Accounting Advice Blog

Neue Leitlinie zur Anwendung von Wesentlichkeit

Das vom IASB veröffentlichte Practice Statement 2: Making Materiality Judgements beinhaltet Leitlinien für Unternehmen zur Anwendung von Wesentlichkeit im Rahmen der Erstellung und Berichterstattung ihrer IFRS-Jahres- bzw. Konzernabschlüsse.

Die Leitlinie liefert einen Überblick über die grundlegenden Merkmale von Wesentlichkeit und enthält ein vierstufiges Prozessmodell zur Wesentlichkeitseinschätzung bei der Abschlusserstellung und Berichterstattung. Zudem gibt sie Hinweise, wie in besonderen Fällen die Wesentlichkeitseinschätzung praktiziert werden kann, wie bspw. bei Informationen zu vorangegangenen Perioden, Fehlerkorrekturen und Covenants sowie bei der Zwischenberichterstattung.

Die Leitlinien stellen keinen eigenständigen Standard daher und sind daher nicht verpflichtend anzuwenden. Unternehmen können die Leitlinie für nach dem 14. September 2017 aufgestellte Jahres- bzw. Konzernabschlüsse anwenden.

 

 

Studie: Unternehmen geben bei IFRS 15 endlich Gas

Die Unternehmen drücken beim IFRS 15 endlich aufs Tempo. Das zeigt eine PwC-Analyse der aktuellen Zwischenberichte von 94 börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften. Demnach macht etwa jedes zweite Unternehmen in seinem Halbjahresbericht explizite Angaben zum neuen Bilanzstandard, der Anfang nächsten Jahres in Kraft tritt. Bei 54 Prozent dieser Gesellschaften lassen sich merkliche Fortschritte im Vergleich zum Geschäftsbericht 2016 feststellen (vgl. PwC-Studie aus April 2017). Die Unternehmen geben jedoch nicht nur quantitativ mehr Informationen als vor einem halben Jahr – sondern sie äußern sich auch inhaltlich deutlich detaillierter, etwa was die Auswirkung der neuen Regeln auf interne Steuerungsgrößen oder einzelne Geschäftsbereiche angeht.

Die komplette Studie finden Sie hier.

Feldtest zur Einführung eines einheitlichen elektronischen Berichtsformats – ESEF

Geschäftsberichte sollen europaweit vergleichbar gemacht werden – so lautet die Forderung der European Securities and Markets Authority (ESMA) und gibt mit ESEF (European Single Electronic Format) unter Verwendung des iXBRL-Formats und der IFRS-Taxonomie auch gleich einen Lösungsansatz vor (vgl. Beitrag „ESMA schlägt neues digitales Format zur Finanzberichterstattung vor„).

Die ESMA ruft nun kapitalmarktorientierte Unternehmen, die ihren Konzernabschluss nach IFRS aufstellen, sowie Softwareanbieter zur Teilnahme an einem Feldtest auf. Bewerbungen für den Feldtest werden bis zum 14. Juli 2017 entgegen genommen.

Im Rahmen von Workshops sollen die teilnehmenden Unternehmen ihre Jahresfinanzberichte in ein elektronisches Format auf Basis der entwickelten ESEF-Spezifikationen der ESMA überführen. Die ESMA unterstützt die Teilnehmer bei der Umsetzung in Form von vorbereitenden Webinaren, eines zweitägigen Workshops in Paris sowie durch Einrichtung eines Helpdesks. Auf Basis der Ergebnisse des Feldtests möchte die ESMA weitere Einzelheiten entwickeln und Detailfragen klären, um schließlich den Vorschlag eines technischen Regulierungsstandards bis Ende 2017 an die Europäische Kommission übermitteln zu können.

Veröffentlichung – Implementierung von IFRS 16 – Ein beispielhafter Projektverlauf

Viele Unternehmen haben bereits begonnen, sich mit der Einführung des neuen Leasingstandards unter IFRS zu beschäftigen. Der Beitrag „Implementierung von IFRS 16: Ein beispielhafter Projektverlauf“ (von Andrea Bardens und Ann-Kathrin Heining), erschienen in der KoR Nr. 07-08 vom 11. Juli 2017, beleuchtet die wesentlichen Aspekte eines Projekts zur Einführung des neuen Leasingstandards anhand eines Fallbeispiels. Die einzelnen Phasen eines typischen Leasingprojekts, sowie die Faktoren, die für eine erfolgreiche Umsetzung des Standards entscheidend sind, werden aufgezeigt. Am Beispiel wird klar, dass bereits jetzt gehandelt werden muss, wenn ein solches Projekt rechtzeitig und erfolgreich zum Abschluss gebracht werden soll.

Neuer Rechnungslegungsstandard IFRS 17 für Versicherungsverträge

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat heute den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 17 für Versicherungsverträge veröffentlicht, der für Geschäftsjahre ab 1. Januar 2021 verpflichtend anzuwenden ist. Eine vorzeitige Anwendung ist möglich.

IFRS 17 ersetzt IFRS 4, der ursprünglich als Übergangsstandard im Jahr 2004 veröffentlicht wurde. Aufgrund der Tatsache, dass IFRS 4 Unternehmen die Möglichkeit einräumte, die Bilanzierung von Versicherungsverträgen basierend auf lokalen Rechnungslegungsvorschriften vorzunehmen, war es bisher schwierig, die finanzielle Situation ansonsten ähnlicher Unternehmen zu vergleichen. Der neue Standard IFRS 17 soll dieses Problem nun lösen und sowohl Versicherern, als auch Investoren nutzen. Zukünftig sollen Versicherungsverträge einheitlich bilanziert werden.

Der Standard spiegelt die Sichtweise des IASB wider, dass es sich bei einem Versicherungsvertrag um eine Art Kombination aus einem Servicevertrag und einem Finanzinstrument handelt. Cash Flows im Zusammenhang mit Versicherungsverträgen unterliegen teilweise über einen langen Zeitraum signifikanten Schwankungen. Verpflichtungen aus Versicherungsverträgen werden zukünftig nicht mehr auf Basis historischer Kosten bilanziert, sondern unter Verwendung aktueller Werte. Somit liefert der Standard den Adressaten von Jahresabschlüssen nützlichere und vor allem vergleichbare Informationen.

Das Board wird die Implementierung von IFRS 17 durch Einrichtung einer Transition Resource Group unterstützen.

Studie: Anhangangaben zu IFRS 15

Die börsennotierten deutschen Unternehmen lassen es bei der Einführung des neuen IFRS 15 erstaunlich ruhig angehen. Gut 80 Prozent der betroffenen deutschen Unternehmen befinden sich noch immer in der Analysephase, zwölf Prozent haben selbst damit noch nicht begonnen. Und das obwohl der neue Standard ab 1. Januar 2018 verpflichtend anzuwenden ist. Auch den Forderungen der europäischen Börsenaufsicht ESMA nach bereits konkreten Angaben zu den erwarteten Folgen durch IFRS 15 für die Abschlüsse 2016 wird kaum nachgegangen. Zu diesem Ergebnis kommt die PwC-Studie „Anhangangaben zu IFRS 15“, bei der die Geschäftsberichte 2016 von 100 deutschen Unternehmen analysiert wurden. Der bisherige Stand der Vorbereitung auf IFRS 15 entsprechend der Darstellung im Geschäftsbericht ist ernüchternd, die Unternehmen sollten nun vermehrt aufs Tempo drücken!
Die komplette Studie finden Sie hier.

IASB veröffentlicht das Diskussionspapier „Principles of Disclosures“

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat das Diskussionspapier „Principles of Disclosures“ veröffentlicht. Dies ist Teil der Disclosure-Initiative, mit der das IASB die Rahmenbedingungen geschaffen hat, die Berichterstattung unternehmensindividueller, fokussierter und damit auch effizienter vorzunehmen. Das Diskussionspapier schlägt u.a. sieben in Abschlüssen anzuwendende Leitlinien für effektive Kommunikation („Principles of effective communication“) vor und gibt Hinweise, an welcher Stelle bestimmte Informationen im Geschäftsbericht zu verorten sind. Des Weiteren werden mögliche Ansätze für eine Verbesserung der Veröffentlichungsgrundsätze diskutiert. Außerdem wird die Verwendung von Leistungskennzahlen, die sich nicht aus den IFRS Standards ergeben und in Jahresabschlüssen veröffentlicht werden, sowie die Darstellung von Bewertungsmethoden im Anhang thematisiert.

Ziel ist es, klare Prinzipien zur Offenlegung von Informationen im Jahresabschluss zu entwickeln. Hierfür sollen entweder die allgemeinen Regelungen des IAS 1 „Darstellung des Abschlusses“ überarbeitet oder ein neuer allgemeiner Disclosure Standard entwickelt werden.

Stellungnahmen zum Diskussionspapier sind bis zum 2. Oktober 2017 beim IASB einzureichen.

Das Diskussionspapier ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Verbesserung der Art und Weise, wie Informationen in IFRS-Abschlüssen dargestellt werden. Die dort aufgeführten Vorschläge werden sowohl den Unternehmen helfen, ihre Berichterstattung effizienter und verständlicher zu gestalten bzw. die für die Abschlussadressaten relevanten Informationen zu identifizieren. Von der Kommentierung erwartet sich das IASB zudem eine Unterstützung bei der Verbesserung der Veröffentlichungsgrundsätze in den IFRS Standards.

IASB schlägt Änderungen an IFRS 8 und IAS 34 vor

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat am 29. März 2017 als Zwischenergebnis des Post-implementation Reviews einen Entwurf für Änderungen an IFRS 8 Geschäftssegmente (ED/2017/2) veröffentlicht, der verschiedene Verbesserungen vorsieht. Dies betrifft im Wesentlichen die Identifikation und Funktion des Hauptentscheidungsträgers (sog. Chief Operating Decision Maker), die Angabepflicht zur Erklärung der Unterschiede zwischen den Segmentinformationen im IFRS-Abschluss und in der sonstigen Berichterstattung (z.B. Lagebericht, Pressemitteilungen), sowie eine Klarstellung bezüglich sonstiger Angaben in der Segmentberichterstattung. Zudem werden der Detailierungsgrad und die Beschreibung der sonstigen Abstimmungsposten der Überleitungsrechnung thematisiert.

Auch schlägt das IASB Änderungen zu IAS 34 Zwischenberichterstattung vor. Ändert sich die Zusammensetzung der berichtspflichtigen Geschäftssegmente, so sind die Segmentinformationen für alle Zwischenperioden des laufenden und des vorherigen Berichtsjahres anzupassen. Von dieser rückwirkenden Anpassung wäre nur abzusehen, wenn die Informationen nicht vorhanden oder die Kosten zu hoch sind.

Stellungnahmen zu dem Änderungsentwurf sind bis zum 31. Juli 2017 auf der Internetseite des IASB einzureichen.

Veröffentlichung – IFRS 15 und IFRS 16 – Zwei neue Bilanzierungsstandards mit Schnittstellenproblematik

Die zwei neuen Bilanzierungsstandards, IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“ und IFRS 16 „Leasingverhältnisse“, stellen Unternehmen derzeit vor große Herausforderungen. Beide Standards decken grundsätzlich unterschiedliche Anwendungsbereiche ab und beinhalten Prinzipien, die auf den jeweiligen Anwendungsbereich zugeschnitten sind. Auch die verpflichtende Erstanwendung stellt auf zwei unterschiedliche Berichtszeiträume ab, allerdings bestehen im Bereich der Anwendungsfälle diverse Wechselwirkungen, da Unternehmen ihren Kunden Leistungen im Paket anbieten, das sowohl Leasing- als auch Nicht-Leasingkomponenten enthalten kann. Der Analyse und Würdigung einer solchen Vertragskonstellation widmet sich der BeitragIFRS 15 und IFRS 16 – Zwei neue Bilanzierungsstandards mit Schnittstellenproblematik (von Andrea Bardens, Marius Dreisbach und Dr. Christoph Wallek), erschienen in der aktuellen Ausgabe (Heft 2) der RWZ – Zeitschrift für Recht & Rechnungswesen.

Studie: Accounting Compliance in Deutschland

Alle bilanzierenden Unternehmen stehen vor der stetigen Herausforderung, die Einhaltung ihrer Rechnungslegungsvorschriften sicherzustellen (sog. „Accounting Compliance“) und einen Beitrag im Rechnungswesen zu den Unternehmenszielen zu leisten. Im Rahmen einer Umfrage haben wir bei 111 Unternehmen in Deutschland die Organisation des Rechnungswesens sowie deren Zusammenarbeit mit anderen Bereichen untersucht.

Wenn Entscheidungen zentralisiert werden, stellen gemäß den Studienergebnissen neben dem Einsatz von IT-Systemen vor allem Shared Service Centers (SSC) oder Centers of Exellence (CoE) die Accounting Compliance sicher. Die Zuweisung und Ausgestaltung der hierhin verlagerten Entscheidungskompetenz wird durch die dafür erforderlichen Kenntnisse der abzubildenden Sachverhalte, der anzuwendenden Regelungen und deren jeweilige Komplexität bestimmt. Davon hängt auch die Frage ab, inwieweit Vorgänge automatisiert werden können. Mit diesen Maßnahmen lassen sich gleichzeitig auch Effizienzgewinne erzielen. Sie setzen personelle Ressourcen für komplexere Tätigkeiten im Unternehmen frei. Qualität und Effizienz stehen hier also nicht im Widerspruch. Erfolgt keine Zentralisierung bzw. Automatisierung, muss die gebotene Standardisierung von Bilanzierungsentscheidungen durch Richtlinien erreicht werden. Zudem müssen die Mitarbeiter geschult werden, sodass Entscheidungen richtig getroffen und Ermessensspielräume angemessen ausgeübt werden können. Auch können Leitbilder und Anreizsysteme im Rechnungswesen dazu beitragen, dass die Accounting Compliance gewährleistet wird.

Unsere Umfrage zeigt, dass Organisationsmerkmale im Rechnungswesen wie bspw. Existenz eines CoE, Einsatz Accounting-spezifischer IT-Systeme, Vorhandensein einer Bilanzierungsrichtlinie etc. häufig noch von der Größe des Unternehmens – gemessen an Umsatz, Bilanzsumme bzw. Mitarbeiterzahl – abhängig sind, d.h. Maßnahmen der Zentralisierung, Standardisierung und Automatisierung eher in größeren Unternehmen anzutreffen sind.

Daraus ergibt sich, dass insbesondere kleinere, mittelständisch geprägte Unternehmen noch nicht im gleichen Umfang die Maßnahmen zur Qualitäts- und Effizienzsteigerung nutzen. Dafür kann es im Einzelfall gute Gründe geben. Die Statistiken der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung e.V. (DPR) zeigen jedoch, dass in der Regel kleinere, nicht indexierte Unternehmen höhere Fehlerquoten aufweisen als größere Unternehmen mit Indexzugehörigkeit. Insofern sollten unseres Erachtens gerade kleinere Unternehmen überlegen, inwieweit angepasste Organisationskonzepte einen Beitrag leisten können, die Einhaltung der Rechnungslegungsvorschriften und die Qualität des Rechnungswesens sicherzustellen, um die Accounting Compliance im Unternehmen zu verbessern und zudem Effizienzgewinne zu erzielen.

Der insgesamt niedrige Anteil an Unternehmen, die derzeit den Automatisierungsgrad durch Accounting-spezifische IT-Systeme erhöhen, ist bemerkenswert; selbst größere Unternehmen weisen hier noch „Luft nach oben“ auf.

Andere hinterfragte Organisationsmerkmale, z.B. der standardisierte Austausch des Rechnungswesens mit anderen Abteilungen, die Auslagerung bestimmter Tätigkeiten auf externe Dienstleister oder das Bestehen organisatorischer Richtlinien, wiesen zwar keine statistisch signifikante Verbindung zur Unternehmensgröße auf. Dennoch ergaben sich z.T. erstaunliche Ergebnisse: So besteht in vielen Unternehmen keine Pflichteinbindung möglicher CoE. Darüber hinaus verwunderte die geringe Anzahl derer, die bestimmte Tätigkeiten auf externe Dienstleister auslagern; ebenso das Ergebnis, dass gerade einmal 40 % der Befragten Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität und Effizienz planen. Noch niedriger liegt die Quote derer, die Feedback zur internen Bilanzierungsrichtlinie als dem zentralen Bilanzierungshandbuch des Unternehmens bzw. Konzerns einholen. Gerade einmal 11 Unternehmen meldeten, dass sie ein definiertes Schulungskonzept für die Mitarbeiter im Rechnungswesen haben. Unternehmen, die ein Leitbild für das Rechnungswesen definiert haben, investieren dabei insgesamt mehr in Schulungen.

In derartigen Bereichen liegt unseres Erachtens für alle Unternehmen Potenzial für weitere Verbesserungen der Accounting Compliance. Die komplette Studie finden Sie hier.