Kategorie: MaRisk

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Zukünftige Ausgestaltung der Risikotragfähigkeit, des ICAAP und des ILAAP – Ein Tapetenwechsel?

Am 20. Februar 2017 hat die EZB-Bankenaufsicht ihre ersten Überlegungen bezüglich eines mehrjährigen Projekts zur Entwicklung umfassender SSM-Leitfäden zum ICAAP und ILAAP für bedeutende Institute veröffentlicht. Im Zuge dessen hat die EZB detaillierte ICAAP- und ILAAP-Grundsätze herausgegeben, welche die Institute bis zum 31. Mai 2017 kommentieren können. Auf Basis dieser Überlegungen und der SREP-Erfahrungen aus 2017 plant die EZB Anfang 2018 einen überarbeiteten Entwurf zur Konsultation zu stellen.

Matthias Eisert im Interview zu den neuen MaRisk

Im Rahmen einer Tagung zum Thema „Bankenaufsicht Aktuell“ beim EUROFORUM hat Matthias Eisert sich im Interview zu den Chancen des Risiko-Reportings und den neuen Anforderungen aus BCBS 239 bzw. den Anforderungen an Datenmanagement aus der aktuellen MaRisk-Novelle geäußert. Das Interview finden sie hier. (Link  http://www.euroforum.de/bankenaufsicht-im-fokus/interview-mit-matthias-eisert-pwc/)

Der Zwischenentwurf der MaRisk-Novelle ist da – erneute Analyse der Anforderungen erforderlich

Seit Februar 2016 befindet sich der Entwurf zur MaRisk-Novelle 2016 in der Konsultationsphase. Nachdem die Bundesanstalt für Finanzdienst­leistungs­aufsicht (BaFin) in der Fachgremiumssitzung am 24./25. Mai 2016 über den aktuellen Konsultationsstand informiert, Hinweise zur Erwartungshaltung der Aufsicht und mögliche Umsetzungsfristen gegeben hat, wurde in der gleichen Sitzung ein Zwischenentwurf zur weiteren Konsultation angekündigt.

Erkenntnisse aus aufsichtlichen Prüfungen konkretisieren die Anforderungen an Risikotragfähigkeit und Stresstests

Nachdem unsere Reihe von Beiträgen bereits verschiedene (Schwerpunkt-)Themen des MaRisk-Konsultationsentwurfs vom 19. Februar aufgegriffen hat (Beitrag vom 22. Februar 2016) , soll dieser Beitrag die wesentlichen – zur Diskussion stehenden – Änderungen bei der Risikotragfähigkeit und den Stresstests beleuchten. Während die Institute dabei im Rahmen der Risikotragfähigkeit vor allem vor die Herausforderung gestellt werden, Intragruppenforderungen angemessen abzubilden, wird das Stresstest­universum um die Durchführung von Stresstests für das Gesamtrisikoprofil auf Instituts- und Gruppenebene ergänzt.

Die Auslastung der Risikotragfähigkeit kann steigen – die Qualität jedoch auch

Die Änderungen des AT 4.1 („Risikotragfähigkeit“) im MaRisk-Konsultationsentwurf sind überschaubar und lassen sich im Wesentlichen als „Best Practice-getriebene“ Konkreti­sierungen und Erläuterungen beschreiben. Eine der größten Änderungen ist die – nun an zentraler Stelle im AT 4.1 Tz. 9 u. 10 untergebrachte – komplexitätsinduzierte umfas­sende Validierung einzelner Komponenten der Risikotragfähigkeitsrechnung, bei der künftig eine angemessene (prozessuale und organisatorische) Trennung zwischen Methodenentwicklung und Validierung gewährleistet sein soll. Hiermit ist nicht zwingend eine „neutrale Stelle“ oder ein anderer Bereich gemeint; Mindestvoraussetzung aus Sicht der deutschen Aufsicht ist, dass unterschiedliche Personen mit Validierung und Entwicklung der Verfahren betraut sind. Seitens der europäischen Bankenaufsichtsbehörden lassen sich allerdings (zumindest für Säule 1-relevante Modelle) mittelfristig weitergehende Anforderungen an die Trennung zwischen Methodenentwicklung und Validierung erkennen (siehe z.B. auch das EBA-Konsultationspapier EBA/CP/2014/36 vom 12. November 2014).

Daneben werden die bestehenden Anforderungen an Daten aus anderen/externen Quellen für die Berechnung der Risikotragfähigkeit fixiert. Es soll nachvollziehbar sein, warum verwendete externe Daten die institutsindividuellen Verhältnisse wiedergeben.

Größere Änderungen bringt AT 4.5 („Risikomanagement auf Gruppenebene“). Die neu geforderte Überprüfung der Wesentlichkeitseinstufung bei zusammengefasster Betrachtung aller unwesentlichen Risiken für nachgeordnete Unternehmen, dürfte noch überschaubar sein. Die Einbeziehung von Intragruppenforderungen führt ggf. zu einem erhöhten Aufwand. Dieser ergibt sich aus dem Ansatz von (internen) Preisen, die sich an denen des externen Marktes orientieren müssen. Somit ist das jeweilige Ausfallrisiko anzusetzen. Sofern Institute die Intragruppenforderungen in ihren Berechnungen bislang nicht berücksichtigen, kannje nach Größe und Rating der Engagements – die Auslastung in der Risikotragfähigkeit steigen. Hierzu ist eine Analyse der eigenen Bestände notwendig, inwieweit die erforderlichen Daten erhoben werden können und welche Beträge in der Risikoermittlung anzusetzen sind.

Die in AT 4.1 Tz. 2 geforderte Berücksichtigung beider Zielsetzungen – Fortführung des Instituts und Schutz der Gläubiger in der Risikotragfähigkeit – i.V.m. dem Verweis auf den „Leitfaden zur aufsichtlichen Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte“ vom 7. Dezember 2011 wird vor dem Hintergrund der laufenden europäischen Diskussion und der SREP-Anforderungen diskutiert (s. auch Risk-Blog-Beitrag vom 24.Mai 2016). In diesem Zusammenhang ist auch eine Novellierung des vorgenannten Rundschreibens im Nachgang zu der MaRisk-Novelle 2016 zu erwarten.

Eine weitere Konkretisierung mit potenziellen Auswirkungen auf die Risikotragfähigkeit hat die BaFin im BTR 2.3 Tz. 6 für Zinsänderungsrisiken (Marktpreisrisiken des Anlagebuchs) vorgenommen. Hiernach kann bei der Bestimmung der Risiken auf die Auswirkungen von Zinsänderungen auf das handelsrechtliche Ergebnis oder die Markt- bzw. Barwerte als primär steuerungsrelevantes Verfahren abgestellt werden. Die Auswir­kungen des jeweils anderen Verfahrens sind angemessen zu berücksichtigen. Sofern sich daraus weitergehende bedeutende Zinsänderungsrisiken ergeben, sind diese in die Risikosteuerungs- und –controllingprozesse sowie die Risikotragfähigkeit einzu­be­ziehen. Dies trägt auch zum Teil den Anforderungen der “EBA Guidelines on the Manage­ment of interest rate risk arising from non-trading activities” (EBA/GL/2015/08) Rechnung. Auch in diesem Zusammenhang ist eine weitere Konkretisierung der Anforde­rungen der Aufsicht – z.B. in Form einer Allgemeinverfügung – alsbald zu erwarten (s. auch Blog-Beitrag vom 20. November 2015).

Konkretisierende Regelungen bei Stresstests auf Instituts- und Gruppenebene

Die bestehende Anforderung zur Durchführung der Stresstests auf Gesamtinstitutsebene unter AT 4.3.3 Tz. 1 MaRisk wird in dem aktuellen MaRisk-Entwurf durch eine neue Tz. 2 konkretisiert. Regelmäßige und ggf. anlassbezogene Stresstests sind nun für das Gesamt­risikoprofil des Instituts durchzuführen. Darüber hinaus sind zusätzlich die potenziellen Auswirkungen auf die unterschiedlichen Risikoarten kombiniert in einer Weise darzustellen, welche die Wechselwirkungen zwischen den Risikoarten berücksichtigen. Gleichzeitig hat die BaFin im MaRisk-Entwurf die Durchführung der regelmäßigen und ggf. anlass­bezogenen Stresstests auch für das Gesamtrisikoprofil auf Gruppenebene aufge­nommen (AT 4.5 Tz. 5). Während die konkretisierenden Anforderungen auf Institutsebene überwiegend einen eher niedrigen Aufwand darstellen, dürften die Anforderungen auf Gruppenebene bei einigen Häusern mit einer höheren Komplexität verbunden sein.

Fazit

Die Herausforderungen und Auswirkungen auf die Institute stellen sich zusammen­gefasst wie folgt dar:

  • Die bestehenden Validierungs-/Plausibilisierungsprozesse in der Risikotragfähigkeitsrechnung sind um eine Repräsentativitätsanalyse aller externen Daten zu ergänzen. Für umfas­sende Validierungen komplexer Verfahren ist eine angemessene Funktionstrennung zwischen Modellentwicklung und Validierung einzurichten.
  • Die Bewertung der Intragruppenforderungen ist an einer externen Betrachtung auszurichten, d. h. es ist insbesondere das jeweilige Ausfallrisiko zu berücksichtigen.
  • Es ist zu überprüfen, ob alle wesentlichen Risiken in den bestehenden Gesamtbankstresstest einbezogen werden. Darüber hinaus muss der Gesamtbank­stresstest geeignet sein, um die Wechselwirkungen der Risiken abzubilden. Auf Gruppenebene sind regelmäßige und ggf. anlassbezogene Stresstests für das Gesamtrisikoprofil durchzuführen.

 

WP StB Michael Maifarth

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Reaktionen auf den MaRisk-Konsultationsentwurf 2016 – IDW und DK nehmen im Vorfeld der Sitzung des Fachgremiums MaRisk Stellung

Pünktlich zum Ende der Konsultationsfrist zur 5. MaRisk-Novelle am 27. April haben das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) und Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) – als Interessenvertreter der fünf kreditwirtschaftlichen Spitzenverbände – Stellung zum Konsultationsentwurf vom 18. Februar genommen.[1] Die darin angesprochenen Punkte werden auch Gegenstand der anstehenden Sitzung des Fachgremiums MaRisk bei der BaFin am 24./25. Mai 2016 sein. Der vorliegende Beitrag soll einen Überblick über zentrale Anmerkungen und Anregungen der beiden Institutionen geben. Einen Überblick über die wesentlichen – im Konsultationsentwurf vorgesehenen – Neuerungen der MaRisk gibt unsere seit Februar erschienene Reihe von Blogbeiträgen (Klick).

AT 4.3.4 – Neue Anforderungen an das Datenmanagement in den MaRisk 2016

Mit dem Konsultationsentwurf der MaRisk 2016 werden die Regelungen zum Management von Risikodaten für deutsche Institute erstmals konkretisiert. Daraus ergeben sich umfangreiche Anforderungen an das Datenmanagement, die Datenqualität sowie die Aggregation von Risikodaten. Auch Institute, die sich bereits intensiv mit der Umsetzung der Anforderungen aus BCBS 239 befasst haben, dürften die neuen Regelungen vor erhebliche Herausforderungen stellen, da im Vergleich zum BCBS 239 die Anforderungen teils spezifischer formuliert sind und eine kürzere Umsetzungsfrist eintreten kann.

Angemessene Übergangsfristen bei Mitarbeiterwechsel und Erweiterung der Anforderungen im Neu-Produkt-Prozess

Zwei weitere Bausteine der MaRisk-Novelle sind die Themenkomplexe „Cooling-Off“ und der Neu-Produkt-Prozess. Die bereits bestehenden Anforderungen im Zusammenhang mit nicht miteinander vereinbaren Tätigkeiten bzw. Funktionstrennung werden für Mitarbeiter im Konsultationsentwurf um eine Übergangsfrist (Cooling-Off-Periode) zur Vermeidung von Selbstprüfungen ergänzt. Der Neu-Produkt-Prozess wird um eine jährliche Überprüfung erweitert. Darüber hinaus wird nun explizit eine Produktliste durch die MaRisk gefordert. Diese Erweiterungen stellen einerseits ergänzende Anforderungen dar, andererseits fixieren sie auch die gelebte bzw. bislang schon von der Bankenaufsicht erwartete Praxis.

Risikoberichterstattung – Bündelung der MaRisk-Anforderungen im neuen Modul „BT 3“

Im Konsultationsentwurf zu den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (BA) vom 18. Februar 2016 hat die Aufsicht die Anforderungen zur (Risiko)Berichterstattung an zentraler Stelle in dem neuen Modul „BT 3“ gebündelt. Neu ist insbesondere, dass im Abschnitt BT 3.4 spezifische Anforderungen an die Berichterstattung für die Markt- und Handelseinheiten aufgenommen wurden und damit eine Berichtspflicht nach MaRisk festgelegt wird.

Die Geschäftsleitung der Institute wird gefordert – Förderung der Risikokultur

„Entwicklung, Förderung und Integration einer angemessenen Risikokultur innerhalb des Instituts und der Gruppe“ [1] – so fordert es nun auch der Konsultationsentwurf der MaRisk Novelle 2016. Das Thema Risikokultur hatten die nationalen und internationalen Aufseher in der Vergangenheit immer wieder in den Mittelpunkt gestellt, wobei insbesondere das Erfordernis einer wirksamen Kontrolle der Risiken durch die verschiedenen Leitungsorgane betont wurde. Deshalb finden sich die Anforderungen zur Risikokultur nun auch in dem AT 3 – Gesamtverantwortung der Geschäftsleitung – an sehr prominenter Stelle in den MaRisk (Entwurf) wieder.