Leasing – Das Ende der Konvergenz

Am 18. und 19. März 2014 hatten IASB und FASB ihre Beratungen zum Entwurf der Reformierung der Leasingbilanzierung fortgesetzt. Obwohl man gemeinsam an einem Tisch saß, ist es nicht gelungen, in zentralen Punkten eine Einigung zu erzielen. So kamen die Boards dann auch zu sehr unterschiedlichen Beschlüssen was das weitere Vorgehen anbelangt.

Bilanzierung beim Leasingnehmer

Während beide Boards sich darüber einig sind, dass der Bruttoansatz von Leasingverbindlichkeit und Nutzungsrecht in der Bilanz die richtige Lösung ist, werden sie hinsichtlich des Ausweises in der Gewinn- und Verlustrechnung von nun an unterschiedliche Wege beschreiten. Ziel ist bei beiden eine Vereinfachung gegenüber der zuletzt verfolgten Idee mit Unterscheidung von Property und Non-Property-Leases und damit das Finden einer angemessenen Reaktion auf die umfangreiche Kritik aus den Commentlettern der Stakeholder.

Nach IFRS sollen, mit Ausnahme kurzfristiger Leasingverträge, zukünftig sämtliche Leasingverhältnisse beim Leasingnehmer als kreditfinanzierte Anschaffungsvorgänge (nach den bisherigen Vorschlägen sog. Typ A) klassifiziert werden. Die Abschreibung des aktivierten Nutzungsrechts soll dabei getrennt vom Zinsaufwand für die Leasingverbindlichkeit auszuweisen sein.

Der FASB hat sich hingegen für die Beibehaltung eines dualen Ansatzes entschieden, wonach der Ausweis in der Gewinn- und Verlustrechnung, wie unter den aktuellen Standards, von der Klassifizierung der Leasingverhältnisse abhängt. Leasingverhältnisse vom Typ A werden analog dem Ansatz des IASB abgebildet. Bei Leasingverhältnissen, die als Dauerschuldverhältnisse (sog. Typ B) klassifiziert werden, wird der Gesamtaufwand linear erfasst – ähnlich dem heutigen Operating-Lease. Die Klassifizierung von Leasingverhältnissen nach US-GAAP soll sich an den derzeit gültigen Regelungen orientieren, d.h. eine Beurteilung soll auf Grundlage der Übertragung von Chancen und Risiken erfolgen.

Damit wurden die Vorschläge im gemeinsamen Entwurf von Mai 2013 sowohl vom IASB als auch vom FASB im Wesentlichen verworfen.

Bilanzierung beim Leasinggeber

Im Hinblick auf die Klassifizierung von Leasingverhältnissen beim Leasinggeber sind sich beide Boards nahezu einig. Die aktuell gültigen Vorschriften sollen nun doch im Wesentlichen beibehalten werden. Die Klassifizierung von Leasingverhältnissen wird beim Leasinggeber also nach wie vor auf Basis der Übertragung der Chancen und Risiken erfolgt. Der FASB hat für US-GAAP entschieden, dass Veräußerungsgewinne nur dann erfasst werden dürfen, wenn die Verfügungsmacht über den betreffenden Vermögenswert auf den Leasingnehmer übergegangen ist. Diesem Ansatz wird der IASB nicht folgen.

Einigkeit herrscht bei der Bilanzierung von Typ A-Leasingverhältnissen. Hier verwirft man die zwischenzeitlich verfolgte Idee zur getrennten Bilanzierung einer Leasingforderung sowie eines Restvermögenswertes und kehrt im Wesentlichen zu den derzeit gültigen Regelungen zurück, wonach eine Forderung in Höhe des Nettoinvestitionswerts aus dem Leasingverhältnis anzusetzen ist.

Neues zu „Small-ticket Leases“

Nach Würdigung entsprechender Anregungen aus dem Anwenderkreis hat man sich dagegen entschieden, spezielle Vorschriften zur Wesentlichkeit aufzunehmen. Dies gilt sowohl nach IFRS als auch nach US-GAAP. Als künftige Erleichterung ist allerdings vorgesehen, für Leasingverhältnisse mit einer großen Anzahl geringwertiger Vermögenswerte (sog. „Small-ticket-Leases“) die Anwendung der Regelungen zur Leasingbilanzierung auf Portfolioebene zu erlauben.

Fazit

Wesentliche Regelungen des Entwurfs aus 2013 sind offenbar vom Tisch. Konvergenzbestrebungen sind in den Hintergrund getreten und in einigen Punkten sollen die derzeit gültigen Vorschriften beibehalten werden. Die Wertschätzung für etwas steigt eben manchmal erst, wenn man sich die Alternativen vor Augen führt. In jedem Fall wartet der Kreis der Interessierten gespannt auf die nächsten offiziellen Dokumente der Standardsetzer zum Thema Leasing.

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag im Accounting FS Blog

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