Neue Regeln für das Hedge Accounting – Risikoabsicherung endlich praktikabel?

 

Der International Accounting Standards Board (IASB) hat gestern, am 19. November 2013, eine neue Version von IFRS 9 mit einem Kapitel zu „Hedge Accounting“ veröffentlicht. Die künftigen Regelungen zum Hedge Accounting, die Teil von IFRS 9 sind, werden einen weiteren Teil des bisherigen Standards IAS 39 ablösen. Wesentliche Inhalte des bereits veröffentlichten Vorabentwurfs (Review Draft) wurden beibehalten. Für viele Unternehmen stellen die neuen Regelungen eine erhebliche Erleichterung dar.

Von einigen wesentlichen Änderungen seien an dieser Stelle zwei exemplarisch herausgegriffen:

Effektivität

Ein notwendiges Kriterium für die bilanzielle Abbildung der Sicherungsbeziehung unter IAS 39 ist eine hinreichende Effektivität, die ein Maß für eine weitgehende Kompensation des gesicherten Risikos durch das Sicherungsinstrument darstellt. Hierfür sind bisher feste, quantitative Grenzwerte vorgegeben. Stellt sich beispielsweise am Ende der Periode heraus, dass die Wertänderung des Sicherungsinstruments nur 75 % der Wertänderung des gesicherten Risikos ausmacht, ist die Sicherungsbeziehung unter IAS 39 bilanziell aufzulösen, obwohl ökonomisch immer noch der überwiegende Teil des Risikos abgedeckt ist.

Dieses regelorientierte Vorgehen mit starren Grenzen weicht zukünftig einem prinzipienorientierten Ansatz. Solange eine Sicherungsbeziehung grundsätzlich geeignet ist, Risiken zu minimieren, und sich im Risikomanagement wiederfindet, kann sie fortgeführt werden, auch wenn sie im Einzelfall nicht zu 100 % effektiv ist. Die Ermittlung der Effektivität ist weiterhin erforderlich, um zu beurteilen „wie gut“ die Sicherungsbeziehung war, d.h. wie hoch die Ineffektivität (im Beispiel 25 %) ausgefallen ist, die im Ergebnis zu berücksichtigen ist.

Absicherung von Rohstoffen

Eine der grundlegenden Neuerungen des neuen Standard IFRS 9 betrifft die für das Hedge Accounting bislang geltende Unterscheidung zwischen finanziellen (z.B. Darlehen oder Wertpapiere) und nicht-finanziellen Grundgeschäften (z.B. Rohstoffe). Künftig können auch bei nicht-finanziellen Grundgeschäften einzelne Risikokomponenten isoliert betrachtet abgesichert werden, sofern diese Risikokomponenten eigenständig identifizierbar (separately identifiable) und zuverlässig messbar (reliably measurable) sind.

Dies ist eine gute Nachricht für Unternehmen, die Beschaffungs- oder Absatzgeschäfte gegen die Veränderung bestimmter Preisbestandteile absichern. In der Praxis war das sogenannte Commodity Hedging bilanziell bislang problematisch, da das zu sichernde Risiko (z.B. Aluminiumpreis) nach IAS 39 nicht separat betrachtet werden durfte. Vielmehr war der Vertrag als Ganzes als gesichertes Risiko im Hedge Accounting zu definieren, auch wenn tatsächlich nur Schwankungen einer Komponente über ein entsprechendes Sicherungsgeschäft abgesichert wurden.

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Da dem nicht-finanziellen Grundgeschäft im Regelfall Sicherungsinstrumente gegenüberstehen, die nur einzelne Komponenten (bspw. Aluminium, Kupfer & Zink) absichern, ist im Extremfall aufgrund der rechnerisch zu hohen Ineffektivität die Sicherungsbeziehung unter IAS 39 bilanziell als Ganzes unzulässig.

Mit IFRS 9 kann beispielsweise ein Automobilunternehmen jetzt die Komponenten eines Aluminiumgemischs separat als abgesichertes Risiko definieren, die auch tatsächlich durch Derivate abgesichert werden.

Ob unter den neuen Regelungen tatsächlich alles besser wird, kann erst die praktische Anwendung zeigen. Ein Schritt in die richtige Richtung ist auf jeden Fall gemacht! Mit Spannung erwartet die Gruppe der IFRS-Follower auch neue Regelungen zum Makro Hedge Accounting. Um die Anwendung von IFRS 9 nicht länger zu verzögern, hat der IASB diese allerdings in ein separates Projekt ausgelagert.

 

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