Europäische Kommission veröffentlicht Überblick über die eingegangenen Stellungnahmen zur Überarbeitung der CSR-Richtlinie

Gestern hat die EU-Kommission eine Zusammenfassung der Rückmeldungen zur öffentlichen Konsultation über die Überarbeitung der sog. CSR-Richtlinie (EU-Richtlinie 2014/95/EU) vorgelegt. Der Bericht enthält ausdrücklich keine Würdigung der Kommission, sondern gibt einen objektiven Überblick über die 588 eingegangenen Stellungnahmen.

Das Konsultationsergebnis wird unter diesem Link zum Download zur Verfügung gestellt. Daraus zeichnet sich folgendes Meinungsbild ab:

  • Die bisherige nichtfinanzielle Berichterstattung weist für die Mehrheit der Teilnehmer an der Konsultation insbesondere hinsichtlich der Vergleichbarkeit der Angaben Schwächen auf (71% Zustimmung). Korrespondierend dazu sprechen sich 82% für die verpflichtende Anwendung von einheitlichen Standards aus, um die bestehenden Defizite zu beheben.
  • Zwei Drittel der Rückmeldungen (67%) befürworten die Einführung einer Prüfungspflicht. Dabei halten sich die Meinungen zur Prüfungstiefe (hinreichende oder begrenzte Prüfungssicherheit) die Waage.
  • Die Teilnehmer sprechen sich mehrheitlich für eine Ausweitung des Anwendungsbereichs der nichtfinanziellen Berichtspflicht aus. So befürworten rund 70%, dass große kapitalmarktorientierte Unternehmen mit Sitz in Europa unabhängig vom Ort ihrer Börsenzulassung, sowie große in einem regulierten Markt in Europa notierte Unternehmen unabhängig von ihrem Sitz unter die nichtfinanzielle Berichtspflicht fallen sollen. Ferner begrüßen es 70%, auch große nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen in den Anwendungsbereich aufzunehmen.
  • Nur eine knappe Mehrheit der Teilnehmer an der Konsultation sprechen sich dafür aus, die zulässigen Formen der Veröffentlichung zu begrenzen. Lediglich 55% befürworten die Einführung einer Regelung, dass die nichtfinanzielle Berichterstattung zwingend innerhalb des Lageberichts erfolgen muss, was zur Folge hätte, dass die Möglichkeit zur Erstellung eines gesonderten nichtfinanziellen Berichts entfällt.
  • 69% der Teilnehmer befürworten es, die Anforderungen zur Berichterstattung über Umweltbelange an den Vorgaben zu den sechs Umweltzielen der Taxonomie-Verordnung (lesen Sie dazu meine Blogbeiträge vom 23. und 18. Juni 2020 sowie vom 20. April 2020) anzupassen. Die Taxonomie-Verordnung stellt zudem die häufigste Antwort auf die Frage nach weiteren berichtspflichtigen nichtfinanziellen Belangen dar.

Man darf gespannt sein, inwieweit dieser Meinungsstand Eingang in die Überarbeitung der CSR-Richtlinie finden wird. Für die Vorbereitung und Entwicklung von einheitlichen nichtfinanziellen Berichtsstandards wurde jüngst die EFRAG mandatiert. Eine dafür einzurichtende Projektarbeitsgruppe soll bereits im Oktober 2020 einen ersten Fortschrittsbericht und bis Ende Januar 2021 einen Abschlussbericht mit konkreten Vorschlägen veröffentlichen. Der Entwurf der überarbeiteten CSR-Richtlinie soll ebenfalls bereits im 1. Quartal 2021 erscheinen.

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