Entwurf des delegierten Rechtsakts zur Konkretisierung der Taxonomie-Berichtspflichten verspricht Finanzunternehmen Erleichterungen für das erste Berichtsjahr

Am 7. Mai 2021 veröffentlichte die Europäische Kommission den Entwurf für den delegierten Rechtsakt zur Konkretisierung der Berichtspflichten nach Artikel 8 der Taxonomie-Verordnung sowie ergänzende FAQs). Der Entwurf konkretisiert die Pflichten zur Offenlegung für Finanzunternehmen (“financial undertakings”) im Sinne der Verordnung, d. h. für Kreditinstitute, Vermögensverwalter, Wertpapierfirmen, Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen.

Die Transparenzpflichten des Artikel 8 der Taxonomie-Verordnung (EU) 2020/852 enthalten keine Vorgaben zu den Angabepflichten für wesentliche Leistungsindikatoren von Finanzunternehmen. Der vorliegende Entwurf ergänzt daher Artikel 8 der Verordnung (EU) 2020/852 und legt die für Finanzunternehmen offenzulegenden Informationen fest.

Die in dem vorliegenden Entwurf enthaltenen Transparenzpflichten sieht die EU-Kommission zusammen mit denen der SFDR für Finanzunternehmen als zentrale Elemente der nichtfinanziellen Berichterstattung. Der Entwurf sieht für diese Unternehmen eine Staffelung der Erstanwendung für die verschiedenen Pflichten vor.

Die erste Offenlegung erfolgt ab dem 1. Januar 2022 und bezieht sich auf das erste Berichtsjahr, das das kalendergleiche Geschäftsjahr 2021 umfasst. Die Pflicht zur Offenlegung umfasst für diesen Zeitraum den prozentualen Anteil ihrer Tätigkeiten, die bezogen auf ihre gesamten Aktiva Taxonomie-fähig (sog. „eligible activities“) bzw. nicht Taxonomie-fähig (sog. „non-eligible activities“) sind. Für die unterschiedlichen Finanzunternehmen z.B. Kreditinstitute oder Versicherungsunternehmen und deren Angaben enthält der Entwurf detaillierte Tabellen.

Anzugeben ist auch der prozentuale Anteil an den gesamten Aktiva, der gegenüber Staaten und Zentralbanken sowie an Derivaten besteht. Eine weitere Angabe betrifft den prozentualen Anteil an den gesamten Aktiva an Unternehmen, die zu keiner nichtfinanziellen Berichterstattung verpflichtet sind.

Kreditinstitute müssen auch den prozentualen Anteil ihres Handelsbestands und jederzeit verfügbaren Interbankenkredite an ihren Gesamtaktiva angeben.

Darüber hinaus werden von allen Finanzunternehmen qualitative Angaben im Erstjahr der Anwendung gefordert.

Ab dem 1. Januar 2023 sind dann auch die spezifischen Kennzahlen für die unterschiedlichen Finanzunternehmen gemäß des Rechtsakts offen zu legen.

Ab dem 1. Januar 2025 kann unter bestimmten Voraussetzungen auch der prozentuale Anteil bezogen auf ihre gesamten Aktiva an Vermögensgegenständen gegenüber Unternehmen, die nicht zur Veröffentlichung nichtfinanzieller Informationen verpflichtet sind, und diese Informationen freiwillig zur Verfügung stellen, in die wesentlichen Leistungsindikatoren von Finanzunternehmen einbezogen werden.

Diese Übergangsregeln erleichtern Finanzunternehmen die Umsetzung der Taxonomie-Berichterstattung. Trotz der Erleichterungen bleibt diese eine große Herausforderung für Finanzunternehmen. So sind bereits für das Erstjahr der Berichterstattung sämtliche Aktiva zu analysieren und basierend auf dem delegierten Rechtsakt zu den technischen Bewertungskriterien zu klassifizieren. Auch für diese ersten Schritte werden neue Prozesse und Dokumentationen erforderlich sein.   

Auch für Unternehmen der Realwirtschaft enthält der Entwurf Hinweise zur Umsetzung der Angabepflichten, hierzu erfahren Sie mehr im Blogbeitrag von Bernd Kliem.

Zum Entwurf des delegierten Rechtsakts kann bis zum 2. Juni 2021 Stellung genommen werden. Die Europäische Kommission beabsichtigt, den finalen delegierten Rechtsakt bis Ende Juni 2021 (statt wie ursprünglich geplant zum 1. Juni 2021) zu verabschieden.