AnaCredit – Finale Verordnung zum Analytical Credit Dataset der EZB veröffentlicht

Am 18. Mai 2016 wurde die Verordnung über die Erhebung granularer Kredit- und Kreditrisiko-Daten (ECB Regulation on the collection of granular credit and credit risk data) vom EZB-Rat verabschiedet und am 20. Mai 2016 veröffentlicht.

Der Verordnung ging der am 4. Dezember 2015 veröffentlichte Verordnungsentwurf voraus (vergl. Blogbeitrag „AnaCredit – 2. Update“), dem eine „Beobachtungsphase“ zur Meldung von Beobachtungen an die EZB (bis Ende Januar 2016) sowie ein Austausch zwischen der EZB, nationalen Zentralbanken und Vertretern der Kreditwirtschaft in unterschiedlichen Formaten folgten.

Die Verordnung ECB/2016/13, das Begleitdokument mit ergänzenden Erläuterungen („Explanatory Note“) sowie die Ergebnisse der Beobachtungsphase können auf der EZB-Website zu AnaCredit abgerufen werden.

Wesentliche Änderungen

Im Vergleich zu dem Verordnungsentwurf vom 4. Dezember 2015 enthält die finale Version die folgenden wesentlichen Änderungen:

  • Erste vollumfängliche Meldung per September 2018
  • Erste Stammdatenmeldung ab Anfang 2018 (Festlegung durch nationale Zentralbank)
  • Entfall der gesonderten Meldegrenze für Non-Performing Exposures
  • Meldung ausschließlich von juristischen Personen
  • 95 AnaCredit-Attribute (gegenüber 101 im Verordnungsentwurf)
  • Klarstellungen bei meldepflichtigen Geschäften sowie bei den Definitionen von Attributen und Ausprägungen

Änderungen im Bereich der Meldepflichten

Die erste vollumfängliche AnaCredit-Meldung ist für September 2018 angefordert, eine erste Stammdaten- und Testmeldung kann durch die nationale Zentralbank ab Anfang 2018 angefordert werden. Der Verordnungsentwurf sah dafür März 2018 (erste Gesamtmeldung) bzw. 3. Quartal 2017 (Stammdaten-/Testmeldung) vor.

Mit Entfall der niedrigeren Meldegrenze für notleidende Engagements sind künftig alle Kredite, bestimmte (aktivische) Einlagen und Reverse RePos ab einem kumulierten Betrag von 25.000 EUR pro Kunde meldepflichtig.

Kreditderivate sind lediglich als erhaltene Sicherheiten zu melden, stellen jedoch kein als Instrument meldepflichtiges AnaCredit-Geschäft dar. Ebenfalls nicht meldepflichtig sind Geschäftsarten, die ausschließlich außerbilanzielles Geschäft darstellen (z. B. Garantien).

Mit der finalen Verordnung erfolgt eine klare Einschränkung zu meldender Kunden auf juristische Personen. Die im Verordnungsentwurf enthaltene darüber hinausgehende Meldepflicht für Quasi-Kapitalgesellschaften und sonstige nicht natürliche Personen ist in der finalen Verordnung nicht mehr vorgesehen.

Änderungen bei den zu meldenden Attributen

Der Verordnungsentwurf enthielt in der Attributeliste noch eine Reihe von Hinweisen bzw. Erläuterungen, die mit dem generellen Umfang an zu meldenden Geschäften bzw. Attributen nicht übereinstimmten. Der jetzt veröffentlichte Text wurde an den entsprechenden Stellen angepasst.

Gegenüber dem Verordnungsentwurf sind in der Attributeliste Derivate sowie privatkundenbezogene Attribute und Ausprägungen entfallen. Stellenweise wurden Rechtsverweise zu bestehenden Anforderungen, insbesondere im Kontext von FINREP-bezogenen Attributen und Ausprägungen, nachgeschärft.

Hinzu kommt eine geänderte Darstellung von Konzernhierarchien bei Unternehmenskunden: Im Verordnungsentwurf wurde bereits die ID des hierarchisch höchsten Mutterunternehmens abgefragt, dies wird nun ergänzt um das Attribut ID des direkten Mutterunternehmens sowie bei Auslandsniederlassungen die ID des Unternehmenshauptsitzes („Head office undertaking identifier“).

Nationale Auslegungen und Meldeerleichterungen

Die spezifischen Meldeanforderungen enthalten gegenüber dem Entwurf erweiterte und präzisierte nationale Auslegungsoptionen sowie mögliche Grandfathering-Regelungen, die ebenfalls durch die nationale Zentralbank festzulegen sind. Diese könnten zum Entfall erheblichen Nacherfassungsaufwands für zu meldendes Bestandsgeschäft führen, beispielsweise bei Vertragskonditionen, historische Sicherheitenwerte und Kundendaten wie Konzernhierarchie und Unternehmenskennzahlen.

Weitere Meldeerleichterungen sind, teils als nationale Auslegungsoptionen, auch für Servicing-Konstellationen, ausländische Kunden und Auslandsniederlassungen vorgesehen.

In Deutschland werden die nationalen Auslegungen durch die Deutsche Bundesbank festgelegt.

Herausforderungen und Handlungsbedarf

Nachdem ein großer Teil der deutschen Banken bereits Vorstudien durchführt oder abgeschlossen hat, ist mit Vorliegen der finalen Verordnung nun eine „Delta-Analyse“ der Anforderungen an die AnaCredit-Umsetzung erforderlich. Diese sollte folgende zentrale Fragestellungen beantworten:

  • Welche Anforderungen haben sich im Detail geändert?
  • Sind bestehende Prämissen und Auslegungen durch die Anforderungen der Verordnung zu hinterfragen?
  • Wie müssen bestehende Ergebnisse des AnaCredit-Projekts (z. B. Grob-, Fachkonzept oder Datenanbindung) angepasst und aktualisiert werden?
  • Wie wirken sich diese Änderungen auf die bisherige Projektplanung (z. B. Aufwandsschätzung) und identifizierte Abhängigkeiten aus (z. B. zu anderen regulatorischen Projekten)?
  • Welche Themen und Anforderungen sind nach wie vor unklar und sollten bspw. im Rahmen eines möglichen Frage-Antwort-Prozesses oder über die bestehenden Dialog-Formate der Banken mit der Aufsicht adressiert werden?

Banken, die noch kein AnaCredit-Projekt gestartet haben, sollten spätestens jetzt – auch mit Blick auf die erstmalige Stammdatenmeldung Anfang 2018 – ihre Handlungsbedarfe identifizieren und eine belastbare Umsetzungsplanung aufstellen.

Die finale Verordnung bestätigt die bisherigen Einschätzungen, dass die größten Herausforderungen für die betroffenen Institute darin liegen werden, die melderelevanten Daten aus verschiedenen Bereichen (Kredit, Rechnungswesen, Meldewesen etc.) und Systemen zusammenzufügen und in der erforderlichen Granularität und Qualität vorzuhalten. Dabei sind auch Schnittstellen zu bereits bestehenden bzw. laufenden Projekten im Meldewesen, Risikomanagement und Rechnungswesen zu berücksichtigen. Beispielhaft können an dieser Stelle Umsetzungsprojekte zu den Themen BCBS 239 (“Risikodatenaggregation und Reporting”), IFRS 9 und basierend auf entsprechenden Verweisen der finalen Attributeliste insbesondere auch FINREP genannt werden.

Ausblick

In den nächsten Wochen ist mit ersten Aussagen der Deutschen Bundesbank zu nationalen Auslegungsfragen im Kontext der finalen Verordnung zu rechnen. Zu einem früheren Zeitpunkt wurde bereits die Initiierung eines Frage-Antwort-Prozesses, vergleichbar mit dem Vorgehen bei anderen Meldewesen-Anforderungen, angekündigt.

Die Verordnung umfasst nur die erste Stufe der AnaCredit-Umsetzung. Somit sind verschiedene zuvor kommunizierte komplexe Anforderungen wie z.B. die konzernweite Konsolidierung von Informationen oder die Meldung von derivativen und außerbilanziellen Geschäften nicht unmittelbar in der Verordnung behandelt. Die Verordnung kündigt lediglich weitere Ausbaustufen von AnaCredit an, denen jeweils ein zweijähriger Implementierungszeitraum vorangestellt sein soll.

Parallel soll in Deutschland die Empfehlung des Ausschusses für Finanzstabilität (AFS) vom Juni 2015 zur Erhebung granularer Daten zu Immobilienfinanzierungen umgesetzt werden. Diese wird abweichend von AnaCredit voraussichtlich auch Privatpersonen umfassen. Erste detailliertere Indikationen zu diesen Planungen werden in der Branche für den Sommer dieses Jahres erwartet.

Ihre Ansprechpartner zum Thema AnaCredit bei PwC:

Friedemann Loch

Andrea Glatzel

Sebastian Laurentius Sohn

Mehr Informationen zum Thema AnaCredit finden Sie auch auf unserer Webseite: Analytical Credit Dataset – das granulare Kreditregister der EZB ab 2017/2018

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