EIOPA veröffentlicht den ersten Bericht zu den Maßnahmen für langfristige Garantien und das Aktienrisiko

Im Rahmen des von Mai bis Juli 2016 durchgeführten Stresstests hat EIOPA Erkenntnisse über die Maßnahmen für langfristige Garantien (Long Term Guarantees, LTG) und die Aktienrisiko-Maßnahmen gesammelt (vgl. Blog-Beitrag vom 19. Dezember 2016). Am 16. Dezember 2016 übermittelte EIOPA infolgedessen den ersten Bericht zur Nutzung und Wirkung dieser Maßnahmen an das Europäische Parlament, den Europäischen Rat und die Europäische Kommission („Trilogparteien“). Dieser Bericht ist Teil des in der Rahmenrichtlinie verankerten Reviews der genannten Maßnahmen und wird bis 2021 jährlich durch weitere Berichte ergänzt.

Der Bericht erfasst zum ersten Mal die Gesamtauswirkung der LTG-Maßnahmen und der Aktienrisiko-Maßnahmen auf die finanzielle Lage der europäischen Versicherer. Zusammenfassend bestätigen die Ergebnisse einen signifikanten Einfluss der Maßnahmen auf die Eigenmittel und die Kapitalanforderungen der Versicherer.

Im Fokus stehen die folgenden Maßnahmen:

  • LTG-Maßnahmen: Extrapolation der risikofreien Zinskurve, Matching-Anpassung, Volatilitätsanpassung, Verlängerung der Frist für die Wiederherstellung gesunder Finanzverhältnisse nach Art. 138 Abs. 4 der SII-Rahmenrichtlinie, Übergangsmaßnahme für risikofreie Zinssätze, Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen.
  • Aktienrisiko-Maßnahmen: Anwendung des symmetrischen Anpassungsmechanismus, Anwendung des durationsbasierten Aktienrisikomoduls.

Ziel der Maßnahmen ist es, die Prozyklizität zu begrenzen und auch unter den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen einen fließenden Übergang in das neue Aufsichtssystem Solvency II zu ermöglichen. Die LTG-Maßnahmen zielen dabei primär auf eine angemessene Abbildung von Versicherungsprodukten mit langfristigen Garantien ab. Die Maßnahmen für das Aktienrisiko sollen eine angemessene Bewertung dieses Risikos ermöglichen, indem die entsprechende Kapitalanforderung im Verhältnis zu den aus Veränderungen der Aktienpreise entstehenden Risiken ermittelt wird.

Der Bericht gibt dazu zunächst einen Überblick über die Nutzung der Maßnahmen:

  • 901 Versicherer in 24 Ländern (Marktanteil 69 %) nutzen mindestens eine der Maßnahmen;
  • 852 Versicherer (Marktanteil 61 %) nutzen die Volatilitätsanpassung;
  • 154 Versicherer (Marktanteil 24 %) nutzen die Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen;
  • 38 Versicherer (Marktanteil 16 %) nutzen die Matching-Anpassung;
  • 6 Versicherer nutzen die Übergangsmaßnahme für risikofreie Zinssätze;
  • 1 Versicherer nutzt das durationsbasierte Aktienrisikomodul.

Anschließend werden die Auswirkungen der Maßnahmen ausführlich analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass im Fall einer Nichtanwendung der Maßnahmen

  • die Eigenmittel um insgesamt 107 Mrd. € geringer und
  • die Solvabilitätskapitalanforderungen um 50 Mrd. € höher wären.

Als Basis für die Analyse dienten die am Stresstest 2016 teilnehmenden Unternehmen. Laut Gabriel Bernardino, Vorsitzender EIOPAs, wird durch die Ergebnisse der signifikante Einfluss der Maßnahmen auf die finanzielle Lage der Versicherer und somit deren beabsichtigte Wirkungsweise bestätigt. Folglich zeige sich auch die gewünschte Wirkung für die Finanzstabilität.

Als zusätzlichen Themenschwerpunkt berichtet EIOPA unter anderem auch über den Review der Genehmigungsverfahren, welche für einige der Maßnahmen erforderlich sind. Dies beinhaltet je relevanter Maßnahme auch einen Überblick über die durchgeführten Genehmigungsverfahren pro Land und deren Ergebnisse.

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