Entwurf des delegierten Rechtsakts zur Konkretisierung der Taxonomie-Berichtspflichten verspricht Unternehmen der Realwirtschaft Erleichterungen für das erste Berichtsjahr

Am Freitag, den 7. Mai 2021 veröffentlichte die Europäische Kommission den Entwurf für den delegierten Rechtsakt zur Konkretisierung der Berichtspflichten nach Artikel 8 der Taxonomie-Verordnung (einen kurzen Einstieg in das Thema vermittelte ich in meinem Beitrag vom 18. Juni 2020) sowie ergänzende FAQs. Der Entwurf enthält Hinweise zur Umsetzung der geforderten Angaben für Unternehmen der Realwirtschaft, Asset Manager, Kreditinstitute sowie Versicherungsunternehmen. Ich konzentriere mich nachfolgend auf die Unternehmen der Realwirtschaft, über die Neuerungen für Finanzunternehmen informiert Sie mein Kollege Peter Flick.

Inhaltlich basiert der Entwurf in weiten Teilen auf den Empfehlungen der Europäischen Aufsichtsbehören (den sog. ESAs – ESMA, EBA und EIOPA), über die ich am 3. März 2021 berichtet habe. Im Zentrum der Berichtspflichten nach Artikel 8 der Taxonomie stehen für Unternehmen der Realwirtschaft die drei Kennzahlen zum Anteil ökologisch nachhaltiger Umsatzerlöse, Investitionsausgaben (CapEx) und Betriebsausgaben (OpEx). Für das erste Berichtsjahr, d.h. die Berichterstattung über das Geschäftsjahr 2021, sieht der Entwurf des delegierten Rechtsakts nun erhebliche Erleichterungen vor.

So ist im Erstjahr zwar der Anteil der Wirtschaftstätigkeiten anzugeben, die Taxonomie-fähig, d.h. vom delegierten Rechtsakt zu den Klimazielen abgedeckt, sind (sog. „eligible activities“) bzw. nicht Taxonomie-fähig sind (sog. „non-eligible activities“). Dazu sollte es genügen, jeweils den Anteil an den Umsatzerlösen, CapEx und OpEx anzugeben, der Taxonomie-fähigen Wirtschaftstätigkeiten zuzuordnen ist. Basierend auf dem unklaren Wortlaut könnten u.U. noch weitergehende Erleichterungen zulässig sein. Ich halte Sie über weitere Entwicklungen diesbezüglich auf dem Laufenden. Auch sind qualitative Angaben zu den angewandten Bilanzierungsrichtlinien („accounting policy“) im Erstjahr erforderlich. Die Kennzahlen selbst, verbunden mit der komplexen und aufwendigen Würdigung, inwieweit die drei Größen Taxonomie-konform („Taxonomy-aligned”) und damit ökologisch nachhaltig i.S.d. Taxonomieanforderungen sind, sind erst in 2023 für das Geschäftsjahr 2022 zu veröffentlichen.

Diese Übergangsregeln stellen eine begrüßenswerte Erleichterung für die berichtspflichtigen Unternehmen zur Implementierung der für die Taxonomie-Berichterstattung benötigten Prozesse dar. Diesen Zeitraum sollten die Unternehmen zur gründlichen Analyse ihrer Tätigkeiten nutzen. Auch die Allokation der drei Größen zu den Taxonomie-fähigen (“eligible”) Tätigkeiten erfordert es aber bereits, sich mit der Taxonomie und den delegierten Rechtsakten vertraut zu machen und das eigene Geschäftsmodell entsprechend zu analysieren, u.a. um spätere Brüche in der Berichterstattung zu vermeiden.

Bis zum 2. Juni 2021 kann nach kostenloser Registrierung zum Entwurf des delegierten Rechtsakts Stellung genommen werden. Die Europäische Kommission beabsichtigt, den finalen delegierten Rechtsakt bis Ende Juni 2021 (statt wie ursprünglich geplant zum 1. Juni 2021) zu verabschieden.