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Steuern & Recht

Dinner-Show als einheitliche Leistung umsatzsteuerpflichtig


Die Umsätze aus der Veranstaltung einer Dinner-Show unterliegen als einheitliche (komplexe) Leistung dem Regelsteuersatz.

Der Betreiber eines Hotels war davon ausgegangen, dass er mit der vor dem Hotelgebäude in einem Zelt veranstalteten Dinner-Show zwei selbständige Leistungen erbringe: Umsätze, die dem Regelsteuersatz unterliegen (Menü) und solche, die dem ermäßigten Steuersatz unterliegen (Varieté). Die Gesamtdauer der Veranstaltung betrug vier Stunden, davon entfielen circa eineinhalb Stunden auf das Menü. Der Bundesfinanzhof (BFH) schloss sich der Auffassung des Finanzamts an: Aus Sicht des Durchschnittsverbrauchers stünde bei der Veranstaltung ein sog. (einheitliches) Kombinationserlebnis im Vordergrund.

Gesamtwürdigung spricht für eine komplexe Leistung

Der BFH ging in seiner Entscheidung und insbesondere in Übereinstimmung mit der hierzu vorliegenden Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes von folgenden Grundsätzen bzw. Gegebenheiten aus: Bei einem Umsatz, der eine Kombination von Einzelleistungen und Handlungen umfasst, ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung und dessen charakteristischer Merkmale zu bestimmen, ob getrennte Umsätze vorliegen oder ein einheitlicher Umsatz.

Aufgrund der konkreten Ausgestaltung waren die künstlerischen und kulinarischen Leistungen untrennbar miteinander verbunden und bildeten eine komplexe Leistung. Deren Charakter wurde wesentlich durch die Mischung aus Unterhaltung und gutem Essen verbunden mit dem Ambiente eines Spiegelzeltes bestimmt. Die künstlerischen und kulinarischen Leistungen waren (auch zeitlich) aufeinander abgestimmt. Durch die Verflechtung beider Komponenten war es dem Verbraucher nicht möglich, nur die künstlerische oder nur die kulinarische Leistung in Anspruch zu nehmen. Eine Aufspaltung wäre insofern aufgrund der vom Durchschnittskunden gewünschten Verbindung hier realitätsfern und nicht gerechtfertigt.

Obwohl Theatervorführungen (o.ä.) dem ermäßigten Steuersatz unterliegen, konnte der einheitliche Umsatz als solcher nur dem Regelsteuersatz unterliegen. Denn: Die Steuerermäßigung setzt voraus, dass die Theatervorführung Hauptbestandteil der einheitlichen Gesamtleistung ist und den eigentlichen Zweck der Veranstaltung ausmacht. Daran fehlte es hier, da der Charakter der komplexen Leistung gerade durch die Mischung aus Unterhaltung und gutem Essen verbunden mit dem Ambiente eines Zeltes bestimmt wurde und sich beide Leistungsbestandteile gleichwertig gegenüberstanden.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 10. Januar 2013 (V R 31/10), veröffentlicht am 13. März 2013