auslastung von Kreditlinien in „real-time“ über alle Korrespondenzbanken hinweg verfügbar zu halten, um die untertägige Höchstauslastung daraus ableiten zu können.

Darüber hinaus stehen Banken, die als Kunden von Korrespondenzbanken und als Teilnehmer von Zahlungsverkehrssystemen agieren, noch weiteren Herausforderungen gegenüber:

  • Aufbau eines „real-time“ Zeitstempels im täglichen Zahlungsverkehr mit Korrespondenzbanken, um die Liquiditätsauslastung gegenüber den Korrespondenzbanken ermitteln zu können.
  • Möglichkeit zur Bestimmung der Höhe der widerruflichen Kreditlinien von Korrespondenzbanken.
  • Schaffung einer Möglichkeit zur Identifizierung und Bestimmung von zeitspezifischen Zahlungen über Korrespondenzbanken oder Zahlungsverkehrssysteme.

Fazit

Es bleibt insgesamt noch abzuwarten, wie nah sich die finalen Leitlinien der EBA an den Vorschläge des Baseler Ausschusses – sowohl beim Thema Offenlegung als auch bei den Anforderungen zur untertägigen Liquidität – orientieren werden.

Die aktuellen Reportingformate, die durch den Baseler Ausschuss, bzw. die EBA vorgeschlagen werden, wirken bezogen auf die Anzahl der Datenfelder und die inhaltlichen Anforderung zunächst überschaubar, bergen in der technischen Umsetzung jedoch komplexe Herausforderungen: z.B.im Falle der LCR Offenlegung durch die Forderung des Ausweises von Durchschnittswerten auf Tagesbasis. Die Anforderungen zum Monitoring der untertägigen Liquidität machen es darüber hinaus erforderlich, alle Zahlungsflüsse für das Meldewesen auf Einzelebene in Echtzeit zu erfassen und weiterzuverarbeiten.

Beiden Vorgaben ist gemeinsam, dass die inhaltlichen Anforderungen insbesondere zur internen Steuerung der LCR und der untertätigen Liquidität bereits seit Beginn 2016 formal über den SREP Prozess durch die Aufsichtsbehörden bewertet werden können und in anderen EU-Ländern wohl auch bereits Säule II-Zuschläge auf die LCR festgelegt werden.

Weiterhin gilt für ausgewählte große Institute bereits heute eine Meldepflicht der Intraday Liquidity, auch ohne, dass es eine formelle EBA Vorgabe gibt.

Konsultationspapier der Europäischen Kommission – Ansätze zur Ermittlung der Eigenmittelunterlegung des Marktpreisrisikos und Berechnung des Kontrahentenrisikos

Am 26. Mai 2016 hat die Europäische Kommission ein Konsultationspapier zum Thema Verhältnismäßigkeit der zukünftigen Eigenmittelunterlegung des Markpreisrisikos sowie zur Überprüfung der Exposure Berechnung bei Kontrahentenrisiken (Consultation Document: Proportionality in the future market risk capital requirements and the review of the original exposure method) veröffentlicht.

Hintergrund

Die Europäische Kommission hat ein Konsultationspapier zur Berücksichtigung der Vorschläge des Baseler Ausschusses zur Überarbeitung des Marktrisikorahmenwerks („Fundamental Review of the Trading Book“ – FRTB) und der Methoden zur Messung des Kontrahentenausfallrisikos in einer künftigen Novellierung der CRR veröffentlicht. Insbesondere in Bezug auf den FRTB hinterfragt die Kommission, ob der vorgeschlagene neue Standardansatz auch für Institute die nur in geringem Umfang Handelsgeschäfte betreiben, angemessen ist. In Bezug auf das Kontrahentenrisiko soll geklärt werden, ob der neue Standardansatz für Kontrahentenrisiken („Standardized Approach for Counterparty Credit Risk“ – SA-CCR) durch alle Institute anzuwenden sein wird, oder ob weiterhin die bestehenden Verfahren (insbesondere Marktbewertungsmethode, Ursprungsrisikomethode) unter bestimmten Bedingungen angewendet werden dürfen.

Trotz Abwägung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Ansätze kann die Kommission noch keine klare Empfehlung geben, welcher Ansatz verwendet werden soll bzw. ob grundsätzlich mehrere Ansätze zur Auswahl stehen sollten und die Entscheidung den Banken überlassen bleibt.

Wesentliche Inhalte

1. Verhältnismäßigkeit bei der Berechnung des Marktpreisrisikos

Zurzeit besteht für Banken, die keine wesentlichen Handelsaktivitäten vorweisen, die Möglichkeit, im Rahmen der Berechnung der Eigenmittelunterlegung im Marktrisiko gemäß Artikel 94 CRR die Verfahren zur Messung des Kreditrisikos zu nutzen. Diese Ausnahmeregelung gilt nur für Handelsbuchpositionen, jedoch nicht für Währungsrisiken und Rohstoffrisiken.

Voraussetzung für die Nutzung dieser Ausnahmeregelung ist die Einhaltung zweier Schwellenwerte, zum einen die absolute Größe der Handelsaktivitäten (im Regelfall < 15 Mio. Euro, immer < 20 Mio. Euro) und zum anderen die relative Größe der Handelsaktivitäten (im Regelfall < 5% der Bilanzsumme, immer < 6% der Bilanzsumme). Dazu untersucht die Kommission momentan sowohl die Höhe des Schwellenwertes, die genutzten Begriffsdefinitionen sowie die Anwendung der Kreditrisiko-Regeln für Handelsaktivitäten, um sicherzustellen dass diese auch unter den FRTB-Regelungen noch angemessen sind.

Verglichen mit den zurzeit genutzten Standardansätzen im Marktrisiko nach CRR bringt der FRTB Standardansatz wesentliche Veränderungen mit sich. Die erhöhte Risikosensitivität des FRTB Standardansatzes bedingt eine Erhöhung der Komplexität des Verfahrens – vgl. Blogbeitrag vom 22. Januar 2016: „Finalisierung des Baseler Regelwerks zum Fundamental Review of the Trading Book – Minimum Capital Requirements for Market Risk. Mögliche Alternativen zu diesem neuen Standardansatz, insbesondere für kleinere Institute, wären eine vereinfachte Version des neuen Standardansatzes bzw. die weitere Nutzung des aktuellen Standardansatzes innerhalb des Marktpreisrisikos.

2. Überprüfung der Ursprungsrisikomethode

Die Ursprungsrisikomethode (vormals: Laufzeitmethode), die als vereinfachtes Verfahren zur Berechnung des Kreditäquivalenzbetrags für Derivate dient und ähnliche Charakteristika wie die Marktbewertungsmethode aufweist, kann nur von Banken verwendet werden, die die obengenannten Anforderungen an geringe Handelsbuchaktivitäten erfüllen. Jedoch ist dieses Verfahren lediglich bei Zins- sowie Währungsderivaten anwendbar, sodass in der Praxis nur sehr wenige Banken davon Gebrauch machen. Folglich muss bei sämtlichen anderen Derivaten die Marktbewertungsmethode oder ein fortgeschrittener Ansatz genutzt werden. Da es sich hierbei um einen einfachen Berechnungsansatz handelt, sind die ermittelten Kreditäquivalenzbeträge wenig risikosensitiv. Vor diesem Hintergrund überprüft die EU Kommission, ob an der Ursprungsrisikomethode festgehalten wird, oder ob sie zu Gunsten anderer Ansätze (Marktbewertungsmethode, SA-CCR) abgeschafft werden soll.

3. Ersetzung der Marktbewertungsmethode und der Standardmethode durch den SA-CCR

Die Kommission erwartet weiterhin Feedback von den Banken, um eine finale Entscheidung treffen zu können, ob der SA-CCR eingeführt werden soll bzw. wenn ja, ob die Marktbewertungsmethode bzw. die Standardmethode weiterhin bestehen bleiben können oder abgeschafft werden sollen.

Fazit

Banken sollten die Konsultation nutzen, um sich genauer mit den verschiedenen, oben aufgeführten Ansätzen auseinanderzusetzten. Hierdurch können qualitative sowie quantitative Erkenntnisse über die Anwendung der verschiedenen Methoden an die Kommission übermittelt werden.

Regulatory Roadshow 2016: „Basel IV“?! Welcome to the Next Generation of RWA

Basel IV

Die Bankenaufsicht in Europa bleibt in Bewegung. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat in den zurückliegenden Monaten eine Reihe von Konsultationspapieren veröffentlicht, die weitreichende Änderungen in der Ermittlung der risikogewichteten Aktiva vorsehen. Hierdurch kommen, unabhängig von der betrachteten Risikoart – Kreditrisiko, Marktrisiko, operationelle Risiken – und den genutzten Verfahren – Standardansätze oder interne Modelle – zahlreiche neue Anforderungen auf die Banken zu. Das inoffizielle Schlagwort „Basel IV“ ist bereits in aller Munde. Doch auch die europäischen Bankenaufsichtsbehörden arbeiten ihre umfassenden Arbeitsprogramme in den kommenden Jahren ab – frei nach dem Motto „Eine fundamentale Überarbeitung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen innerhalb der Säule I der Baseler Standards allein reicht nicht aus, um den Bankensektor robuster und krisenfester zu machen“.

Banken stehen damit vor der Herausforderung, die Folgen zahlreicher neuer Regulierungsanforderungen diverser Aufsichtsbehörden gleichzeitig einzuschätzen. Dabei müssen sie nicht nur mit Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen, sondern auch mit einem enormen Umsetzungsaufwand rechnen.

Wir laden Sie herzlich zu unserer Regulatory Roadshow 2016 ein, um Sie und Ihr Haus rechtzeitig auf die neuen Anforderungen vorzubereiten. Werfen Sie mit uns einen Blick auf das Basel-IV-Reformpaket und weitere Neuerungen im Bankenaufsichtsrecht und diskutieren Sie mit uns die Auswirkungen und Herausforderungen. Der Fokus unserer Roadshow liegt dabei vor allem auf „Basel IV“, sodass insbesondere folgende Themenfelder auf der Agenda stehen:

Neuerungen aus Basel – „Basel IV“?! Welcome to the Next Generation of Risk-Weighted Assets (RWA)

  • neue Anforderungen im Rahmen der Floor-Regelung und an interne Modelle
  • Kreditrisiko − Kreditrisiko-Standardansatz (KSA) − Standardansatz für Kontrahentenrisiken (SA-CCR) − Verbriefungen − Anteile an Investmentfonds
  • Marktrisiko − Fundamental Review of the Trading Book (FRTB) − Credit Valuation Adjustment (CVA) Risk Capital Charge − Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch (IRRBB)
  • neue Vorschriften zu operationellen Risiken
  • neue Vorschriften zur Offenlegung
  • neue Großkreditvorschriften
  • MREL und TLAC
  • Neuerungen aus Brüssel und London – weitere Technical Standards und neue Guidelines

Lassen Sie sich von unseren Experten umfassend über die künftigen aufsichtsrechtlichen Anforderungen informieren – wir freuen uns auf Sie!

Die Veranstaltungsorte und -termine:

20.06.2016, Düsseldorf

29.06.2016, Hamburg

06.07.2016, Berlin

07.07.2016, München

11.07.2016, Frankfurt a. M.

12.07.2016, Frankfurt a. M.

22.07.2016, Stuttgart

Die Teilnahme ist für Sie kostenfrei. Wir würden uns freuen, Sie auf unserer Veranstaltung begrüßen zu dürfen.

International venues

We look forward to meeting you also in:

The Netherlands (Amsterdam)

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Ireland  (Dublin)

Turkey (Istanbul)

United Kingdom (London)

Luxembourg (Luxembourg)

Spain (Madrid)

Italy (Milano)

France (Paris)

Latvia (Riga)

Sweden (Stockholm)

Poland (Warsaw)

Austria (Vienna).

Detailed information on our international Roadshow 2016 is available on request.

Anmeldung

Bitte melden Sie sich online über www.pwc-event.com/ regulatory-roadshow zur Veranstaltung an. Es öffnet sich eine Webseite mit weiteren Veranstaltungsinformationen.

Bei Fragen zum Thema für Sie da:

Martin Neisen

Tel.: +49 69 9585-3328

martin.neisen@de.pwc.com

Bei organisatorischen Fragen für Sie da:

Michaela Heuß

Tel.: +49 69 9585-5928

events.de@de.pwc.com

Mehr Informationen rund um Basel IV erhalten Sie auch auf unserer Webseite: Willkommen in der Welt von Basel IV

Basel IV Channel: Episode 3 – Revised Market Risk Framework Part 1: Sensitivities-Based Approach

Nachdem wir in unserem letzten Channel am 8. April 2016 auf die Änderungen beim Kreditrisiko-Standardansatz eingegangen sind („Revisions to the Standardised Approach for Credit Risk – second consultative document“), möchten wir in den nächsten beiden Terminen tiefer in die Neuerungen bei den Marktrisiken einsteigen.

Der Baseler Ausschuss hat im Januar 2016 die „Minimum capital requirements for market risk“ veröffentlicht. Dieses Papier regelt die Abgrenzung zwischen Anlagebuch und Handelsbuch neu und führt neue Methoden zur Ermittlung der RWA für Marktrisiken ein. Auf diese Methoden werden wir in den kommenden beiden Basel IV Channels eingehen.

Wir starten mit dem ersten Teil:

„Revised Market Risk Framework Part 1: Sensitivities-Based Approach“

am 13. Mai 2016 um 15 Uhr

Wir laden Sie herzlich ein, sich kostenfrei und unverbindlich zu dem genannten Termin anzumelden. Hier geht es direkt zur Anmeldeseite für unseren Basel IV Channel. (Alle Teilnehmer der vorherigen Veranstaltungen erhalten automatisch eine Einladung per E-Mail). Sie werden live durch die Veranstaltung geführt.

The international Basel IV Channel Episode 3 „Revised Market Risk Framework Part 1: Sensitivities-based Method“ is scheduled for June 3, 2016. Registration link – www.pwc-event.com/basel-iv-channel-international

Der Folgetermin „Revised Market Risk Framework Part 2: Internal Models Approach“ findet am 17. Juni 2016 um 15 Uhr statt.

Die beiden Channels werden jeweils 15-30 Minuten dauern.

Sie haben den letzten Basel IV Channel verpasst ? Hier können Sie die Aufzeichnung des Webinars „Revisions to the Standardised Approach for Credit Risk – second consultative document“ nachträglich anschauen. Alle Webinars dieser Reihe finden Sie in unserem PwC Basel IV Channel auf Youtube.com.

Wir freuen uns, Sie zu unserem nächsten Termin begrüßen zu dürfen!

Herzlichst Ihr Martin Neisen,

Global Basel IV Leader

Mehr Informationen rund um Basel IV erhalten Sie auch auf unserer Webseite: Willkommen in der Welt von Basel IV

IRRBB – Update zu den finalen Standards

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 22. April 2016 die finalen Standards zu Zinsänderungsrisiken im Bankbuch veröffentlicht (Standards – Interest rate risk in the banking book (BCBS 368)).

Hintergrund

Die jetzt veröffentlichten finalen Standards sind das Ergebnis der Überarbeitung der vom BCBS 2004 erstmals festgelegten Principles for the management and supervision of interest rate risk (IRR Principles). Die seit 2004 erfolgten Veränderungen der Finanzmärkte und Aufsichtspraktiken erforderten eine Anpassung der Grundlagen für die Identifizierung, Messung, Überwachung und Kontrolle der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch. Die überarbeiteten Principles waren in 2015 Gegenstand einer Konsultation, in deren Rahmen der Baseler Ausschuss zwei Optionen zur Messung der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch vorgestellt hat: einen standardisierten Ansatz als zusätzlichen Bestandteil der Säule I sowie einen erweiterten Säule II-Ansatz, der als Teil des aufsichtlichen Überwachungsprozesses auch die Anwendung bankinterner Modelle und Messeverfahren vorsieht (ausführlich zur Konsultation: Regulatory Blog Beitrag: „Zinsänderungsrisiken im Bankbuch – Konsultation des Baseler Ausschusses“ vom 11. Juni 2015).

Die Rückmeldungen zur Konsultation haben gezeigt, dass die Formulierung eines standardisierten Messverfahrens aufgrund der Komplexität und des heterogenen Charakters der Zinsänderungsrisiken keine ausreichend genaue und risikoangemessene Kapitalanforderungen liefern kann. Insoweit sieht der Baseler Ausschuss die Zinsänderungsrisiken im Bankbuch sachgerechter im Rahmen der Säule 2 erfasst. Neben den neugefassten Principles, die sich auf die bankinternen Risikomesssysteme und Modelle beziehen, umfassen die finalen Standards des Baseler Ausschusses auch einen Standardrahmen zur IRRBB-Messung, in den die Überlegungen zum standardisierten Säule I-Ansatz aus der vorhergehenden Konsultationspapier eingeflossen sind.

Die wesentlichen Änderungen

  • Anforderungen an die internen Prozesse

Die Erwartungen an die bankinternen IRRBB-Managementprozesse im Hinblick auf die Entwicklungen der Zinsschock und –stresszenarien sind deutlich umfangreicher gegenüber den IRR Principles. Das bankinterne Messsystem umfasst einen ganzen Katalog durchzuführender Szenarien. Neben einem in Abhängigkeit vom Risikoprofil und dem internen Risikotragfähigkeits­prozess (internal capital adequacy assessment process (ICAAP)) ausgewählten Zinsschock sind auf historischen und hypothetischen Daten beruhende Zins-Stresstestverfahren durchzuführen. Weiter sind sechs verschiedene Zinsschockszenarien (Annex 2) vorgeschrieben. Dazu gehören nicht nur Szenarien mit (Zins-)Parallelverschiebungen nach oben und unten, sondern auch Short-Rate-Erhöhung und –Senkung sowie Steepener-Schocks (mit Abstieg der kurzfristigen Zinssätze und Anstieg der langfristigen Zinssätze) bzw. Flattener-Schocks (Anstieg der kurzfristigen Zinssätze und Abstieg der langfristigen Zinssätze). Darüber hinaus können weitere aufsichtlich geforderte Szenarien hinzukommen.

Weiter wurden die Schlüsselaspekte und Modellannahmen, die die Institute bei der Messung ihrer Zinsänderungsrisiken berücksichtigen sollen, näher festgelegt. Für eine Reihe von gängigen Produkten werden im Rahmen der Standards die einzubeziehenden Kennzeichen definiert. Darüber hinaus sind regelmäßige Tests und Sensitivitätsanalysen erforderlich.

  • Offenlegung

Deutlich ausgeweitet wurden auch die Anforderungen an die Offenlegung des mit dem Zinsänderungsrisiko verbunden Risikopotenzials des jeweiligen Instituts. Zum einen betrifft dies die jährlich offenzulegenden qualitativen und quantitativen Informationen im Zusammenhang mit der Beschreibung der bankinternen Zinsrisikomanagementziele und –strategien (Table A, BCBS 368). Zum anderen sind die quantitativen Auswirkungen der verschiedenen Zinsschockszenarien auf Economic Value of Equity (EVE) und Net Interest Income (NII) offenzulegen.

  • Aufsichtlicher Prüfungsprozess

Der Rahmen für die regelmäßige aufsichtliche Prüfung der Zinsänderungsrisiken und die damit verbundenen Managementprozesse der Banken wurde ebenfalls überarbeitet und transparenter gemacht: Die Faktoren, die die Aufsicht bei ihrer Prüfung berücksichtigt, werden ausführlich dargestellt.

  • Schwellenwert für „Ausreißer”-Institute

Der Schwellenwert zur Identifizierung von sogenannten Ausreißer-Instituten (outlier banks), die kein angemessenes Zinsänderungsrisikomanagement betreiben wurde gegenüber der Vorversion gesenkt. Als Ausreißer gelten Institute, bei denen die Zinsschockszenarien zu einem Verlust von 15% des CET1-Kapitals führen (vormals 20%). Ausreißer-Institute müssen mit aufsichtlichen Konsequenzen rechnen, insbesondere mit zusätzlichen Kapitalanforderungen.

  •  Standardised Framework

Den standardisierten Rahmen zur Messung der IRRBB können die Banken alternativ anwenden oder – wenn die aufsichtliche Prüfung Mängel der bankinternen Messverfahren ergibt – seitens der Bankenaufsicht dazu verpflichtet werden. Der Standardrahmen basiert bei der Berechnung der IRRBB Mindestkapitalanforderungen allein auf den Änderungen des ökonomischen Kapitals (EVE). Für die Berechnung sind 5 Schritte vorgesehen (im Einzelnen dazu die Darstellung im Regulatory Blog Beitrag: „Zinsänderungsrisiken im Bankbuch – Konsultation des Baseler Ausschusses“ vom 11. Juni 2015)

Anwendungsbereich und Umsetzung

Die Standards zu den Zinsänderungsrisiken im Bankbuch richten sich in erster Linie an international tätige Banken auf konsolidierter Ebene. Es steht den nationalen Aufsehern jedoch frei, die Anforderungen auch auf die anderen Kreditinstitute anzuwenden. Von den Banken wird erwartet, die Standards bis 2018 umzusetzen.

Auswirkungen

Die Zinsschockszenarien erfordern komplexe Berechnungsmethoden. Gleiches gilt für die innerhalb der bankinternen Messverfahren und Methoden berücksichtigenden Faktoren und Optionalitäten. Ebenso werden die erweiterten Offenlegungsanforderungen zu einem erheblichen Ressourcen- und Zeitaufwand führen.

RTS on Prudent Valuation – Bedeutung und Herausforderung der AVA

Die Europäische Kommission hat am  28. Januar 2016 den finalen Regulatory Technical Standard (RTS) zur Prudent Valuation (Delegierte VO (EU) 2016/101 zur Ergänzung der CRR im Hinblick auf technische Regulierungsstandards für die vorsichtige Bewertung nach Artikel 105 Absatz 14) veröffentlicht. Damit kommt sie ihrem Auftrag  zur Konkretisierung der Anforderungen an eine vorsichtige Bewertung aller zum Fair Value bilanzierten Positionen gemäß Art. 34 i.V.m. 105 CRR nach. Aufbauend auf der Veröffentlichung des finalen RTS im EU-Amtsblatt folgte bereits am 4. Februar 2016 eine Berichtigung, die jedoch nur eine kleine Anpassung beinhaltete. Sämtliche Regelungen sind 20 Tage nach Veröffentlichung und somit ab dem 17. Februar 2016 verpflichtend anzuwenden.

Überblick

Ziel der Prudent Valuation ist es, sämtliche zum Fair Value bilanzierten Positionen so zu bewerten, dass auch Bewertungsunsicherheiten berücksichtigt werden, die nicht oder aus Sicht des Aufsehers nicht ausreichend in den Werten der externen Rechnungslegung berücksichtigt sind. Um diesen „Prudent Value“ zu ermitteln, sind so genannte Additional Valuation Adjustments (kurz: AVA) zu berücksichtigen. Die Bestimmung der Wertanpassungen hat für sämtliche Fair Value-Positionen zu erfolgen, unabhängig davon, ob diese dem Handels- oder Bankbuch zugeordnet werden. Auch eine Bagatellgrenze für Kleinstpositionen, für die kein Prudent Value zu ermitteln wäre, gibt es grundsätzlich nicht. Diese Wertanpassungen sind zudem sowohl auf der Aktivseite (Wertminderung) als auch auf der Passivseite (Werterhöhung) zu berücksichtigen.

Zur Bestimmung der Höhe der AVA enthält der finale RTS weiterhin einen einfachen und einen komplexeren Ansatz, wobei sich das zu verwendende Verfahren nach der Höhe der einzubeziehenden Fair Value-Positionen (15 Milliarden Euro-Grenze) richtet. Im einfachen Ansatz (Simplified Approach) wird eine Multiplikation aller relevanten Fair Value-Positionen mit dem Faktor 0,001 durchgeführt. Dem steht der Basisansatz (Core Approach) gegenüber, bei welchem für neun Risiko- und Kosten­kompo­nenten individuelle AVA gebildet werden müssen. Dabei soll ein Sicherheitsniveau für die tatsächliche Realisierung des Prudent Values von mindestens 90% erreicht werden.

Regulatorische Bedeutung und fachliche Herausforderungen

Die besondere Bedeutung der AVA entsteht vor allem dadurch, dass diese unmittelbar im Sinne von zusätzlichen Bewertungsanpassungen als Verringerung des harten Kernkapitals zu berücksichtigen sind (Art. 34 CRR). Im Gegenzug sind sie jedoch auch bei der Bestimmung der Eigenmittelanforderung für das Kreditrisiko zu berücksichtigen. Die Berücksichtigung der AVA erfolgt im Kreditrisikostandardansatz (KSA) durch eine Anpassung des Exposure Values und somit durch die Reduktion der Bemessungsgrundlage. Voraussetzung ist, dass die aufsichtsrechtlichen Vorgaben eine Verwendung des Fair Value vorsehen (nur bilanzielle Positionen). Ansatzpunkt der Prudent Valuation im auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRBA) bildet der Wertberichtigungsvergleich, mittels welchem die erwarteten Verluste den tatsächlich durch das Institut gebildeten Wertberichtigungen gegenübergestellt werden. Hier werden die AVA auf der Seite der gebildeten Wertberichtigungen berücksichtigt.

Zwar sind die Vorgaben der Prudent Valuation nicht grundsätzlich neu, ebenso haben die meisten Institute bereits feste Prozesse implementiert, um den Prudent Value zu bestimmen, jedoch bestehen dennoch sowohl aus fachlicher als auch aus prozessualer Sicht noch immer einige Herausforderungen.

In diesem Zusammenhang ist insbesondere anzuführen, dass zur korrekten Erfassung der gebildeten AVA im Rahmen der Anpassung der Bemessungsgrundlage für KSA-Positionen einerseits und im Wertberichtigungsvergleich für IRBA-Positionen andererseits eine AVA-Ermittlung auf Einzelpositionsebene erforderlich ist. Stellt dies bei Anwendung des einfachen Ansatzes durch die Linearität (0,1% auf den Fair Value) keine Herausforderung dar, so ist in der Praxis bei Verwendung des komplexeren Basisansatzes zu beobachten, dass die AVA auf Portfoliogrößen ermittelt werden. Eine Rückverteilung auf Einzelpositionen im KSA und IRBA ist anschließend – wenn überhaupt – nur mit Verteilungsschlüsseln möglich. Da die AVA somit nicht zweifelsfrei einer bestimmten Position zugeordnet werden können, werden diese aus Gründen der Konservativität nicht in der Bemessungsgrundlage bzw. im Wertberichtigungs­vergleich berücksichtigt. Aufgrund der Anforderung, die vorhandenen Eigenmittel um den Gesamtbetrag der AVA zu reduzieren (es ist somit keine explizite Zuordnung zu den einzelnen Positionen nötig)  kommt es in der Praxis zu Inkonsistenzen. Während keine Berücksichtigung im Zuge der KSA-RWA-Ermittlung und dem IRB-Wertberichtigungsvergleich erfolgt, reduzie­ren sich die Eigenmittel um den Betrag der gebildeten Wertanpassungen.

Eine wesentliche Herausforderung bei der AVA-Ermittlung stellt der Ermittlungsprozess selbst dar. Hierbei muss jedes Institut eine Infrastruktur zur Sammlung sowohl von Positions-/Risikodaten (z.B. Sensitivitäten, Volumina) als auch relevanten Marktdaten schaffen. Die notwendigen Daten liegen sehr oft nicht in einem System vor und müssen über diverse Schnittstellen nach Konvertierungsprozessen aggregiert werden. Da die AVA regelmäßig zu berechnen sind, ist hierbei mit einem größeren Aufwand für die Konzeption und Umsetzung zu rechnen.

Die methodischen Herausforderungen bei der Berechnung einzelner AVA stellen wir ausführlich in unserem Risk Blog Beitrag: „Prudent Valuation“ dar.

Ihre Ansprechpartner

Martina Bäthe-Guski

Peter Büttel