E-DRS 30 „Kapitalkonsolidierung“ und E-DRS 31 „Konzerneigenkapital“ veröffentlicht

Der HGB-Fachausschuss des DRSC hat am 12. März 2015 die Standardentwürfe E-DRS 30 „Kapitalkonsolidierung“ und E-DRS 31 „Konzerneigenkapital” veröffentlicht.

E-DRS 30 soll, wenn er als endgültiger Standard durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) bekanntgemacht wird, den bisherigen DRS 4 „Unternehmenserwerbe im Konzernabschluss” ersetzen. Mit E-DRS 30 sollen zahlreiche Anwendungsfragen der Erst-, Folge-, Ent- und Übergangskonsolidierung bei der Anwendung der §§ 301, 307 und 309 HGB beantwortet werden. Zu den wesentlichen Anwendungsfragen, die E-DRS 30 adressiert, gehören insbesondere:

  • Behandlung von Kaufpreisanpassungsklauseln bei der Erst- und Folgekonsolidierung sowie andere Besonderheiten bei der Ermittlung der Anschaffungskosten der konsolidierungspflichtigen Anteile (z.B. beim Erwerb im Tauschweg oder durch Übernahme von Schulden)
  • Berücksichtigung von Zuzahlungen beim Anteilserwerb (negativer Kaufpreis) sowie die Behandlung von sog. vorkonzernlichen Beziehungen im Rahmen der Kapitalkonsolidierung
  • Einzelfragen zum Ansatz von Vermögensgegenständen, z.B. bedingten Forderungen, und Schulden, z.B. Verpflichtungen aus Besserungsscheinen, einschließlich latenter Steuern, z.B. auf steuerrechtliche Verlustvorträge, in der Neubewertungsbilanz
  • Vorgehensweise zur Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts der Vermögensgegenstände und Schulden in der Neubewertungsbilanz in Anlehnung an internationale Rechnungslegungsstandards
  • Empfehlung zur Aufteilung des Geschäfts- oder Firmenwerts aus der Kapitalkonsolidierung auf Geschäftsfelder sowie Hinweise zur Ermittlung seines niedrigeren beizulegenden Werts
  • Vorschriften zur Behandlung eines technischen passiven Unterschiedsbetrags
  • Behandlung von Auf- oder Abstockungen einer (Mehrheits-)Beteiligung nach Erlangung des beherrschenden Einflusses, ohne dass der Status als Tochterunternehmen verloren geht sowie wirtschaftlich vergleichbarer Vorgänge
  • Hinweise zur Ent- und Übergangskonsolidierung sowie differenzierte Vorschriften zur Kapitalkonsolidierung im mehrstufigen Konzern

Außerdem sieht E-DRS 30 vor, Regelungen zur Bestimmung des Erwerbs-/Erstkonsolidierungs­zeitpunkt bei einem zeitlichen Auseinanderfallen von Verpflichtungs- und Erfüllungsgeschäft (z.B. aufgrund von Gremienvorbehalten oder ausstehender behördlicher Genehmigungen) in DRS 19 „Pflicht zur Konzernrechnungslegung und Abgrenzung des Konsolidierungskreises“ zu ergänzen.

E-DRS 31 ersetzt den in 2014 veröffentlichten Standardentwurf E-DRS 29 „Konzerneigenkapital“. E-DRS 31 stellt stärker als noch E-DRS 29 auf konzernspezifische Fragestellungen ab. Dazu gehören insbesondere Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Erwerb und der Veräußerung von Rückbeteiligungen von Tochterunternehmen am Mutterunternehmen. Außerdem wurden ausführliche Beispiele zur Darstellung der Ergebnisverwendung im Konzerneigenkapitalspiegel von Personenhandelsgesellschaften in eine Anlage 3 zu E-DRS 31 aufgenommen.

Die interessierte Öffentlichkeit hat bis zum 22. Mai 2015 Gelegenheit, beide Standardentwürfe zu kommentieren. Aus diesem Grund ist zu erwarten, dass die endgültigen Standards noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Beide Standards sollen nach derzeitiger Planung verpflichtend erstmals für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen, anzuwenden sein.

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