Solvency II Blog

Solvency II integriert betrachten – das Solvency II-Poster

Das Solvency II-Poster ist in aktualisierter Auflage erhältlich. Das Poster gibt Ihnen einen übergreifenden Blick auf Solvency II. Es ist nach dem Matroschka-Prinzip („Wie die Puppe in der Puppe“) aufgebaut, sodass von Veröffentlichungen und aufsichtsrechtlichem Meldewesen – sozusagen der äußeren Hülle – über Prozesse, Kontrollen, Daten und IT sowie Governance und den risikostrategischen Rahmen bis hin zum Kern des Geschäfts, den Kapitalanforderungen und der Ermittlung der Eigenmittel auf Basis der Solvabilitätsübersicht, alle Bereiche dargestellt sind.

Das Solvency II-Poster kann kostenfrei unter hier  in den Formaten A0 oder A1 bestellt werden

Des Weiteren wird es in Kürze auch eine englische Version unseres Posters geben.

Solvency II – Ein weiterer Schritt nach vorne: EIOPA startet öffentliches Konsultationsverfahren

EIOPA möchte die frühzeitige Vorbereitung der nationalen Aufsichtsbehörden und der Versicherungsbranche auf Solvency II mit Hilfe der Veröffentlichung von Leitlinien (sog. „Guidelines“) einleiten. Am 27. März 2013 startete EIOPA in diesem Zusammenhang ein öffentliches Konsultationsverfahren, in welchem die Ausgestaltung der Guidelines konsultiert werden soll. Adressaten der Guidelines sind die nationalen Aufsichtsbehörden und betreffen deren Vorbereitung auf die Anforderungen von Solvency II.

Die Guidelines folgen dem bereits im Dezember 2012 veröffentlichten Meinungspapier von EIOPA (vgl. Blog vom 21.12.2012), wonach die nationalen Aufsichtsbehörden bereits ab dem 1. Januar 2014 sicherstellen sollen, dass ausgewählte Anforderungen von Solvency II, die durch die Guidelines abgedeckt werden, in einer Vorbereitungsphase durch die (Rück-)Versicherungsunternehmen und -gruppen umgesetzt werden.

EIOPA betont dabei – trotz der anhaltenden Diskussionen um die Omnibus II-Richtlinie (OII-RL) und der zeitlichen Verzögerungen von Solvency II – die Bedeutung eines einheitlichen und konvergenten Ansatzes bei den Vorbereitungen.

Im Konkreten werden die nationalen Aufsichtsbehörden angehalten, notwendige Verfahren zur Überprüfung und Bewertung der Qualität der ihnen bereitgestellten Informationen einzuführen und mit den Unternehmen die jeweiligen Fortschritte zu erörtern. Die Guidelines sollen gewährleisten, dass die Unternehmen die entsprechenden Vorgaben erfüllen. Eine Sanktionierung seitens der Aufsichtsbehörden ist jedoch nicht geplant.

Um kleine und mittelgroße Unternehmen dabei nicht übermäßig zu belasten, sind bei einer Vielzahl der Guidelines verschiedene Schwellenwerte für die Anwendung vorgesehen. Unter Beachtung dieser sollen die nationalen Aufsichtsbehörden 80 % bzw. 50 % des Marktanteils der Mitgliedsstaaten erfassen bzw. die Bilanzsumme von € 12 Mrd. abdecken.

Die nationalen Aufsichtsbehörden selbst haben innerhalb von zwei Monaten nach Veröffentlichung der Guidelines gegenüber EIOPA zu erklären, ob sie diese erfüllen oder dies beabsichtigen zu tun (sog. „comply or explain“) sowie dazu Stellung zu nehmen. Dieses Verfahren wird den Druck zur Umsetzung erhöhen.

Geplantes Ende des Konsultationsverfahrens ist am 19. Juni 2013. Die Veröffentlichung der finalen Guidelines ist für den Herbst diesen Jahres angesetzt, was den Aufsichtsbehörden die nötige Zeit zur Implementierung der wesentlichen Aspekte von Solvency II bis zum 1. Januar 2014 verschaffen sollte. Nach Einführung der Guidelines (ab 1. Januar 2014) haben die nationalen Aufsichtsbehörden einen jährlichen Fortschrittsbericht (bis Ende Februar des Folgejahres) über den Stand der von ihnen abgedeckten Guidelines an EIOPA zu liefern. Der erste Bericht sollte demnach bis zum 28. Februar 2015, basierend auf der Periode zwischen 1. Januar 2014 und 31. Dezember 2014, übermittelt werden. Eine Veröffentlichung dieser Berichte durch EIOPA soll nicht erfolgen.

Die zur Konsultation veröffentlichten Guidelines haben einen direkten Bezug zu den entsprechenden Regelungen der Solvency II Rahmenrichtlinie (SII-RL) und betreffen die folgenden Kernbereiche:

System of Governance (EIOPA-CP-13/08; Art. 40-49, 93, 132, 246 SII-RL) – Die vorgeschlagenen Vorschriften zum System of Governance umfassen Anforderungen zu den folgenden Themenblöcken:

1. Allgemeine Anforderungen an das Governance-System zu den Themen:

  • Rolle und Verantwortung der Geschäftsleitung
  • Aufbauorganisation und operative Unternehmensstrukturen
  • Einrichtung der vier Schlüsselfunktionen
  • Entscheidungsprozesse und Dokumentation getroffener Entscheidungen
  • Überprüfung des Governance-Systems
  • Interne Leitlinien
  • Notfallpläne

2. Fit & Proper-Anforderungen an die Geschäftsleitung sowie an andere Personen in Schlüsselfunktionen

3. Mindestanforderungen an das Risikomanagement und die Ausgestaltung der Risikomanagementfunktion

4. Vorsichtsprinzip in Bezug auf die Kapitalanlagen (sog. „Prudent Person Principle“)

5. Management und die Planung der Eigenmittel

6. Ausgestaltung des Internen Kontrollsystems

7. Aufgaben und Ausgestaltung der Internen Revision

8. Aufgaben und Ausgestaltung der Versicherungsmathematischen Funktion

9. Anforderungen an Auslagerungen

10. Spezifische Governance-Anforderungen auf Gruppenebene

„Forward Looking Assessment“ (EIOPA-CP-13/09; Art. 45, 246 SII-RL) – Ein erforderliches „Forward Looking Assessment“ der Risiken, denen ein Versicherungsunternehmen ausgesetzt ist, umfasst Anforderungen zu den folgenden Themen:

1. Umfang der Durchführung des Assessments

2. Regelungen zur Proportionalität

3. Rolle und Verantwortung der Geschäftsleitung

4. Spezifische Anforderungen an die Dokumentation, an eine Interne Leitlinie (Policy) sowie Berichtsanforderungen („Internal Report on the forward looking assessment of the undertakings’s own risk“ sowie der entsprechende „Supervisory Report“)

5. Anforderungen an die Ausgestaltung des „Forward Looking Assessments“ sowie die Verknüpfung mit den strategischen Management-Prozessen und anderen wesentlichen Entscheidungsprozessen

6. Mindestanforderungen an die Häufigkeit des Assessments

7. Spezifische Gruppenanforderungen

Übermittlung von Informationen an die nationalen Aufsichtsbehörden (EIOPA-CP-13/10; Art. 35 and 254 SII-RL) anhand der folgenden quantitativen Reporting Templates (QRTs):

1. Jährliche Reporting Templates für Solo- und Gruppenunternehmen:

  • Bilanz (2 QRTs)
  • Vermögenswerte (2 QRTs)
  • versicherungstechnische Rückstellungen (4 QRTs)
  • Eigenmittel (1 QRT)
  • Solvenzkapitalanforderung (10 QRTs)
  • Mindestkapitalanforderung (2 QRTs)
  • Gruppenanforderungen (14 Solo QRTs plus 4 gruppenspezifische QRTs)

2. Vierteljährliche Reporting Templates für Solo- und Gruppenunternehmen:

  • Bilanz (1 QRT)
  • Vermögenswerte (2 QRTs)
  • versicherungstechnische Rückstellungen (2 QRTs)
  • Eigenmittel (1 QRT)
  • Mindestkapitalanforderung (2 QRTs)
  • Gruppenanforderungen (4 Solo QRTs, jedoch keine gruppenspezifischen QRTs)

3. Kooperation von EIOPA mit der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Thema Sicherstellung zuverlässiger Marktbeobachtung und Finanzstabilitätsanalyse und Erfüllung der Bedürfnisse des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (sog. „European Systemic Risk Board“, ESRB) zu erfüllen

4. Übermittlung von Informationen unter Verwendung der XBRL Taxonomie, die auf EIOPAs Webseite zur Verfügung gestellt wird

5. Spezielle stufenweise Einführung:

  • Für die jährliche Übermittlung wird der erste Datensatz im Jahr 2015 für die Daten des Jahres 2014 erwartet.
  • Der erste Datensatz für die vierteljährliche Übermittlung wird aus dem dritten Quartal 2015 erwartet.
  • Die Frist des jährlichen Reportings beträgt 20 Wochen bzw. für das vierteljährliche Reporting 8 Wochen.
  • Versicherungsgruppen haben jeweils 6 Wochen mehr Zeit.
  • Diese Fristen werden Ende 2013 auf Basis der aktuellsten Entwicklung in Bezug auf die OII-RL überprüft.

Pre-Genehmigungsprozesse für interne Modelle (EIOPA-CP-13/11; Art. 112, 113, 115, 116, 120 to 126, 230 and 231 SII-RL) – Die vorgeschlagenen Vorschriften umfassen Anforderungen zu den folgenden Themenblöcken:

  • Internes Modell
  • Modelländerungen
  • Use Test
  • Expertenbeurteilung
  • Methodische Konsistenz
  • Prognose der Wahrscheinlichkeitsverteilung
  • Gewinn- und Verlustzuordnung
  • Kalibrierungsannahmen
  • Validierung
  • Dokumentation
  • Externe Modelle und Daten
  • Arbeitsweise der „colleges“

Es ist den nationalen Aufsichtsbehörden überlassen, in welcher Form sie die Guidelines von EIOPA in ihr bestehendes regulatorisches Umfeld einbetten. Zu diesem Zweck kann es notwendig sein, dass bestehende regulatorische Vorschriften oder Praktiken geändert werden. Von den nationalen Aufsichtsbehörden wird jedoch erwartet, dass die Versicherungsunternehmen spürbare Schritte in Richtung Implementierung wesentlicher Aspekte der SII-RL einleiten, um für das zukünftige Inkrafttreten von Solvency II sicherzustellen, dass alle Anforderungen in vollem Umfang erfüllt werden.

Einrichtungen betrieblicher Altersvorsorge – kommen mit IORP II nun doch die „Solvency II-Anforderungen“?

Mit Solvency II werden die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Lebens-, Nichtlebens- und Rückversicherungsunternehmen sowie Versicherungsgruppen, die in einem Mitgliedstaat der EU niedergelassen sind, neu geregelt und an Risiko- und ökonomischen Beurteilungsmaßstäben ausgerichtet.

Seit Anfang 2012 rücken nun auch die Einrichtungen betrieblicher Altersvorsorge (EbAV) stärker in das Blickfeld der europäischen Aufsicht. EbAV sollen zwar nicht direkt dem Regelungsbereich der Solvency II-Rahmenrichtlinie (2009/138/EC) unterworfen werden. Allerdings zeigen die aktuellen Diskussionen, dass nach Willen der EU-Kommission und von EIOPA (Europäische Aufsicht für das Pensions- und Versicherungswesen) die wichtigsten Solvency II-Inhalte auch auf die EbAV übertragen werden sollen. In Deutschland sind davon in erster Linie regulierte und Wettbewerbspensionskassen sowie Pensionsfonds unmittelbar betroffen.

Die Branche jedoch sieht die auf sie zukommenden Anforderungen als sehr kritisch an.

„Ob die Solvency II-Regulierung für die Versicherungswirtschaft gut ist, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Auf die betriebliche Altersversorgung passen die quantitativen Anforderungen von Solvency-II aber auf gar keinen Fall […].“ H. Karch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für bAV, presseportal.de

Für die EbAV sollte daher auch an erster Stelle stehen, die möglichen Auswirkungen der derzeit diskutierten Anforderungen anhand von eigenen Berechnungen zu quantifizieren und sich auf dieser Grundlage kritisch und im Detail mit den Anforderungen auseinanderzusetzen. Die Bandbreite der möglichen Auswirkungen auf die Bedeckung der Solvabilitätsanforderungen dürfte eine gute und belastbare Grundlage für die Positionierung der Branche im Zuge der weiteren Diskussionen zur Ausarbeitung der zukünftigen rechtlichen Anforderungen darstellen.

Die EU-Kommission hatte EIOPA aufgefordert, Vorschläge zur Verbesserung der bestehenden EbAV-Richtlinie 2003/41/EG (engl. IORP-Directive/Institutions for occupational retirement provision) zu unterbreiten. Diese Vorschläge sollen im Sommer 2013 in Form eines Änderungsvorschlags der EbAV-Richtlinie von EIOPA vorgelegt werden; hierzu hat sich bei den Beteiligten mittlerweile – in Anlehnung an Solvency II – der Begriff „IORP II“ etabliert.

In Anlehnung an Solvency II sind auch für EbAV finanzielle Anforderungen (Kapitalanforderungen), Anforderungen an das Governance-System inkl. Risikomanagement sowie die Transparenz durch Meldewesen und Offenlegung vorgesehen. Auch EbAV werden danach jeweils stichtagsbezogene Marktwertbilanzen, das sog. „Holistic Balance Sheet“, zu erstellen haben (vergleichbar der künftig geplanten sog. Solvabilitätsübersicht nach Solvency II). Dabei ist vorgesehen, dass alle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten inkl. versicherungstechnischer Rückstellungen dem Grundsatz nach zu Marktwerten anzusetzen sind. Für EbAV sollen dabei auch finanzielle Ressourcen als neue Vermögenswerte ansetzbar sein, die bspw. in der handelsrechtlichen Bilanz zunächst nicht gezeigt würden. Dies können bspw. zukünftige Zahlungen des Trägerunternehmens oder Sicherungsmechanismen (Pensionssicherungssysteme) sein. Auch bei der Bewertung versicherungstechnischer Rückstellungen sollen die Sonderregelungen der Beitragsanpassung und Leistungskürzung Berücksichtigung finden. Ziel ist – wie auch bei Versicherungsunternehmen – durch das Holistic Balance Sheet eine vergleichbare Grundlage über alle EbAV zu erhalten, um daran Kapitalanforderungen und aufsichtsrechtliche Sanktionen anzuknüpfen aber auch die Transparenz für alle Stakeholder sicherzustellen.
Die Ermittlung der Solvabilitätsanforderungen erfolgt in Anlehnung an Solvency II anhand der Standardformel unter Einbezug verschiedener Risikomodule und Beachtung der oben genannten Besonderheiten der EbAV.

Die vorgenannten Anforderungen wurden von EIOPA in einer ersten quantitativen Auswirkungsstudie (Quantitative Impact Studies, QIS) speziell für die EbAV getestet, an denen die betroffenen Unternehmen freiwillig teilnehmen konnten. Die dazu erforderlichen Datailanforderungen finden sich in den Technical Specifications vom 8. Oktober 2012 zur Durchführung der Auswirkungsstudie. Diese von der EbAV-Industrie zum Teil stark kritisierte Auswirkungsstudie wurde nach einer achtwöchigen Testphase am 17. Dezember 2012 beendet. Die aggregierten Ergebnisse werden noch im Frühjahr 2013 erwartet.

Jedoch gibt es aus der Branche bereits vor Veröffentlichung dieser aggregierten Ergebnisse erste Stimmen, die die von EIOPA vorgegebenen Detailanforderungen zur Durchführung der Auswirkungsstudie für nicht ausreichend halten.

„Zentraler Fehler ist, dass Solvency II als Ausgangspunkt der QIS-Studie genommen wurde. Die Methodik von Solvency II wird doch inzwischen von den meisten Experten auch außerhalb der betrieblichen Altersversorgung massiv infrage gestellt. Viele Begrifflichkeiten der QIS-Studie waren nur ungenau definiert. Die Pensionskassen waren gezwungen, selbst zu interpretieren, wie die technischen Spezifikationen zu verstehen sind. Das lässt weder eine Zusammenführung noch einen Vergleich der Ergebnisse der verschiedenen Kassen zu. Erkenntnisse für die Branche können sich hieraus nicht ergeben.“ Dr. Helmut Aden, VFPK- Vorstand, Institutional Investment, Februar 2013

Die EbAV sollten diese kritische Sicht auf die Detailanforderungen zum Anlass nehmen, um sich im Detail mit der Anwendung auf die eigenen Versicherungsbestände und finanziellen Größen auseinanderzusetzen. Neben der Durchführung der Berechnungen und der damit verbundenen konkreten Anwendung der Anforderungen auf die jeweils eigenen Gegebenheiten sollte auch die Chance genutzt werden, um sich kritisch mit der Qualität der Inputdaten inkl. ggf. erforderlicher Verbesserungen und Verfeinerungen auseinanderzusetzen. Nur auf Grundlage belastbarer Inputdaten und qualitätsgesicherter Berechnungen können verschiedene mittel- bis langfristige Auswirkungs-Szenarien abgeleitet und Planungssicherheit für die Entscheider in den EbAV erreicht werden. Dies wiederrum ermöglicht eine zielgerichtete Vorbereitung, eine frühzeitige Einleitung möglicher Verbesserungsinitiativen und ggf. auch die Beteiligung an der weiteren Diskussion zur Entwicklung der gesetzlichen Anforderungen.

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Hot Topic: Neuer ‘base case’ mit Start des LTGA

Bis voraussichtlich Ende März 2013 werden viele europäische Versicherer zu Testzwecken insgesamt 13 volle Sovabilitätsübersichten im Rahmen der Auswirkungsstudie zur Bewertung langfristiger Garantien – kurz LTGA – aufstellen. Für jedes Szenario ist das jeweils benötigte Solvenzkapital zu berechnen. Dies erweist sich als äußerst ressourcen- und zeitaufwändig und technisch anspruchsvoll. Zwar ist die Teilnahme an der Auswirkungsstudie laut EIOPA zunächst freiwillig, dennoch wählen einige nationale Aufsichten vorab eine gezielte Auswahl an Versicherern, um der Anforderung, eine möglichst angemessene Repräsentation des lokalen Versicherungsmarktes zu gewährleisten, gerecht zu werden. Auch der GDV hat seine Mitglieder zur Teilnahme aufgefordert.

Ziel des Assessments ist es, valide Aussagen über den Einfluss verschiedener Bewertungsszenarien auf Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigte, Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen, Aufsichtsbehörden sowie das europäische Finanzsystem als Ganzes zu erhalten.

Die zusätzliche Belastung durch die Auswirkungsstudie stieß in der Branche zunächst auf heftige Kritik. Da die Erkenntnisse aus der Studie als Diskussionsgrundlage für die folgenden Trilog-Verhandlungen zu Omnibus II dienen sollen, sind sie jedoch äußerst wichtig für die europäische Versicherungsindustrie. Dies gilt insbesondere für das deutsche Lebensversicherungsgeschäft, das sich gerade im Vergleich zu anderen Märkten durch die langfristig gewährten Garantien (speziell im Bereich der Rentenprodukte) auszeichnet. Folglich werden die resultierenden Entscheidungen einen signifikanten Einfluss auf den Wert der versicherungstechnischen Verpflichtungen und auf die Höhe der zusätzlichen Kapitalanforderungen haben und gleichermaßen das Risikomanagement beeinflussen.

Im Zentrum der aktuellen Debatte steht die geeignete Herleitung der risikolosen Zinsstrukturkurve zur Diskontierung der zukünftigen Zahlungsströme. Verschiedene Sichtweisen über die Annahmen, die Ausgestaltung und die Extrapolation der Zinskurve haben in der Branche eine zunehmende Unsicherheit bei der Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen bewirkt. Auch wenn auf europäischer Ebene eine finale Entscheidung noch nicht in Sicht ist, so kann doch das „BASE Szenario mit LTG-Maßnahmen“ aus den Technical Specifications Part II (erhältlich unter https://eiopa.europa.eu/) als ein aussagekräftiger Indikator für die endgültige Handhabung angesehen werden.

Die Relevanz der Studieninhalte und die Implikationen für die individuelle Positionierung sollten Versicherer motivieren, am LTGA teilzunehmen. Eine Teilnahme wird dabei nicht nur das Verständnis möglicher Auswirkungen der unterschiedlichen Optionen auf das eigene Geschäft fördern, sondern darüber hinaus dazu beitragen, fundierte Handlungs- und Modellierungsalternativen zu identifizieren.

Die Wahl der geeigneten Diskontrate wird für Produkte mit langfristigen Garantien (wie z.B. Renten) einen signifikanten Einfluss auf die Höhe der versicherungstechnischen Rückstellungen haben. Die Trilog-Verhandlungen im Juli 2012 führten zunächst zu keinem finalen Ergebnis. Primärer Grund hierfür war, dass zunächst keine Übereinkunft bezüglich der zu verwendenden Diskontrate – die risikofreie Zinsstrukturkurve –, sowie der Berücksichtigung eines „Matching Adjustment“ zustande kam. Nichtsdestotrotz waren sich die Trilog-Parteien einig, dass der Einfluss der LTG-Maßnahmen evaluiert werden sollte. Im Zeitraum vom 28. Januar 2013 bis 31.März 2013 haben die Versicherer im Rahmen der LTGA-Studie nun Zeit, ihre Berechnungen durchzuführen und die Ergebnisse an die nationalen Aufsichten zu übermitteln. Den finalen Abschlussbericht der Auswirkungsstudie mit technischen Befunden sowie zentralen Schlussforderungen plant die europäische Versicherungsaufsicht (EIOPA) in der zweiten Juni Hälfte 2013 zu veröffentlichen.

Background

Die Wahl der geeigneten Diskontrate wird für Produkte mit langfristigen Garantien (wie z.B. Renten) einen signifikanten Einfluss auf die Höhe der versicherungstechnischen Rückstellungen haben. Die Trilog-Verhandlungen im Juli 2012 führten zunächst zu keinem finalen Ergebnis. Primärer Grund hierfür war, dass zunächst keine Übereinkunft bezüglich der zu verwendenden Diskontrate – die risikofreie Zinsstrukturkurve –, sowie der Berücksichtigung eines „Matching Adjustment“ zustande kam. Nichtsdestotrotz waren sich die Trilog-Parteien einig, dass der Einfluss der LTG-Maßnahmen evaluiert werden sollte. Im Zeitraum vom 28. Januar 2013 bis 31.März 2013 haben die Versicherer im Rahmen der LTGA-Studie nun Zeit, ihre Berechnungen durchzuführen und die Ergebnisse an die nationalen Aufsichten zu übermitteln. Den finalen Abschlussbericht der Auswirkungsstudie mit technischen Befunden sowie zentralen Schlussforderungen plant die europäische Versicherungsaufsicht (EIOPA) in der zweiten Juni Hälfte 2013 zu veröffentlichen.

Auswirkungen für Versicherer

Die debattierten Optionen können einen wesentlichen Einfluss auf das überschüssige Kapital haben und somit starke Anforderungen an ein effektives Risikomanagement mit sich bringen. Zum Beispiel:

  • Der „beste Schätzwert (Best Estimate)“ der versicherungstechnischen Verpflichtungen kann sich erhöhen, sofern die Bereinigung der Swap-Kurve um das Kreditrisiko ansteigt, die Anwendung des klassischen „Matching Adjustment“ reduziert oder gar beschränkt wird, oder eine Anwendung des „Erweiterten Matching Adjustment“ bzw. der antizyklischen Prämie („Counter-Cyclical Premium“, CCP) nicht erlaubt sind.
  • Die Kapitalanforderungen (sowie die Risikomarge) können sich erhöhen, falls die zugrunde liegenden Verpflichtungen aufgrund des Verlaufs der Diskontraten weniger risikosensitiv sind oder falls willkürliche Bedingungen an die nach Anwendung der SCR-Stresstests modellierte Zinsstrukturkurve geknüpft werden.
  • Hedging-Optionen können an Effektivität verlieren, wenn das Basisrisiko durch eine beliebige Wahl von Limits der Diskontraten verschärft wird, einschließlich der Gefahr, dass die zugrunde liegende risikolose Zinskurve inkonsistent zur aktuellen Finanzmarktsituation extrapoliert wird.
  • Instabilität des Kapital- und Unternehmensanleihenmarktes kann entstehen, falls keine Übergangsmaßnahmen erlaubt sind. Einige Versicherer müssten möglicherweise zusätzliches Kapital (sofern möglich) an den Kapitalmärkten erwirtschaften oder gar von Unternehmensanleihen Abstand nehmen und in weniger kapitalintensive Alternativen investieren.

Quantitative Anforderungen

Der quantitative Teil der Auswirkungsstudie erfordert in 13 verschiedenen Szenarien neben einer Aufstellung der vollständigen Solvabilitätsübersicht nach Solvency II sowie entsprechender Kapitalanforderungen (SCR und MCR) auch die Angabe resultierender Eigenmittel und Kapitalüberschüsse. Innerhalb der Szenarien werden zu drei verschiedenen Stichtagen (2011, 2009, 2004) folgende fünf Schlüsselprobleme getestet:

  • „Klassisches Matching Adjustment“, um den Einfluss der Anwendung eines „Matching Adjustment“ auf das Rentengeschäft zu testen.
  • „Erweitertes Matching Adjustment“, um den Einfluss der Anwendung eines partiellen „Matching Adjustment“ auf ausfallrisikobehaftetes Geschäft zu testen.
  • „Counter-Cyclical Premium (CCP)“, um den Einfluss eines fixen Basispunkteaufschlags auf den liquiden Bereich der risikofreien Zinskurve in Zeiten gestresster Finanzmärkte zu testen.
  • Extrapolation der risikofreien Zinskurve, um die unterschiedlichen Ansätze zur Extrapolation der risikofreien Zinskurve für Laufzeiten zu testen, für die keine verlässlichen Marktinformationen mehr beobachtbar sind.
  • Übergangsmaßnahmen, um den Einfluss unterschiedlicher Übergangsmaßnahmen zu testen, die über eine Zeitspanne von sieben Jahren eine schrittweise Einführung der risikolosen Zinskurve nach Solvency II gewährleisten sollen.

Qualitative Anforderungen

Der qualitative Teil der Umfrage enthält eine Vielzahl von Fragen: Neben allgemeinen Fragen zum Risikomanagement, zu Implementierungskosten, zum Investitionsverhalten sowie möglichen Konsequenzen für den Versicherungsnehmer muss zusätzlich zu den Auswirkungen jeder der fünf Schlüsselmaßnahmen umfangreich Stellung bezogen werden. Erfragt wird ein Mix aus unterstützenden Informationen (z.B. „Welche Ressourcenkapazität war nötig, um die technische Studie zu bewältigen?“) und Meinungen zu festgelegten Aspekten des vorgeschlagenen Maßnahmenpaketes (z.B. „Bitte erläutern Sie sämtliche Einschätzungen über die Anreize für ein effektives Risikomanagement.“). Einige Fragen schließen insbesondere unternehmensspezifische Schätzungen ein (z.B. Stornoraten, Ausfall von Kapitalanlagen nach Rating).

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Stärkung der Anforderungen an ordnungsgemäße Geschäftsorganisation durch Erweiterung des VAG mit inhaltlichen Detailanforderungen und Verankerung der Einzelverantwortung der Geschäftsleiter ab 2014

Das Bundesfinanzministerium hat in einem Grundsatzpapier vom 6.2.2013 sein Verständnis über einen „Neuen Ordnungsrahmen für die Finanzmärkte“ festgelegt. Unter der Leitlinie „Der Haftung wieder Geltung verschaffen“ positioniert sich die Bundesregierung für höhere Eigenkapitalanforderungen, die an der Risikoübernahme ausgerichtet sind. Dabei wir ein schrittweises Einführen von Solvency II ab 2014 (ggf. auf nationaler Ebene) befürwortet. Daneben soll die Strafbarkeit von Versicherungsvorständen durch eine Änderung des VAG erhöht werden, wenn die Erfüllbarkeit von Versicherungsverträgen gefährdet ist (vgl. „Entwurf eines Gesetzes zur Abschirmung von Risiken und zur Planung und Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten“).

Auf Grundlage der bestehenden Vorgaben für das Risikomanagement der Versicherungsunternehmen (§ 64a VAG) sollen mit § 64a Abs. 7 VAG-E konkrete Sicherstellungspflichten der Geschäftsleiter in Bezug auf das Risikomanagement als Mindeststandard geregelt werden. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Konkretisierungen, die bisher bereits aus den MaRisk (VA) bekannt sind. Diesen Inhalten soll allerdings durch die Festlegung im VAG, ergänzt um die Verantwortung jedes einzelnen Mitglieds des Vorstands inkl. entsprechender Strafvorschriften, mehr Bedeutung beigemessen werden.

Im Einzelnen sollen folgende Änderungen am § 64a VAG umgesetzt werden:

Jeder Geschäftsleiter eines Versicherungsunternehmens soll sicherstellen, dass das Unternehmen über Strategien, Prozesse, Verfahren und Konzepte zu folgenden Anforderungen verfügt:

  • auf die Steuerung des Unternehmens abgestimmte Risikostrategie, die Art, Umfang und Zeithorizont des betriebenen Geschäfts und der mit ihm verbundenen Risiken berücksichtigt; zumindest: a) für jedes Risiko eine Darstellung der Art des Risikos, der Risikotoleranz, der Herkunft und des Zeithorizontes des Risikos und der Risikotragfähigkeit b) mindestens einmal jährliche Überprüfung c) jederzeitige Anpassung im Fall von substantiellen Veränderungen des Gesamtrisikoprofils, insbesondere im Zusammenhang mit der Aufnahme neuer Geschäftsfelder, der Einführung neuer Kapitalmarkt-, Versicherungs- oder Rückversicherungsprodukte oder signifikanter Veränderungen von Marktparametern und Risikoeinschätzungen;
  • aufbau- und ablauforganisatorische Regelungen, die die Überwachung und Kontrolle der wesentlichen Abläufe und ihre Anpassung an veränderte allgemeine Bedingungen sicherstellen müssen; zumindest: a) innerhalb der innerbetrieblichen Leitlinien für die Aufbauorganisation klare Definition und Abgrenzung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten und Vermeidung von Interessenkonflikte (i.d.R. klare Funktionstrennung bis auf Geschäftsleitungsebene, insbesondere zwischen Aufbau von wesentlichen Risikopositionen und deren Überwachung und Kontrolle) b) innerhalb der organisatorischen Leitlinien für die Ablauforganisation Benennung der mit wesentlichen Risiken behafteten Geschäftsabläufe und Regelung der Steuerung und Überwachung (zumindest für versicherungstechnisches Geschäft, Reservierung, Kapitalanlagemanagement einschließlich Asset-Liability-Managements und passive Rückversicherungsmanagement);
  • ein geeignetes internes Steuerungs- und Kontrollsystem; zumindest:

a) ein die Risikostrategie berücksichtigendes angemessenes Risikotragfähigkeitskonzept, aus dem ein geeignetes Limitsystem hergeleitet wird; zumindest dass innerhalb des Risikotragfähigkeitskonzeptes fortlaufend dargestellt wird, wie viel Risikodeckungspotenzial insgesamt zur Verfügung steht und wie viel davon zur Abdeckung aller wesentlichen Risiken verwendet werden soll, und dass innerhalb des Limitsystems die von der Geschäftsleitung gesetzten Begrenzungen der Risiken auf die wichtigsten steuernden Organisationsbereiche des Unternehmens heruntergebrochen werden und die tatsächliche Risikobedeckung anhand von Risikokennzahlen regelmäßig kontrolliert und hierüber gegenüber der Geschäftsleitung berichtet wird;

b) angemessene, auf der Risikostrategie beruhende Prozesse, die eine Risikoidentifikation, -analyse, -bewertung, -steuerung und -überwachung enthalten; zumindest:

aa) innerhalb der regelmäßig vorzunehmenden unternehmensweiten Risikoidentifikation interne und externe Einflussfaktoren (Risikotreiber), Bezugsgrößen, die von der Risikowirkung betroffen sind (Risikobezugsgrößen), und konkrete Risikoursachen benannt und Wesentlichkeitsgrenzen für die Risikobeurteilung definiert werden und dass als Ergebnis der Risikoanalyse und -bewertung eine qualitative und, soweit möglich, quantitative Einschätzung potenzieller und realisierter Zielabweichungen durch einzelne Risiken wie auch das Gesamtrisiko erfolgt;

bb) der Zielerreichungsgrad von strategischen Risikozielen und den daraus konsistent abgeleiteten operativ messbaren Teilzielen anhand Risikokennzahlen regelmäßig überprüft wird und

cc) eine regelmäßige Risikoüberwachung durch eine unabhängige Risikocontrollingfunktion erfolgt;

c) eine ausreichende unternehmensinterne Kommunikation über die als wesentlich eingestuften Risiken; zumindest:

aa) allen Mitarbeitern für ihre Tätigkeiten bekannt gegeben wird, welche Berichtslinien und Berichtspflichten zur Kommunikation über wesentliche Risiken zu beachten sind,

bb) jedem Mitarbeiter bekannt gegeben wird, welche Pflichten er hinsichtlich wesentlicher Risiken zu beachten hat,

cc) festgelegt wird, wer für deren Steuerung verantwortlich ist und

dd) ein regelmäßiger Informationsaustausch zwischen der unabhängigen Risikocontrollingfunktion und den für die Steuerung der wesentlichen Risiken verantwortlichen Mitarbeiter stattfindet;

d) eine aussagefähige Berichterstattung gegenüber der Geschäftsleitung; mindestens hat jeder Geschäftsleiter sicherzustellen, dass in angemessenen, zumindest jährlichen Abständen gegenüber der Geschäftsleitung über das Gesamtrisikoprofil berichtet wird sowie bewertet und dargestellt wird, was die wesentlichen Ziele des Risikomanagements sind, mit welchen Methoden die Risiken bewertet werden, was getan wurde, um die Risiken zu begrenzen, wie sich die Maßnahmen zur Risikobegrenzung ausgewirkt haben, inwieweit die in der Risikostrategie festgelegten Ziele des Risikomanagements erreicht wurden (Soll-Ist-Abgleich), wie die Risiken gesteuert wurden und inwieweit die für die Risiken gesetzten Limite ausgelastet sind (Risikobericht);

  • eine interne Revision, die die gesamte Geschäftsorganisation des Unternehmens überprüft, mindestens hat jeder Geschäftsleiter sicherzustellen, dass das Unternehmen über eine funktionsfähige, objektiv und unabhängig arbeitende interne Revision verfügt, die das Risikomanagement auf Basis eines jährlich fortzuschreibenden Prüfungsplans prüft und hierüber jährlich unmittelbar an die Geschäftsleitung berichtet, und im Falle der (Teil-) Auslagerung einen Revisionsbeauftragten benennt, der eine ordnungsgemäße Durchführung der internen Revision sicherstellt.

Die Änderungen am § 64a VAG sollen am 2. Januar 2014 in Kraft treten.

Neuerungen bei der Beaufsichtigung von Finanzkonglomeraten

Die Bundesregierung  hat am 6. Februar 2013 einen Gesetzentwurf vorgelegt, der mit einem neu entworfenen Finanzkonglomerate-Aufsichtsgesetz (FKAG) erstmals ein eigenes branchenübergreifendes Regelwerk für die Beaufsichtigung deutscher Finanzkonglomerate schaffen soll.

Bislang wurden die europäischen Regelungen der Finanzkonglomerate-Richtlinie aus dem Jahr 2002 sowohl im KWG als auch im VAG umgesetzt (sog. FICOD). Diese Anforderungen wurden Ende 2011 mit der sog. FICOD1-Richtlinie geändert und sind verpflichtend bis spätestens 10. Juni 2013 in die nationalen Gesetze umzusetzen. Der Gesetzentwurf nimmt diese Änderungen zum Anlass in Deutschland ein eigenständiges FKAG einzuführen.

Im Wesentlichen sollen mit  dem FKAG folgende Anforderungen an deutsche Finanzkonglomerate neu geregelt werden:

  • Einbeziehung von Vermögensverwaltungsgesellschaften und Verwalter alternativer Investmentfonds nach der AIFM-Richtlinie bei der Bestimmung, ob eine Finanzkonglomerat vorliegt
  • Flexibilisierung und stärkere Risikoorientierung bei der Festlegung, ob eine Gruppe als Finanzkonglomerat anzusehen ist, dazu zählen:

– Änderung des Schwellenwertes für die Freistellung von der zusätzlichen Aufsicht

– die Möglichkeit des Ausschlusses von Beteiligungen untergeordneter Bedeutung bei der Berechnung des Schwellenwertes

  • Einbeziehung gemischter Finanzholdinggesellschaften in die Versicherungsgruppenaufsicht
  • Einführung neuer Informationspflichten der Unternehmen zu Rechts- , Governance- und Organisationsstruktur
  • Ermächtigung der Aufsichtsbehörde, Prognoserechnungen von den Finanzkonglomeraten durchzuführen zu lassen
  • Durchführung von Colleges zum Austausch der Aufsichtsbehörden bei grenzüberschreitend tätigen Finanzkonglomeraten

Ergänzend zu der FICOD1-Richtlinie wurde im Frühjahr 2012 von den Europäischen Aufsichtsbehörden (sog. ESAs) ein Fundamental Review („Call for technical Advice“) veröffentlicht. Der Fundamental Review diente der Überprüfung dreier Teilgebiete der FICOD: interne Governance-Anforderungen, Sanktionsmöglichkeiten, Befugnisse der Aufsichtsbehörden.

Daneben haben die Europäischen Aufsichtsbehörden im Herbst 2012 eine öffentliche Konsultation eines Regulatory Technical Standard (RTS) eingeleitet. Dieser soll die erforderlichen  Berechnungsmethoden zur Ermittlung der Finanzkonglomerate-Solvabilität unter Berücksichtigung der branchenspezifischen Entwicklungen der CRD IV/CRR und der Solvency II-Rahmenrichtlinie konkretisieren. Nach letztem Diskussionsstand soll der Europäischen Kommission ein Entwurf des RTS noch im Januar 2013 übermittelt werden. Der RTS hätte für deutsche Finanzkonglomerate neben den deutschen Regelungen ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens unmittelbare und verbindliche Anwendungspflicht in allen Mitgliedsstaaten, da es sich dabei um eine EU-Verordnung handeln soll. Abzuwarten ist, ob und in welcher Ausgestaltung dieser verabschiedet wird.

EIOPA gibt den Startschuss für das Long-Term Guarantee Assessment

Nach Verabschiedung des Terms of Reference für das Impact Assessment durch die Trilog-Parteien (Europäisches Parlament, Europäischer Rat und Europäische Kommission) im Dezember 2012 (siehe Beitrag vom 20.12.2012) hat am 28. Januar 2013 die europäische Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA (European Insurance and Occupational Pensions Authority) den Start der europaweiten technischen Auswirkungsstudie zur Bewertung langfristiger Garantien (LTGA) verkündet und die notwendigen technischen Dokumente auf ihrer Homepage bereitgestellt. Binnen der neunwöchigen Testphase sollen die teilnehmenden Versicherer nun verschiedene Methoden zur Bewertung langfristiger Garantien testen, um valide Aussagen über einen möglichen Einfluss der Bewertungsmaßnahmen auf Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigte, Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen, Aufsichtsbehörden sowie das europäische Finanzsystem als Ganzes treffen zu können.

Im Fokus des Assessments stehen dabei die folgenden Methoden:

  • Die Verwendung der adaptierten, maßgeblichen risikolosen Zinsstrukturkurve (antizyklische Prämie, CCP) in Zeiten gestresster Finanzmärkte
  • Die Extrapolationsmethodik der risikolosen Zinsstrukturkurve zur langfristigen Bewertung
  • Das Matching Adjustment („klassisch“ und „erweitert“) an die risikolose Zinsstrukturkurve zur Eliminierung der Bewertungsdiskrepanz zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten
  • Übergangsmaßnahmen zur schrittweisen Einführung der vollen Wirkung von Solvency II über eine ausreichend lange Zeitspanne
  • Die Ausweitung der „Recovery Periode“ im Falle gerissener SCR-Grenzwerte.

Die teilnehmenden Unternehmen haben bis zum 31. März 2013 Zeit, um ihre Ergebnisse an die nationalen Aufsichten weiterzugeben. Der finale Bericht der technischen Resultate soll voraussichtlich Mitte Juni 2013 veröffentlicht werden. Auf Basis der Studienergebnisse sollen im Sommer 2013 die Trilog-Verhandlungen wieder aufgenommen werden.

Zunehmende Regulierungsdichte für systemrelevante Versicherer

Das IAIS (International Association of Insurance Supervisors) arbeitet zurzeit an einem Konzept zur Identifizierung von sog. G-SII (Global Systematically Important Insurers) sowie an sog. „policy measures“, die das Ziel haben, die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs eines G-SIIs zu verringern sowie die Anreize für Nicht-G-SIIs zu reduzieren, ein G-SII zu werden. Dies wird dazu führen, dass bestimmte Aktivitäten von Versicherungsgruppen, die zu einem hohen Scoring in dem indikatorbasierten Ansatz führen, an Attraktivität verlieren. Im April 2013 soll eine erste Übersicht der identifizierten G-SIIs veröffentlicht werden.

Parallel dazu hat die EU-Kommission eine Konsultation zu einem möglichen Recovery & Resolution Framework für den Nicht-Bankensektor gestartet, was insbesondere systemrelevante Versicherer einschließt. Das Rahmenwerk für Nicht-Banken wurde vor dem Hintergrund erschaffen, dass bspw. Versicherungen, auch wenn sie in der Regel nicht dazu neigen die Finanzstabilität zu gefährden, dennoch solche Risiken durch das Zusammenwirken mit dem restlichen Finanzsystem erschaffen.

Am 9. Oktober 2012 wurde die sog. GFIA (Global Federation of Insurance Associations) im Zuge des Zusammenschlusses von 31 Versicherungsverbänden weltweit gegründet. Somit ist neben dem GDV in Deutschland und Insurance Europe in Europa die Versicherungswirtschaft auch auf internationaler Ebene als Verband organisiert. In dieser Form wird sie die Möglichkeit haben, die Interessen der weltweiten Versicherungen im Rahmen der zunehmenden Entwicklungen im Bereich der internationalen Versicherungsaufsicht (ComFrame, G-SII, G-SiFi, etc.) zu vertreten.

EIOPA’s Meinung zur frühzeitigen Umsetzung einzelner Solvency II Anforderungen

Am 20.12.2012 hat EIOPA in einem Meinungspapier neben einer kurzen Darstellung der rechtlichen Grundlage ihre Erwartungshaltung zur frühzeitigen Vorbereitung auf Solvency II veröffentlicht.

Dabei werden Teilbereiche von Solvency II heraus gegriffen, die als Kernelemente für eine risikobasierte Steuerung von Versicherungsunternehmen betrachtet werden. Bereits im Frühjahr 2013 sollen dahingehend von EIOPA an die nationalen Aufsichtsbehörden Guidelines zu folgenden Kernpunkten adressiert werden:

  • Implementieren effektiver Governance- inkl. Risikomanagementsysteme,
  • In die Zukunft gerichtete („forward-looking“) Risikobeurteilung auf Basis der ORSA-Prinzipien,
  • Fortsetzung der Pre-Genehmigungsprozesse für interne Modelle und
  • Stärkung des Austauschs durch zusätzliche Informationsanforderungen durch die Aufsichtsbehörden an die Versicherungsunternehmen.

Mit den Guidelines will EIOPA die nationalen Aufsichtsbehörden anhalten, diese wesentlichen Aspekte von Solvency II bereits zum 1. Januar 2014 und damit unabhängig von den derzeitigen Diskussionen über ein möglicherweise späteres Inkrafttreten von Solvency II zu implementieren (zuletzt wurde hier der 1. Januar 2016 als frühest möglicher Termin kolportiert).

Trilog-Parteien verabschieden die Terms of Reference (Rahmenrichtlinie) für das Impact Assessment

Nach Einigung durch die Trilog-Parteien wurden am 14. Dezember 2012 die sog. Terms of Reference (ToR) für die Studie in Zusammenhang mit den Verhandlungen zur Omnibus II Richtlinie und der Untersuchung der Auswirkungen von Solvency II auf die langfristigen Garantien final verabschiedet. Somit beginnt die Testphase am 28. Januar 2013; die Dauer wurde auf 9 Wochen verkürzt, so dass die Testphase Ende März endet. Am 12. Juli 2013 wird der finale Bericht der Europäischen Kommission an die Trilog-Parteien erwartet.