IASB veröffentlicht Konglomerat kleinerer Standardänderungen

Der IASB hat heute ein Konglomerat kleinerer Änderungen an diversen Standards gemeinsam veröffentlicht. Die Veröffentlichung wurde gezielt gebündelt vorgenommen, um den Anwendern inmitten der Corona-Pandemie eine effizientere Umsetzung zu ermöglichen.

Im Einzelnen handelt es sich um folgende Änderungen:

  • Änderungen an IAS 37 „Rückstellungen, Eventualverbindlichkeiten und Eventualforderungen“: Die Änderung stellt klar, dass künftig bei der Bestimmung, ob es sich bei einem Vertrag um einen belastenden Vertrag (onerous contract ) handelt, neben den durch den Vertrag zusätzlich entstehenden Kosten (incremental cost) auch weitere der Vertragserfüllung direkt zurechenbare Kosten (z. B. anteilige Abschreibung einer zur Vertragserfüllung genutzten Sachanlage) mit in die Bestimmung der Vertragserfüllungskosten einzubeziehen sind.
  • Änderungen an IFRS 3 „Unternehmenszusammenschlüsse“: Die Änderung enthält:
    • Eine Aktualisierung des Verweises in IFRS 3 auf das überarbeitete Rahmenkonzept der IFRS (2018)
    • Eine Ergänzung des IFRS 3 um die Vorschrift, dass ein Erwerber bei der Identifizierung von übernommenen Verpflichtungen, die in den Anwendungsbereich des IAS 37 oder IFRIC 21 fallen, die Regelungen des IAS 37 oder IFRIC 21 anstelle des Rahmenkonzepts anzuwenden hat. Ausnahme hiervon sind Eventualverbindlichkeiten, für die weiterhin die Ausnahmeregelung des IFRS 3.23 Gültigkeit behält.
    • Eine Ergänzung des IFRS 3 um ein explizites Ansatzverbot für erworbene Eventualforderungen.
  • Änderungen an IAS 16 „Sachanlagen“: Die Änderung stellt klar, dass künftig kein Abzug von Erträgen, die während der Zeit, in der eine Sachanlage zu ihrem Standort oder in ihren betriebsbereiten Zustand gebracht wird, erzielt wurden, von den Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Sachanlage mehr zulässig ist (Änderung des IAS 16.17(e)). Hierunter fallen insbesondere, jedoch nicht nur, Erträge aus der Veräußerung von Produkten, die im Rahmen von Testläufen der Anlage hergestellt wurden. Derartige Erträge sind künftig direkt erfolgswirksam zu erfassen. Darüber hinaus wird der Wortlaut des IAS 16.17(e) um eine Erläuterung des Begriffs „Kosten für Testläufe, mit denen überprüft wird, ob der Vermögenswert ordentlich funktioniert“ ergänzt. Hiernach sind hierunter Kosten zu verstehen, die anfallen, um festzustellen, ob der Vermögenswert technisch und physisch in der Lage ist, seinen bestimmungsgemäßen Gebrauch durchzuführen. Das Erreichen einer bestimmten finanziellen Leistungsfähigkeit (z. B. vom Management angestrebte operative Gewinnmarge) ist hingegen unerheblich.
  • Jährliche Verbesserungen der IFRS (Zyklus 2018-2020):
    • Änderungen an IFRS 1: Gemäß IFRS 1.D16(a) darf ein Tochterunternehmen (Ausnahme Investmentgesellschaften), das erstmalig nach seinem Mutterunternehmen einen IFRS-Konzernabschluss aufstellt, seine Vermögenswerte und Schulden mit den bisher im Konzernabschluss des Mutterunternehmens hierfür angesetzten Werten ansetzen. Die Änderung erweitert diese Vorschrift um die kumulierten Währungsumrechnungsdifferenzen des Tochterunternehmens, d. h. diese können künftig ebenfalls unverändert mit den bisher in den Konzernabschluss des Mutterunternehmens eingebrachten Werten weitergeführt werden. Andere Eigenkapitalposten bleiben jedoch weiterhin von der Ausnahmeregelung ausgenommen.
    • Änderungen an IFRS 9: Der im Rahmen der Abgangsprüfung für finanzielle Verbindlichkeiten durchzuführende sog. 10%-Test des IFRS 9.B3.3.6 darf künftig nur solche Gebühren enthalten, die zwischen dem Unternehmen und dem Gläubiger angefallen sind. Führt die Abgangsprüfung für modifizierte oder ausgetauschte finanzielle Verbindlichkeiten zur Tilgung, sind jegliche Kosten und Gebühren ergebniswirksam im Gewinn oder Verlust zu erfassen. Resultiert die Modifikation oder der Austausch dagegen nicht in einer Tilgung, sind Kosten und Gebühren über die Restlaufzeit der modifizierten Verbindlichkeit durch Anpassung des Buchwerts und des Effektivzinses zu verteilen (IFRS 9.B3.3.6A), soweit sie nicht eine Kompensation für die Modifikation der Zahlungsströme der Verbindlichkeit darstellen (z. B. Gebühr als Ausgleich für eine Zinssenkung). Letztere sind im Rahmen der Modifikationsbuchung ergebniswirksam zu erfassen.
    • Streichung des Teils zu Leasinganreizen aus dem Illustrative Example 13 zu IFRS 16: Die Ausführungen zur Erstattung des Leasinggebers für Mietereinbauten des Leasingnehmers im Illustrative Example 13 des IFRS 16 hatte u.a. die Frage aufgeworfen, warum diese Erstattungen nicht als Leasinganreize nach IFRS 16.24(b) oder 27(a) zu erfassen sind. Um Missverständnisse zu vermeiden, wird diese Passage gestrichen.
    • Änderungen an IAS 41: Das Erfordernis der Nichtberücksichtigung von Zahlungsströmen für Steuern im Zusammenhang mit der Bewertung biologischer Vermögenswerte zum beizulegenden Zeitwert wird gestrichen. Hierdurch werden die Bewertungsvorschriften an die Regelungen des IFRS 13 angeglichen und auch eine Konsistenz zu einer 2008 durchgeführten Änderung des IAS 41 hergestellt, in der klargestellt wurde, dass im Rahmen der Bestimmung des beizulegenden Zeitwerts nicht zwingend ein Vorsteuerzinssatz für die Diskontierung zu verwenden ist, da potentielle Erwerber im Rahmen ihrer Kaufpreiskalküle auch etwaige marktübliche Steuerzahlungen – ungeachtet der konkreten steuerlichen Situation des berichterstattenden Unternehmens – berücksichtigen dürften. Eine Verwendung eines Nachsteuerzinssatzes setzt aber die Verwendung von Nachsteuer-Zahlungsströmen voraus. Durch die Änderung wird die derzeit bestehende Inkonsistenz beseitigt.
/* */