Neuer Standard zur Umsatzrealisierung veröffentlicht

Der IASB hat am 28. Mai – zeitgleich mit dem FASB – seinen neuen Standard zur Umsatzrealisierung, IFRS 15 – Revenue from Contracts with Customers, veröffentlicht. Dem vor mehr als 10 Jahren initiierten Projekt gingen nach dem in 2008 publizierten Diskussionspapier zwei Entwürfe (2010 und 2011) voraus. Nicht zuletzt die mehr als 1.500 eingegangenen Comment Letter zeigen die Bedeutung, die dem Thema von den diversen Stakeholdern beigemessen wird. In zahlreichen Bereichen führten kontroverse Diskussionen zu erheblichen Modifikationen der ursprünglich angedachten Regelungen. Ziel des überarbeiteten Standards ist insbesondere auch die bisher teilweise recht rudimentären Regelungen in IFRS einerseits und die sehr detaillierten und teils industriespezifischen Regelungen unter US GAAP andererseits zu vereinheitlichen und somit die Transparenz und Vergleichbarkeit der Finanzinformationen zu erhöhen.

Das neue Modell sieht ein fünfstufiges Schema vor. Danach sind zunächst der Kundenvertrag sowie die darin enthaltenen Leistungsverpflichtungen zu identifizieren. Sodann ist das hierfür vereinbarte Entgelt zu ermitteln und den separaten Leistungsverpflichtungen zuzuschlüsseln. Am Ende ist – dem neuen Grundprinzip folgend – für jede Leistungsverpflichtung Umsatz zu erfassen, sobald die vereinbarte Leistung erbracht bzw. dem Kunden die Verfügungsmacht daran übertragen wurde.

Hierbei wird zwischen zeitpunktbezogenen Leistungen (bspw. die Übergabe einer Ware) und zeitraumbezogenen Leistungen (bspw. die Erbringung einer Dienstleistung) differenziert. Bemerkenswert erscheint, dass zum letztgenannten Fall eigenständige Kriterien entwickelt wurden, nach denen zu bestimmen ist, ob eine zeitraumbezogene Leistung i.S.d. Standards vorliegt. Diese können je nach konkreter Ausgestaltung dazu führen, dass bspw. auch bestimmte Fertigungsaufträge hierunter zu subsumieren sind – mit der Folge, dass ähnlich dem bisherigen Verfahren (sog. percentage-of-completion method) auch künftig eine dem Leistungsfortschritt entsprechende Umsatzrealisierung möglich ist.

So einfach das Ermittlungsschema sowie das den Umsatz letztlich auslösende Kriterium auf den ersten Blick auch scheinen mag, so steckt doch der Teufel im Detail. Schließlich enthält der Standard zu sämtlichen Schritten des Ermittlungsschemas zahlreiche Kriterien und Hinweise, die für die künftige Umsatzrealisierung ausschlaggebend sein können. Hierzu zählen bspw. Regelungen zu variablen Entgeltbestandteilen, Vertragsmodifikationen, Rückgaberechten u.v.m. Schon der Umfang von 87 Seiten für den Standard und die Implementation Guidance, weiteren 175 Seiten für die Basis for Conclusions sowie zusätzlich 63 Anwendungsbeispiele verdeutlichen die Komplexität in der praktischen Implementierung. Neben den damit verbundenen bilanziellen Fragestellungen sind insbesondere in bestimmten Branchen erhebliche Herausforderungen bei der praktischen Implementierung nebst umfangreichen Anpassungen der unternehmensinternen Prozesse und Systeme zu erwarten.

Die Neuregelung ist für am oder nach dem 1. Januar 2017 beginnende Geschäftsjahre anzuwenden; eine freiwillige vorzeitige Anwendung ist erlaubt – beides vorbehaltlich einer fristgerechten Übernahme seitens der EU.

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