Kategorie: Handelsrecht

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Folge 3 der PwC Accounting and Reporting Talks online

Der neueste Beitrag unserer Webcast-Reihe “PwC Accounting and Reporting Talks” ist nun verfügbar. In der Oktoberausgabe sprechen Ulrike Schmitz-Renner und Dr. Martin Schönberger über die Bilanzierung von Customizingaufwendungen bei Cloudmodellen nach HGB und IFRS. Insbesondere geht es dabei um die Aktivierungsfähigkeit von Aufwendungen zur Implementierung von über die Cloud bereitgestellte Software. Da die Software bei “Software-as-a-Service”-Modellen selbst regelmäßig nicht zu aktivieren ist, wird diskutiert, ob und unter welchen Umständen Customizingaufwendungen zu aktivieren sind. 

Interesse geweckt? Schauen Sie rein, auf unserer Homepage oder auf YouTube, wie gewohnt auf Deutsch, nur das Wesentliche, auf den Punkt gebracht. 

Referentenentwurf zur Umsetzung der ESEF-VO in das HGB

Ein Unternehmen, das als Inlandsemittent Wertpapiere begibt und nach WpHG zur Erstellung eines Jahresfinanzberichts verpflichtet ist, muss diesen mit Wirkung zum 1. Januar 2020 nach den Vorgaben der sogenannten ESEF-Verordnung (ESEF-VO) der EU-Kommission in einem einheitlichen elektronischen Format erstellen.

Für die Erstellung von Jahresfinanzberichten gilt die ESEF-VO unmittelbar. In der Regel müssen Inlandsemittenten allerdings keinen Jahresfinanzbericht erstellen, da sie schon nach den handelsrechtlichen Vorschriften zur Offenlegung der entsprechenden Rechnungslegungsunterlagen verpflichtet sind. Um sicherzustellen, dass die Formatvorgaben der ESEF-VO auch auf diese Rechnungslegungsunterlagen Anwendung finden, hat das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gemeinsam mit dem Bundesministerium der Finanzen den Referentenentwurf eines entsprechenden Umsetzungsgesetzes vorgelegt.

Der Referentenentwurf sieht für Kapitalgesellschaften, die als Inlandsemittent Wertpapiere begeben und keine Kapitalgesellschaften i.S.d. § 327a HGB sind, insb. folgende Neuregelungen im HGB vor:

  • Jahres- und Konzernabschlüsse, (Konzern-)Lageberichte sowie die sogenannten (Konzern-)Bilanzeide und (Konzern-)Lageberichtseide sind nach Maßgabe des Art. 3 der ESEF-VO elektronisch im XHTML-Format aufzustellen und, abgesehen von den (Konzern-)Lageberichten, mit einer qualifizierten elektronischen Signatur zu versehen.
  • Ein nach § 315e HGB nach IFRS aufgestellter Konzernabschluss ist nach Maßgabe der Art. 4 und 6 der ESEF-VO mit Hilfe der iXBRL-Technologie auszuzeichnen („Tagging“).
  • Die nach den Vorgaben der ESEF-VO aufgestellten Rechnungslegungsunterlagen müssen auch in diesem Format offengelegt werden.

Außerdem stellt der Referentenentwurf klar, dass der (Konzern-)Bilanzeid sowie der (Konzern-)Lageberichtseid nicht Bestandteil von (Konzern-)Abschluss oder (Konzern-)Lagebericht sind, sondern eigenständige Rechnungslegungsunterlagen und als solche offenlegungspflichtig.

Die geänderten Vorschriften sollen erstmals auf Rechnungslegungsunterlagen anzuwenden sein, die für das nach dem 31. Dezember 2019 beginnende Geschäftsjahr aufgestellt werden.

PwC Accounting and Reporting Talks

Die Welt der externen Unternehmensberichterstattung ist vielfältig und komplex – HGB und IFRS, finanzielle und nichtfinanzielle Berichterstattung, neue Vorschriften, neue Auslegungen und neue Themen. 

Bislang haben wir Sie über aktuelle Neuerungen über unseren Accounting Aktuell Blog sowie mit Hilfe diverser Publikationen auf unserer National Office Homepage informiert. Ab sofort wollen wir unser Knowhow mit Ihnen auch in Form von Webcasts teilen.

In unserer Webcast-Reihe „PwC Accounting and Reporting Talks“ diskutieren unsere Experten für Sie die aktuellen Entwicklungen rund um die externe Unternehmensberichterstattung und ihre Auswirkungen – jeden Monat, auf Deutsch, die ganze Vielfalt, aber nur das Wesentliche, auf den Punkt gebracht. Damit Sie stets up to date bleiben.

Einen Überblick über die „PwC Accounting and Reporting Talks“ gibt das Intro-Video. Und auch die ersten fachlichen Webcasts sind bereits erschienen, „DRS 25: Währungsumrechnung im Konzernabschluss“ und „Auswirkungen von IFRS 16 auf den Impairment Test“. Lassen Sie sich überraschen und schauen Sie rein, über unsere Homepage oder auf YouTube. Und damit Sie nichts verpassen, können Sie die Webcast-Reihe selbstverständlich auch abonnieren, natürlich kostenlos. Senden Sie dazu einfach eine E-Mail an: SUBSCRIBE_Accounting_and_Reporting_Talks@de.pwc.com.

19. Expertenforum – 24./25.9.2019

Fachliche Expertise in Fragen der Rechnungslegung ist eine der Kernkompetenzen von PwC – und wir möchten dieses Wissen mit Ihnen teilen. Daher bieten wir Ihnen auch in diesem Jahr auf unserer zweitägigen Fachkonferenz interessante Einblicke in brandaktuelle Rechnungslegungsthemen.

PwC-Experten nehmen am ersten Veranstaltungstag Stellung zu aktuellen Entwicklungen rund um IFRS und HGB.

Die zahlreichen Foren am zweiten Veranstaltungstag bieten Ihnen Einblick und Erfahrungen aus der Praxis. Wählen Sie unter 15 Foren Ihre Favoriten und tauschen Sie Ihre Erfahrungen mit den Profis aus!

Die Tage sind auch einzeln buchbar. Die gesamte Agenda sowie eine Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier: Link

Zwischenbericht über das Monitoring der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte veröffentlicht

Im Juli wurde der erste Zwischenbericht über das Monitoring des Nationalen Aktionsplans zur Umsetzung der Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte (2016-2020) („NAP“) durch das Auswärtige Amt veröffentlicht. Dieser deutet auf einen derzeit stark unterschiedlichen Umfang und eine heterogene Qualität der Berichterstattung über die Achtung der Menschenrechte hin. Als wesentliche Gründe wurde der Mangel an konkreten Vorgaben zur Berichterstattung und das Spannungsfeld zwischen der Erwartungshaltung einer transparaten Berichterstattung zum Thema Menschenrechte und den sich dadurch ggf. ergebenden potenziell negativen Reaktionen der Abschlussadressaten genannt.

Der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte (2016-2020) („NAP“) wurde im Dezember 2016 verabschiedet. In ihm sind die Erwartungen der Bundesregierung an die unternehmerische Sorgfalt von Unternehmen – unabhängig von Größe oder Branche – hinsichtlich der Achtung der Menschenrechte festgehalten. Eines der fünf Kernelemente des NAP ist die Berichterstattung über die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die Menschenrechte. Daneben umfasst der NAP die Einrichtung von Verfahrung zur Identifikation von Risiken für Menschenrechtsverletzungen in der Wertschöpfungskette, die Ergreifung von Maßnahmen zur Vermeidung von negativen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die Menschenrechte und die Durchführung von Wirksamkeitskontrollen, eine von den Unternehmen abzugebende Grundsatzerklärung sowie die Einrichtung von Beschwerdemechanismen.

Im Rahmen eines Monitoringprozesses wird überprüft, inwieweit die Unternehmen den NAP bislang freiwillig umgesetzt haben. In einem ersten Schritt wurden in der sog. explorativen Phase mittels Unternehmensinterviews und Stakeholdergesprächen wesentliche Herausforderungen und Aktivitäten erhoben, die in Verbindung mit den Anforderungen des NAP sowie den Leitprinzipien der Vereinten Nationen zur Erstellung eines Fragebogens verwendet werden. Der nun vorliegende erste Zwischenbericht stellt die Erfahrungen aus der explorativen Phase des NAP-Monitorings dar und enthält das vorgesehene Bewertungssystem sowie den Fragebogen für die detailliertere Erhebungsphase. Anhand dieses Fragebogens sollen in 2019 und 2020 repräsentative Erhebungen durchgeführt werden, um den Umsetzungsstand des NAP zu ermitteln. Durch das Monitoring soll festgestellt werden, ob im Jahr 2020 mindestens die Hälfte der Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten die Kernelemente des NAP in ihre Prozesse integriert haben. Sollten im Rahmen der Auswertung Defizite in der freiwilligen Umsetzung des NAP festgestellt werden, ist mit weitergehenden regulatorischen Maßnahmen zu rechnen. In verschiedenen anderen Ländern (bspw. Frankreich, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich) gibt es bereits weitergehende nationale Gesetzgebung.

Die Versendung der Fragebögen für die Erhebungsphase 2019 soll in den kommenden Wochen erfolgen. Das Thema Menschenrechte und Sorgfaltspflichten in der Lieferkette kann zum einen für die nichtfinanzielle Berichterstattung i.S.d. §§ 315b f. und 289b ff. HGB relevant sein. Zum anderen gewinnt das Thema verstärkt an öffentlicher Aufmerksamkeit, wie die Diskussion über einen Entwurf des BMZ für weitergehende Gesetzgebung zu den Sorgfaltspflichten von Unternehmen in der Wertschöpfungskette zeigte, der im Frühjahr durch die Medien kursierte. Darüber hinaus gibt es zahlreiche inhaltliche Überschneidung zwischen den Menschenrechten und den Sustainable Development Goals (SDGs), welche im Zentrum der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung stehen. Zugunsten einer aussagekräftigen Auswertung der Umsetzung des NAP ist eine hohe Rücklaufquote und damit eine aktive Teilnahme der befragten Unternehmen wünschenswert.

DRSC veröffentlicht E-DRÄS 10

Das DRSC hat am 2. Juli 2019 den Entwurf des Deutschen Rechnungslegungs Änderungsstandards Nr. 10 veröffentlicht. Dieser steht auf der Website des DRSC zum Download bereit.

E-DRÄS 10 dient insbesondere der Änderung von DRS 25 „Währungsumrechnung im Konzernabschluss“. Im Rahmen der erstmaligen Anwendung des DRS 25 kam es insbesondere im Bereich der Hochinflationsbereinigung zu Rückfragen beim DRSC. Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen, soll in Tz. 104 klargestellt werden, dass bei einer Hochinflationsbereinigung durch eine Indexierung der Posten des Fremdwährungsabschlusses mit „Basisjahr“ der Zeitpunkt der erstmaligen Erfassung des jeweiligen Bilanzpostens oder der jeweiligen Aufwendungen/Erträge zu verstehen ist. D.h. die betreffenden Posten sind ab dem Zugangszeitpunkt und nicht erst ab dem Zeitpunkt, von dem an eine Hochinflationsbereinigung geboten ist, zu indexieren.

Ferner soll die Angabe gemäß Tz. 106 lit. c angepasst werden. Nach dem derzeitigen Wortlaut ist die Methode zur Ermittlung von Durchschnittskursen anzugeben, sofern solche aus Vereinfachungsgründen verwendet werden. Dies obwohl nach § 308a S. 2 HGB die Umrechnung von Posten der Gewinn- und Verlustrechnung zwingend zu Durchschnittskursen zu erfolgen hat. Ungeachtet dessen ergibt sich die Verpflichtung, die Methode zur Ermittlung von Durchschnittskursen (verwendete Bezugszeiträume sowie Gewichtung) anzugeben, nach Auffassung des HGB-Fachausschuss aus der Verpflichtung zur Angabe der allgemeinen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden (§ 313 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 HGB). Dies soll durch die Änderung klargestellt werden.

Außerdem sieht E-DRÄS 10 Änderungen an DRS 16 „Halbjahresfinanzberichterstattung“, DRS 19 „Pflicht zur Konzernrechnungslegung und Abgrenzung des Konsolidierungskreises“ sowie DRS 23 „Kapitalkonsolidierung (Einbeziehung von Tochterunternehmen in den Konzernabschluss)“ vor. Bei diesen Änderungen handelt es sich um redaktionelle Änderungen, die aufgrund des Zweiten Gesetzes zur Novellierung von Finanzmarktvorschriften aufgrund europäischer Rechtsakte (Zweites Finanzmarktnovellierungsgesetz – 2. FiMaNoG) erforderlich geworden sind.

Es besteht die Möglichkeit, zum E-DRÄS 10 bis zum 23. August 2019 Stellung zu nehmen.

DRSC veröffentlicht E-DRÄS 9 als Reaktion auf ARUG II

Die Umsetzung der zweiten Aktionärsrechterichtlinie der EU in das deutsche Recht durch das sogenannte ARUG II ist noch nicht abgeschlossen. Es steht allerdings bereits fest, dass sich wesentliche Auswirkungen auf die Vergütungsberichterstattung (Vorstand und Aufsichtsrat) börsennotierter Unternehmen ergeben werden. Hierüber habe ich bereits in meinem Blogbeitrag vom 20. März 2019 berichtet. Außerdem wird die (Konzern-)Erklärung zur Unternehmensführung erweitert. Aus diesem Grund hat das DRSC gestern einen Entwurf des Deutschen Rechnungslegungs Änderungsstandards Nr. 9 auf seiner Homepage veröffentlicht. Dieser sieht auf Basis des Regierungsentwurfs des ARUG II im Wesentlichen folgende Änderungen an bestehenden Standards vor:

  • In DRS 17 „Berichterstattung über die Vergütung der Organmitglieder“ sollen sämtliche Konkretisierungen handelsrechtlicher Berichtspflichten gestrichen werden, die für börsennotierte Aktiengesellschaften gelten, da diese Berichtspflichten durch ARUG II gestrichen und – in geänderter Form – in das Aktiengesetz überführt werden. Des Weiteren soll die Angabe von Vergleichszahlen nicht mehr verpflichtend sein, sondern nur noch empfohlen werden.
  • In DRS 20 „Konzernlagebericht“ werden die Änderungen der (Konzern-)Erklärung zur Unternehmensführung durch das ARUG II berücksichtigt. Künftig muss in der (Konzern-)Erklärung auf die Internetseite des Unternehmens Bezug genommen werden, auf welcher bestimmte Informationen rund um die Organvergütung öffentlich zugänglich gemacht werden, u.a. der neue aktienrechtliche Vergütungsbericht.

Nach ihrer Finalisierung sollen die beiden geänderten Standards erstmals in Übereinstimmung mit den Neuregelungen zur Vergütungsberichterstattung durch das ARUG II anzuwenden sein. Derzeit zeichnet sich ab, dass dies erst Geschäftsjahre mit Beginn nach dem 31. Dezember 2019 betreffen wird.

Es besteht die Möglichkeit, zum E-DRÄS 9 bis zum 23. August 2019 Stellung zu nehmen.

Europäische Kommission veröffentlicht Beilage über klimabezogene Angaben zu den unverbindlichen Leitlinien für die nichtfinanzielle Berichterstattung

Die Europäische Kommission hat am 18. Juni 2019 die Ergänzung der unverbindlichen Leitlinien für die nichtfinanzielle Berichterstattung im Sinne der CSR-Richtlinie um klimabezogene Angaben veröffentlicht. Über die geplante Erweiterung der Leitlinien und deren Entwurf habe ich bereits im März berichtet. Zu dem Entwurf gingen 114 Stellungnahmen ein, die von der Europäischen Kommission bei der Fertigstellung der Ergänzung berücksichtigt wurden. Die unverbindlichen Leitlinien wurden ursprünglich im Rahmen der Umsetzung der CSR-Richtlinie herausgegeben, um Unternehmen Möglichkeiten für eine umfassende, verlässliche und vergleichbare nichtfinanzielle Berichterstattung aufzuzeigen. Im Rahmen des Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums ist die Europäische Kommission bestrebt, die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen weiter zu verbessern. Dazu wurden die Leitlinien unter Berücksichtigung des Berichts der Technical Expert Group on Sustainable Finance durch eine Beilage zu klimabezogenen Angaben erweitert. Die bisherigen Leitlinien bleiben daneben unverändert bestehen.

Die Europäische Kommission betont damit die hohe Bedeutung, die sie der Reduzierung der Treibhausgasemissionen sowie der Förderung von erneuerbaren Energien sowie Energieeffizienz im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen sowie der mittel- und langfristigen Strategie der Europäischen Union beimisst. Inhaltlich greift die Kommission die Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures („TCFD“) auf, die sich vorrangig auf Angaben zu den finanziellen Auswirkungen des Klimas auf das Unternehmen beziehen. Diese Empfehlungen werden vonseiten der Kommission als eine Verbesserung der bisherigen Praxis der Klimaberichterstattung gesehen und entsprechend gefördert. Die Ergänzung der Leitlinien um klimabezogene Angaben soll gleichermaßen im Einklang mit den Empfehlungen der TCFD und den Anforderungen der CSR-Richtlinie stehen. Dieser Einklang wird in Anhang II der überarbeiteten Leitlinien veranschaulicht.

Inhaltlich führt diese Zielsetzung u.a. dazu, dass die Europäische Kommission neben umfangreichen Angaben zu klimabezogenen Risiken auch Angaben zu klimabezogenen Chancen in die unverbindlichen Leitlinien aufgenommen hat. Für die Identifikation von wesentlichen klimabezogenen Angaben (insbesondere Risiken) betont die Kommission die Bedeutung der beiden Perspektiven der CSR-Richtlinie. D.h. zu berücksichtigen sind sowohl die Auswirkungen des Klimas auf die Geschäftsentwicklung, das Geschäftsergebnis, die Lage des Unternehmens als auch die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit des Unternehmens (inkl. dessen Lieferkette und Produkte) auf das Klima. So sollten die von der Leitlinie geforderten Angaben bereits erfolgen, wenn das Klima aus einer der beiden Perspektiven als wesentlich eingeschätzt werden. Dieser Ansatz erweitert insofern die Empfehlungen der TCFD und geht über die bisherige Auslegung der CSR-Richtlinie durch den deutschen Gesetzgeber und den DRS 20 hinaus, wonach Informationen wesentlich sind, wenn beide Kriterien zugleich erfüllt sind (vgl. DRS 20.261). Ferner empfiehlt die Kommission für klimabezogene Themen einen längeren Zeithorizont zu untersuchen als für die finanzielle Berichterstattung. Darüber hinaus enthalten die Leitlinien eine Reihe von empfohlenen Leistungsindikatoren und umfangreiche spezifische Angaben für Institute und Versicherungsunternehmen.

Die Ergänzung der Leitlinien um klimabezogene Angaben sind wie die Leitlinien selbst weiterhin unverbindlich, d.h. aus diesen Ausführungen können keine Angabepflichten abgeleitet werden. Allerdings verdeutlicht die umfangreiche Ergänzung der Leitlinien die Erwartungshaltung der Europäischen Kommission an die nichtfinanzielle, klimabezogene Berichterstattung von großen, kapitalmarktorientierten Unternehmen. Entsprechend könnten die Empfehlungen maßgeblich im Rahmen der Nachschau der Umsetzung der CSR-Richtlinie in den Mitgliedstaaten durch die Europäische Kommission Berücksichtigung finden und sich entsprechend auf die darauf aufbauende mögliche Überarbeitung der CSR-Richtlinie auswirken. Vor diesem Hintergrund empfiehlt sich eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der klimabezogenen Berichterstattung und deren Anforderungen an das interne Risikomanagementsystem und die internen Berichtsprozesse.

Kodexreform 2019: Beschlossene Neufassung sieht unverändert Streichung der DCGK-Mustertabellen zur Vorstandsvergütung vor

Am 22. Mai 2019 hat die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex mitgeteilt, dass sie eine Neufassung des Kodex beschlossen hat.

Einer der Schwerpunkte der Überarbeitung des Kodex ist die Neufassung der Regelungen zur Vorstandsvergütung, bedingt unter anderem durch das Gesetz zur Umsetzung der zweiten Aktionärsrechterichtlinie der EU, das sogenannte ARUG II, das derzeit in der Fassung des Regierungsentwurfs vorliegt. Ich habe darüber in meinem Blogbeitrag vom 20. März 2019 berichtet. Entsprechend enthält die Neufassung des Kodex umfangreiche Empfehlungen zur Festlegung des Vergütungssystems des Vorstands und zur Festlegung der konkreten Gesamtvergütung der Vorstandsmitglieder.

Demgegenüber enthält die Neufassung des Kodex zum neuen Vergütungsbericht börsennotierter Unternehmen nach § 162 AktG-E, der individualisierte Angaben zu Vergütungen und Leistungen an Vorstandsmitglieder vorsieht, grundsätzlich keine weitergehenden Empfehlungen oder Anregungen. Damit wird – wie schon im Entwurf des Kodex vorgesehen –  auf die bisherigen Mustertabellen nach DCGK, in denen für jedes Vorstandsmitglied die gewährte und die zugeflossene Vergütung dargestellt werden sollen, verzichtet.

Dennoch enthält der neue Kodex bzw. die Begründungen der Kodexkommission dazu einige wichtige Aussagen zum neuen Vergütungsbericht, insbesondere die Folgenden:

  • Die Kodexkommission verweist hinsichtlich des Formats der Berichterstattung auf die unverbindlichen Leitlinien der EU-Kommission zur Darstellung des Vergütungsberichts, die derzeit im Entwurf vorliegen. Dieser Leitlinienentwurf sieht eine Reihe standardisierter und detaillierter Tabellen vor. Ich habe darüber in meinem Blogbeitrag vom 5. März 2019 berichtet.
  • Nach Auffassung der Kodexkommission werden im Vergütungsbericht nach § 162 AktG-E je Vorstandsmitglied sämtliche Vergütungsbestandteile sowohl mit ihren Zielbeträgen wie auch mit ihren (nach Ablauf des Geschäftsjahres bestimmten) Gewährungsbeträgen dargestellt.
  • Über § 162 AktG-E hinaus empfiehlt der Kodex, über gewährte Zuwendungen, die erst in späteren Jahren zufließen, im Vergütungsbericht im Jahr des Zuflusses in geeigneter Form zu berichten.

Der neue Kodex tritt erst in Kraft, wenn er durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz im Bundesanzeiger veröffentlicht worden ist. Dies wird erst nach Inkrafttreten des ARUG II erfolgen. Wann dies erfolgen wird, steht noch nicht fest. Entsprechend steht auch noch nicht fest, ob Unternehmen in ihren nächsten (Konzern-) Lagebericht zum 31. Dezember 2019 noch die Mustertabellen nach derzeit gültigem DCGK aufnehmen sollen, zumal dies zusätzlich vom Zeitpunkt der Abgabe ihrer Entsprechenserklärung abhängt.

Europäische Kommission stellt Vorschlag zur Ergänzung der Leitlinien für die nichtfinanzielle Berichterstattung um klimabezogene Angaben vor

Als Teil ihres Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums überarbeitet die Europäische Kommission die Leitlinien für die Berichterstattung über nichtfinanzielle Informationen im Sinne der CSR-Richtlinie um klimabezogene Angaben. Durch die Erweiterung der unverbindlichen Leitlinien aus 2017 sollen insbesondere Möglichkeiten für eine Berichterstattung zum Thema Klima und Klimawandel aufgezeigt werden, die im Einklang mit den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures („TCFD“) und dem derzeit entwickelten EU-Klassifikationssystems („Taxonomie“) für nachhaltige Tätigkeiten stehen. Die TCFD wurden vom Finanzstabilitätsrat der G20 Staaten ins Leben gerufen.

Der Vorschlag für eine entsprechende Ergänzung der unverbindlichen Leitlinien enthält eine Reihe von Empfehlungen aus dem Bericht der TCFD. So enthält der Entwurf bspw. die Empfehlung, die Widerstandsfähigkeit des berichtenden Unternehmens gegen den Klimawandel anhand von verschiedenen Klimaszenarien zu beschreiben. Auch nennt der Entwurf eine Reihe von bedeutsamsten Leistungsindikatoren, die von Unternehmen angegeben werden sollten, darunter unterschiedliche Angaben zu Treibhausgasemissionen. Ferner enthält der Entwurf detaillierte Ausführungen zu den verschiedenen Risikoarten, die sich aus dem Klimawandel kurz-, mittel- und langfristig für Unternehmen ergeben können, und welche Angaben in diesem Zusammenhang in Betracht kommen können. Für Institute und Versicherungen nennt die EU-Kommission zusätzlich umfassende spezifische Empfehlungen. Abschließend illustriert die EU-Kommission, wie die weitreichenden Vorschläge für klimabezogene Angaben in die Berichtspflichten der CSR-Richtlinie integriert werden können.

Basierend auf dem deutschen Umsetzungsgesetz der CSR-Richtlinie und den praktischen Erfahrungen aus den ersten Berichtsperioden ist zu beobachten, dass die Empfehlungen sowohl über die gesetzlichen Mindestvorgaben als auch die bisherige Berichtspraxis mitunter deutlich hinausgehen. Die EU-Kommission nutzt die Empfehlungen der TCFD um Unternehmen „best practices“ bezüglich der klimabezogenen Berichterstattung an die Hand zu geben. Mitunter scheint die EU-Kommission im vorliegenden Entwurf allerdings auch Angaben vorzuschlagen, die nicht unmittelbar mit der CSR-Richtlinie vereinbar scheinen. So wird die Wesentlichkeitsbeurteilung nicht durchgängig konsistent zur Richtlinie beschrieben, wonach die Wesentlichkeit anhand der Bedeutung von Angaben für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses, der Lage des Unternehmens sowie der Auswirkungen seiner Tätigkeiten zu beurteilen ist. Nach dem Vorschlag zur Ergänzung der Leitlinien können mitunter auch Angaben, die nur eine der beiden Perspektiven genügen, wesentlich sein. Auch empfiehlt die EU-Kommission im Einklang mit der TCFD eine Berichterstattung über klimabezogene Chancen, die nach der CSR-Richtlinie jedoch unbeachtet bleiben. Die Veröffentlichung der finalen Erweiterung der unverbindlichen Leitlinien ist für Juni 2019 vorgesehen.

Wenngleich die Leitlinien weiterhin unverbindlich bleiben, ist zu vermuten, dass deren Erweiterung um klimabezogene Inhalte ein Indikator für die Erwartungshaltung der EU-Kommission an die Berichterstattung, insbesondere von Unternehmen im Anwendungsbereich der CSR-Richtlinie, d.h. große kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie große Institute und Versicherungen mit über 500 Arbeitnehmer, darstellt. Mit den umfassenden Empfehlungen für die klimabezogene Unternehmensberichterstattung verfolgt die Kommission weiter ihren Aktionsplan und ihre langfristige Vision einer klimaneutralen Wirtschaft bis 2050.

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