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Steuern & Recht

Berechnung des Veräußerungsverlusts bei Aktienoptionsmodellen


Bei der Berechnung eines Veräußerungsverlustes, der durch die Übertragung von Aktien der Muttergesellschaft auf Arbeitnehmer entsteht ist als Veräußerungspreis nicht nur die vom bezugsberechtigten Arbeitnehmer geleistete Zahlung, sondern auch der Wert seiner Arbeitsleistung einzubeziehen.

Zu dieser interessanten Feststellung kam das Finanzgericht Münster. Die Klägerin hatte in 2009 für ihre Vorstandsmitglieder, Mitglieder der Geschäftsleitung der nachgeordneten Konzerngesellschaften sowie für leitende Angestellte ein Aktienoptionsprogramm zur Ausgabe von Bezugsrechten mit einer Laufzeit von zwei Jahren aufgelegt. Im Zeitpunkt der Ausübung der Optionen entstand aus der verbilligten Überlassung der Aktien bei einer der Tochtergesellschaften ein Aufwand. Das Finanzamt ist der Auffassung, dass der Aufwand, welcher durch die Übertragung von Aktien an eigene Mitarbeiter entstand, dem Gewinn außerbilanziell hinzuzurechnen ist. Aufgrund der körperschaftsteuerlichen Organschaft sei diese Hinzurechnung bei der Klägerin als Organträgerin vorzunehmen, weil es sich bei dem fraglichen Aufwand aus den Aktienoptionen um Veräußerungsverluste im Zusammenhang mit Aktien handele, die bei der Ermittlung des Einkommens gem. § 8b Abs. 3 Satz 3 Körperschaftsteuergesetz (KStG) nicht berücksichtigt werden können. Im Streitfall bestand die Besonderheit, dass eine Tochtergesellschaft die Aktien ihrer Muttergesellschaft an die Bezugsberechtigten übertrug. Damit lag eine Veräußerung von Anteilen an einer anderen Körperschaft im Sinne des § 8b Abs. 3 Satz 3 KStG vor. Nun kam es darauf an, wie der Veräußerungsverlust zu berechnen war. Nach § 8b Abs. 3 Satz 3 KStG ist das der Betrag, um den der Veräußerungspreis nach Abzug der Veräußerungskosten den Wert übersteigt, der sich nach den Vorschriften über die steuerliche Gewinnermittlung im Zeitpunkt der Veräußerung ergibt.

Berechnung des Veräußerungsverlustes unter Einbeziehung der Arbeitsleistung

Mit anderen Worten und auf den Streitfall bezogen lautet die Frage: Ist lediglich eine in Geld gezahlte Gegenleistung der Bezugsberechtigten als Veräußerungspreis einzubeziehen oder zusätzlich noch eine weitere Gegenleistung? Das Finanzgericht war hier eindeutig: Nicht nur die vom bezugsberechtigten Arbeitnehmer geleistete Zahlung, sondern auch der Wert seiner Arbeitsleistung ist einzubeziehen. Denn entscheidend sei der Veranlassungszusammenhang. Es könne nicht unbeachtet bleiben, aus welchen Gründen eine Leistung erbracht wird und ein Aufwand entsteht. In den Optionsbedingungen ist ausdrücklich geregelt, so das Finanzgericht weiter, dass die Optionen eine attraktive Vergütungskomponente für die Bezugsberechtigten darstellen sollen. Hierbei erhielten nur bestimmte leitende Mitarbeiter der Klägerin und ihrer nachgeordneten Gesellschaften Aktienoptionen. Diese waren an bestimmte Bedingungen geknüpft, etwa ein Eigeninvestment, eine Haltefrist und einen Fortbestand des Anstellungsverhältnisses. Darüber hinaus waren die Optionen nicht übertragbar.

Fundstelle

Finanzgericht Münster, Urteil vom 27. April 2017 (13 K 2946/14 K); die revision ist beim BFH unter dem Az. I R 43/17 anhängig.