ESMA fordert Anhangangaben zur Anwendung des IFRS 15

IFRS 15 (Revenue from Contracts with Customers) ist spätestens in 2018 für IFRS-Abschlüsse anzuwenden. Der Standard regelt detailliert und für viele Aspekte erstmalig, wann und in welcher Höhe Umsatzerlöse zu erfassen sind. Er kann nur richtig umgesetzt werden, wenn die Geschäftsmodelle in den einzelnen Konzerngesellschaften, in allen Ländern mit ihren jeweiligen rechtlichen und wirtschaftlichen Besonderheiten angemessen beurteilt werden. Deshalb ist meines Erachtens –zumindest für einzelne Branchen- die erstmalige Anwendung des Standards in 2018 die größte Herausforderung für die Bilanzierung börsennotierter Konzerne seit der verpflichtenden Anwendung von IFRS in der EU im Jahr 2005.

Auch die ESMA (European Securities and Market Authority) hat jetzt Hinweise zur Umsetzung des Standards veröffentlicht. Diese betreffen unterschiedlichste Aspekte der Anwendung des IFRS 15, wie etwa die Beachtung der Klarstellungen zu IFRS 15, die vorzeitige Anwendung des IFRS 16 (Leases) in Verbindung mit der Anwendung des IFRS 15 oder die Sicherstellung der konzerneinheitlichen Anwendung des IFRS 15.

Im Fokus der Veröffentlichung stehen jedoch ganz klar die gemäß IAS 8.30 geforderten Anhangangaben zu einem neuen, jedoch noch nicht anzuwendenden Standard. Anzugeben sind bekannte bzw. einigermaßen zuverlässig einschätzbare Auswirkungen der erstmaligen Anwendung des neuen Standards auf den Konzernabschluss. Die Angaben sollen möglichst früh und damit bei Vorliegen verlässlich schätzbarer Informationen (etwa aus laufenden Umstellungsprojekten) schon im Abschluss zum 31.12.2016 erfolgen. Die Informationen sind bei fortschreitendem Kenntnisstand zu aktualisieren und zu erweitern, spätestens in den Zwischenabschlüssen 2017 sollten jedoch detaillierte (qualitative wie quantitative) Angaben gemacht werden.

Auch zu Art und Umfang der Angaben enthält die Veröffentlichung konkrete Hinweise und Empfehlungen. So werden für den Fall, dass die Auswirkungen der Anwendung des IFRS 15 als wesentlich eingeschätzt werden, etwa Angaben zur Implementierung der Schlüsselkonzepte des IFRS 15, zu dem zeitlichen Ablaufplan der Implementierung sowie zu der Ausübung von Bilanzierungswahlrechten empfohlen. Auch (quantitative) Angaben zu den Auswirkungen der Anwendung des neuen Standards (bezogen auf Art/Zeitpunkt der Umsatzerlöse) werden den Unternehmen nahegelegt.

Erfolgt eine vorzeitige Anwendung des IFRS 16 in Verbindung mit der Anwendung des IFRS 15, gelten die erwähnten Angabepflichten auch für IFRS 16.

Die Forderung der ESMA nach detaillierten Angaben unterstreicht die Notwendigkeit, sich frühzeitig mit möglichen Auswirkungen einer Anwendung des IFRS 15 (und ggf. auch einer vorzeitigen Anwendung des IFRS 16) auseinanderzusetzen. Die ausdrückliche Aufforderung der ESMA an die in der EU börsennotierten Unternehmen über den Stand ihres Umstellungsprojektes und die Auswirkungen der erstmaligen Anwendung zu berichten, lässt aufhorchen: Sorgt sich die ESMA, ob alle Unternehmen die Herausforderung ernst genug nehmen und ihnen jetzt noch ausreichend Zeit bleibt, um die fachlichen Auswirkungen des Standards zu ermitteln und die notwendigen Anpassungen in allen operativen Systemen des Konzerns noch vornehmen zu können?

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