Die Sieben Grundsätze der EZB zum ILAAP

Aufbauend auf unseren Blog Beiträgen vom 6. April und vom 23. Mai 2017 zu den sieben ICAAP-Grundsätzen stellen wir in diesem Blog Beitrag die 7 Grundsätze der EZB zum ILAAP dar. Diese Darstellung basiert auf dem von der EZB veröffentlichten Brief (20. Februar 2017) über das mehrjährige Projekt zur Entwicklung umfassender SSM-Leitfäden zum ICAAP und ILAAP für bedeutende Institute. Diese ICAAP- und ILAAP-Grundsätze, konnten Institute bis zum 31. Mai 2017 kommentieren.

Nachfolgend stellen wir Ihnen die 7 Grundsätze zum ILAAP (Internal Liquidity Adequacy Assessment Process) vor:

Grundsatz 1: Das Leitungsorgan ist verantwortlich für eine solide Governance des ILAAP.

Da die EZB die Gesamtverantwortung für Aufsicht und Leitung in Bezug auf den ILAAP-Prozess klar dem Leitungsorgan des Instituts zuschreibt, hat dieses den Governance-Rahmen zu genehmigen und Sorge für eine regelmäßige interne Überprüfung und Validierung zu tragen. Zu den Inhalten der regelmäßigen Überprüfung zählt die Aufsicht insbesondere die Untersuchung qualitativer und quantitativer Elemente wie bspw. Stresstests. Darüber hinaus wird die proaktive Anpassung des ILAAP bei etwaigen Veränderungen durch neue Produkte/ Märkte oder strukturelle Veränderungen erwartet.

Das jährlich durch das Leitungsorgan abzugebende Liquidity Adequacy Statement (LAS) dient als Nachweis, dass das Leitungsorgan über ein gutes Verständnis der Angemessenheit der Liquidität des Unternehmens verfügt[1].

Grundsatz 2: Der ILAAP bildet einen integralen Bestandteil des Managementrahmens eines Instituts.

In diesem Grundsatz verlangt die EZB die Berücksichtigung der im Rahmen des ILAAP bewerteten Risikoperspektive in allen strategischen und operativen Aktivitäten und Entscheidungen. Zudem ist für die Vorhaltung der zur Risikoabdeckung notwendigen Liquidität ein effektives Limitsystem einschließlich wirksamer Eskalationsverfahren erforderlich. Diesbezüglich fordert sie zudem eine mindestens vierteljährliche, je nach Institut sogar monatliche Managementberichterstattung, deren Turnus im Fall von Marktstörungen zu erhöhen ist.

Zusätzlich wird verdeutlicht, welchen Stellenwert die EZB der Konsistenz von ILAAP und Sanierungsplan einräumt und welche Erwartungen sie an die kohärente und konsistente Anwendung von Strategien, Risikomanagementverfahren und Entscheidungsprozessen innerhalb der Gruppe oder des Finanzkonglomerats stellt. Zudem stellt sie klar, dass eine einfache Addition der ILAAP-Werte nicht ausreichend ist, sondern zumindest die beschränkte Übertragbarkeit von Liquidität zwischen den gruppenangehörigen Unternehmen bzw. innerhalb des Finanzkonglomerats zu berücksichtigen ist.

Grundsatz 3: Ziel des ILAAP ist die Aufrechterhaltung der Überlebensfähigkeit des Instituts durch die Sicherstellung einer angemessenen Liquiditätsversorgung und einer soliden kurz- und mittelfristigen Refinanzierung.

In Grundsatz 3 erläutert die EZB ausführlich ihre Erwartungen an einen proportionalen ILAAP, der ebenso wie der ICAAP eine normative sowie eine interne ökonomische Perspektive zu umfassen hat. Beide Perspektiven sind sowohl aus kurzfristiger Sicht zu beurteilen (Betrachtungszeitraum von gewöhnlich einem Jahr), als auch um – auf der kurzfristigen Sicht aufbauende – mittelfristige Basis- und adverse Szenarien zu ergänzen (Betrachtungszeitraum über mindestens drei Jahre).

Darüber hinaus ist der ILAAP um detaillierte Informationen über Liquiditätsnotfallmaßnahmen, die mit den im ILAAP identifizierten und quantifizierten Risiken in Einklang stehen sollen, zu ergänzen. Hierbei stellt die EZB klar, dass der ILAAP auch eine Beurteilung der möglichen Notfallliquidität in Stressphasen enthalten sollte.

Ziel dieses Grundsatzes ist es, dass vor dem Hintergrund des Leitgedankens der Fortführung der Geschäftstätigkeit alle Risiken sowie der gesamte Liquiditätsbedarf in Form von möglichen Abflüssen umfassend bewertet werden.

Grundsatz 4: Alle wesentlichen Risiken werden durch den ILAAP identifiziert und berücksichtigt.

Als Basis zur Erreichung des Ziels des Grundsatzes 3 definiert die EZB in Grundsatz 4 die Anforderungen, die an den Prozess der Risikoidentifizierung gestellt werden. Als Risikoquellen, die sowohl im Hinblick auf bilanzielle als auch auf außerbilanzielle Positionen zu berücksichtigen sind, nennt sie dabei in erster Linie höhere Abflüsse, geringere Zuflüsse, den geringeren Liquiditätswert liquider Vermögenswerte sowie Sicherheitenabrufe und Nachschussforderungen auf Grund von Marktschwankungen. Insbesondere fordert sie Institute dazu auf, klare Regelungen hinsichtlich der Verwendung von öffentlichen Refinanzierungsquellen zu definieren und die Verfügbarkeit dieser Refinanzierungsquellen sowohl unter normalen als auch unter Stressbedingungen regelmäßig zu überwachen.

Ein besonderes Augenmerk legt die EZB auf die Anforderungen, die Institute im Fall von grenzüberschreitenden Aktivitäten zu erfüllen haben. Auf Gruppenebene hat neben einer Identifikation von Hindernissen hinsichtlich der Übertragung von Liquidität zwischen Rechtssubjekten, Ländern und Währungen eine Quantifizierung dieser Risiken für jede wesentliche Währung sowohl unter normalen als auch unter Stressbedingungen zu erfolgen.

Grundsatz 5: Der interne Liquiditätspuffer ist von hinreichend hoher Qualität, gut diversifiziert und seine Bestandteile sind klar definiert; die Refinanzierungsquellen sind solide und gewährleisten, dass die Geschäftstätigkeit auch längerfristig fortgesetzt werden kann.

Bei der Festlegung der Anforderungen an die Definition des internen Liquiditätspuffers legt die EZB Wert auf eine Unterscheidung zwischen Normal- und Stressszenarien. So haben Institute bei der Definition des Liquiditätspuffers zwischen Vermögenswerten, die auch im Stressfall liquide bleiben und solchen Vermögenswerten, die nur zur Beschaffung von Zentralbankliquidität verwendet werden können, zu unterscheiden. Für beide Arten ist die Festlegung interner Limite obligatorisch.

Hinsichtlich der Definition solider Refinanzierungsquellen haben Institute die Stabilität des Refinanzierungsprofils anhand der Diversität (oder Konzentration) sowie anhand von Märkten und Produkten einzuschätzen. Dabei hat die Beurteilung des Marktzugangs im Hinblick auf Geschäftsvolumen und Preisgestaltung zu erfolgen. Laufzeitinkongruenzen für den Zeitraum nach einem Jahr sind zu quantifizieren; zur Begrenzung hat das Institut einen Risikoappetit sowie Gap- und Bilanzlimite hinsichtlich der Inkongruenzen festzulegen.

Grundsatz 6: Die ILAAP-Annahmen und die Risiko-Quantifizierungsmethoden sind angemessen und konsistent und wurden gründlich validiert.

In diesem Grundsatz vertieft die EZB ihre Ausführungen von Grundsatz 3 zu einer möglichst konservativen Risikoquantifizierung in der ökonomischen und normativen Perspektive. Solange die verwendeten Methoden untereinander, mit der gewählten Perspektive und der Definition des Liquiditätspuffers vereinbar sind, das Institut über ein gründliches Verständnis der Modelle verfügt und alle Risiken im ILAAP berücksichtigt werden, sind die Institute in der Wahl der Methode zur Quantifizierung der Risiken frei. Als zentrales Mittel zur Erlangung des gründlichen Verständnisses über die Modelle und Methoden wird die unabhängige interne Validierung, deren Ergebnisse an die Führungskräfte und das Leitungsorgan zu berichten sind, erachtet. Zudem wird klargestellt, dass schwer quantifizierbare Risiken dennoch mittels hinreichend konservativer Risikowerte berücksichtigt werden müssen. Darüber hinaus betont die EZB, dass die Risikoquantifizierungs­methoden von einer Kontrollfunktion entwickelt werden müssen, die unabhängig von den risikoverursachenden Geschäftsbereichen ist. Ebenso ist die Validierung der Methoden durch eine unabhängige Person, die nicht in die Modellentwicklung eingebunden war, mindestens jährlich durchzuführen.

Grundsatz 7: Durch regelmäßige Stresstests soll sichergestellt werden, dass ausreichend Liquidität zur Verfügung steht, um Phasen starker Belastung zu überstehen.

Gemäß dem Grundsatz 7, in dem die EZB ihre Erwartungen an die Ausgestaltung der Stresstests formuliert, soll das Rahmenwerk makroökonomische sowie auch finanzielle Stressbedingungen umfassen, die sowohl aus der normativen als auch der ökonomischen Perspektive zu betrachten sind. Ebenso erwartet die EZB von den Instituten die proportionale Anwendung von inversen Stresstests. Die Überwachung der Angemessenheit der Stressszenarien hat laufend, deren Anwendung hat in regelmäßigen Abständen (mindestens vierteljährlich) zu erfolgen. Nach Möglichkeit sollten die ILAAP- und ICAAP-Stresstests als Einheit betrachtet werden, wobei auf Anknüpfungspunkte zwischen beiden Stresstests ein besonderes Augenmerk zu legen ist.

Hinsichtlich des ILAAP erwartet die EZB zudem, dass die Institute zahlreiche Informationen über historische und hypothetische Stressereignisse zur Festlegung der Stressszenarien verwenden und die definierten Szenarien in Risikokennzahlen überführen. Die zusätzlich durchzuführenden adversen Szenarien haben institutsspezifische sowie marktweite Stressannahmen zu berücksichtigen und sollen im Rahmen der Festlegung der Liquiditätsnotfallmaßnahmen herangezogen werden.

Die konkrete Ausgestaltung des ICAAP und des ILAAP in proportionaler Weise obliegt den einzelnen Instituten, da diese jeweils einen internen Prozess darstellen und folglich institutsspezifische Besonderheiten bestmöglich berücksichtigt werden können. Eine besondere Herausforderung im Rahmen des ökonomischen Steuerungskreislaufes wird es sein, in Verbindung mit dem festzulegenden Liquiditätspuffer ein effizientes und steuerungsrelevantes Transferpreissystems (Funds Transfer Pricing) zu implementieren bzw. das bestehende FTP vor diesem Hintergrund zu optimieren.

Aufgrund der durch die EZB angestrebten Konvergenz innerhalb der aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die einzelnen Institute ist damit zu rechnen, dass die hier beschrieben Grundelemente auch einen Einfluss auf die in Deutschland durch die MaRisk bereits fixierten Prozesse zur Steuerung der Liquiditätsrisiken haben werden. Damit stellt sich auch für kleinere Häuser die Frage der Umstellungserfordernisse.

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[1] Weitere Einzelheiten zum erwarteten Format und Inhalt des LAS enthält das EZB-Dokument „Technische Umsetzung der EBA-Leitlinien zu für SREP erhobenen ICAAP- und ILAAP-Informationen“

https://www.eba.europa.eu/documents/10180/1748842/Guidelines+on+ICAAP+ILAAP+(EBA-GL-2016-10)_DE.pdf/c88d3ce5-d3b9-4429-b53d-5111087aa5b7

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