Entwurf mit Regelungen für „rate-regulated entities“ veröffentlicht (ED/2021/1)

Der IASB hat vergangene Woche den Entwurf eines neuen Standards (ED/2021/1 „Regulatory Assets and Regulatory Liabilities“) veröffentlicht, der neue Vorschriften für Unternehmen, die einer Preisregulierung unterliegen (sog. rate-regulated entities), enthält.

Durch die Preisregulierung wird der Betrag, den ein Unternehmen seinen Kunden für gelieferte Güter oder Dienstleistungen in Rechnung stellen kann sowie der Zeitraum, in dem das Unternehmen diesen Betrag in Rechnung stellen kann, festgelegt. Hierdurch kann es zu Unterschieden zwischen der Periode der Leistungserbringung und der Erfassung zugehöriger Umsatzerlöse beim Unternehmen kommen. 

Derzeit schreiben die IFRS-Standards nicht vor, dass Unternehmen den Investoren Informationen über diese zeitlichen Unterschiede geben müssen.

Im nunmehr veröffentlichten Entwurf wird der Ansatz sog. regulatorischer Posten (Vermögenswerte und Schulden sowie Erträge und Aufwendungen) vorgeschlagen, die es den Anlegern ermöglichen, die Ertragslage des Unternehmens besser zu verstehen und künftige Cashflows zu prognostizieren.  

Beispiel: Einem Unternehmen ist es gestattet, einen Preis in Rechnung zu stellen, der sich aus einem prozentualen Aufschlag auf bestimmte Kostenbestandteile errechnet. Am Ende einer Berichtsperiode stellt sich heraus, dass die Kosten gestiegen sind, was noch nicht in den aktuellen Preisen berücksichtigt war. Dem Unternehmen ist es daher gestattet, in künftigen Perioden eine Preiserhöhung zu fordern, die auch das entgangene Entgelt auf die Kostensteigerung der zurückliegenden Periode mit umfasst. In diesem Fall würden in einer späteren Periode Umsatzerlöse ausgewiesen, die eigentlich Leistungen der zurückliegenden Periode zugehörig sind. Lt. den Vorschlägen des Entwurfs käme es in diesem Sachverhalt zum Ansatz eines sog. regulatorischen Vermögenswerts, der ein einklagbares, gegenwärtiges Recht abbildet, Kunden in zukünftigen Perioden den Differenzbetrag über eine Erhöhung des Preises in Rechnung zu stellen. sowie dem Ausweis eines entsprechenden regulatorischen Ertrags. Erfolgt in der Folgeperiode eine entsprechende Preisanpassung, wäre der regulatorische Vermögenswert wiederum gegen regulatorischen Aufwand auszubuchen.

Regulatorische Vermögenswerte und Schulden wurden bislang in Deutschland regelmäßig als nicht bilanzierungsfähig angesehen, so dass die Umsetzung der Empfehlungen des Entwurfs insofern ein Novum in der IFRS-Rechnungslegung darstellen würde. Die Ertragslage würde damit periodengerechter dargestellt; die Höhe der auszuweisenden Umsatzerlöse bliebe allerdings unverändert.

Stellungnahmen zum Entwurf werden bis zum 30. Juni 2021 erbeten.

Die Mitteilung des IASB zur Veröffentlichung, die auch eine Weiterleitung auf die Informationsanfrage enthält, ist über folgenden Link zu erreichen.

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