EZB Stresstest 2017 – Sensitivitätsanalyse des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch (Interest Rate Risk in the Banking Book, IRRBB)

Zinsänderungsrisiken im Bankbuch sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld aufgrund ihrer potenziellen Wirkung auf die Ertrags- und Kapitalbasis in den Fokus der Aufsicht gerückt. Entsprechend haben sowohl die EBA (European Banking Authority) als auch das BCBS (Basel Committee on Banking Supervision) bereits Richtlinien zur Abbildung von Zinsänderungs­risiken veröffentlicht (EBA/GL/2015/08 sowie BCBS 368).

Vor diesem Hintergrund führt die EZB nun eine Sensitivitätsanalyse der Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch für die ihrer Aufsicht unterliegenden Institute durch. Dies betrifft europaweit rund 110 direkt beaufsichtige Banken.

Im Rahmen der Sensitivitätsanalyse werden die Auswirkungen von sechs verschiedenen Zinsszenarien sowohl auf das wirtschaftliche Eigenkapital (Economic Value of Equity) als auch auf den Nettozinsertrag (Net Interest Income für die nächsten drei Jahre) untersucht. Die Zinsszenarien sind dem BCBS 368 „Standards for Interest Rate Risk in the Banking Book” entnommen, der im April 2016 veröffentlicht wurde (vgl. unseren Blogbeitrag 28. April 2016).

Die Anforderungen der EZB in diesem Stresstest beruhen auf den Vorgaben der EBA Guideline GL 08/2015 und dem BCBS 368. Dennoch gibt es auch einige Abweichungen: So ist beispielsweise die Kappung der Zinskurve bei Null Prozent nur für Retailportfolios vorgesehen, die risikolose Zinskurve wird vorgegeben und es werden Berechnungen zum Kundenverhalten sowohl mit Modellen als auch ohne diese verlangt, um zu quantifizieren, welche Auswirkungen die Annahmen auf das Zinsänderungsrisiko des jeweiligen Instituts haben.

Da die Sensitivitätsanalyse Teil des SREP (Supervisory Review and Evaluation Process) ist, werden von der EZB neben den quantitativen Angaben zusätzlich qualitative Aspekte wie z.B. Governance und das interne Kontrollsystem für den Stresstestprozess beurteilt.

Weiterhin sind von den Banken detaillierte Fragen zu der Modellierung, der Kalibrierung und der Validierung zu beantworten.

Der Stresstestprozess wird in drei Phasen unterteilt.

  1. Die erste Phase beinhaltet die Datenerhebung – sie ist terminiert vom 1. März bis zum 5. April 2017.
  2. Die zweite Phase umfasst die Qualitätskontrolle – sie ist vom 5. April bis zum 31. Mai 2017 angesetzt.
  3. Zuletzt folgen ab dem 1. Juni 2017 die Berechnung der Ergebnisse und die Integration in den SREP.

Die Ergebnisse des Stresstests haben für die betroffenen Institute möglicherweise wesentliche Auswirkungen. Aufgrund der Integration in den SREP werden sie hauptsächlich Auswirkungen auf die Säule-2-Empfehlungen (P2G) haben. Die Aufsicht betont, dass hierbei die relative Anfälligkeit der Institute bezüglich der sechs verschiedenen Zinsszenarien berücksichtigt wird.

Fazit

Der EZB Stresstest 2017 beinhaltet je nach Umsetzungsstand hinsichtlich der betreffenden Anforderungen der EBA und des BCBS an den Umgang mit Zinsänderungsrisiken kleinere oder größere Herausforderungen. Die betroffenen Institute sind gefordert alle Informationen und Ergebnisse in der gewünschten Granularität und Qualität effizient aufzubereiten.

Da sich der Stresstest unmittelbar auf die SREP Quote auswirkt, empfehlen wir den betroffenen Banken, die erforderlichen Angaben mit erhöhter Sorgfalt vorzubereiten und qualitätszusichern sowie die gewählten Modellannahmen, welche die Höhe des Zinsänderungsrisikos im Bankbuch beeinflussen, kritisch zu hinterfragen und zu validieren.

Haben Sie weitere Fragen oder sehen Sie Diskussionsbedarf? Wir stehen Ihnen hierbei gern zur Seite.

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