AnaCredit – 2. Update zum Analytical Credit Dataset der EZB

Am 04. Dezember 2015 veröffentlichte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Verordnungsentwurf (Draft Regulation on the collection of granular credit and credit risk data) zum Aufbau einer granularen Kreditdatenbank (Analytical Credit Dataset, kurz: AnaCredit). Ziel der Datenerhebung ist die Sammlung granularer Kreditdaten zum Aufbau einheitlicher Statistiken, die der EZB und dem Europäischen System der Zentralbanken vor allem für geldpolitische Zwecke dienen. Darüber hinaus können AnaCredit-Daten grundsätzlich auch für bankaufsichtliche Zwecke genutzt werden.

Für den Verordnungsentwurf gibt es keine Konsultationsphase, allerdings können bis zum 29. Januar 2016 Beobachtungen an die EZB gemeldet werden. Eine finale Version der Verordnung ist somit erst ab Februar 2016 zu erwarten.

Im Gegensatz zu den ursprünglichen Planungen enthält der Verordnungsentwurf nur noch Datenanforderungen für statistische Zwecke und regelt lediglich die Meldepflichten der Stufe 1. Weitere Planungen hinsichtlich einer vollständigen Anwendung auch aufsichtsrechtlicher AnaCredit-Anforderungen sind nicht Gegenstand des Entwurfes.

Im Verordnungsentwurf sind Wahlrechte für nationale Zentralbanken bei der Ausgestaltung der Anforderungen im Detail vorgesehen. Zudem sind ergänzende inhaltliche Anforderungen von Seiten der Deutschen Bundesbank möglich.

Wer unterliegt der Meldepflicht?

Meldepflichtig sind Kreditinstitute sowie Zweigniederlassungen („branches“) von Kreditinstituten, die in einem anderen Mitgliedstaat des Euro-Währungsgebiets niedergelassen sind (Reporting Agents). Darüber hinaus müssen die Reporting Agents auch Kredite ihrer Zweigniederlassungen aus Nicht-EU-Ländern melden.

Meldevorschriften für andere Finanzinstitutionen oder Meldungen auf konsolidierter Ebene sind in dem Entwurf nicht mehr enthalten.

Die Daten werden der jeweils zuständigen nationalen Zentralbank gemeldet, welche diese wiederum an die EZB weiterleitet.

Welche Daten werden gemeldet?

Der Entwurf sieht als meldepflichtige Positionen lediglich Kredite und Einlagen vor. Derivate, Kreditderivate und außerbilanzielle Positionen sind vom Umfang des Verordnungsentwurfs ausgenommen.

Es werden nur Daten zu Krediten gegenüber juristischen Personen erhoben. Eine Meldung von Krediten gegenüber Privatpersonen ist nicht vorgesehen. Inwieweit derartige Kreditnehmer in Zukunft meldepflichtig sind, lässt der Entwurf noch offen.

Die Meldeschwelle beträgt unverändert gegenüber dem bisherigen Diskussionsstand 25.000 Euro, wobei sich dieser Betrag auf die Summe aller relevanten Instrumente gegenüber einem Kreditnehmer bezieht. Sofern dieser Betrag überschritten wird, ist die Meldung der einzelnen Kredite („loan-by-loan“) notwendig. Notleidende Kredite sind bereits ab einer Meldegrenze von 100 EUR zu melden.

Für ein Instrument müssen bis zu 94 fachliche Attribute übermittelt werden sowie 7 Identifier-Attribute (insgesamt 101 Attribute). Dazu zählen unter anderem die Art und Höhe des Kredits, das Fälligkeitsdatum, die Restschuld, die Währung des Kredits, die Art und Höhe des Zinssatzes, Wertberichtigungen, die Gegenparteien und ihre jeweilige Rolle zu dem Instrument, die Art und Höhe von Sicherheiten und Garantien sowie die Ausfallwahrscheinlichkeit. Die Datenattribute werden in zehn Tabellen gemeldet, die ein zusammenhängendes Datenmodell der AnaCredit-Meldung bilden.

Im Vergleich zu den bisher veröffentlichten Informationen zu den notwendigen Attributen wurde die Anzahl von ca. 121 auf 101 Attribute reduziert.

Die Reduktion der Datenanforderung bezieht sich einerseits auf Informationen, die für bankaufsichtliche Zwecke als relevant angesehen wurden (z.B. risikogewichtete Aktiva). Diese liegen bei Banken in der Regel auf granularer Ebene vor, sodass sich in Bezug auf die geringere Anzahl an geforderten Datenfeldern hierbei keine wesentliche Reduktion im Umsetzungsaufwand ergibt. Andererseits gibt es wesentliche Änderungen, die für Banken eine Reduktion des Umstellungsaufwandes darstellen werden. So sind z.B. historische Vertragsbeziehungen – anders als in den von der Bundesbank im Mai 2015 veröffentlichten Informationen vorgesehen – im Verordnungsentwurf nicht mehr angefordert (zu den Vorentwürfen bzw. Indikationen vgl. auch die Regulatory Blog Beiträge: “Analytical Credit Dataset (AnaCredit)” und “AnaCredit – Update zum Analytical Credit Dataset“).

Wann und in welchen Abständen werden die Daten gemeldet?

Vom Reporting Agent müssen Informationen zu Krediten gemeldet werden, die das Kreditinstitut selbst oder eine seiner Zweigniederlassungen – ungeachtet ihres Sitzlandes – gewährt hat. Der Verordnungsentwurf bezeichnet diese als Observed Agents.

Ebenfalls unverändert zum bisherigen Diskussionsstand ist eine monatliche bzw. quartalsweise Meldung vorgesehen. Monatlich zu meldende Daten müssen der EZB spätestens 30 Arbeitstage nach Monatsende vorliegen (bei Observed Agents außerhalb des Euro-Währungsraums 35 Arbeitstage). Vierteljährlich zu meldende Daten sind spätestens 15 Arbeitstage nach den festgelegten Einreichungsterminen zu übermitteln (bei Observed Agents außerhalb des Euro-Währungsraums 20 Arbeitstage).

Die erste Meldung wird für Daten, die sich auf den 31. März 2018 beziehen, erfolgen. Eine Testphase wird ab dem 30. Juni 2017 durch die nationalen Zentralbanken initiiert werden.

Herausforderungen und Handlungsbedarf

Mit der Veröffentlichung des Verordnungsentwurfs ist spätestens jetzt der Zeitpunkt erreicht, zu dem Banken mit Vorstudien zur Umsetzungsplanung beginnen sollten. Instituten, die bereits Projektaktivitäten gestartet haben, bietet der Verordnungsentwurf eine stabile Grundlage für die Planung der entsprechenden Umsetzungsprojekte. Auf Basis der jetzt verfügbaren Informationen werden die größten Herausforderungen für die betroffenen Institute darin liegen, die melderelevanten Daten aus verschiedenen Bereichen (Kredit, Rechnungswesen, Meldewesen etc.) und Systemen zusammenzufügen und in der erforderlichen Granularität und Qualität vorzuhalten. Dabei sind auch Schnittstellen zu bereits bestehenden bzw. laufenden Projekten im Meldewesen, Risikomanagement und Rechnungswesen zu berücksichtigen. Beispielhaft können an dieser Stelle Umsetzungsprojekte zu den Themen BCBS 239 (“Risikodatenaggregation und Reporting”) und FINREP genannt werden, welche ebenfalls hohe Ansprüche an Qualität, Granularität und Konsistenz von rechnungslegungs- und risikobezogenen Daten stellen.

Wenngleich der Verordnungsentwurf nur die erste Stufe der AnaCredit-Implementierung regelt und somit verschiedene komplexe Anforderungen wie z.B. die Konsolidierung von Informationen oder die Meldung von derivativen und außerbilanziellen Geschäften nicht behandelt sind, so ist unverändert davon auszugehen, dass diese Anforderungen zu einem späteren Zeitpunkt von den Banken umzusetzen sind. Daraus ergibt sich hinsichtlich des Umsetzungsaufwandes lediglich eine Streckung des Umsetzungszeitplans gegenüber bisherigen Indikationen und nicht unbedingt eine Reduzierung des Gesamtaufwandes.

Ihre Ansprechpartner zum Thema AnaCredit bei PwC FS Regulatory Management :

Friedemann Loch

Andrea Glatzel

Sebastian Laurentius Sohn

 

 

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