EBA Recovery Planning – Comparative Report on Recovery Options

Mit der Implementierung der BRRD (Bank Recovery and Resolution Directive) im Januar 2015 steht die Sanierungsplanung auf der Agenda der großen europäischen Banken. Zur Unterstützung dieser hat die EBA (European Banking Authority) ihre vierte vergleichende Studie durchgeführt und die Ergebnisse am 1. März 2017 in ihrem Report mit dem Titel „EBA Recovery Planning – Comparative Report on Recovery Options“ veröffentlicht.

Es wurden Sanierungspläne von insgesamt 23 Banken mit Muttergesellschaften aus 12 verschiedenen EU Ländern hinsichtlich der Entwicklung von Handlungsoptionen stichprobenartig untersucht. Diese Pläne wurden den zuständigen Behörden im zweiten Halbjahr 2016 vorgelegt. Sowohl die Auswahl bezüglich der Größe, als auch die der Länder erscheint recht heterogen, wodurch das Risiko eines Länder- oder Größenbias begrenzt ist. Die untersuchten Sanierungspläne nutzen unterschiedliche Ansätze für die Kategorisierung der Handlungsoptionen (z.B. Einteilung nach der Umsetzungsgeschwindigkeit, Auswirkungen auf Kapital / Liquidität, Wahrscheinlichkeit, etc.). Die folgende Grafik gibt einen Überblick über die Anzahl der in den Sanierungsplänen angewandten Handlungsoptionen, wobei die Bandbreite zwischen 8 und 56 Handlungsoptionen liegt:

Ziel dieser Studie war es herauszufinden, ob die bestehenden Handlungsoptionen die Aufstellung von Sanierungsplänen ermöglichen, die glaubwürdig, umsetzbar und von guter Qualität sind. Es hat sich erwiesen, dass dem Großteil der Institute die Bedeutung einer detaillierten Analyse der Handlungsoptionen für die Erstellung des Sanierungsplans bewusst ist, und dass gute Fortschritte festzustellen sind.

Jedoch wurde in einigen Bereichen Verbesserungspotential identifiziert. Mehr als die Hälfte der untersuchten Sanierungspläne umfasst eine nach dem Detaillierungsgrad variierende Beschreibung der spezifischen Governance-Verfahren. Einige Sanierungspläne enthalten jedoch keinerlei Informationen und haben lediglich auf die allgemeinen Governance-Regelungen verwiesen. Weiterhin ist in vielen Fällen eine rein qualitative Eignungsanalyse für jedes Szenario vorhanden und es wird auf eine detaillierte Machbarkeitsbeurteilung verzichtet. In Bezug auf die finanziellen Auswirkungen wird zwar eine Wirkungsanalyse durch die aufsichtsrechtlichen Kennzahlen vorgenommen, allerdings wird den Bewertungsannahmen keine detaillierte Berechnungsgrundlage hinterlegt, wodurch die Glaubwürdigkeit stark beeinträchtigt sein könnte. Betreffend den operativen Auswirkungen ist oftmals unklar ob die operative Kontinuität gewährleistet ist, da es der Mehrzahl von Sanierungsplänen an einer umfassenden Analyse auf Ebene der einzelnen Handlungsoptionen mangelt.

Im Bereich der Beurteilung der Umsetzbarkeit und Glaubwürdigkeit von Handlungsoptionen wurden drei verbesserungswürdige Bereiche identifiziert. Zunächst fehlen in vielen Sanierungsplänen Erklärungen darüber, wie Banken auf vergangene Erfahrungen zurückgegriffen haben, wodurch Aufsichtsbehörden die Bewertung der Glaubwürdigkeit von Handlungsoptionen nur unzureichend vornehmen können. Der zweite Kritikpunkt bezieht sich auf den erwarteten Zeitrahmen für die Ausführung der Handlungsoptionen. An dieser Stelle ergeben sich erhebliche Disparitäten in den angewandten Ansätzen bezüglich der Kalkulation des Zeitrahmens und dem Detaillierungsgrad. In mehr als 85 % der untersuchten Sanierungspläne wird für die Ausführung der Handlungsoptionen eine Zeitspanne (z.B. 1-9 Monate) geschätzt, anstatt einen spezifischen Zeitrahmen (z.B. 6 Monate oder 12 Monate) anzugeben. Außerdem wird in den meisten Fällen dem vorgeschlagenen Zeitrahmen eine unzureichende Begründung dargelegt, wodurch die Beurteilung erschwert wird, ob diese realistisch und ausreichend konservativ sind. Der letzte Problembereich befasst sich mit der Identifikation von potentiellen Risiken und Hindernissen, die die rechtzeitige und effektive Umsetzung von Handlungsoptionen im Falle einer finanziellen Krise einschränken könnten. Oftmals stellt diese Aufgabe eine Herausforderung für die Banken dar, da die Sanierungspläne zwar einen Überblick über die materiellen Hindernisse aufzeigen, jedoch nur eine begrenzte Anzahl von vorbereitenden Maßnahmen zur Überwindung dieser Hindernisse beinhalten. Zudem sind diese risikomindernden und vorbereitenden Maßnahmen häufig allgemein gehalten und / oder für die zukünftige Anwendung vorgesehen, was ihre tatsächliche Wirksamkeit beeinträchtigt.

Fazit

Die Analyse hat schließlich ergeben, dass die aktuellen Sanierungspläne einen zu starken Fokus auf die Perspektive der Muttergesellschaften legen. Es konnten kaum Handlungsoptionen auf Einzelinstitutsebene identifiziert werden, die keiner Unterstützung (in Form von Kapital oder Liquidität) von der Muttergesellschaft bedürfen. Die EBA hat eine nicht abschließende Liste mit unterschiedlichen Handlungsoptionen (EBA Liste der Handlungsoptionen) formuliert.

Institute werden sich der Herausforderung stellen müssen, die gesamte Bankengruppe im Sanierungsplan abzudecken und die auf Gruppen- und Einzelinstitutsebene angewandten Sanierungsmaßnahmen verstärkt aufeinander abzustimmen.

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