EZB-Leitfaden für non-performing loans (NPLs)

Die EZB hat am 20. März 2017 die finale Fassung des Leitfadens zum Umgang mit notleidenden Krediten (non-performing loans – NPL) veröffentlicht. Darin stellt sie die aufsichtlichen Erwartungen, aber auch Best Practices zum Umgang mit NPL dar.
Die Umsetzung in den Instituten wird entsprechend dem Grundsatz der Proportionalität und mit der gebotenen Dringlichkeit erwartet.

Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über die wesentlichen Änderungen des finalen Leitfadens gegenüber der vom 12. September bis zum 15. November 2016 zur Konsultation gestellter Fassung. Die überwiegenden Anpassungen resultieren aus Konkretisierungen der bereits im Risk Blog-Beitrag „EZB Leitfaden für non-performing loans (NPL)“ dargestellten Inhalte.

Überblick zur Anwendung und den Inhalten

Der EZB-Leitfaden richtet sich an alle Banken und ist direkt anwendbar bei systemrelevanten Instituten (SIs), die unter der direkten Aufsicht der EZB stehen. Anzuwenden ist die finale Fassung grundsätzlich ab dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung. SIs können jedoch in Abstimmung mit ihren Joint Supervisory Teams (JSTs) einen Zeitplan erarbeiten, um die identifizierten Schwachstellen zu beheben.

Zwar wurden in der finalen Fassung einerseits verpflichtende Formulierungen mangels gesetzlicher Grundlagen gelockert, aber andererseits auch die geplanten Aufsichtsmaßnahmen bei einer Nichtbeachtung der Leitlinie konkretisiert. Die Anforderungen werden bei den regelmäßigen aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozessen als Best Practice herangezogen und können gemäß finaler Fassung des Leitfadens bei Nichteinhaltung zu Maßnahmen der Aufsicht führen. Die aufsichtsbezogenen Folgemaßnahmen werden durch die jeweiligen JST nach den üblichen aufsichtsrechtlichen Ansätzen und Eskalationsmechanismen festgelegt.

NPL Strategie

Der Leitfaden gibt für die Entwicklung und Umsetzung einer NPL-Strategie konkrete Prozessschritte und inhaltliche Anforderungen vor. Zusätzlich wird nun in der finalen Fassung von high NPL banks erwartet, dass sie ihre NPL-Strategie und den Umsetzungsplan jährlich an die JST’s berichten.

Eine wesentliche inhaltliche Anpassung hierbei ist die Konkretisierung zu beachtender Anforderungen bei der Übertragung von NPL-Risiken (z.B. in Form von Verbriefungstransaktionen).

Governance und Verfahren für NPL

Aus Sicht der EZB ist es für ein effizientes und nachhaltiges Angehen der NPL-Thematik unerlässlich eine angemessene Governance und ein Operatives Modell einzurichten. Für das Operative Modell ist die Etablierung von auf das Portfolio zugeschnittenen, speziellen Abwicklungseinheiten, sog. unabhängigen Workout-Units (NPL WUs), vorzusehen.

Die neue Fassung des Leitfadens verdeutlicht, dass zwischen den NPL WUs und den originären Kreditvergabeeinheiten eine regelmäßige Kommunikation gewährleistet werden soll, damit relevante Informationen aus der Restrukturierung für künftige Fälle nutzbar gemacht werden können.

Forbearance

Der Leitfaden nennt die Wiedererlangung der nachhaltigen Zahlungsfähigkeit als Ziel der Gewährung von Forbearance-Maßnahmen.

Entsprechend beinhaltet der Leitfaden zum einen Anforderungen an die Bewertung der Machbarkeit von Forbearance-Maßnahmen und zum anderen an den Forbearance-Prozess sowie zur Ermittlung der Kapitaldienstfähigkeit.

Gemäß des finalen Leitfadens sollen die Banken sicherstellen, dass die Vertragsgrundlagen zu den Forbearance-Maßnahmen, bei Besserung der Situation des Schuldners, Anpassungen zu Gunsten der Bank ermöglichen. Gleichzeitig sollen strikte Sanktionen für den Fall der Nicht-Einhaltung in den Forbearance-Verträgen festgeschrieben werden.

Darüber hinaus wird insbesondere im Hinblick auf langfristige Forbearance-Maßnahmen die Wichtigkeit von zusätzlichen Kontrollen zur Überwachung gewährter Maßnahmen herausgestellt. Diese Kontrollen sollen gewährleisten, dass die Risikokontrollfunktion über solche Fälle vor einer erneuten Gewährung weiterer Maßnahmen informiert ist. Zudem soll die explizite Zustimmung des zuständigen obersten Entscheidungsgremiums eingeholt werden.

Identifikation von NPL

Zur Schaffung einer einheitlichen Definition von NPL hat die EBA eine regulatorische Definition für Non-performing Exposure (NPE) in dem ITS on supervisory reporting (EBA/ITS/ 680/2014) dargestellt.

Der Leitfaden beinhaltet neben den Klarstellungen zu past-due, unlikely-to-pay-Kriterien, Abgrenzung zur Forbearance und NPL-Exit nun auch schärfere cure-Kriterien.

In der neuen Fassung werden im Wesentlichen die Ausführungen zum NPL-Exit dahingehend konkretisiert, dass eine Neuklassifizierung der NPL durch genaue Kriterien in den internen Richtlinien spezifiziert werden sollen. Außerdem sollen sämtliche Engagements eines Schuldners, unabhängig von der bevorstehenden Forbearance-Maßnahme, in Betracht gezogen werden.

Wertberichtigungen und Abschreibungen

Die Aufsicht führt Vorgaben für eine einheitliche Wertberichtigungsmethodik zur Bestimmung der Einzel- und Pauschalwertberichtigungen nach IAS 39 und IFRS 9 sowie Abschreibungen ein.

Ergänzt wird im finalen Leitfaden die Notwendigkeit der Implementierung von expliziten internen Bewertungsmethoden für Vermögenswerte aus Rettungserwerben.

Bewertung von Immobiliensicherheiten

Der Leitfaden stellt zusätzliche Anforderungen an die Bewertung von Immobilien, die als Sicherheiten für NPLs dienen.

Die finale Fassung verdeutlicht darüber hinaus die Erwartungshaltung der Aufsicht dahingehend, dass die zuvor aufgeführten Themen auch bei Performing Loans Best Practice sind und bei Überprüfungen als Orientierung herangezogen werden.

Des Weiteren wird die Rotation der Gutachter näher erörtert, wobei Gründe für eine regelmäßige Rotation genannt werden.

Fazit und praktische Herausforderungen für deutsche Institute

Die neuen Anforderungen des Leitfadens erfordern einen konsequenten Umgang mit NPL und zielen auf eine wirksame Steuerung und gezielte Verringerung dieser Forderungen ab. Es ist davon auszugehen, dass sich auf Basis der Formulierung der Erwartungshaltung der EZB auch die nationalen Anforderungen verändern:

  • Für Institute mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an NPL entstehen erhöhte Anforderungen an die Strategie sowie Governance und Operative Verfahren.
  • Insbesondere die Anforderungen an die NPL-Strategie, die NPL-Governance und die mit dem Reporting zusammenhängenden Erwartungen der Aufsicht nehmen durch die Leitlinie gegenüber den bestehenden MaRisk-Anforderungen zu.
  • Die Etablierung von speziellen Workout-Units für die verschiedenen NPL-Phasen, die Definition klarer Übergangskriterien und die Implementierung einer adäquaten Infrastruktur sowie eines geeigneten Frühwarnsystems erfordern eine Überprüfung und Analyse der bestehenden Prozesse bei allen Instituten.
  • Die Umsetzung des Leitfadens wird künftig im Rahmen von Prüfungen durch die Aufsicht im Fokus stehen. Eine fehlende Umsetzung oder fehlende Erklärung zur Überleitung der etablierten Prozesse auf die Anforderungen des Leitfadens werden Maßnahmen der Aufsicht in Form von Sonderprüfungen, Vorgaben für die Strategie sowie deren Umsetzung und höhere Kapitalquoten nach sich ziehen.

Wir unterstützen Sie gern bei der Gap-Analyse für Ihre etablierten NPL-Prozesse auch im Hinblick auf die Themen Risikofrüherkennung, Risikovorsorgebildung und Forbearance.

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