ESMA veröffentlicht Prüfungsschwerpunkte für 2020 – Enforcer sollen neue Berichtsstandards genauestens überwachen

Die Europäische Wertpapieraufsichtsbehörde (ESMA) hat am 22.10. die gemeinsamen Prüfungsschwerpunkte veröffentlicht, die die europäischen Enforcer bei der Prüfung der Jahresfinanzberichte 2019 börsennotierter Unternehmen berücksichtigen sollen (abrufbar unter https://www.esma.europa.eu/document/european-common-enforcement-priorities-2019-annual-financial-reports). Die Schwerpunkte spiegeln einerseits – wie auch in den Vorjahren – die Änderungen durch IFRS 16 sowie IFRS 9 und IFRS 15 wider. Zum anderen wurden Themen aufgegriffen, die von den zuständigen nationalen Enforcementstellen im Rahmen ihrer Tätigkeiten im Jahr 2019 erkannt wurden.

Die gemeinsamen Prüfungsschwerpunkten im Zusammenhang mit dem IFRS-Abschluss 2019 sind:

  • spezifische Fragen im Zusammenhang mit IFRS 16 „Leasingverhältnisse“, da bei ihrer Anwendung, insbesondere bei der Bestimmung der Laufzeit des Leasingverhältnisses und des Abzinsungssatzes, ein erhebliches Ermessen erforderlich ist;
  • Verbesserung der Informationen, die durch die erstmaligen Standardanwendungen in 2018 in den IFRS-Abschlüssen ausgelöst wurden. Dies ist für Kreditinstitute der IFRS 9 „Finanzinstrumente“ in Bezug auf erwartete Kreditausfälle und einen signifikanten Anstieg des Kreditrisikos sowie für Industrieunternehmen der IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“ in Bezug auf die Umsatzrealisierung, wenn wesentlichen Annahmen und Bewertungen vorzunehmen sind; und
  • die Anwendung von IAS 12 „Ertragsteuern“ mit Fokus auf aktiven latenten Steuern, die sich aus Verlustvorträgen ergeben (vgl. dazu auch die folgende Verlautbarung der ESMA: https://www.esma.europa.eu/press-news/esma-news/esma-sets-out-expectations-regarding-application-ias-12).

Die ESMA hebt auch die potenziellen Auswirkungen der IBOR Reform auf die Finanzberichterstattung hervor und betont, wie wichtig eine rechtzeitige Angabe der Folgen daraus ist. Im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten weist sie zudem auf die jüngsten Änderungen des IFRS 9 zum Hedge Accounting hin. Unternehmen sollten sich frühzeitig mit den Auswirkungen beschäftigen und den diesbezüglichen EU-Endorsement-Prozess verfolgen, der voraussichtlich rechtzeitig für den Jahresabschluss 2019 abgeschlossen sein wird.

Bezüglich der nichtfinanziellen Informationen geht die ESMA auf die Grundsätze der Wesentlichkeit und Vollständigkeit der Angaben ein, die für die Berichterstattung über nichtfinanzielle Informationen maßgeblich sein sollten, einschließlich der Bedeutung einer ausgewogenen und verständlichen Berichterstattung. Dies sollte auch gelten für Angaben zu Umwelt- und klimabedingten Belangen, Key-Performance-Indikatoren, die Verwendung von Rahmenwerken (wie z.B. GRI) und Angaben zu Lieferketten.

Darüber hinaus erinnert die ESMA die Emittenten daran, wie wichtig es ist, angemessene Angaben zu Gründen und Nutzen von Änderungen an verwendeten Alternative Performance Measures verstehen können, insbesondere in Bezug auf Änderungen aufgrund der Umsetzung von IFRS 16.

Zudem erwartet die ESMA von den Emittenten, alle notwendigen Schritte zur Umsetzung der Anforderungen des Europäischen einheitlichen elektronischen Berichtsformats (ESEF) zu unternehmen, die ab dem Jahresabschluss 2020 gelten. Auch Angaben zu möglichen Auswirkungen eines Brexit seien von den Unternehmen im Auge zu behalten.

Es ist zu empfehlen, dass sich die Bilanzierer im Rahmen der Aufstellung des nächsten IFRS Konzernabschlusses mit den ESMA Prüfungsschwerpunkten auseinandersetzen. Die zusätzlichen nationalen Prüfungsschwerpunkte der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung werden im Rahmen der 11. Jahrestagung Bilanzkontrolle und Abschlussprüfung „Bilanzierung, Berichterstattung und Enforcement in Recht und Praxis“ am 18. November 2019 in Frankfurt a.M. bekanntgegeben werden.

 

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