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IDW-Verlautbarung zur Amortised-cost-Bilanzierung bestimmter Forderungen und Verbindlichkeiten in der Handelsbilanz

Am 8. Oktober 2014 wurde in den IDW-Fachnachrichten über die 237. Sitzung des Hauptfachausschusses (HFA) des IDW berichtet. Danach gelangte der HFA zur der Auffassung, dass es nicht zu beanstanden sei, die für Zero-Bonds geltenden Grundsätze einer amortised-cost-Bilanzierung nach Maßgabe der Effektivzinsmethode auch auf andere zinstragende (verbriefte oder unverbriefte) Forderungen und Verbindlichkeiten anzuwenden, deren Ausgabebetrag bzw. Anschaffungskosten unterhalb des Einlösungs-/Nennbetrags bzw. Erfüllungsbetrags am Ende der Laufzeit liegt.

Für derartige Forderungen entsprach dies schon in der Vergangenheit grundsätzlich der herrschenden Meinung. Wird danach bspw. ein unterverzinsliches Darlehen gewährt, ist es grundsätzlich sachgerecht, den aktivierten Barwert über die Laufzeit nach der Effektivzinsmethode ertragswirksam aufzuzinsen.

Für derartige Verbindlichkeiten wurde es vielfach für zweifelhaft gehalten, ob ihr Ansatz zum Ausgabebetrag, verbunden mit ihrer anschließenden sukzessiven aufwandswirksamen Aufzinsung zulässig ist, weil Verbindlichkeiten handelsrechtlich zum Erfüllungsbetrag passiviert werden müssen. Dieser muss allerdings nicht als Erfüllungsbetrag am Ende der Laufzeit der Verbindlichkeit, sondern kann auch als Ausgabebetrag zuzüglich der bis zum Abschlussstichtag entstandenen Zinsschuld interpretiert werden. Evtl. Zweifel an der Zulässigkeit dieser Begriffsauslegung und damit an der Nettobilanzierung derart „nominell unterverzinslicher“ Verbindlichkeiten (anstelle der Aktivierung eines Disagios) wurden mit der IDW-Verlautbarung beseitigt.

Präzisierte Erläuterungen der Mustertabellen für die Vorstandsvergütung nach dem Deutschen Corporate Governance Kodex veröffentlicht

Die Empfehlung des Deutschen Corporate Governance Kodex, die individuelle Vorstandsvergütung in Form zweier Mustertabellen – zum einen die gewährten Zuwendungen, zum anderen die Zuflüsse – im (Konzern-)Lagebericht darzustellen, tritt erstmals für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2013 beginnen, in Kraft.

In diesem Zusammenhang wurden die Erläuterungen zu den Mustertabellen, die sich in der Anlage zum Kodex befinden, im Juni 2014 präzisiert und die aktualisierte Fassung des Kodex am 30. September 2014 im Bundesanzeiger veröffentlicht.

Die Klarstellungen, die ab sofort beachtet werden sollen, betreffen insbesondere folgende Themen:

  • Abbildung von aufzuschiebenden Anteilen aus einjährigen variablen Vergütungen (Deferrals),
  • Vereinheitlichung des Ausweiszeitpunkts von einjährigen und mehrjährigen variablen Vergütungen in der „Zufluss-Tabelle“,
  • Hinzurechnung von Leistungen Dritter zu den einzelnen Vergütungskomponenten.

Die Mustertabellen selbst sowie der Text des Kodex sind im Vergleich zum Kodex 2013 unverändert geblieben.

IFRS 13 – Level-Zuordnung von Preisen, die von Preisserviceagenturen zur Verfügung gestellt werden

Für die Fair Value-Ermittlung von Vermögenswerten und Schulden nach IFRS 13 dürfen als Inputfaktoren auch Preise verwendet werden, die von Preisserviceagenturen wie Reuters oder Bloomberg zur Verfügung gestellt werden. Strittig ist in der Praxis jedoch die Zuordnung solcher Preise in die Fair Value-Hierarchie des IFRS 13.

Hierzu wurde kürzlich eine Anfrage an das IFRS IC gerichtet, welches diese Fragestellung in seiner Sitzung am 16./17. September 2014 diskutierte (zum IFRIC Update vom September 2014).

Aus Sicht des IFRS IC sind die bestehenden Regelungen des IFRS 13 hinsichtlich der Level-Zuordnung solcher von Dritten gestellten Preise ausreichend. Das IFRS IC hat sich dahingehend geäußert, dass Preise, die von Dritten zur Verfügung gestellt werden, nur dann in Level 1 der Fair Value-Hierarchie eingeordnet werden dürfen, wenn der von der Preisserviceagentur gestellte Preis einen nicht angepassten Preis für ein identisches Finanzinstrument darstellt, das an einem aktiven Markt notiert ist. Bedingung ist dabei, dass das bilanzierende Unternehmen am Bewertungsstichtag Zugang zu diesem aktiven Markt hat.

Das IFRS IC stellt damit klar, dass ein von Dritten gestellter Preis nicht automatisch einen Level 1-Inputfaktor darstellt. Vielmehr muss das bilanzierende Unternehmen prüfen, ob dieser Preis die oben genannten Bedingungen erfüllt, um eine Zuordnung in Level 1 der Fair Value-Hierarchie vornehmen zu können.

EU-Richtlinie über die Offenlegung nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen verabschiedet

Im April 2014 hatte das Europäische Parlament die EU-Richtlinie zur Erweiterung der Berichterstattung von bestimmten großen Unternehmen und Konzernen hinsichtlich nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen („Corporate Social Responsibility“) verabschiedet. Am 29. September 2014 hat auch der Rat der EU mit großer Mehrheit für die neuen Regelungen gestimmt. Damit steht einem Inkrafttreten der neuen EU-Richtlinie nach ihrer Veröffentlichung im EU-Amtsblatt – voraussichtlich noch in diesem Jahr – nichts mehr im Weg.

Die EU-Richtlinie erweitert die Berichterstattung von Unternehmen künftig in zweierlei Hinsicht:

  • Unternehmen oder Konzerne von öffentlichem Interesse (insb. kapitalmarktorientierte Unternehmen) mit mehr als 500 Mitarbeitern haben eine sog. (konsolidierte) nichtfinanzielle Erklärung in den (Konzern-)Lagebericht aufzunehmen. In diesem sind das Geschäftsmodell des Unternehmens, die Strategien, erzielten Ergebnisse und Risiken im Zusammenhang mit den Themen Umwelt, Soziales, Arbeitnehmer, Menschenrechte und Korruptionsbekämpfung sowie die wichtigsten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren anzugeben.
  • Die Erklärung zur Unternehmensführung, die insb. von börsennotierten Aktiengesellschaften abzugeben ist, ist um Angaben zur Diversitätsstrategie (Ziele, Umsetzung und Ergebnisse) im Zusammenhang mit den Leitungs- und Aufsichtsorganen zu erweitern. Zu berichten ist bspw. über Aspekte wie Alter, Geschlecht, Ausbildung und beruflichen Hintergrund der Organmitglieder.

Die EU-Richtlinie ist von den Mitgliedstaaten zwei Jahre nach ihrem Inkrafttreten in nationales Recht umzusetzen. Damit ist sie voraussichtlich erst in Geschäftsjahren, die nach dem 31. Dezember 2016 beginnen, erstmals verpflichtend anzuwenden.

IASB stellt die Anwendung der Angabepflichten des IFRS 7 für servicing contracts klar

IFRS 7 fordert bei Übertragungen finanzieller Vermögenswerte (z.B. bei Verkauf von Forderungen im Rahmen einer Factoring-Vereinbarung) umfassende Anhangangaben, selbst dann, wenn der Vermögenswert nach IAS 39 auszubuchen ist. Insbesondere muss der Verkäufer angeben, inwiefern auch nach der Übertragung in Bezug auf den Vermögenswert bestimmte Rechte oder Verpflichtungen zurückbehalten wurden bzw. neu entstanden sind (bspw. Ausfallgarantien). Der Standard verwendet für diese Rechte bzw. Pflichten den Begriff „continuing involvement“. Zu beachten ist, dass der Begriff „continuing involvement“ in IFRS 7 mit einer anderen Bedeutung verwendet wird als in IAS 39. Mit seinen am 25. September 2014 veröffentlichten Änderungen des IFRS 7 im Rahmen der sog. „Annual Improvements“ stellt der IASB klar, inwieweit diese Angabepflichten auch auf servicing contracts anzuwenden sind. Auf Basis eines servicing contracts übernimmt ein Forderungsverkäufer weiterhin bspw. den Forderungseinzug, das Mahnwesen oder die Debitorenbuchhaltung für die veräußerten Forderungen.

Auf Basis der bestehenden Regelungen herrschte Unklarheit, ob servicing contracts ein continuing involvement für Zwecke der Anwendung der Angabevorschriften nach IFRS 7.42E-42H darstellen oder ob sie durch IFRS 7.42C(c) aus dem Anwendungsbereich dieser Angabepflichten ausgeschlossen werden. Nach IFRS 7.42C(c) sind Vereinbarungen, wonach ein Unternehmen weiterhin Zahlungen aus den veräußerten Vermögenswerten erhält, sich aber zur Weiterleitung dieser Zahlungen verpflichtet hat, kein continuing involvement.

Der IASB stellt nun klar, dass die Weiterleitung von Zahlungen für sich allein kein continuing involvement für Zwecke der Angabevorschriften darstellt. Ein servicing contract ist aber dann ein continuing involvement im Sinne des IFRS 7, wenn das veräußernde Unternehmen noch einen Anteil an den Chancen oder Risiken aus der Performance der verkauften Forderungen hat. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Höhe und/oder der Zahlungszeitpunkt der Servicing-Gebühr von der Höhe und/oder dem Zahlungszeitpunkt der eingehenden Zahlungen auf die übertragenen Forderungen abhängen.

Die Änderungen sind erstmals für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2016 prospektiv oder freiwillig rückwirkend anzuwenden.

Neuer Entwurf einer IDW-Verlautbarung zur handelsrechtlichen Behandlung von Kreditderivaten veröffentlicht

Am 11. September 2014 wurde der Entwurf einer Neufassung der Stellungnahme des Bankenfachausschusses des IDW zur handelsrechtlichen Behandlung von Kreditderivaten im Nichthandelsbestand (IDW ERS BFA 1 n.F.) veröffentlicht. Deren Ausführungen gelten – abgesehen von geschäftszweigspezifischen Besonderheiten – für alle Kaufleute entsprechend.

Im Unterschied zur bisherigen Fassung der Stellungnahme ist für die handelsrechtliche Behandlung beim Sicherungsgeber und beim Sicherungsnehmer künftig danach zu unterscheiden, ob es sich bei dem Finanzinstrument um ein

  • freistehendes Kreditderivat handelt, beim Sicherungsgeber darüber hinaus, ob es einer gestellten Kreditsicherheit vergleichbar ist, oder um eine
  • erhaltene Kreditsicherheit bei Sicherungsnehmer, darüber hinaus, ob das Kreditderivat bei diesem in eine Bewertungseinheit nach § 254 HGB einbezogen wird oder nicht.

Darüber hinaus trägt die Neufassung der Stellungnahme in stärkerem Umfang als bisher den jeweiligen Besonderheiten der typischen Kreditderivate – Credit Default Swaps, Total Return Swaps und Credit Linked Notes – Rechnung, u.a. hinsichtlich der handelsrechtlichen Behandlung von Ausgleichszahlungen.

Der Entwurf der Verlautbarung ist auf der Homepage des IDW verfügbar. Es besteht die Möglichkeit zur Stellungnahme bis zum 30. Januar 2015.

Neue Standardänderungen beseitigen Inkonsistenz zwischen IFRS 10 und IAS 28

Der IASB hat gestern Änderungen an IFRS 10 „Konzernabschlüsse“ und IAS 28 „Anteile an assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmens“ veröffentlicht.

Hierdurch wird eine bislang bestehende Inkonsistenz zwischen den Standards im Hinblick auf die Erfassung von Gewinnen und Verlusten, die sich aus einer Veräußerung von Vermögenswerten eines Investors an eines seiner assoziierten Unternehmen oder Gemeinschaftsunternehmen (bzw. Einbringung in diese Unternehmen) ergibt, beseitigt. Nicht thematisiert wird eine derartige Veräußerung bzw. Einbringung in eine gemeinschaftliche Tätigkeit (Joint Operation).

Aus den neuen Regelungen ergibt sich, dass zukünftig Gewinne oder Verluste aus dem Verlust der Beherrschung über ein Tochterunternehmen, welches in ein assoziiertes oder Gemeinschaftsunternehmen eingebracht wird, in voller Höhe beim Investor zu erfassen sind, wenn die Transaktion einen Geschäftsbetrieb (business) im Sinne des IFRS 3 „Unternehmenszusammenschlüsse“ betrifft. Sofern die Transaktion jedoch Vermögenswerte betrifft, welche keinen Geschäftsbetrieb darstellen, wird lediglich der anteilige Erfolg (in Höhe des Anteils der anderen Investoren) erfasst.

Die Änderungen sind – vorbehaltlich eines noch zu erfolgenden EU-Endorsements – erstmals prospektiv in Berichtsperioden anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen. Eine frühere, freiwillige Anwendung ist zulässig.

Neuer Entwurf einer IDW-Verlautbarung zur Bewertung von Immobilien des Anlagevermögens in der Handelsbilanz

Am 8. September 2014 wurde der Entwurf einer Stellungnahme des Immobilienwirtschaftlichen Fachausschusses des IDW zur Zugangs- und Folgebewertung von Immobilien des Anlagevermögens in der Handelsbilanz (IDW ERS IFA 2) veröffentlicht. Die Stellungnahme soll zwei bisherige Stellungnahmen des Wohnungswirtschaftlichen Fachausschusses des IDW zu speziellen Fragen der Folgebewertung von Wohngebäuden (IDW St./WFA 1/1993 und IDW RS WFA 1) ersetzen.

Der Entwurf regelt u.a. Folgendes:

  • Wie bisher sind Grund und Boden einerseits sowie Gebäude andererseits, sofern sie dem Anlagevermögen zugeordnet sind, unabhängig voneinander anzusetzende und zu bewertende Vermögensgegenstände.
  • Wird für den Erwerb eines bebauten Grundstücks nur ein Gesamtkaufpreis vereinbart, ist dieser grundsätzlich nach dem Verhältnis der intersubjektiv nachprüfbaren Werte (Verkehrswerte) von Grund und Boden sowie Gebäude zueinander aufzuteilen. Die bisherigen Stellungnahmen enthielten dazu keine Aussagen.
  • Für die Frage der Ermittlung des beizulegenden Werts für Zwecke der außerplanmäßigen Abschreibung von Grund und Boden einerseits und Gebäude andererseits wird nun explizit nach der Verwertungsabsicht unterschieden. Besteht die Absicht, die Immobilie dauerhaft zu nutzen, ist für die Ermittlung der beizulegenden Werte auf den subjektiven Immobilienwert abzustellen. Dabei sind die auf den individuellen Nutzungsmöglichkeiten des Bilanzierenden basierenden Synergieeffekte zu berücksichtigen. Besteht die Absicht, die Immobilie zu verkaufen, ist sie für Zwecke der Bewertung wie ein einheitlicher Vermögensgegenstand zu behandeln, und es sind die für Umlaufvermögen geltenden Bewertungsgrundsätze entsprechend anzuwenden. Der beizulegende Wert ist in diesem Fall aus dem intersubjektiv nachprüfbaren Immobilienwert (Verkehrswert) abzuleiten.

Der Entwurf der Verlautbarung ist auf der Homepage des IDW verfügbar. Es besteht die Möglichkeit zur Stellungnahme bis zum 15. März 2015.

IFRS IC diskutiert Anwendungsfragen zu IFRS 11 „Gemeinsame Vereinbarungen“

Das IFRS IC hat im Rahmen seiner Juli-Sitzung verschiedene Anwendungsfragen zu IFRS 11 „Gemeinsame Vereinbarungen“ diskutiert. Dabei konstatierte es eine hohe, sich aus informellen Anfragen ergebende Übereinstimmung mit seiner Auffassung, wonach IFRS 11 in den Abschlüssen der an einer gemeinschaftlichen Tätigkeit beteiligten Parteien, nicht aber im Abschluss der gemeinschaftlichen Tätigkeit selbst (sofern ein solcher zu erstellen ist) anzuwenden ist. Darüber hinaus stellte es fest, dass:

  • eine gemeinschaftliche Tätigkeit nur dann vorliegt, wenn die Parteien sowohl direkte Rechte an den der Vereinbarung zuzurechnenden Vermögenswerten als auch direkte Verpflichtungen für deren Schulden haben,
  • zwei gleichartige gemeinsame Vereinbarungen unterschiedlich zu klassifizieren sein können, je nachdem, ob sie in einer Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit (Trennung zwischen Gesellschafts- und Gesellschafterebene), strukturiert sind oder nicht,
  • im Falle einer gemeinschaftlichen Tätigkeit, deren gesamter Output von den beteiligten Parteien abgenommen wird
  • – die beteiligten Parteien ihren Anteil an den Umsatzerlösen der gemeinschaftlichen Tätigkeit nicht als externe Umsatzerlöse ausweisen dürfen und
    – es bei Abweichungen des rechtlichen Eigentumsanteils und der Abnahmequote, für die sachgerechte Bilanzierung auf die Würdigung der jeweiligen vertraglichen Vereinbarungen ankommt.
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