Kategorie: Kapitalanforderungen

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BaFin veröffentlicht erste Erkenntnisse aus dem Solvency II Berichtswesen

Am 9. Juni 2017 hat die BaFin eine erste Auswertung der Solvency II Jahreszahlen aus den quantitativen Formularen (QRTs), dem Bericht über Solvabilität und Finanzlage (SFCR) und dem regelmäßigen Aufsichtsbericht (RSR) der Versicherungsunternehmen veröffentlicht.

Diese ergab, dass alle Versicherer ihre Solvenzkapitalanforderungen erfüllen können, wobei einige auf die Anwendung von Übergangsmaßnahmen angewiesen waren. Die durchschnittliche Bedeckung der Kapitalanforderungen über alle Sparten liegt bei 330 %. Die folgende Tabelle zeigt die Erkenntnisse je Branche (graue Felder = keine Angaben):

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufgrund des größeren Stichprobenumfangs konkretisieren die Daten die ersten Erkenntnisse, welche wir auf Basis der SFCR in unserem Blog-Beitrag vom 29. Mai 2017 veröffentlicht haben. Die grundsätzliche Tendenz der SCR-Quoten nach Sparten und die relativen Verteilungen des SCR auf die Risikokategorien werden hierdurch bestätigt. Die ersten Erkenntnisse werden wir auf Basis einer ausgeweiteten Stichprobe und weiterer Kennzahlen detaillieren. Die BaFin wird ebenfalls detailliertere Auswertungen Anfang Juli 2017 veröffentlichen.

 

Erste Erkenntnisse aus den veröffentlichten SFCR

Am 22. Mai 2017 haben die Versicherungsunternehmen zum ersten Mal seit Inkrafttreten von Solvency II ihre Berichte über die Solvabilität und Finanzlage (Solvency and Financial Condition Report – SFCR) auf Ebene der Einzelunternehmen für das Geschäftsjahr 2016 auf den Unternehmensinternetseiten veröffentlicht (siehe auch Blog-Beitrag vom 22. Mai 2017). Damit sind detaillierte Informationen als bisher über die Solvenzkapitalanforderungen sowie die Auswirkungen der verwendeten Übergangsmaßnahmen öffentlich verfügbar.

Auf Basis einer Auswahl von jeweils zehn deutschen Lebens-, Kranken- und Schaden-/Unfallversicherern haben wir eine erste Analyse der Solvabilitätsquoten, jeweils mit und ohne die verwendeten Übergangsmaßnahmen vorgenommen. In der gewählten Stichprobe kommt ein Internes Modell bei einem Lebens-, drei Kranken- und einem Schaden-/Unfallversicherer zur Anwendung. Ein weiterer Schaden-/Unfallversicherer nutzt ein partielles internes Modell. Alle übrigen Unternehmen berechnen ihre Solvabilitätskapitalanforderung mit der Standardformel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Lebensversicherer in dieser Erhebung kamen auf eine Solvabilitätsquote von 341 % im Median, unter Berücksichtigung aller Übergangsmaßnahmen (einschließlich Volatilitätsanpassung). Bei den Krankenversicherungen lag die Solvabilitätsquoten zum 31. Dezember 2016 im Median bei 444 %. Die Schaden-/Unfallversicherer erreichten eine Quote von 222 %. Bei keinem der jeweils zehn Kranken- und Schaden-/Unfallversicherern in dieser Erhebung finden Übergangsmaßnahmen Anwendung.

Zieht man zum Vergleich das EIOPA Risk Dashboard aus April 2017 (Basis: 4. Quartal 2016¹) heran, kann man feststellen, dass die deutschen Lebensversicherer in dieser kleinen Stichprobe eine deutlich höhere Solvabilitätsquote als ihre europäischen Wettbewerber (208 %) haben. Bei den Schaden-/Unfallversicherer verhält es sich umgekehrt: Hier haben die deutschen Unternehmen eine niedrigere Solvabilitätsquote als ihre europäische Vergleichsgruppe (259 %).

Von den zehn Lebensversicherungsunternehmen in dieser Auswertung nutzen acht Unternehmen Übergangsmaßnahmen: Die Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen (Rückstellungstransitional) kommt bei sieben Unternehmen zur Anwendung; die Volatilitätsanpassung wenden acht Unternehmen an. Sechs Unternehmen verwenden sowohl die Übergangsmaßnahme für die versicherungstechnischen Rückstellungen als auch die Volatilitätsanpassung an. Die Übergangsmaßnahme bei Zinssätzen sowie Matching-Anpassungen werden von keinem Lebensversicherer verwendet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Solvabilitätsquote der Lebensversicherer lag im Median bei 341 % unter Berücksichtigung aller Übergangsmaßnahmen. Ohne die Verwendung der Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen (aber mit der Volatilitätsanpassung) sinkt der Median auf 150 %; ohne die Volatilitätsanpassung (aber unter Verwendung des Rückstellungstransitional) auf 292 %.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Verteilung der Solvabilitätskapitalanforderung (ohne Diversifikationseffekte) zeigen sich, je nach der betriebenen Sparte, Unterschiede. In der Stichprobe wurden zur besseren Vergleichbarkeit nur Unternehmen, welche die Standardformel anwenden, berücksichtigt: Während die Lebens- und Krankenversicherer im (arithmetischen) Mittel mit rund 58 % am stärksten gegenüber dem Marktrisiko exponiert sind, so kommt es für die Nichtlebensversicherer mit 39 % nur an zweiter Stelle.

Die stärkste Exponierung liegt hier mit rund 52 % beim versicherungstechnischen Risiko vor.  Für die Krankversicherer macht es fast 35 % der Solvabilitätskapitalanforderung aus, bei den Lebensversicherern sind es 39 %. Das Gegenparteiausfall- sowie das operationelle Risiko sind für alle Sparten von untergeordneter Bedeutung, da sie nur einen Anteil von 0,5 % bis 6 % an der Solvabilitätskapitalanforderung haben.

Die ersten Erkenntnisse werden wir auf Basis einer ausgeweiteten Stichprobe und weiterer Kennzahlen detaillieren.

 

¹Jährliches und YE-Berichtswesen haben die gleiche Datenbasis, jedoch werden unter Umständen im vierteljährlichen Berichtswesen vereinfachte Bewertungsmethoden angewendet.

BaFin veröffentlicht Rundschreiben zu Änderungen an internen Modellen

Die BaFin hat am 27. April 2017 das Rundschreiben 4/2017 mit Hinweisen zu Änderungen am internen Modell von Versicherungsunternehmen unter der Aufsicht der BaFin veröffentlicht (zur Konsultationsphase vgl. Blog-Beitrag vom 21. November 2016).

Das Rundschreiben gilt für alle Erst- und Rückversicherungsunternehmen und Versicherungsgruppen, die gem. §§ 111, 262 VAG bei der Berechnung der Solvenzkapitalanforderungen ein von der BaFin genehmigtes (partielles) internes Modell verwenden.

Das Rundschreiben gliedert die Hinweise in folgende Anwendungsbereiche:

  • Modellgenehmigung und -erweiterung
  • Größere Modelländerungen (inkl. Akkumulierung kleinerer Änderungen zu einer größeren)
  • Kleinere Modelländerungen
  • Änderungen der internen Leitlinie für Modelländerungen
  • Modellaktualisierungen

Das Rundschreiben wurde im Vergleich zur Konsultationsphase hinsichtlich folgender Punkte inhaltlich spezifiziert:

Änderungen aufgrund neuer Gesetze, aufsichtlicher Auslegungsentscheidungen oder Bewertungsmethoden unterliegen – auch bei kurzfristigem Umsetzungsbedarf – denselben Anforderungen an größere bzw. kleinere Modelländerungen. Sofern sich daraus Inkonsistenzen der Methoden für die Ermittlung der Solvabilitätsübersicht und der Kapitalanforderung ergeben, sind die Auswirkungen isoliert und in Kombination zu betrachten bzw. zu beurteilen sowie ggf. der BaFin unverzüglich anzuzeigen und mittels Modelländerungsantrag einzureichen.

Modellaktualisierungen dürfen in sehr engem Rahmen außerhalb der Anforderungen an Modelländerungen erfolgen (z.B. Parameteränderungen, vgl. Tz.1.19 Leitlinie 6 der Leitlinien zur Verwendung interner Modelle, EIOPA-BoS-14/180 DE).

Für die Akkumulierung kleinerer Modelländerungen gilt der Zeitpunkt der Antragstellung (für größere Modelländerung/-en) als neuer Bezugspunkt für eine erneute Kombination der ab diesem Zeitpunkt vorgenommenen kleineren Modelländerungen. Dieser Zeitpunkt gilt mit Genehmigung der Antragstellung (für größere Modelländerung/-en).

BaFin veröffentlicht aktualisierte Hinweise zum Berichtswesen

Die BaFin hat am 29. März 2017 mit den Hinweisen zum Solvency-II-Berichtswesen für Erst- und Rückversicherungsunternehmen und Versicherungsgruppen eine aktualisierte Fassung ihres Merkblatts zum Berichtswesen vom 16. Oktober 2015 veröffentlicht (vgl. unseren Blog-Beitrag vom 28. Januar 2016).

Während die Hinweise zur bisherigen Berichterstattung einschließlich der Erläuterungen zur Day 1-Berichterstattung nun nicht mehr enthalten sind, hat die BaFin ihre Erwartungen an die quantitative (QRT) und qualitative (SFCR, RSR, ORSA-Bericht) Berichterstattung nochmals konkretisiert und geht gegenüber der letzten Fassung auf weitere regulatorische Anforderungen näher ein. Weiterhin sind Abschnitte zu den Besonderheiten der Berichterstattung über die Solvenzkapitalanforderung bei Anwendern genehmigter Interner Modelle und zur Berichterstattung zum Zwecke der Finanzstabilität in der Veröffentlichung der BaFin enthalten, welche allerdings gegenüber der vorherigen Fassung kaum verändert wurden.

Als Aktualisierung im Hinblick auf die quantitative Berichterstattung ist beispielhaft der Umgang mit Leerformularen, leeren QRT-Zellen oder Vorzeichen in den QRTs zu nennen. Darüber hinaus gibt die BaFin nähere Erläuterungen zu den QRTs, beispielsweise wie gewisse Positionen den Zellen in den QRTs zuzuordnen sind.

Für die qualitative Berichterstattung nennt die BaFin beispielsweise die exakten Kontaktdaten, welche Versicherungsunternehmen bei Angabe der zuständigen Aufsichtsbehörde im SFCR nennen müssen. Als weiteres Beispiel ist der Hinweis der BaFin anzuführen, dass in aller Regel ein Hinweis im Kapitel E.2 „Solvenzkapitalanforderung und Mindestkapitalanforderung“ des SFCR erforderlich sein wird, dass der endgültige Betrag der Solvabilitätskapitalanforderung noch der aufsichtlichen Prüfung unterliegt, da es der Aufsichtsbehörde aufgrund der Fristenregelung normalerweise zeitlich kaum möglich sein wird, vor der Veröffentlichung des SFCR eine Prüfung der Berechnung der Solvenzkapitalanforderung vorzunehmen.

Aufruf der Europäischen Kommission zum Technical Advice: Solvency II Review bestimmter Teile der Delegierten Verordnung (DVO)

Am 20. Februar hat die Europäische Kommission (EK) im Rahmen des Standardformel Reviews in einem „Call for Advice“ EIOPA aufgefordert, zu ungerechtfertigten Finanzierungsbeschränkungen unter Solvency II Stellung zu nehmen. Im Anschluss wird die EK ggf. weitere Experten konsultieren und daraufhin entscheiden, ob delegierte Rechtsakte erlassen werden. Ziel ist es zum einen, die Abhängigkeit von externen Ratings zu reduzieren und zum anderen Investitionen, die Arbeitsplätze und Wachstum schaffen, zu erleichtern. Der „Technical Advice“ soll sich insbesondere auf die Methoden und Annahmen bei der Beurteilung der Risiken der folgenden Risikomodule beziehen:

Spread-Risiko Untermodul : Behandlung von Bonds und Krediten ohne Rating

Derzeit werden Bonds und Kredite, für die kein öffentliches Rating vorliegt, ähnlich behandelt wie Bonds und Kredite der Bonitätsstufen 3 bis 4. EIOPA ist aufgefordert Kriterien zu bestimmen, die verwendet werden können, um Bonds und Kredite ohne Ratings zu identifizieren und so ggf. auch eine Kalibrierung auf Basis besserer Bonitätsstufen („Credit Quality steps“ 1 bis 2) zu erlauben. Solche Kriterien könnten beispielsweise auf die Solvabilität des Schuldners oder das eigene Risikomanagement des Versicherers Bezug nehmen.

Aktienrisiko Untermodul: Behandlung von nicht gelisteten Aktienportfolios

Aktuell wird für nicht gelistete Aktien bis auf Ausnahmen wie Infrastrukturinvestitionen oder strategische Investitionen ein Risikofaktor in Höhe von 49 % angewendet. EIOPA soll Kriterien vorschlagen, die verwendet werden können, um bestimmte Portfolios nicht gelisteter Aktien aus dem EWR zu identifizieren, die von demselben Risikofaktor wie für gelistete Aktien profitieren würden. Diese Kriterien könnten sich beispielsweise auf Eigenschaften wie die Portfoliodiversifikation, die dem Investor gebotene Transparenz oder das Risikomanagement des Versicherers beziehen.

Aktienrisiko Untermodul: Behandlung von strategischen Eigenkapitalinvestitionen

In der DVO sind für strategische Investitionen, die bestimmte Kriterien erfüllen, bereits reduzierte Risikofaktoren vorgesehen. EIOPA soll Informationen über die bisherige Anwendung dieser reduzierten Kalibrierung liefern, insbesondere über die Intention, das Volumen und den Sektor von Investitionen, die aktuell durch diese Anlageklasse abgedeckt werden.

 

 

EIOPA’s Jahresbericht zur Zusammenarbeit der Colleges

EIOPA hat am 1. März 2017 den Jahresbericht über die Arbeitsweise der Colleges der Aufsichtsbehörden und den Schwerpunkten für die Zukunft veröffentlicht. Die Colleges wurden gegründet, um eine effektive und effiziente Gruppenaufsicht der rund 90 grenzübergreifenden Versicherungsgruppen mit Sitz im EWR sicherzustellen.

Zusammenfassend sind aus Sicht von EIOPA deutliche Verbesserungen erkennbar und weitere Schritte notwendig, um den Paradigmenwechsel zur risikobasierten Aufsicht zu vollenden. Im folgenden werden einige wichtige Aspekte des Jahresberichts zusammengefasst.

Zielerreichung der Colleges in 2016 und weiterhin bestehende Arbeitsfelder

Förderung des Informationsaustauschs der Colleges:

  • Vermehrte Treffen der Colleges und intensiverer Austausch zu den Quantitative Reporting Templates (QRTs).
  • Förderung des Informationsaustauschs mit Versicherungsgruppen: Die Colleges haben den Versicherungsgruppen Feedback gegeben, beispielsweise bezüglich der Qualität ihrer ORSA Berichte, und das Top Management von einigen Gruppen zu Sitzungen der Colleges eingeladen.
  • Um auch Nicht-EWR Aufsichten in die Arbeit der Colleges zu integrieren sind Verträge über den Austausch vertraulicher Information notwendig. Nicht alle Geheimhaltungserklärungen wurden bisher unterzeichnet, was den Informationsaustausch bisher schwächt.
  • EIOPA soll als zentrale Verwahrstätte für die QRTs dienen.

Stärkung der Sub-Gruppenaufsicht:

  • Die Sub-Gruppenaufsicht ist nach Auffassung der EIOPA effektiver als eine reine Solo Aufsicht oder die Aufsicht auf Top-Gruppenebene. Es besteht jedoch die Gefahr, dass durch die verschiedenen Ebenen der Aufsicht eine zu hohe Komplexität entsteht.
  • Die Colleges haben begonnen Pläne für die Struktur und Organisation der Sub-Gruppenaufsicht auszuarbeiten.

Überprüfung der Qualität und Konsistenz der SCR und ORSA Berechnungen und der Berichterstattungen nach Solvency II:

  • In 2016 wurde die Überprüfung der SCR Berechnungen in den Colleges gestartet, wobei es keine wesentlichen Beanstandungen gab. Die Überprüfung soll in 2017 weitergeführt werden.
  • Innerhalb der Colleges erfolgte in 2016 ein intensiver Austausch zu den ORSA Berichten. Raum für Verbesserungen bestehen aus Sicht von EIOPA insbesondere hinsichtlich folgender Aspekte:
    • Stärkere Einbindung der ORSA Ergebnisse in strategische und operative Entscheidungsprozesse des Managements
    • Bedarf für stärkere Verzahnung von Risikotoleranz, Risikoappetit und Limitsystem
    • Verbesserung der Qualität der ORSA Berichte durch einen mehr in die Zukunft gerichteten Ansatz, der auch Änderungen im Risiko- und Geschäftsumfeld, die Planung und strategische Entscheidungen mit berücksichtigt
    • Angemessenheit und Bedeutung der gewählten ORSA Stresstests und Sensitivitätsanalysen, die künftig noch besser die unternehmensspezifischen Risiken widerspiegeln sollen
    • Einbeziehung von Unternehmen aus Nicht-EWR Staaten in den Gruppen-ORSA
    • Verbesserung der Analysen der Abweichung des unternehmenseigenen Risikoprofils von der Standardformel
  • Zwischen Gruppen- und Einzel-ORSA-Berichten bestehen darüber hinaus insbesondere bei den Stichtagen der zugrundeliegenden Datenbasis Inkonsistenzen. Außerdem werden Risikobeurteilungen in vielen Colleges noch retrospektiv (statt vorausschauend in die Zukunft) vorgenommen und sind bisher nicht einheitlich in den Colleges umgesetzt. EIOPA geht davon aus, dass sich dies im Laufe der Zeit legen wird, sobald vermehrt standardisierte Daten als Basis verwendet werden.
  • Bei der Solvency II-Berichterstattung an die Öffentlichkeit (SFCR-Berichte) soll die Anwendung von Übergangs- und LTG-Maßnahmen transparenter gemacht werden, um eine stärkere Vergleichbarkeit zu schaffen.

Verbesserung des Informationsaustauschs zu Finanzkonglomeraten

  • Bei der sektorübergreifenden Aufsicht über Finanzkonglomerate besteht weiterhin Verbesserungsbedarf insbesondere beim Informationsaustausch und der Risikoanalyse mit dem Ziel, Risikokonzentrationen und Ansteckungsrisiken in Zukunft besser zu überwachen.

 Erweiterung der Koordinationsvereinbarungen mit Aufsichtsbehörden aus nicht-EWR Staaten

  • Die Aufsicht über Tochtergesellschaften deren Mutterunternehmen ihren Sitz außerhalb des EWR haben stellt nach wie vor eine Herausforderung aus Sicht von EIOPA dar, da es teilweise für solche Strukturen bisher keine Gruppenaufsicht gibt.
  • Die Koordinationsvereinbarungen stellen daher ein wichtiges Instrument der Colleges für die Stärkung des Informationsaustausches zu gruppenangehörigen Unternehmen dar.
  • In 2016 konnten bereits Koordinationsvereinbarungen mit Bermuda, Kanada, Hong Kong, Isle of Man, Guernsey, Japan, Singapur, State of New York, Südafrika und der Schweiz geschlossen werden. Für viele weitere Staaten stehen Verhandlungen noch aus.

Schwerpunkte der nächsten Jahre

Die wichtigsten Themen der EIOPA Strategie bis 2019 (vgl. „EIOPA Colleges Strategy 2016-2019“) sind zum einen die Weiterentwicklung der Effektivität, der Effizienz und des Einflusses des Informationsaustauschs und der gemeinsamen Risiko Assessments in den Colleges. Daher soll eine eingehende Analyse der Arbeitsweisen der Colleges erfolgen und neue Ansätze, z.B. in Form von themen- oder regionenbasierten „Break-out sessions“ in denen die Kommunikation in größeren Colleges vorangetrieben werden sollen, getestet werden.

Zum anderen wird die Sicherstellung der Robustheit und Zuverlässigkeit der Solvabilitätsübersichten priorisiert. Dahingehend sollen Diskussionen über Unterschiede in der Anwendung von Bewertungsprinzipien und der Ausübung von Ermessensspielräumen sowie der Einfluss auf die Solvabilität der Gruppen bzw. der Einzelgesellschaften erfolgen.

EIOPAs neues Risiko-Dashboard

Am 28. Februar 2017 hat EIOPA das neues Risiko-Dashboard veröffentlicht. Es basiert erstmalig auf Solvency II Daten der Europäischen Versicherungsbranche.

Das Dashboard wird quartalsweise veröffentlicht und fasst die wesentlichen Risiken und Schwachstellen der (Rück-)Versicherer anhand von sieben Risikokategorien zusammen. Diese Kategorien umfassen Makrorisiken, Kreditrisiken, Marktrisiken, Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken, Profitabilität und Solvabilität, Wechselwirkungen und Ungleichgewichte sowie versicherungstechnische Risiken. Die zusätzliche Kategorie „Marktwahrnehmungen“ zeigt außerdem, wie die Versicherer innerhalb der Finanzindustrie wahrgenommen werden. Die Risiken werden mittels einer vierstufigen Skala – von niedrig bis sehr hoch- bewertet und der jeweilige Entwicklungstrend wird beurteilt.

Das neue Dashboard basiert auf den Daten von allen (Rück-)Versicherern, die unter das Solvency II Regime fallen – 93 Versicherungsgruppen und 3076 Einzelversicherungsunternehmen. Es beinhaltet nicht nur die Daten einer größeren Anzahl von Versicherern als das vorherige Dashboard, sondern wurde auch erheblich analytisch und methodisch verbessert, um mehr Transparenz zu schaffen. Im Laufe von 2017 soll das Dashboard weiterentwickelt werden.

Trotz der großen Veränderungen bezüglich der Berechnung der Solvabilitätskapitalanforderungen verlief der Übergang vom Solvency I zum Solvency II Regime recht fließend. Die Ergebnisse für das dritte Quartal 2016 zeigen jedoch deutlich, dass das Niedrigzinsumfeld und die Marktrisiken weiterhin eine große Herausforderung für die Europäischen Versicherer darstellen, da die beiden Kategorien Makrorisiken und Marktrisiken mit „hoch“ bewertet wurden. Alle anderen Risiken wurden als „medium“ eingeschätzt bis auf das vt. Risiko, das nur mit „niedrig“ bewertet wurde. Der Trend von allen Risiken ist „konstant“, nur für die Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken wird ein Rückgang erwartet.

Veröffentlichung von Informationen zu verwendeten Übergangsmaßnahmen im SFCR

Am 21. Dezember 2016 hat EIOPA eine Stellungnahme zur Veröffentlichung von Informationen zu verwendeten Übergangsmaßnahmen im SFCR bei der Berechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen veröffentlicht.

Sofern Versicherungsunternehmen im Einklang mit den Artikeln 308c und 308d der SII-Rahmenrichtlinie (2009/138/EG) von den Übergangsmaßnahmen bei risikofreien Zinssätzen oder bei versicherungstechnischen Rückstellungen Gebrauch machen (sog. „transitional measures“), so sinkt der abzugsfähige Anteil linear von 100 % ab dem 1. Januar 2016 auf 0 % zum 1. Januar 2032. Dies bedeutet, dass die jeweilige Neuberechnung jeweils nach dem Bilanzstichtag am ersten Tag des Folgejahres stattfindet.  

Die Auswirkungen der vorgenommenen Anpassungen aufgrund der Übergangsmaßnahmen auf die versicherungstechnischen Rückstellungen, Solvabilitäts-/Mindestkapitalanforderung und Eigenmittel können von signifikanter Bedeutung für die Beurteilung der Solvabilitätsposition eines Unternehmens sein.  

Zwar sind die Auswirkungen auf die Berechnungen mit und ohne Übergangsmaßnahmen im QRT S.22.01 „Auswirkung von langfristigen Garantien und Übergangsmaßnahmen“, welches dem Bericht über die Solvabilität und Finanzlage (SFCR) anzuhängen ist, zum Stichtag 31.12. darzustellen. Für die Öffentlichkeit ist nach Ansicht von EIOPA allerdings die Veränderung der Solvabilitätsposition, die sich unmittelbar nach dem Bilanzstichtag aufgrund der Neuberechnung am ersten Tag des Folgejahres ergibt, nicht ausreichend transparent, und das QRT könnte somit eine nur unvollständige Information über die Solvabilitätslage des Unternehmens vermitteln.

EIOPA weist daher darauf hin, dass die Unternehmen die Ergebnisse und Auswirkungen der Neuberechnungen nach dem Stichtag 31.12. im letzten Abschnitt „Sonstige Angaben“ der jeweiligen Kapitel des SFCR von Einzelunternehmen und Gruppen sowie im Single SFCR transparent darstellen sollen. In dem Abschnitt sind Informationen darzulegen, die sich zwischen dem Stichtag und der Veröffentlichung des SFCR ergeben. Die Informationen sind nur erforderlich, sofern sie für die Darstellung der Solvabilitätsposition des Unternehmens von wesentlicher Bedeutung sind.  

EIOPA Konsultation: Beginn des Reviews der Standardformel

Mit der Veröffentlichung eines Diskussionspapiers zur SCR Standardformel hat EIOPA am 8. Dezember 2016 den Solvency II Review Prozess gestartet. Die Konsultationsphase endet am 3. März 2017.

Sowohl die Solvency II Richtlinie 2009/138/EG als auch die Delegierte Verordnung (EU) 2015/35 sehen einen formalen Überprüfungsprozess des neuen Versicherungsaufsichtsregimes Solvency II vor. Der Review der Standardformel ist bis Ende 2018 vorgesehen, wobei insbesondere die Methoden, Annahmen und Standardparameter überprüft werden sollen. Das Diskussionspapier ist der erste Schritt EIOPAs im Rahmen der Vorbereitung einer Antwort auf den Aufruf zur Stellungnahme (Call for Advice) der Europäischen Kommission, der im Juli 2016 erfolgte (vgl. auch Blog-Beitrag vom 25. Juli 2016).

Ziel der Überprüfung der SCR Standardformel ist die Sicherstellung eines proportionalen aber robusten, risikosensitiven und konsistenten Aufsichtsregimes. EIOPA strebt dabei eine Vereinfachung der Formel an.

Die Gliederung des Diskussionspapiers folgt der modularen Struktur der SCR Standardformel. EIOPA konsultiert sowohl übergreifende Aspekte der Standardformel als auch Vorschriften zu einzelnen Risikomodulen und Submodulen. Darunter sind das versicherungstechnische Risikomodul Leben und Nicht-Leben, das Ausfall- und Marktrisikomodul sowie die Risiko Submodule Katastrophenrisiko Nicht-Leben und Kranken. Außerdem fordert EIOPA von den Stakeholdern Input zu unternehmensspezifischen Parametern, der Verlustausgleichsfähigkeit von Latenten Steuern, der Risikomarge, und den Eigenmitteln.

Im Einzelnen geht das Konsultationspapier vor allem auf die folgenden Themen ein:

  • Vereinfachte Berechnungen
  • Reduzierung der Abhängigkeit von externen Kredit Ratings in der Standardformel
  • Behandlung von Garantien, Risikopositionen, die von dritten Parteien garantiert werden und Forderungen gegenüber regionalen Regierungen und lokalen Aufsichten
  • Risikominderungstechniken
  • Volumenmaß für das Prämienrisiko
  • Beurteilung der Angemessenheit der Standardparameter für das Nicht-Leben Prämien- und Reserverisiko sowie für das Invaliditäts-/Morbiditätsrisiko
  • Naturkatastrophenrisiko
  • Risiko vom Menschen verursachter Katastrophen
  • Krankenversicherungskatastrophenrisiko

EIOPA Vorsitzender Gabriel Bernardino betont, dass in diesem Stadium keine politischen Empfehlungen gegeben werden sollen. Diese werden erst im Laufe des Jahres 2017 in Diskussionsrunden mit relevanten Stakeholder Gruppen thematisiert. Bezüglich Themen, für die jährliche Berichtsdaten nicht erforderlich sind, sollen bereits Ende Oktober 2017 Empfehlungen gegeben werden. Ein „Final Advice“ soll bis Februar 2018 bei der Europäischen Kommission eingereicht werden.

BaFin-Konsultation: Veröffentlichung über Änderungen am internen Modell

Am 16. November 2016 (zuletzt geändert am 18. November 2016) hat die BaFin die Konsultationsphase zum Entwurf der Veröffentlichung über Änderungen am internen Modell von Versicherungsunternehmen gestartet. Die Konsultation wird am 15. Dezember 2016 enden.

Bei der Berechnung der Solvenzkapitalanforderungen können Versicherer unter Solvency II an Stelle der Standardformel (partielle) interne Modelle verwenden, sofern diese beantragt und durch die zuständige Aufsichtsbehörde genehmigt wurden. Nach erfolgter Genehmigung können Änderungen an einem internen Modell und an den zugehörigen genehmigten Leitlinien für Modelländerungen nur unter bestimmten aufsichtsrechtlichen Voraussetzungen vorgenommen werden. Dabei kommt es vor allem darauf an, ob es sich um eine Modellerweiterung oder um eine kleinere bzw. größere Modelländerung handelt.

In der Konsultation werden die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Modellgenehmigungen und -erweiterungen, kleinere und größere Modelländerungen und Änderungen an den Leitlinien zur Änderung des internen Modells zusammengefasst und voneinander abgegrenzt.

Die BaFin stellt grundsätzlich klar, dass Modellerweiterungen oder eine (teilweise) Rückkehr zur Standardformel keine „Modelländerung“ darstellt. Von einer genehmigungspflichtigen Modellerweiterung kann vielmehr dann gesprochen werden, wenn

  • bisher unberücksichtigte rechtliche Einheiten oder Hauptgeschäftsbereiche oder
  • zusätzliche Risikomodule oder Submodule

in den Anwendungsbereich des internen Modells aufgenommen werden sollen. Eine Modellerweiterung unterliegt stets einer vollumfänglichen Antrags- und Genehmigungspflicht durch die Aufsichtsbehörde.

Modelländerungen werden in den genehmigungspflichtigen, unternehmensspezifischen Leitlinien zur Änderung des internen Modells definiert, wobei darin auch eine Abgrenzung von kleineren zu größeren Modelländerungen vorzunehmen ist. Von Modelländerungen kann grundsätzlich aus Sicht der BaFin immer dann ausgegangen werden, wenn

  • Änderungen an dem bisher genehmigten Modell vorgenommen werden oder
  • neue aufsichtliche Auslegungen oder Gesetze einen Einfluss auf das genehmigte interne Modell haben.

Größere Modelländerungen unterliegen dabei einer erneuten Antragspflicht und Genehmigung durch die BaFin. Die BaFin hebt in diesem Zusammenhang die Bedeutung einer Vorantragsphase für solche Modelländerungen hervor.

Über kleinere Modelländerungen ist die Aufsichtsbehörde lediglich durch vierteljährliche Meldungen (inkl. Erläuterungen zu Auswirkungen der Modelländerungen, auf das Risikomanagement, IKS und IT-Systeme sowie einzureichender Unterlagen) zu informieren, solange diese akkumuliert nicht die Grenze für eine größere Modelländerung überschreiten.

Neben der Auflistung der jeweiligen aufsichtlichen Anforderungen für vorgenannte Kategorien umfasst die Konsultation den Hinweis, dass zeitlich parallele Anträge auf Modelländerungen bzw. Modellerweiterungen zu vermeiden sind.