IDW zu weiteren bilanziellen Konsequenzen der IBOR-Reform

EONIA, EURIBOR und andere IBOR-Zinssätze werden häufig als Referenzzinssätze für Finanzinstrumente, z.B. variabel verzinsliche Darlehen oder Zinsswaps, verwendet. Mit deren Änderung oder Ablösung – die sogenannte IBOR-Reform – und sich daraus ergebende Auswirkungen auf die Finanzberichterstattung nach HGB und IFRS haben sich der Fachausschuss Unternehmensberichterstattung (FAB) und der Bankenausschuss (BFA) des IDW schon mehrfach beschäftigt. Mein Kollege Bernd Kliem und ich haben darüber insbesondere in unseren Blogbeiträgen vom 11. November 2019 und vom 6. Juli 2020 berichtet.

Der FAB und der BFA haben sich nun mit einer weiteren Frage zur IBOR-Reform befasst, nämlich welche bilanziellen Konsequenzen sich aus der IBOR-Reform-bedingten Beendigung eines bestehenden Derivatevertrags (insbesondere eines Zinsswaps) und dem gleichzeitigen Abschluss eines neuen Derivatevertrags (mit neuem Referenzzins als einziger Änderung im Vergleich zum ursprünglichen Derivatevertrag) sowie einer Ausgleichszahlung für den zinsbedingten Wertunterschied beider Derivate ergeben. Nach Auffassung des FAB und des BFA gilt dafür insbesondere Folgendes:

HGB:

  • Es ist sachgerecht, eine Ausgleichszahlung nicht zu realisieren, sondern erfolgsneutral zu erfassen, unter den Voraussetzungen des § 250 HGB als Rechnungsabgrenzungsposten. Die erfolgsneutrale Erfassung setzt voraus, dass die IBOR-Reform die alleinige Ursache für den Vorgang ist, der ursprüngliche und der neue Derivatevertrag in engem zeitlichem Zusammenhang stehen, nur der Referenzzinssatz geändert wird und die Ausgleichszahlung nur der Wertkompensation zwischen ursprünglichem und neuem Referenzzinssatz dient.
  • Sind bei Instituten Derivate des Handelsbestands betroffen, ist die Beendigung des ursprünglichen und der Abschluss des neuen Derivatevertrags im Rahmen der Bilanzierung und Bewertung des Handelsbestands zu berücksichtigen.

IFRS:

  • Bei einem Derivat, bei dem wechselseitige Zahlungen beider Vertragsparteien möglich sind (z.B. Zinsswap), ist das ursprüngliche Derivat nur dann auszubuchen, wenn die vertraglichen Bedingungen des ursprünglichen und des neuen Derivats substanziell voneinander abweichen.  

Die gemeinsame Berichterstattung ist bereits im Mitgliederbereich der IDW-Website abrufbar und wird darüber hinaus im Heft 12/2021 der IDW Life veröffentlicht.