Überarbeitung der Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften für Finanzinstrumente abgeschlossen

Der IASB hat heute mit dem Abschluss seines Projekts zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten neben den Regeln zu Wertminderungen auch die überarbeiteten Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften des IFRS 9 veröffentlicht. In der EU ist IFRS 9 in der ursprünglich bereits 2009 erlassenen Version mangels Übernahme noch nicht anwendbar. Außerhalb der EU sind die Vorschriften dagegen in vielen Ländern bereits umgesetzt worden und in Bezug auf ihre praktische Anwendbarkeit auf erhebliche Kritik gestoßen. Folgerichtig sah sich der Standardsetzer gezwungen, Änderungen vorzunehmen. Darüber hinaus bot dies auch die Gelegenheit, stärker als bislang die Zusammenhänge mir den geplanten Bilanzierungsvorschriften für Versicherungen sowie Aspekte der Konvergenz mit US-GAAP zu berücksichtigen.

Kern der Überarbeitung ist die Einführung einer zusätzlichen Bewertungskategorie für Schuldinstrumente. Standen dem Bilanzierenden für die Klassifizierung bisher lediglich die beiden Kategorien „fortgeführte Anschaffungskosten“ und „zum beizulegenden Zeitwert mit Wertänderungen im Gewinn oder Verlust“ zur Verfügung, so ist künftig auch eine Einstufung in die Kategorie „zum beizulegenden Zeitwert mit Wertänderungen im sonstigen Ergebnis (FVOCI)“ möglich. Eine solche Klassifizierung setzt voraus, dass ein Portfolio von Schuldinstrumenten einem Geschäftsmodell unterliegt, das sowohl das Halten zur Erzielung der vertraglichen Zahlungsströme als auch das Verkaufen vorsieht. Zusätzlich ist wie bislang bei der Kategorie „zu fortgeführten Anschaffungskosten“ der sogenannte Cashflow-Test zu erfüllen. Mit der Erfassung der Wertänderungen im sonstigen Ergebnis ist diese neue Kategorie mit der bisherigen Kategorie „zur Veräußerung verfügbar (afs)“ des IAS 39 vergleichbar. Hinsichtlich der Einführung dieser dritten Bewertungskategorie dürfte in der Praxis mit erheblichen Auslegungs- und Abgrenzungsschwierigkeiten zu rechnen sein.

Zudem wurde in diesem Zusammenhang für das Geschäftsmodell „Halten“, das bei bestandenem Cashflow-Test eine Bewertung der Vermögenswerte zu fortgeführten Anschaffungskosten vorsieht, klargestellt, dass Verkäufe nur in Ausnahmefällen mit den Grundprinzipien dieses Modells vereinbar sind. Folglich dürften beispielsweise die Liquiditätsportfolien der Banken künftig typischerweise nicht der Kategorie „zu fortgeführten Anschaffungskosten“, sondern der neuen Kategorie FVOCI zuzuordnen sein.

Weiterhin hat der IASB die Gelegenheit genutzt, den bereits angesprochenen Cashflow-Test in einigen Punkten zu erleichtern. Danach sind nicht mehr alle Elemente eines Instruments schädlich, die eine Modifikation der Zahlungsströme in Form von Zins- und Tilgungszahlungen bewirken. Lediglich solche, die zu einer mehr als wesentlichen Abweichung im Vergleich zu einem Idealinstrument ohne diese Elemente führen, ziehen eine ergebniswirksame Zeitwertbewertung nach sich.

Vergleicht man die nun vorliegenden finalen Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften des IFRS 9 mit denen seines Vorgängerstandards IAS 39, so muss aus unserer Sicht schon kritisch hinterfragt werden, ob der IASB sein ursprüngliches Ziel einer weniger komplexen Bilanzierung von Finanzinstrumenten erreicht hat.

IFRS 9 ist für am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnende Geschäftsjahre anzuwenden, eine freiwillige vorzeitige Anwendung ist erlaubt – beides vorbehaltlich einer fristgerechten Übernahme seitens der EU.

 

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