IDW schafft Klarheit über die Bewertung von rückgedeckten Altersversorgungszusagen

Der IDW Fachausschuss Unternehmensberichterstattung (FAB) hat in seiner 264. Sitzung den IDW Rechnungslegungshinweis: Handelsrechtliche Bewertung von Rückstellungen für Altersversorgungsverpflichtungen aus rückgedeckten Direktzusagen (IDW RH FAB 1.021) verabschiedet. IDW RH FAB 1.021 behandelt zahlreiche praxisrelevante Fälle der Finanzierung von Leistungen aus einer Altersversorgungszusage durch eine Rückdeckungsversicherung und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Bewertung der Pensionsrückstellung für Direktzusagen. Die Grundsätze von IDW RH FAB 1.021 gelten sinngemäß bei der Ermittlung des Fehlbetrags aus mittelbaren Altersversorgungszusagen nach Art. 28 EGHGB.

Im Zentrum von IDW RH FAB 1.021 steht die Frage, in welchen Fällen eine kongruente Bewertung, d.h. eine der Höhe nach übereinstimmende bzw. in Teilen übereinstimmende Bewertung von Rückdeckungsversicherungsanspruch und Pensionsrückstellung zu erfolgen hat. Dabei unterscheidet IDW RH FAB 1.021 zwischen versicherungsgebundenen und nicht- versicherungsgebundenen rückgedeckten Zusagen:

  1. Versicherungsgebundene Zusagen, d.h. Versorgungszusagen, die explizit auf die Leistungen einer Rückdeckungsversicherung abstellen, sind bilanziell wie wertpapiergebundene Zusagen (§ 253 Abs. 1 Satz 3 HGB analog) zu behandeln. IDW RH FAB 1.021 stellt klar, dass die analoge Anwendung von § 253 Abs. 1 Satz 3 HGB auch dann gilt, wenn die Verpflichtung zur Rentenanpassung oder andere Leistungskomponenten wie z.B. Invaliditäts- oder Hinterbliebenenversorgung nicht in die garantierten Versicherungsleistungen einbezogen sind.
  2. Eine kongruente Bewertung ist zudem regelmäßig geboten, wenn keine solche formale Versicherungsbindung vorliegt, die Versicherungsleistung aber die Altersversorgungsverpflichtung auf Basis einer Zahlungsstrombetrachtung leistungskongruent abdeckt. Zur Herstellung einer kongruenten Bewertung stehen zwei Methoden zur Verfügung:
  • „Primat der Aktivseite“: Die Pensionsrückstellung ist mit dem Buchwert des korrespondierenden Rückdeckungsversicherungsanspruchs zu bewerten.
  • „Primat der Passivseite“: Die Bewertung des Rückdeckungsversicherungsanspruchs erfolgt mit dem nach allgemeinen Grundsätzen ermittelten handelsrechtlichen Erfüllungsbetrag der korrespondierenden Pensionsrückstellung.

Diese Grundsätze gelten auch im Fall des Abschlusses von Rückdeckungsversicherungen, die die Versorgungsleistungen des Arbeitgebers nicht vollständig, sondern nur teilweise abdecken. In solchen Fällen ist eine leistungskongruente Bewertung vorzunehmen, soweit die Versorgungsleistungen abgesichert sind.

Bei dem erstmaligen Einbezug von Rückdeckungsversicherungsverträgen in die kongruente Bewertung kann es zur aufwandswirksamen Zuführung der Pensionsrückstellung („Primat der Aktivseite“) bzw. Abwertung des Versicherungsanspruchs („Primat der Passivseite) kommen. Vor diesem Hintergrund sind Unternehmen gut darin beraten, rechtzeitig prozessuale Anpassungen – z.B. Änderungen in den Pensionsgutachten – vorzunehmen und etwaige Ergebniseffekte im Blick zu haben. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang darauf, dass eine Nichtanwendung von IDW RH FAB 1.021 bei der Aufstellung von Abschlüssen für Zeiträume, die vor dem 31.12.2022 enden, nach Auffassung des IDW durch den Abschlussprüfer nicht zu beanstanden ist. Im Fall eines kalenderjahrgleichen Geschäftsjahres sollten sich Unternehmen mithin auf eine Erstanwendung spätestens in dem für das Geschäftsjahr 2022 aufzustellenden handelsrechtlichen Abschluss einstellen.

Der IDW Rechnungslegungshinweis wurde jüngst in IDW Life 7/2021 veröffentlicht. Zudem wird ein Einführungsaufsatz zu IDW RH FAB 1.021 in Kürze in der WPg erscheinen.