Risk Blog

Negative Zinsen: Auswirkungen auf die Derivate-Bewertung

Aufgrund der momentanen Niedrigzinsphase sind am Markt aktuell sehr niedrige und teilweise negative Zinssätze beobachtbar. Dies kann bei der Bestimmung der Fair Values von Derivaten für bilanzielle Zwecke oder in der Risikorechnung zu unplausiblen Ergebnissen führen, soweit die verwendeten Bewertungsmodelle keine sachgerechte Einbeziehung der negativen Zinssätze gewährleisten. Hierbei ist zu unterscheiden in Derivate mit und ohne optionale Komponenten.

Überblick zur EBA Opinion zu CVA

Am 25. Februar 2015 hat die European Banking Authority (EBA) ihren Report on Credit Valuation Adjustment (CVA) und die darauf basierende Opinion on CVA risk (EBA/Op/2015/02) veröffentlicht.


Hintergrund


Das Credit Valuation Adjustment (CVA) ist ein Bewertungsabschlag für OTC-Derivate und gibt an, wie groß die Wertminderung des risikofreien Fair Values eines Derivats durch den potentiellen Ausfall des Kontrahenten ist. Die CRR sieht vor, dass das Risiko der Erhöhung des CVA durch Änderungen des Credit Spreads des Kontrahenten (CVA Risiko), mit Eigenmitteln zu unterlegen ist. Um dieses Risiko zu quantifizieren ist die so genannte CVA Risk Capital Charge zu berechnen. Dieser Betrag kann entweder nach dem Standardansatz oder dem Advanced Approach berechnet werden.

Sanierungs- und Abwicklungsplanung – Anforderungen der Aufsicht steigen

Die Anforderungen an die Sanierungs- und Abwicklungsplanung werden weiter ergänzt. Neben dem am 1. Januar 2015 in Kraft getretenen SAG (Sanierungs- und Abwicklungsgesetz) veröffentlicht die EBA laufend weitere Guidelines und Technische Standards zur Sanierungs- und Abwicklungsplanung. Auf die Institute hat dies folgende wesentliche Auswirkungen:

Meldungen zur Risikotragfähigkeit konkretisiert

Ab 2015 müssen Kreditinstitute und übergeordnete Unternehmen erstmals Informationen zu ihrer Risikotragfähigkeit und den Verfahren zur Ermittlung der Risikotragfähigkeit an die Deutsche Bundesbank melden. Zur Konkretisierung der Pflichten wurde am 19. Dezember 2014 die FinaRisikoV (Verordnung zur Einreichung von Finanz- und Risikotragfähigkeitsinformationen nach dem Kreditwesengesetz) erlassen, die die bisherige FinaV (Finanzinformationenverordnung) ersetzt. Im Februar 2015 hat die Aufsicht ergänzend eine Allgemeinverfügung zur Einreichung von Informationen zur Risikotragfähigkeit (BaFin) sowie ein Merkblatt für die Meldungen gemäß §§ 10, 11 FinaRisikoV (Deutsche Bundesbank) veröffentlicht. Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über die Inhalte der Regelungen.

Abweichung zwischen europäischen und deutschen Trennbankenregeln

Die Deutsche Trennbankenregelung ist im Gesetz zur Abschirmung von Risiken und zur Planung der Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten und Finanzgruppen vom 7. August 2013 enthalten. Danach müssen die Institute ab dem 1. Juli 2015 prüfen, ob sie die Schwellenwerte überschreiten und ggf. bis zum Jahresende eine umfassende Risikoanalyse erstellen.

Die Europäische Regelung macht Fortschritte, der erste Anstoß durch den Liikanen-Report wurde bereits im Oktober 2012 gegeben, im Januar 2014 wurde der erste Vorschlag für die Verordnung über strukturelle Maßnahmen zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit von Kreditinstituten von der Europäischen Kommission angenommen. Aktuell steht eine überarbeitete Fassung des Vorschlags erneut zur Diskussion.

Contingent Convertibles: Wesentliche Risiken (ESMA Veröffentlichung)

Contingent Convertible Bonds (CoCo-Bonds) werden aktuell vermehrt durch Banken emittiert, um den entsprechenden Eigenkapitalanforderungen der aufsichtsrechtlichen Organe Rechnung zu tragen. Contingent Convertible Bonds sind hierbei unbefristete, meist festverzinsliche Schuldverschreibungen, die zwingend entweder in Gesellschaftsanteile – überwiegend in Form von Aktien – umzuwandeln oder aber dauerhaft bzw. vorübergehend abzuschreiben sind. Diese Wandlung erfolgt auf Grundlage von bestimmten Triggern, die in den Emissionsbedingungen festgelegt sind.

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA äußerte sich auf ihrer Internetseite in einer Stellungnahme an institutionelle Investoren zu den potenziellen Risiken bei Investitionen in CoCo-Bonds, die auch die Bewertung und die Abbildung im Risikomanagement zu einer komplexen und schwierigen Aufgabe machen.

Weiterentwicklung des Standardansatzes für operationelle Risiken (BCBS Konsultationspapier)

Bereits 2004 mit der Einführung von Basel II und des Rahmenwerks für operationelle Risiken (OpRisk) kündigte der Baseler Ausschuss an, sofern mehr Daten zur Messung der operationellen Risiken vorliegen, die damals eingeführten Messverfahren zu überprüfen. Hierunter fallen der

  • Basisindikatoransatz (gem. §§ 270f. SolvV)
  • Standardansatz (gem. §§ 272ff. SolvV)
  • Alternativer Standardansatz (gem. § 274 SolvV)
  • fortgeschrittener Messansatz/AMA (gem. §§ 278ff. SolvV)

Nachdem sich die Verfahren zur Identifizierung und Speicherung von operationellen Risikosachverhalten weiterentwickelt haben und nicht zuletzt die Finanzkrise zu einer Erhöhung des OpRisk-Datenbestandes beitrug, hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) in seinem Konsultationspapier „Operational risk –Revisions to the simpler approaches” aus Oktober 2014 die bisherigen Verfahren zur Quantifizierung von operationellen Risiken hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bzw. Anwendbarkeit überprüft.

Elemente des Supervisory Review and Evaluation Process

Zu dem Entwurf der European Banking Authority (EBA) vom 07. Juli 2014 “Guidelines for common procedures and methodologies for the supervisory review and evaluation process (SREP)” werden im Regulatory Blog Hintergrund, Struktur und die Elemente dargestellt.

Hier geht es direkt zum BeitragNeuer Rahmen für die aufsichtliche Prüfung und Bewertung – Supervisory Review and Evaluation Process

Qualitative und quantitative Indikatoren in Sanierungsplänen (EBA Konsultationspapier)

Die BaFin hat mit den Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen (MaSan) bereits am 25.April 2014 auf der Grundlage der §§ 47 und 47a KWG einen flexiblen und praxisnahen Rahmen für die Ausgestaltung von Sanierungsplänen geschaffen.

Neben diesen auf nationaler Ebene einschlägigen Normen werden durch die European Banking Authority (EBA) ebenfalls Regelungen erarbeitet, welche die Anforderungen an Sanierungspläne auf europäischer Ebene kodifizieren. Zielstellung dieser Veröffentlichungen ist es, einen einheitlichen Rahmen für die in der Richtlinie 2014/59/EU (Bank Recovery and Resolution Directive) verankerten gesetzlichen Regelungen zu definieren. In diesem Zusammenhang wurden bereits einzelne Technical Standards und Guidelines veröffentlicht, welche u.a. die in einem Sanierungsplan darzustellenden wesentlichen Inhalte und Informationen (Final Draft EBA/RTS/2014/11) sowie Anforderungen an die in den Sanierungsplänen darzustellenden Szenarien (EBA/GL/2014/06) regeln.

Am 26.September 2014 wurde von Seiten der EBA nunmehr ein Konsultationspapier publiziert (EBA/CP/2014/28), welches Normen zu den in einem Sanierungsplan festzulegenden qualitativen und quantitativen Indikatoren umfasst. Darin wird gefordert, dass Institute mindestens Indikatoren für die Risikodimensionen Kapital, Liquidität, Profitabilität und Asset Quality festzulegen haben. Daneben sollten auch „market based indicators“ sowie „macroeconomic based indicators“ bestimmt werden, sofern diese für das Risikoprofil, die Rechtsstruktur oder in Bezug auf die Institutsgröße relevant sind.

Kontrahentenrisiko: SA-CCR ersetzt CEM und SM

Zur Messung des Counterparty Credit Risk Exposures bei Derivatetransaktionen bestanden bislang im Wesentlichen zwei Verfahren – „Current Exposure Method“ (CEM) und „Standardised Method“ (SM). Verschiedene Kritikpunkte, u.a. fehlende Differenzierung zwischen margined und unmargined Transaktionen oder die unzureichende Abbildung der Volatilität für Stresszeiträume, haben nunmehr zu einer Überarbeitung der bisherigen Methodik geführt.

In diesem Zuge hat der Baseler Ausschuss ein neues Verfahren „Standardised Approach for Measuring Counterparty Credit Risk Exposure“ (SA-CCR) entwickelt und damit die bisherigen Verfahren CEM und SM ersetzt.