Kategorie: Kreditrisiko

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EZB-Leitfaden zu „leveraged transactions“

Die EZB hat am 16. Mai 2017 den Leitfaden zum Umgang mit so genannten „leveraged transactions“ veröffentlicht. Darin stellt sie die aufsichtlichen Erwartungen an Banken zum Umgang mit Finanzie­rungen dar, bei denen eine Unternehmensbeteiligung durch einen Finanzinvestor gegeben ist oder ein definiertes Maß an Fremdkapitalfinanzierung (leverage) überschritten ist.

Der Leitfaden definiert zunächst den Begriff der „leveraged transaction“, um anschließend die Anforderungen an die Überwachung und Messung von Risiken aus solchen Transaktionen darzu­legen.

Die Umsetzung in den Instituten wird im Leitfaden als unverbindlich dargestellt. Jedoch erwartet die Aufsicht, dass alle bedeutenden Kreditinstitute (Artikel 6 Absatz 4 der SSM Verordnung der EZB) den Leitfaden in ihren internen Richtlinien umsetzen. Eine Ausstrahlungswirkung für alle anderen Institute sowie für den Markt der Finanzierung von Unternehmenserwerben wird erwartet.

Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über die Inhalte und zeigen praktische Herausforde­rungen auf.

EZB-Leitfaden für non-performing loans (NPLs)

Die EZB hat am 20. März 2017 die finale Fassung des Leitfadens zum Umgang mit notleidenden Krediten (non-performing loans – NPL) veröffentlicht. Darin stellt sie die aufsichtlichen Erwartungen, aber auch Best Practices zum Umgang mit NPL dar.
Die Umsetzung in den Instituten wird entsprechend dem Grundsatz der Proportionalität und mit der gebotenen Dringlichkeit erwartet.

Künftige Herausforderungen bei der Verwendung von ECL Modellen nach IFRS 9

Das IAASB hat mit seiner Publikation zur Überarbeitung des ISA 540 auf die kommenden Herausforderungen aus den Expected-Credit-Loss (ECL) Modellen für die Jahresabschlussprüfung hingewiesen. Im Wesentlichen betroffen sind aufgrund der besonderen Komplexität der ECL-Modelle die Jahresabschlussprüfungen bei großen Finanzinstituten. Daher ist geplant im Dezember 2016 einen ersten Entwurf des ISA 540 zu veröffentlichen, der nach einer Kommentierungsphase in 2017 final verabschiedet werden soll.

Existenz von Schätzunsicherheiten

Ab dem 1. Januar 2018 ist für alle IFRS-bilanzierenden Institute der IFRS 9 für die Bilanzierung von Finanzinstrumenten verpflichtend anzuwenden. Durch die Einführung des IFRS 9 werden die bislang verwendeten Incurred Loss Modelle durch Expected Credit Loss Modelle abgelöst.

Expected Credit Loss Modelle berücksichtigen die Verluste über die Lebenszeit eines Finanzinstruments und tragen u.a. makroökonomischen Effekten Rechnung. Entsprechend wird der neuen Modellierung eine hoher Komplexitätsgrad zugeschrieben, so dass das IAASB dem Abschlussprüfer ein möglichst frühes Auseiandersetzen mit den ECL Modellen nahelegt.

  • Die Praxis zeigt, dass die Anwendung von ECL Modellen zu einer Erhöhung der Risikovorsorge führt und somit ein wesentlicher Werttreiber für die Vermögens- und Ertragslage der Institute sein wird. In der Folge kann es zu negativen Auswirkungen auf das Eigenkapital der anwendenden Institute kommen.
  • Finanzinstitute stehen nun vor der Herausforderung Änderungen des Kreditrisikos eines Schuldners nachzuverfolgen und festzustellen, wann sich eine signifkante Kreditverschlechterung einstellt und ob sich die Annahmen sowie Schätzungen für das Stufentransfermodell verändert haben. Bei der Einschätzung eines signifikanten Kreditrisikos sollten folgende Faktoren Beachtung finden:
  • Änderungen des relativen Ausfallrisikos seit dem Zugang des Finanzinstruments
  • Erwartete Laufzeit des Finanzinstrumentes
  • zukunftsgerichtete Informationen für die ECL Schätzung
  • Dies führt dazu, dass die Nutzung von ECL Modellen mit erheblichen Ermessensentscheidungen behaftet ist und somit erhöhten Schätzunsicherheiten unterliegt.

Herausforderungen bei der Anwendung eines ECL Modells

Auf die Auswirkungen und Schwierigkeiten von Schätzunsicherheiten wird im ISA 540 hingewiesen. Die damit zusammenhängenden Ermessensentscheidungen beeinflussen das bilanzielle und regulatorische Kapital und somit die Darstellung der Vermögens- und Ertragslage eines Institutes in erheblichem Maße.

Bei der Implementierung von ECL Modellen ist also die zentrale Fragestellung zu klären, wie das Institut gegenüber dem Jahresabschlussprüfer oder der Aufsichtsbehörde die Angemessenheit der getroffenen Ermessensentscheidungen nachweisen kann.

Dies kann das betroffene Institut durch die Erfüllung der nachfolgend skizzierten Anforderungen an Governance-Prozesse und Kontrollen sicher stellen.

Für die Ableitung von Annahmen sind dabei Prozesse zur Sicherstellung der Zuverlässigkeit und Genauigkeit zu definieren. Nachfolgende wesentliche Risikofaktoren sind dabei vom Institut zu beachten und gegenüber Dritten nachvollziehbar zu erläutern:

  • Ausmaß der Schätzunsicherheit
  • Existenz von komplexen Finanzinstrumenten
  • Relative Größe des von ECL Modellen betroffenen Portfolios im Vergleich zur Bilanzsumme
  • Auswirkung der Schätzungen auf regulatorische Kennziffern und/oder Profitabilität

Zusätzlich ist eine Dokumentation zu schaffen, die zeigt, dass die Annahmen auf plausiblen und schlüssigen Grundlagen basieren. Darüber hinaus sind Kontrollen zur Sicherstellung der Angemessenheit der Modellierung einzurichten. Dabei sollten folgende Anforderungen durch die Institute beachtet werden:

  • Modellvalidierung und Backtesting
  • Change Management Prozess
  • regelmäßige Modellkalibrierung
  • Funktionstrennung bei Kalibrierung und Validierung
  • angemessene Dokumentation
  • Validität von externen Datenquellen und Annahmen für die Modelle und Verfahren des Instituts

Zusätzlich ist es notwendig, die Schätzwerte und Annahmen quantitativ und qualitativ gegeneinander abzuwägen und zu begründen, so dass die getroffenen Schätzwerte und Annahmen nachvollziehbar für Dritte erläutert sind. Die Durchführung einer kritischen Diskussion der getroffenen Annahmen mit den verschiedenen Bereichen, u.a. Risikomanagement, Finanzen und/oder Kredit, ist sinnvoll. Nur so kann ausgeschlossen werden, dass eine bewusste oder unbewusste Fehleinschätzung (Bias) vorliegt und auch die Gesamtsituation des Institutes einbezogen wird. Die Wahrscheinlichkeit für das Treffen von Fehleinschätzungen steigt dabei mit der Zunahme von folgenden Sachverhalten:

  • unplausible Änderungen der Methodik, verwendeten Daten oder Annahmen
  • Entscheidungen des Management, die den ECL von Jahr zu Jahr innerhalb einer akzeptablen Bandbreite bewegt, aber nicht durch die Geschäftsentwicklung begründet sind
  • schwierige Finanzmarktbedingungen

Ausblick

Insgesamt ergeben sich aus dem neuen ISA 540 und der künftigen Anwendung von ECL-Modellen im Zuge der Umsetzung von IFRS 9 verschiedene Handlungsfelder. Nachfolgend haben wir die Wesentlichen aufgeführt:

Modellierungsexpertise

Die Berechnung des ECL Modells erfordert neben einem 12-Monats-Expected Credit Loss die Ermittlung eines Lifetime Expected Credit Loss sowie die Identifikation von zukunftsgerichteten Informationen bzw. makroökonomischen Faktoren. Definition sowie Kalibrierung von Parametern wie PD, LGD und EAD sind von den Instituten zu erläutern. Eine fachliche Würdigung der verfügbaren Daten und eine Identifikation von Datenlücken sollte daher bereits durch diese erfolgen. Besonders geeignet sind Daten-GAP- sowie Qualitätsanalysen zur Identifikation und Schließung von Datenlücken.

Kapitalauswirkungen

ECL Modelle haben insbesondere über den Wertberichtigungsvergleich (Vergleich von regulatorischem Expected Loss und buchhalterischer Risikovorsorge) Auswirkungen auf das regulatorische Eigenkapital. Institute sollten sich daher frühzeitig mit den Auswirkungen auf das regulatorische Eigenkapital mittels institutsspezifischer Analysen auseinandersetzen.

Governance Prozesse & Internes Kontrollsystem

Aufgrund der Nutzung von ECL-Modellen für die Berechnung der Risikovorsorge und deren Bedeutung für den Jahresabschluss sowie die regulatorische Eigenmittelberechnung (Säule I und II) haben Finanzinstitute auch hier geeignete Governance Prozesse und Interne Kontrollsysteme zu etablieren. Die Herausforderung liegt neben der angemessenen Definition in der Umsetzung.

Darüber hinaus bestehen Interdependenzen zur Offenlegung. Künftig sind Angaben zum ECL Modell im Anhang anzugeben, die zum einen Annahmen und Parameter aber auch Methoden, Verfahren und Prozesse betreffen. Dementsprechend sollten auch hier die Institute rechtzeitig mit der Vorbereitung beginnen.

Haben Sie weitere Fragen oder sehen Sie Diskussionsbedarf? Wir stehen Ihnen hierbei gerne zur Seite.

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Social Scoring: Neue Möglichkeiten durch die Digitalisierung

Was sagt Ihr Facebookprofil über Ihre Kreditwürdigkeit aus? Wahrscheinlich mehr als Sie denken. Neben bekannten Ratingverfahren von Banken, der Schufa und von Creditreform können auch Daten aus sozialen Netzwerken zur Bonitätsprüfung von natürlichen und/oder juristischen Personen herangezogen werden. Schließlich gibt es kaum noch Menschen ohne Profil in den sozialen Netzwerken.

SREP-Serie (Teil 4): Beurteilung der Kreditrisiken

Entsprechend der am 19. Dezember 2014 von der EBA veröffentlichten SREP Richtlinie sind Kredit- und Kontrahentenrisiken als Teil des Risikoprofils von Instituten durch die zuständigen Aufsichtsbehörden zu beurteilen. Dies umfasst neben einer Einschätzung und Evaluierung des inhärenten Kreditrisikos auch das Kreditrisikomanagement. Das übergeordnete Ziel besteht in der risikogerechten Darstellung der Kreditrisiken, um frühzeitig mögliche Risikounterschätzungen auf Einzelinstitutsebene zu identifizieren und etwaigen Handlungsbedarf zu adressieren.

Als primäre Herausforderung für die Institute ist, neben der Etablierung eines angemessenen Portfolioanalyseprozesses, die Sicherstellung der Richtigkeit, Granularität und zeitnahen Bereitstellung der Kreditrisikodaten zu nennen.

Kontrahentenrisiko: SA-CCR ersetzt CEM und SM

Zur Messung des Counterparty Credit Risk Exposures bei Derivatetransaktionen bestanden bislang im Wesentlichen zwei Verfahren – „Current Exposure Method“ (CEM) und „Standardised Method“ (SM). Verschiedene Kritikpunkte, u.a. fehlende Differenzierung zwischen margined und unmargined Transaktionen oder die unzureichende Abbildung der Volatilität für Stresszeiträume, haben nunmehr zu einer Überarbeitung der bisherigen Methodik geführt.

In diesem Zuge hat der Baseler Ausschuss ein neues Verfahren „Standardised Approach for Measuring Counterparty Credit Risk Exposure“ (SA-CCR) entwickelt und damit die bisherigen Verfahren CEM und SM ersetzt.