Kategorie: Gesetzgebungsverfahren

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Aufruf der Europäischen Kommission zum Technical Advice: Solvency II Review bestimmter Teile der Delegierten Verordnung (DVO)

Am 20. Februar hat die Europäische Kommission (EK) im Rahmen des Standardformel Reviews in einem „Call for Advice“ EIOPA aufgefordert, zu ungerechtfertigten Finanzierungsbeschränkungen unter Solvency II Stellung zu nehmen. Im Anschluss wird die EK ggf. weitere Experten konsultieren und daraufhin entscheiden, ob delegierte Rechtsakte erlassen werden. Ziel ist es zum einen, die Abhängigkeit von externen Ratings zu reduzieren und zum anderen Investitionen, die Arbeitsplätze und Wachstum schaffen, zu erleichtern. Der „Technical Advice“ soll sich insbesondere auf die Methoden und Annahmen bei der Beurteilung der Risiken der folgenden Risikomodule beziehen:

Spread-Risiko Untermodul : Behandlung von Bonds und Krediten ohne Rating

Derzeit werden Bonds und Kredite, für die kein öffentliches Rating vorliegt, ähnlich behandelt wie Bonds und Kredite der Bonitätsstufen 3 bis 4. EIOPA ist aufgefordert Kriterien zu bestimmen, die verwendet werden können, um Bonds und Kredite ohne Ratings zu identifizieren und so ggf. auch eine Kalibrierung auf Basis besserer Bonitätsstufen („Credit Quality steps“ 1 bis 2) zu erlauben. Solche Kriterien könnten beispielsweise auf die Solvabilität des Schuldners oder das eigene Risikomanagement des Versicherers Bezug nehmen.

Aktienrisiko Untermodul: Behandlung von nicht gelisteten Aktienportfolios

Aktuell wird für nicht gelistete Aktien bis auf Ausnahmen wie Infrastrukturinvestitionen oder strategische Investitionen ein Risikofaktor in Höhe von 49 % angewendet. EIOPA soll Kriterien vorschlagen, die verwendet werden können, um bestimmte Portfolios nicht gelisteter Aktien aus dem EWR zu identifizieren, die von demselben Risikofaktor wie für gelistete Aktien profitieren würden. Diese Kriterien könnten sich beispielsweise auf Eigenschaften wie die Portfoliodiversifikation, die dem Investor gebotene Transparenz oder das Risikomanagement des Versicherers beziehen.

Aktienrisiko Untermodul: Behandlung von strategischen Eigenkapitalinvestitionen

In der DVO sind für strategische Investitionen, die bestimmte Kriterien erfüllen, bereits reduzierte Risikofaktoren vorgesehen. EIOPA soll Informationen über die bisherige Anwendung dieser reduzierten Kalibrierung liefern, insbesondere über die Intention, das Volumen und den Sektor von Investitionen, die aktuell durch diese Anlageklasse abgedeckt werden.

 

 

EIOPA Konsultation zu Leitlinien für komplexe Versicherungsprodukte unter der IDD

EIOPA hat am 2. Februar 2017 ein Konsultationspapier zu den Leitlinien für komplexe Versicherungsprodukte unter der Versicherungsvertriebsrichtlinie (Insurance Distribution Directive, IDD) veröffentlicht. Unter komplexen Versicherungsprodukten sind versicherungsbasierte Investitionsprodukte (Insurance based investment products, IBIP) definiert, die eine komplexe Struktur aufweisen und damit dem Kunden erschweren die involvierten Risiken zu verstehen. Kommentare können bis zum 28. April 2017 eingereicht werden.

Die Leitlinien umfassen dabei die Bewertung diverser Arten von IBIPs. Die Versicherungsvertriebsrichtlinie fordert, dass grundsätzlich eine Beurteilung der Eignung bzw. Angemessenheit eines IBIPs für den Kunden durch den Versicherungsvermittler oder das Versicherungsunternehmen im Rahmen des Verkaufsprozesses durchgeführt werden sollte. Sofern vordefinierte Bedingungen erfüllt sind (einschließlich der Tatsache, dass das IBIP nicht komplex ist) kann das IBIP ohne Eignungsprüfung oder Angemessenheitstest verkauft werden, d.h. auf einer Ausführungs-Basis gemäß Art. 30 III IDD (sog. „Execution-Only“-Verkauf).

Zu den Kriterien der Identifizierung komplexer Versicherungsprodukte zählen u.a. die Art der vom Kunden gezahlten Gebühren und die Fähigkeit des Kunden das Produkt vor der Fälligkeit zu liquidieren. IBIPs, die solche Merkmale enthalten, werden als komplex angesehen und sind daher nicht zum Verkauf berechtigt. Zur Erleichterung der Identifikation von Versicherungsprodukten, die vom IDD als komplex definiert werden, sollen verschiedene Entscheidungsbaumdiagramme als Hilfestellung dienen. Dabei wird unterschieden zwischen:

  1. Beratung zu Produkten mit Eignungsprüfung
  2. Verkauf (keine Beratung) von Produkten mit Angemessenheitseignungstests
  3. Verkäufe ohne Eignungsprüfung oder Angemessenheitstests (sog. „Execution-Only“)

Ziel der Konsultation ist es die Kriterien zur Identifizierung komplexer IBIPs anzupassen und so den Versicherungsschutz zu erhöhen. Bei der Beratung und Entscheidung soll in Zukunft der fachliche Hintergrund der Kunden ebenfalls mit berücksichtigt werden. Kunden die bereits ausreichende Kenntnisse der Finanzmärkte haben, sollen dennoch die Möglichkeit haben solche Produkte zu erwerben, wohingegen Kunden mit einer geringen Kenntnis der Finanzmärkte den Schutz durch die Produktbewertung erhalten sollen. Für letztere Art der Kunden empfiehlt EIOPA zudem eine Prüfung von „Ersatz-Investmentprodukten“.

Hintergrund

Die IDD ist am 24. November 2015 verabschiedet worden und wurde, nach Zustimmung des Rat der EU, am 2. Februar 2016 im Amtsblatt der EU veröffentlicht. Die Mitgliedsstaaten haben nun bis zum 23. Februar 2018 Zeit die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Ein entsprechender Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung auf nationaler Ebene liegt seit 18. Januar 2017 vor (vgl. Blog-Beitrag vom 23. Januar 2017). Im Unterschied zur bisherigen Vermittlerrichtlinie gilt die IDD für alle Vertriebsaktivitäten in Europa und bietet damit europaweit einheitliche Grundlagen für eine bessere Beratungsqualität. Zudem gelten neue Transparenzvorgaben für den Vertrieb z.B. im Hinblick auf die Vergütung. Durch die IDD werden Mindeststandards für den Verbraucherschutz gesetzt.

Technical Advice zur Anwendung der Versicherungsvertriebsrichtlinie

Nach Beendigung der Konsultationsphase in 2016 (vgl. Blog-Beitrag vom 6. Juli 2016) übermittelte EIOPA planmäßig am 1. Februar 2017 einen finalen Technical Advice an die EU Kommission zur Erarbeitung von Durchführungsbestimmungen (delegierte Rechtsakte) für die Umsetzung der neuen europäischen Versicherungsvertriebsrichtlinie (Insurance Distribution Directive – IDD).

Die wesentlichen Themen des Technical Advice werden im Folgenden zusammengefasst:

  • Aufsicht und Governance über den Vertrieb von Versicherungsprodukten (Product Oversight and Governance – POG): EIOPA definiert zum einen die Implementierung von Prozessen, die während des gesamten Produktzyklus die Sicherstellung der Kundenbedürfnisse garantieren. Zum anderen definiert EIOPA konkrete Anforderungen an die Verhaltensweisen von Versicherern und ggf. dem Vertrieb zum Schutze der Interessen der Versicherungsnehmer. Dabei soll der Bedeutung des Managements und ggf. der Compliance-Funktion für die laufende Überwachung der zukünftigen Anforderungen aus der Versicherungsvertriebsrichtlinie mehr Gewicht verliehen werden.
  • Interessenskonflikte: EIOPA konkretisiert potentielle Situationen, in denen Konflikte zwischen Versicherungsmaklern und Kunden entstehen können und unterbreitet Lösungsvorschläge zu deren Vermeidung bzw. Lösung.
  • Anreizsysteme (Provisionszahlungen): EIOPA spezifiziert Kriterien zur Untersuchung des Einflusses von anreizorientierten Vertriebssystemen auf die Qualität der Kundenbetreuung.
  • IBIPs (Insurance based investment products, Versicherungsanlageprodukte): EIOPA spezifiziert Kriterien zur Identifikation von nicht-komplexen Produkten, die ohne Weiteres an den Kunden vertrieben werden können.

Im nächsten Schritt ist die EU Kommission gefordert, basierend auf diesen Spezifikationen einen Entwurf der delegierten Rechtsakte bis Ende des Jahres 2017 zu veröffentlichen.

Der Zeitplan für das Inkrafttreten der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) sowie der nationalen Gesetzgebung sieht folgendermaßen aus:

2016 
23. Februar Inkrafttreten der Versicherungsvertriebsrichtlinie
24. Februar EU Kommission ruft EIOPA zur Erstellung des Technical Advice und einer Kostenanalyse auf
4. Juli EIOPA startet die Konsultation zu Durchführungsbestimmungen zur Anwendung der Versicherungsvertriebsrichtlinie
3. Oktober Ende der Konsultationsphase zu Durchführungsbestimmungen
21. November Veröffentlichung des Referentenentwurfs zur nationalen Umsetzung der IDD (national)
2017 
18. Januar Beschluss eines Gesetzentwurfs zur Umsetzung der IDD (national)
1. Februar EIOPA übermittelt finale Technical Advice inkl. der Kostenanalyse an die EU Kommission
Vorauss. Ende 2017 Veröffentlichung der Durchführungsbestimmungen im Entwurf durch die EU Kommission
2018
23. Februar Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie durch die Mitgliedsstaaten
23. Februar Inkrafttreten des Gesetztes zur Umsetzung der IDD (national)

IDD Gesetzentwurf beschlossen

Nachdem das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im November 2016 einen Referentenentwurf zur Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie (Insurance Distribution Directive, IDD) veröffentlicht hatte (vgl. Blogbeitrag vom 25. November 2016), wurde am 18. Januar 2017 im Bundeskabinett ein Gesetzentwurf zur Umsetzung der IDD beschlossen.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung unterscheidet sich nur in wenigen Punkten von dem Referentenentwurf. Ergänzt wurden insbesondere die folgenden Punkte:

Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG)
  • In § 62 VAG werden die Regelungen zur Anwendung von Vorschriften auf EU-Versicherer, die grenzüberschreitend in Deutschland tätig sind, ausgeweitet. Dies betrifft beispielsweise:
    • Vorgaben für die Vergütung von EU-Versicherern, die in Zusammenarbeit mit inländischen Vermittlern ihr Geschäft betreiben (§ 25 Abs. 6 VAG)
    • Anforderungen an die Vermeidung von Interessenskonflikten sowie an deren Offenlegung gegenüber Versicherungsnehmern (§ 48a VAG)
    • Regelungen zur Weitergabe von Zuwendungen an den Kunden (Provisionsabgabeverbot) (§ 48c VAG)
    • Die sog. fünfjährige „Stornohaftung“ gem. § 80 Abs. 5 VAG alte Fassung gilt weiterhin auch für EU-Versicherer, die grenzüberschreitend in Deutschland tätig werden.
Versicherungsvertragsgesetz (VVG)
  • § 6 (3) VVG soll nun zulassen, dass der Versicherungsnehmer in Textform auf die Beratung und Dokumentation des Versicherers verzichten kann, wenn es sich um einen Vertrag im sog. „Fernabsatz“ (d.h. in Briefform, über Telefonanrufe, E-Mails, SMS sowie Rundfunk und Telemedien) handelt.
  • In der Begründung zu § 6 Abs. 3 wird jedoch klargestellt, dass zukünftig seitens des Versicherers beraten und dokumentiert werden muss, auch wenn der Vertrag im Fernabsatz abgeschlossen wird. Es wird zudem verdeutlicht: „Der grundsätzlich mögliche Verzicht auf Beratung und Dokumentation durch gesonderte schriftliche Erklärung erscheint bei einem Abschluss im Fernabsatz nicht sinnvoll.“
Gewerbeordnung (GewO)
  • §156 GewO wird nicht wie im Referentenentwurf aufgehoben, sondern enthält Übergangsregelungen für die Anwendung der bisherigen Vorschriften für eine vor dem 23. Februar 2018 erteilten Erlaubnis über die Versicherungsvermittlung und -beratung.
  • Aus der Begründung zu § 34d geht hervor, dass im Gewerbe- und Industriegeschäft die Vermittlung von Versicherungen gegen Honorar weiterhin gestattet werden soll.

Außerdem wurde im vorliegenden Gesetzesentwurf der Artikel 4 mit Änderungen des Außenwirtschaftsgesetzes ergänzt, um Strafvorschriften anzupassen und Verbote und Genehmigungspflichten gegen die gesetzlichen Bestimmungen zur Umsetzung der IDD mit einer Strafe zu versehen.

Der Staatssekretär des Bundesministers für Wirtschaft und Energie und der Staatssekretär des Bundesministers der Justiz und für Verbraucherschutz betonten in ihrer Pressemitteilung, dass der vorliegende Entwurf ein wichtiger Schritt sei, um die Verbraucher bei der Suche nach geeigneten Versicherungsverträgen zu unterstützen und vor einem Verlust aufgrund von schlechter oder fehlender Beratung zu schützen.

IDW EPS 580 zur Prüfung der Solvabilitätsübersicht

Am 20. Dezember 2016 veröffentlichte das IDW (Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e. V.) den vom HFA (Hauptfachausschuss) verabschiedeten Entwurf eines Prüfungsstandards „Prüfung der Solvabilitätsübersicht nach § 35 Abs. 2 VAG (IDW EPS 580)“. Der Entwurf befindet sich derzeit in der Konsultationsphase. Ergänzungs- und Änderungsvorschläge können schriftlich bis zum 31. Mai 2017 eingereicht werden.

Im IDW EPS 580 stellt das IDW die Berufsauffassung zu den Besonderheiten der Anwendung der vom IDW festgestellten Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung auf die Prüfungen der Solvabilitätsübersicht nach § 35 Abs. 2 VAG dar. Der Standard enthält Anforderungen an die Prüfungsplanung, Prüfungsdurchführung und Berichterstattung sowie Anwendungshinweise und weitergehende Erläuterungen für einzelne Prüfungsgebiete.

Die Prüfung der Solvabilitätsübersicht stellt eine gesetzliche Erweiterung der Abschlussprüfung für aufsichtsrechtliche Zwecke dar, über deren Ergebnisse gesondert zu berichten ist. Ziel der Prüfung ist es, dem Abschlussprüfer die Abgabe eines Urteils mit hinreichender Sicherheit zu ermöglichen, über die ein eigenständiger Prüfungsvermerk erteilt wird.

Neben Definitionen, Gegenstand und Zielsetzung der Prüfung der Solvabilitätsübersicht, enthält der Standard Anforderungen an die:

  • Definition der Wesentlichkeit des Abschlussprüfers als Grundlage der Prüfung,
  • Prüfung des Vorgehens bei der unternehmensindividuellen Erstellung der Solvabilitätsübersicht,
  • Beurteilung der Datenqualität in Bezug auf die Erstellung der Solvabilitätsübersicht und deren Validierung, insb. in Bezug auf die versicherungstechnischen Rückstellungen,
  • Prüfung der Ansatz- und Bewertungsvorschriften der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten,
  • Beurteilung der Angemessenheit der ökonomischen Szenarien sowie zur Prüfung des Bewertungsansatzes der Risikomarge als Teil der Prüfung der versicherungstechnischen Rückstellungen,
  • Angemessenheit und Implementierung der Bewertungsmodelle,
  • Beurteilung zur Ausübung von Ermessenspielräumen und Vereinfachungen.

Außerdem geht der Prüfungsstandard auf „besondere Prüfungsgebiete“ ein, wie die Bewertung der Kapitalanlagen (hier insb. Beteiligungen und verbundene Unternehmen), die Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen, latente Steuern sowie Eventualverbindlichkeiten.

Der IDW Prüfungsstandards 580 soll für Prüfungen von Solvabilitätsübersichten Anwendung finden, die für Stichtage nach dem 31. Dezember 2016 aufgestellt werden, wobei eine frühere Anwendung zulässig ist.

EU-Parlament lehnt RTS zur PRIIP-Verordnung ab 

Nachdem am 1. September 2016 der Ausschuss für Wirtschaft und Währung der Europäischen Kommision (ECON) bereits einstimmig den Entwurf der regulatorischen technischen Standards (RTS), welche die PRIIP-Verordnung konkretisieren sollen, abgelehnt hat (siehe Blog-Beitrag vom 9. September 2016), stimmte nun auch das EU Parlament mit breiter Mehrheit gegen die RTS.

In der Plenarsitzung des EU Parlaments am 14. September 2016 schlossen sich 602 der Abgeordneten dem ECON-Votum an (4 Gegenstimmen, 12 Enthaltungen). Ebenso wie der ECON bemängelt das EU Parlament, die RTS seien nicht adäquat genug und fordert die EU Kommission zur Nachbesserung und der Vorlage eines neuen Entwurfes der RTS auf.

Ob die RTS daher nun – wie geplant – zusammen mit der PRIIP-Verordnung am 31. Dezember 2016 in Kraft treten, ist bislang unklar. Ein Inkrafttreten der PRIIP-Verordnung ohne die RTS ist grundsätzlich möglich, aber mit Rechtsunsicherheit bei den betroffenen Stakeholder verbunden. Branchenvertreter, wie Insurance Europe oder der BVI, sprechen sich dafür aus, den Starttermin für PRIIP zu verschieben.

Umfassende Informationen und Entwicklungen rund um PRIIPs werden auf der Seite der EU Kommission übersichtlich bereit gestellt.

 

EIOPA Empfehlungen zur Behandlung anderer Infrastrukturinvestitionen

Am 30. Juni 2016 hat EIOPA ihren finalen Bericht zu Empfehlungen an die EU Kommission zur Behandlung von anderen Infrastrukturinvestitionen unter Solvency II (als solche in Form der Infrastrukturprojektgesellschaften, SPV) veröffentlicht.

Hintergrund 

Mit der am 1. April 2016 im EU-Amtsblatt veröffentlichten Änderungsverordnung (EU) 2016/467 hat die EU Kommission die Änderung hinsichtlich qualifizierter Infrastrukturprojektgesellschaften (Special Purpose Vehicles, SPV) in der DVO 2015/35 umgesetzt (vgl. auch Blog-Beitrag vom 6. April 2016). Darin wird auf einen differenzierten Umgang mit eigen- und fremdkapitalbasierten qualifizierten Infrastrukturinvestitionen eingegangen, bei denen es sich um Investitionen in Infrastrukturprojektgesellschaften handelt. Eine Behandlung von anderen Arten von Infrastrukturinvestitionen (z.B. „Infrastructure corporates“) blieb darin zunächst außen vor.

Im Anschluss daran hat die EU Kommission die EIOPA beauftragt, weitere Infrastrukturinvestitionen genauer zu untersuchen und zu prüfen, ob Erleichterungen der Kapitalanforderungen auch für weitere Investitionsformen, wie Investitionen in Infrastrukturunternehmen („Infrastructure Corporates“) gerechtfertigt sind. EIOPA konsultierte im Zuge dessen vom 15. April bis 16. Mai 2016 weitere technische Empfehlungen hinsichtlich der Identifikation und Kalibrierung von Risikokategorien für andere Arten von Infrastrukturinvestitionen.

Nach abgeschlossener Konsultation empfiehlt EIOPA nun im Wesentlichen die nachfolgend zusammengefassten Änderungen.

1. Anpassung der Kriterien von Infrastrukturinvestments  

EIOPA empfiehlt eine Anpassung der DVO 2015/35 (nach Änderung durch DVO 2016/467) sodass neben qualifizierten Infrastrukturprojekten auch andere Arten von Infrastrukturinvestitionen von der DVO erfasst werden. Danach soll weiter unterschieden werden zwischen:

  • „projekt-artigen“ Infrastrukturinvestitionen („project-like corporates“), die ein ähnliches Risiko aufweisen wie qualifizierte Infrastrukturprojektgesellschaften (in Form eines SPV) und
  • Infrastrukturunternehmen („infrastructure corporates“), die die wesentliche Mehrheit ihres Umsatzes aus dem Besitz, der Finanzierung, der Entwicklung oder dem Betreiben von Infrastrukturanlagen im Europäischen Wirtschaftsraum oder der OECD-Ländern erzielen (z.B. Abwasser, Recycling, Transport etc.).

2. Neue Assetklasse und Kalibrierung innerhalb der Standardformel

Für die Behandlung von „projekt-artigen“ („project-like“) Infrastrukturinvestitionen verweist EIOPA auf die analoge Anwendung der Anforderungen für Infrastrukturprojektgesellschaften (gemäß DVO 2015/35, geändert durch DVO 2016/467).

Hinsichtlich der Investitionen in Infrastrukturunternehmen („infrastructure corporates“) unterscheidet EIOPA in ihrer Analyse zwischen fremdkapitalbasierten und eigenkapitalbasierten Infrastrukturinvestments. Für fremdkapitalbasierte Infrastrukturinvestments sieht EIOPA kein Handlungsbedarf für eine abweichende Behandlung im Spread-Risiko von den bestehenden Regelungen der DVO 2015/35.

Für eigenkapitalbasierte Infrastrukturinvestitionen schlägt EIOPA eine neue Assetklasse und Kapitalanforderung im Aktienrisiko von 36 % vor. Damit werden die Anforderungen der Solvency II-Standardformel für das Aktienrisikomodul von 39 % (Typ 1) bzw. 49 % (Typ 2) vor Berücksichtigung der sog. symmetrischen Anpassung reduziert. Darüber hinaus empfiehlt EIOPA eine Korrelation im Aktienrisikomodul für Typ 1 von 75 % bzw. Typ 2 von 100 %.

3. Anforderungen an das Risikomanagement für Infrastrukturinvestitionen 

Bezüglich der Anforderungen an das Risikomanagement empfiehlt EIOPA andere Infrastrukturinvestitionen („infrastructure corporates“ und „project-like“ corporates) analog zu Infrastrukturprojektgesellschaften zu behandeln. Das bedeutet, dass Versicherungsunternehmen im Vorfeld einer geplanten, qualifizierten Infrastrukturinvestition eine angemessene Due-Diligence-Prüfung durchführen müssen. Bereits getätigte Infrastrukturinvestitionen sind bezüglich ihrer Zahlungsströme sowie ihrer Sicherheiten regelmäßig zu überwachen und geeigneten Stresstests zu unterziehen. Im Rahmen von fremdkapitalbasierten Infrastrukturinvestitionen müssen die Versicherungsunternehmen ihr Asset-Liability-Management derart gestalten, dass sie in der Lage sind die Investition bis zur Fälligkeit zu halten.

Nächste Schritte 

EIOPA hat ihre Empfehlungen an die EU Kommission übermittelt und erwartet den Erlass einer (weiteren) Änderung der DVO 2015/35. Diese und weitere Fragen und Antworten befinden sich auch in den FAQ von EIOPA.

Sofern eine Änderung der DVO 2015/35 verabschiedet werden sollte, ist darüber hinaus ist zu erwarten, dass entsprechende Anpassungen der Berichterstattungspflichten in den technischen Standards (ITS)  bzw. für die quantitative und narrative Berichterstattung folgen werden, wie dies bereits für qualifizierte Infrastrukturinvestitionen im Juni 2016 erfolgte (vgl. Blog-Beitrag vom 13. Juni 2016).

 

Update der Q&A von EIOPA

Zur Unterstützung einer konsistenten und effektiven Umsetzung der Regulierung veröffentlicht EIOPA bereits seit 2013 laufend die von Stakeholdern eingereichten „Question & Answer“ (Q&A). Die Q&A betreffen diverse Themen rund um Säule 1-3 der Leitlinien und finalen Berichte zu technischen Durchführungsstandards (Final Reports on ITS) von EIOPA sowie der Veröffentlichungen zur risikofreien Zinsstrukturkurve.

Ganz aktuell wurden Q&A am 20. Mai 2016 zu den folgenden EIOPA-Leitlinien und einem finalen Bericht zu technischen Durchführungsstandards veröffentlicht:

  • Final report on the ITS on the templates for the submission of information to the supervisory authorities (CP-14-052)
  • Guidelines on recognition and valuation of assets and liabilities other than technical provisions
  • Guidelines on the treatment of market and counterparty risk exposures in the standard formula

Eine vollständige Liste der Q&A ist unter folgendem EIOPA-Link abrufbar: „Q&A on Regulation“.

Neue Verordnungen nach dem VAG

In der Ausgabe Nr. 18 des Bundesgesetzblatts vom 21. April 2016 wurden eine Reihe neuer Verordnungen veröffentlicht, die aufgrund des zum 1. Januar 2016 novellierten Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) nun erlassen wurden.

Nachfolgend werden die neuen Verordnungen, mit ihrem jeweiligen Anwendungsdatum, aufgelistet:

Verordnungen Anwendung ab
Versicherungs-Vergütungsverordnung (VersVergV) 22. April 2016
Deckungsrückstellungsverordnung (DeckRV) 1. Juli 2016
Aktuarverordnung (AktuarV) 22. April 2016
Krankenversicherungsaufsichtsverordnung (KVAV) 22. April 2016
Versicherungs-Meldeverordnung (VersMeldeV) 22. April 2016
Kapitalausstattungs-Verordnung (KapAusstV) 22. April 2016
Sicherungsfonds-Finanzierungs-Verordnung (Leben) (SichLVFinV) 1. Januar 2017
Finanzrückversicherungsverordnung (FinRVV) 22. April 2016
Pensionsfonds-Aufsichtsverordnung (PFAV) 22. April 2016
(Kapitel 5 ab 1. Juli 2016)

Die Verordnungen enthalten gegenüber den alten Fassungen (zum 1. Januar bzw. 1. April 2016 aufgehoben) einerseits Anpassungen an das neue VAG, andererseits auch inhaltliche Änderungen sowie Änderungen hinsichtlich des Anwendungsbereiches (auch ggü. der Referentenentwürfe, vgl. Blog-Beitrag vom 30. September 2015).

Eine gänzlich neue Verordnung stellt die Versicherungs-Meldeverordnung (VersMeldeV) dar, die die Berichterstattung unter Solvency II betrifft. Die Verordnung stellt Anforderungen an bestimmte Datenformate und an die Datenqualität und verpflichtet die Unternehmen dazu, einen Identifizierungscode (sog. Legal Entity Identifier – LEI) zu verwenden.

Änderungsverordnung zur Level 2-DVO 2015/35

Mit der am 1. April 2016 im EU-Amtsblatt veröffentlichten Änderungsverordnung (EU) 2016/467 hat die Europäische Kommission die erwartete Änderung der Level 2-Durchführungsverordnung (EU) 2015/35 (DVO 2015/35) finalisiert (vgl. auch Blog-Beitrag vom 1. Oktober 2015). Nach Artikel 3 tritt die Änderungsverordnung am Tag nach der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft, somit am 2. April 2016.

Die Änderungsverordnung steht im Zusammenhang mit der von der Europäischen Kommission im November 2014 beschlossenen Investitionsoffensive für Europa. Ein Schwerpunkt dieser ist unter anderem die Förderung privater Investitionen in Infrastruktureinrichtungen. Im Rahmen dessen soll Versicherungsunternehmen, bei welchen es sich um große institutionelle Anleger handelt, die Investition in Infrastruktureinrichtungen erleichtert werden. Hierzu definiert die Änderungsverordnung bestimmte, ein angemessenes Risikoprofil gewährleistende, Rahmenbedingungen innerhalb derer Infrastrukturinvestitionen unter erleichterten Bedingungen, d.h. niedrigeren Eigenmittelanforderungen, möglich sind.

Neben kleineren Berichtigungsbestimmungen (vgl. Artikel 2 – hier ist insbesondere die Klarstellung zu nennen, dass Gruppen für den Day 1- Bericht im Vergleich zum Bericht auf Ebene der Einzelunternehmen ergänzende 6 Wochen Zeit haben) nimmt die Änderungsverordnung insbesondere folgende Änderungsbestimmungen (vgl. Artikel 1) in die Level 2-Vorschriften mit auf:

  • Definition qualifizierter Infrastrukturinvestitionen (Art. 164a DVO 2015/35);
  • Risikomanagement für qualifizierte Infrastrukturinvestitionen (Art. 261a DVO 2015/35);
  • Kriterien für die Anwendung der Übergangsmaßnahmen für das Standardaktienrisiko (Art. 173 DVO 2015/35).

Diese Änderungsbestimmungen werden nachfolgend kurz erläutert.

Qualifizierte Infrastrukturinvestitionen (Art. 164a DVO)

Die Änderungsverordnung sieht sowohl für eigenkapitalbasierte als auch fremdkapitalbasierte qualifizierte Infrastrukturinvestitionen Erleichterungen hinsichtlich der Kapitalanforderungen vor. Bei einer qualifizierten Infrastrukturinvestition handelt es sich um Investitionen in Infrastrukturprojektgesellschaften (Special Purpose Vehicles, SPV), die unter anderem folgende Bedingungen erfüllen:

  • Die Erfüllung der Verpflichtungen durch das SPV muss auch unter anhaltendem Stress gewährleistet sein;
  • Das SPV muss sowohl für die Eigenkapital- als auch die Fremdkapitalgeber prognostizierbare Zahlungsströme generieren;
  • Die vertragliche Ausgestaltung muss für die Investoren ein hohes Maß an Sicherheit gewährleisten. Dies betrifft insbesondere das Vorhandensein ausreichender Rücklagen und im Hinblick auf fremdkapitalbasierte Investitionen unter anderem die Vereinbarung bestimmter Sicherheiten und Covenants;
  • Bei Fremdkapitalinvestitionen muss das investierende Versicherungsunternehmen in der Lage sein gegenüber der Aufsicht nachzuweisen, dass die Investition bis zur Fälligkeit gehalten wird (Buy-and-Hold).

Für Eigenkapitalinvestitionen, die die Anforderungen an qualifizierte Infrastrukturinvestitionen erfüllen, wird innerhalb des Untermoduls für das Aktienrisiko ein separates Risikountermodul geschaffen. In diesem ist für strategische Infrastrukturinvestitionen ein Schockfaktor in Höhe von 22% vorgesehen, für nicht-strategische hingegen in Höhe von 30% zuzüglich 77% der symmetrischen Anpassung nach Art. 172 DVO 2015/35. Bislang wurden projektbasierte Eigenkapitalinvestitionen in Infrastruktur als Typ-2-Aktien behandelt und damit einem Schockfaktor von 49% zuzüglich der vollen symmetrischen Anpassung unterzogen.

Für Fremdkapitalinvestitionen (Anleihen und Kredite), die die Anforderungen an qualifizierte Infrastrukturinvestitionen erfüllen, werden für die Ermittlung des Spread-Risikos in Art. 180 DVO 2015/35 spezifische Parameter definiert, die unter gleichen Bedingungen zu einer niedrigeren Eigenmittelanforderung führen, als dies gemäß dem bislang angewandten Art. 176 DVO 2015/35 für das Spread-Risiko von Anleihen und Krediten der Fall war.

Risikomanagement für qualifizierte Infrastrukturinvestitionen (Art. 261a DVO 2015/35)

Versicherungsunternehmen haben im Vorfeld einer geplanten, qualifizierten Infrastrukturinvestition eine angemessene Due-Diligence-Prüfung durchzuführen. Bereits getätigte Infrastrukturinvestitionen sind bezüglich ihrer Zahlungsströme sowie ihrer Sicherheiten regelmäßig zu überwachen und geeigneten Stresstests zu unterziehen. Im Rahmen von fremdkapitalbasierten Infrastrukturinvestitionen müssen die Versicherungsunternehmen ihr Asset-Liability-Management derart gestalten, dass sie in der Lage sind die Investition bis zur Fälligkeit zu halten.

Kriterien für die Anwendung der Übergangsmaßnahme für das Standardaktienrisiko (Art. 173 DVO 2015/35)

Für eigenkapitalbasierte Investitionen in Infrastruktur kann ebenfalls die Übergangsmaßnahme gemäß Art. 308b Abs. 13 SII-RL angewandt werden, sofern:

  • diese Investitionen vor dem 1. Januar 2016 getätigt wurden und
  • nicht dem durationsbasierten Aktienrisiko (Art 304 SII-RL) unterliegen.

Sofern die Voraussetzungen erfüllt sind, wird der Schockfaktor unter Bildung eines gewichteten Mittelwertes aus 22% und dem gemäß Art. 164a DVO 2015/35 vorgesehenen Schockfaktor in Höhe von 30% zuzüglich 77% der symmetrischen Anpassung bis zum Jahr 2023 schrittweise auf den vollen Schockfaktor erhöht.

Gleiches gilt für aktien- oder eigenkapitalbasierten Infrastrukturinvestitionen von OGAW (Organismus für gemeinsame Anlage in Wertpapiere) oder in Fondsform, bei denen der Look-through-Ansatz keine Anwendung findet. Die Übergangsmaßnahme wird dann entsprechend auf den Aktien- bzw. Infrastruktur-Eigenkapitalinvestitionsanteil (gemäß der Zielallokation) angewendet, sofern diese vor dem 1. Januar 2016 gehalten wurde.

Jährlich wird der Anteil der Aktien- bzw. Eigenkapitalinvestitionen in Infrastruktur, auf den die Übergangsmaßnahme Anwendung findet, im Verhältnis zur Anlagenumschlagshäufigkeit des OGAW oder der Anlagen in Fondsform herabgesetzt.

Steigt wiederum der Anteil an Aktien- bzw. Infrastruktur-Eigenkapitalinvestitionen (aufgrund einer veränderten Zielallokation), so steigt auch der Anteil der Aktien bzw. Eigenkapitalinvestitionen in Infrastruktur, auf den die Übergangsmaßnahme Anwendung findet.