Definition eines Geschäftsbetriebs – IASB veröffentlicht Änderungen an IFRS 3

Nachdem bereits im Juni 2016 ein Entwurf zur Änderung der Definition eines Geschäftsbetriebs (business) veröffentlicht wurde und die hierzu in der Folge geführten Diskussionen Anfang dieses Jahres abgeschlossen wurden, hat der IASB erst jetzt die entsprechenden Änderungen an IFRS 3 veröffentlicht. Warum der Prozess so lange dauerte, ist schwer nachvollziehbar. Es ist allerdings zu konstatieren, dass die im Entwurf verfassten Beispiele überarbeitet und erweitert wurden, so dass die Umsetzung der geänderten Definition hoffentlich nicht mehr so viele Anwendungsfragen wie bislang nach sich ziehen dürfte.

Hauptaspekte der Änderungen sind:

  • Für das Vorliegen eines Geschäftsbetriebs ist künftig neben ökonomischen Ressourcen (inputs) mindestens auch ein substanzieller Prozess (substantive process) erforderlich, der zusammen mit den Ressourcen die Möglichkeit schafft, Output zu generieren.
  • Kostenreduktionen fallen nicht mehr unter den Begriff des „Outputs“.
  • Eine Beurteilung, ob Marktteilnehmer in der Lage sind, nicht übernommene Inputs und Prozesse zu ersetzen oder die erworbenen Tätigkeiten und Vermögenswerte zu integrieren, ist nicht mehr notwendig.
  • Zur Prüfung, ob ein Geschäftsbetrieb erworben wird, wird die Möglichkeit eines vereinfachten Tests (sog. „concentration test“) in IFRS 3 eingeführt. Hier wird geprüft, ob sich im Wesentlichen der gesamte Fair Value der erworbenen Bruttovermögenswerte in einem Vermögenswert oder einer Gruppe gleichartiger Vermögenswerte konzentriert. Ist dies der Fall, darf davon ausgegangen werden, dass kein Geschäftsbetrieb vorliegt.
  • Wird der Test nicht durchgeführt oder spricht dieser nicht gegen das Vorliegen eines Geschäftsbetriebs, ist zu prüfen, ob ein substanzieller Prozess und Inputs erworben wurden.
  • Produziert die erworbene Gruppe von Vermögenswerten (und Schulden) noch keine „Outputs“ und besitzt nicht die Fähigkeit zur Umwandlung von „Inputs“ in „Outputs“, wird ein substanzieller Prozess nur dann erworben, wenn
    • eine organisierte Belegschaft (organised workforce) übernommen wird, die in der Lage ist, einen für die Output-Erstellung wesentlichen Prozess durchzuführen und
    • Ressourcen übernommen werden, die von der Belegschaft in Output transformiert werden können.
  • Produziert die erworbene Gruppe von Vermögenswerten (und Schulden) bereits „Outputs“, gilt der erworbene Prozess als substanziell, wenn
    • er entscheidend für die Fähigkeit ist, weiterhin Outputs zu produzieren und die erworbenen Inputs eine organised workforce umfassen, die in der Lage ist, den Prozess zur Output-Erstellung weiterzuführen oder
    • wenn keine organised workforce übernommen wird, es sich um einen Prozess handelt, der wesentlich zur Output- Generierung beiträgt und der
      • einzigartig oder selten ist oder
      • nicht ohne erhebliche(n) Aufwand, Kosten oder Verzögerungen in der Generierung von Outputs ersetzt werden kann.

Die veröffentlichten Änderungen enthalten eine Vielzahl von Anwendungsbeispielen. Sie sind erstmals zwingend auf Unternehmenszusammenschlüsse anzuwenden, deren Erwerbszeitpunkt am oder nach dem Beginn der ersten jährlichen Berichtsperiode liegt, die am oder nach dem 1. Januar 2020 beginnt. Eine frühere freiwillige Anwendung ist zulässig.