EZB-Leitfaden zu „leveraged transactions“

Die EZB hat am 16. Mai 2017 den Leitfaden zum Umgang mit so genannten „leveraged transactions“ veröffentlicht. Darin stellt sie die aufsichtlichen Erwartungen an Banken zum Umgang mit Finanzie­rungen dar, bei denen eine Unternehmensbeteiligung durch einen Finanzinvestor gegeben ist oder ein definiertes Maß an Fremdkapitalfinanzierung (leverage) überschritten ist.

Der Leitfaden definiert zunächst den Begriff der „leveraged transaction“, um anschließend die Anforderungen an die Überwachung und Messung von Risiken aus solchen Transaktionen darzu­legen.

Die Umsetzung in den Instituten wird im Leitfaden als unverbindlich dargestellt. Jedoch erwartet die Aufsicht, dass alle bedeutenden Kreditinstitute (Artikel 6 Absatz 4 der SSM Verordnung der EZB) den Leitfaden in ihren internen Richtlinien umsetzen. Eine Ausstrahlungswirkung für alle anderen Institute sowie für den Markt der Finanzierung von Unternehmenserwerben wird erwartet.

Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über die Inhalte und zeigen praktische Herausforde­rungen auf.

Definition von „leveraged transactions“:

Der EZB-Leitfaden empfiehlt den Banken, eine eindeutige und einheitliche Definition von „leveraged transactions“ in ihren internen Richtlinien festzusetzen.

Als „leveraged transaction“ definiert die Aufsicht jene Transaktionen, die mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllen:

  • Alle Transaktionen die dazu führen, dass eine Total Debt to EBITDA Ratio von 4,0 überschritten wird.
  • Alle Transaktionen, bei denen die Mehrheit der Anteile eines Kreditnehmers von mindestens einem Finanzinvestor gehalten wird.

Ausgenommen sind gemäß Leitfaden bspw. Kredite an natürliche Personen, an Kreditinstitute, mit einem Volumen von weniger als € 5,0 Mio und Projektfinanzierungen. Herausgestellt wird, dass die implementierten Definitionen regelmäßig von unabhängigen Dritten auf nicht adäquat ausgeschlossene Geschäfte hin überprüft werden sollten.

Risikoappetit und Governance

Der Leitfaden fordert die Kreditinstitute auf ihren Appetit und ihre Strategie bezüglich „leveraged transactions“ so festzulegen, dass alle betroffenen Geschäftseinheiten erfasst werden. Für eine gesunde Governance-Struktur hinsichtlich solcher Finanzierungen legt die Aufsicht dabei drei Mindestanforderungen fest:

  • Die Geschäftsleitung und das Risikomanagement sollten einen einheitlichen und integrierten Blick auf alle „leveraged transactions“ wahren.
  • Sämtliche „leveraged transactions“, die ein Kredit-, Syndication- oder Underwritingrisiko implizieren, sollten zusätzlich von einer unabhängigen Risikofunktion überprüft und genehmigt werden. Hier sind alle syndizierten Kredite, also auch „Best Effort Deals“, „Club Deals“ und bilaterale Kreditvereinbarungen, einzubeziehen.
  • Soweit aufgrund des Umfangs der leveraged transactions, eine Funktionstrennung zwischen initiierendem und ausführendem Bereich nicht erforderlich ist, sind die Institute trotzdem angehalten, entsprechende Prozesse und Richtlinien zu implementieren, die potentiellen Interessenkonflikten entgegenwirken und den Anforderungen des Datenschutzes gerecht werden.

Darüber hinaus hat die Aufsicht Anforderungen zum Umgang mit Syndizierungen bei den Instituten niedergelegt. Hierzu zählen unter anderem die Begrenzung der Verschuldung auf ein Total Debt to EBITDA von 6,0 bei „leveraged transactions“, Vorabgenehmigungspflichten für Unterwriting- und Syndizierungsrisiken sowie Anforderungen zum Umgang mit gescheiterten Syndizierungsgeschäften.

Rahmenbedingungen und Prozesse für das Neugeschäft, Überwachung sowie Steuerung der langfristig gehaltenen „leveraged transactions“

Bei der Kreditgewährung sollte für“ leveraged transactions“ ein geeigneter und spezifischer Kreditgenehmigungsprozess implementiert sein, der den Risikoappetit der Bank angemessen berücksichtigt. Sowohl im Rahmen der Kreditgewährung, als auch bei der Wiedervorlage, bei Verlängerungen, Modifikationen oder Refinanzierungen von bestehenden Transaktionen sind eingehende Überprüfungen im Sinne einer Due Dilligence (Branchen-, Kunden- und Transaktions­analyse, Unternehmensbewertung und Business Plan-Analysen etc.) durch den initiierenden Bereich durchzuführen. Die kritische Durchsicht der Bonitätsbeurteilung (Due Dilligence) ist im Nachgang durch eine unabhängige Risikofunktion sicherzustellen.

Im Rahmen der laufenden Überwachung erwartet die Aufsicht eine anlassbezogene, mindestens jährliche Überprüfung der Ratingeinstufung für jede „leveraged transaction“ sowie die Implementierung von Risikofrühwarnindikatoren und Auslösern für Impairment-Tests.

Von einem funktionierenden Überwachungsprozess erwartet die Aufsicht des Weiteren die Implementierung eines Stresstest-Framework für das Portfolio im Bestand, das schwerwiegende Szenarien umfasst, die zu signifikanten Änderungen von Risikotreibern führen, wie z.B. ein Anstieg der Ausfallrate, Ratingmigrationen oder Sicherheitenabwertungen. Die Auswirkungen der Stressszenarien sind – insbesondere bezogen auf die Kapitaldienstfähigkeit – zu analysieren.

Die Interne Revision soll die Umsetzung und Einhaltung dieser Guideline in ihre regelmäßigen Prüfungen, mindestens alle drei Jahre, einbeziehen.

Anforderungen an das Reporting und Management Informationssysteme (MIS)

Der Leitfaden definiert bestimmte Anforderungen an ein regelmäßiges und umfassendes Berichts­wesen, das sämtliche Trends und Charakteristiken bezogen auf die „leveraged transactions“ einer Bank erfasst.

Das MIS soll Informationen über die Finanzierungen im Bestand sowie die geplanten, noch zu syndizierenden Finanzierungen enthalten, insbesondere sind darzustellen:

  • aktuelle Marktentwicklungen,
  • strukturelle Informationen (Bonitäten, Regionen oder Business Units),
  • Auslastung interner Limite im Normal- und Stressfall,
  • potenzielle Konzentrationen sowie
  • schwache Covenants

Ad Hoc Anforderungen nach Veröffentlichung des EZB-Leitfadens

Der Leitfaden tritt sechs Monate nach der Veröffentlichung in Kraft. Die Aufsicht erwartet nach 18 Monaten einen Bericht der Internen Revision an das Joint Supervisory Team der EZB, in dem darzustellen ist, welche Anforderungen aus dem Leitfaden bereits von den betroffenen Banken umgesetzt worden sind.

Praktische Herausforderungen:

  1. Die EZB will durch den vorgestellten Leitfaden, analog der „US Guidance on leveraged lending“ (Interagency Guidance von März 2013), für Finanzinstitute eine einheitliche Regelung für „leveraged transactions“ auf globaler Ebene durchsetzen, was erhöhte Anforderungen an die interne Governance, die operative Bearbeitung sowie das Berichtswesen für die Finanzinstitute bedeutet. Die umfassenden separaten Anforderungen aus dem Leitfaden zu „leveraged transactions“ erfordern eine Überprüfung sowie gegebenenfalls Anpassung der bestehenden Kreditrisikostrategien sowie der Kreditgewährungs- und Kreditüberwachungsprozesse.
  2. Zunächst hat die EZB angekündigt, dass die Umsetzung des Leitfadens im Rahmen des bankaufsichtlichen Dialogs verfolgt wird. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Anforderungen an „leveraged transactions“ künftig auch Gegenstand von Prüfungen durch die Aufsicht sein werden.
  3. Die Auswirkungen des Leitfadens auf den Markt für „leveraged transactions“ sind im Rahmen der Überwachung des Kreditportfolios, bei Kreditgewährungen sowie der Wiedervorlage von betroffenen Kreditengagements kritisch zu verfolgen.

Wir empfehlen den betroffenen Banken, die Prozesse im Kreditgeschäft zum Umgang mit „leveraged transactions“ zu überprüfen, die (Kredit-)Risikostrategien einer Durchsicht zu unterziehen und die für die Berichterstattung erforderlichen Strukturen vorzubereiten und qualitätszusichern.

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