IASB: Neues zu Rechnungslegungsmethoden in IAS 1, dem Practice Statement 2 und IAS 8

Die Änderungen sind Teil der “Disclosure Initiative” des IASB. Sie sollen den Anhang von IFRS-Abschlüssen “entschlacken”. Entsprechend geben die Änderungen – obwohl noch nicht verpflichtend – den Unternehmen Anregungen, wie sie ihren Abschluss klarer, relevanter und auch kürzer machen können. Im Fußball heißt es: “Jetzt liegt der Ball bei den Unternehmen!” 

Im Einzelnen: Nachdem entsprechende Entwürfe bereits 2019 (IAS 1 und Practice Statement 2) bzw. 2017 (IAS 8) veröffentlicht wurden, hat der IASB heute seine Projekte zu Angabepflichten zu Rechnungslegungsmethoden sowie zur Unterscheidung zwischen Rechnungslegungsmethoden und rechnungslegungsbezogenen Schätzungen durch Veröffentlichung entsprechender Änderungsstandards abgeschlossen. 

Mit den Änderungen an IAS 1 wird klargestellt, dass künftig Angaben nur noch zu wesentlichen (material) und nicht mehr zu maßgeblichen („significant“) Rechnungslegungsmethoden zu machen sind. Was als „wesentlich“ gilt, richtet sich nach der Entscheidungsnützlichkeit der Informationen für die Bilanzadressaten. 

Im Kern wird die Aussage getroffen, dass

  • Rechnungslegungsmethoden, die sich auf unwesentliche Geschäftsvorfälle, Ereignisse oder Umstände beziehen, ihrerseits unwesentlich (und daher nicht angabepflichtig) sind. Dabei ist jedoch zu beachten, dass sich die Unwesentlichkeit von Geschäftsvorfällen, Ereignissen oder Umständen nicht allein quantitativ bestimmen lässt, sondern auch qualitativ zu beurteilen ist.
  • Rechnungslegungsmethoden, die sich auf wesentliche Geschäftsvorfälle, Ereignisse oder Umstände beziehen, wesentlich sein können – aber nicht zwangsweise müssen. 

Diese Kernaussage wird durch ergänzende Hinweise erläutert. 

Die Änderungen an IAS 1 wurden inhaltlich ebenfalls in das IFRS Practice Statement 2 „Making Materiality Judgements“ aufgenommen und um Beispiele ergänzt. 

Änderungen an IAS 8 klären den Unterschied zwischen Rechnungslegungsmethoden und rechnungslegungsbezogenen Schätzungen, um Unternehmen deren Abgrenzung zu erleichtern. Die Abgrenzung ist wichtig, da Änderungen von Rechnungslegungsmethoden grds. retrospektiv, solche von Schätzungen prospektiv zu erfassen sind. 

Anstelle der bisherigen Definition „Änderung einer rechnungslegungsbezogenen Schätzung“ definiert IAS 8 künftig den Begriff „rechnungslegungsbezogene Schätzung“ direkt wie folgt: „Rechnungslegungsbezogene Schätzungen sind monetäre Beträge im Abschluss, die mit Bewertungsunsicherheiten behaftet sind.“

Die Abgrenzung zwischen beiden ist: Eine Rechnungslegungsmethode kann verlangen, dass Posten im Abschluss in einer Weise zu bewerten sind, die mit einer Bewertungsunsicherheit verbunden ist. Das Unternehmen nutzt Bewertungstechniken und Inputfaktoren, um einen monetären Betrag (= die rechnungslegungsbezogene Schätzung) zu ermitteln, der im Abschluss zu erfassen ist und dem Ziel der Rechnungslegungsmethode genügt.

Sämtliche Änderungen sind erstmals verpflichtend in Berichtsperioden, die am oder nach dem 1. Januar 2023 beginnen, anzuwenden. Eine frühere Anwendung ist – vorbehaltlich eines noch zu erfolgenden Endorsements – zulässig.

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