Accounting Aktuell Blog

Gesetz zur Umsetzung der ESEF-Verordnung vom Bundestag verabschiedet

In seiner Sitzung am 18. Juni 2020 hat der Bundestag das Gesetz zur Umsetzung der ESEF-Verordnung der Europäischen Kommission in nationales Recht in der Fassung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz verabschiedet. Danach wird zum einen die ESEF-Verordnung als „Offenlegungslösung mit Prüfungspflicht umgesetzt. Zum anderen gilt danach § 291 HGB in der Fassung des ARUG II unmittelbar – und nicht erst für nach dem 31. Dezember 2020 beginnende Geschäftsjahre. Ich habe darüber in meinem Blogbeitrag vom 18. Juni 2020 berichtet.

Als nächstes wird der Gesetzesentwurf im Bundesrat behandelt. Überraschungen sind keine zu erwarten.

Wertminderungen von Finanzinstrumenten nach IFRS 9 im Zwischenabschluss von Kreditinstituten zum 30. Juni 2020 – BFA äuĂźert sich zu den Auswirkungen der Corona-Krise

Der Bankenfachausschuss des IDW (BFA) hatte im März einen Fachlichen Hinweis zu den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Wertminderungen von Finanzinstrumenten nach IFRS 9 im Quartalsabschluss von Banken zum 31. März 2020 veröffentlicht (Link).

Im heute hierzu veröffentlichten Update stellt der BFA fest, dass die darin getroffenen Aussagen grundsätzlich auch für Zwischenberichte zum 30. Juni 2020 gelten. Danach:

  • fĂĽhrt die Corona-Krise nicht zu einem automatischen Stufentransfer von Finanzinstrumenten von Stufe 1 in Stufe 2 oder 3. Umgekehrt ist es aber auch nicht sachgerecht, Kreditforderungen trotz der Corona-Krise undifferenziert in Stufe 1 zu belassen.
  • ist bei der Ermittlung der Wertminderungen zum 30. Juni 2020 zu berĂĽcksichtigen, dass es im Vergleich zur Erstellung der QuartalsabschlĂĽsse zum 31. März 2020 nunmehr wahrscheinlicher und damit weniger unsicher ist, dass die Krise noch länger andauern wird. Diese veränderten Kenntnisse ĂĽber die wahrscheinliche kĂĽnftige wirtschaftliche Entwicklung mĂĽssen mit in die Berechnungsmodelle (makroökonomische Szenarien und deren Gewichtung) einflieĂźen. Vor diesem Hintergrund ist nach Auffassung des BFA davon auszugehen, dass sich die bilanzielle Risikovorsorge nach IFRS 9 zum 30. Juni 2020 erhöhen wird.
  • sind bestehende Kreditrisikomodelle daraufhin zu untersuchen, ob die auf ihrer Basis ermittelte Risikovorsorge (einschlieĂźlich der Vorgehensweise zum Stufentransfer von Finanzinstrumenten) angepasst werden mĂĽssen (sog. Post Model Adjustments), um die aktuellen Entwicklungen angemessen widerzuspiegeln. Bei ggf. vorgenommenen Modellanpassungen ist der temporäre Charakter der Corona-Krise zu beachten.

Daneben betont der BFA – wie auch die ESMA (siehe hierzu den Blogbeitrag meines Kollegen Andreas Bödecker vom 22. Mai 2020) die Notwendigkeit transparenter Angaben, die es den Abschlussadressaten ermöglichen, die Einschätzungen des Management nachzuvollziehen und sich ein zutreffendes Bild von der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Finanzinstituts zu machen.

EU-Taxonomie-Verordnung: Erweiterte Angabepflichten fĂĽr die nichtfinanzielle Berichterstattung

Nach einigen Verzögerungen hat das Europäische Parlament heute die sog. Taxonomie-Verordnung verabschiedet, welche ein einheitliches Klassifikationssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten in der EU einführt und Finanzmarktteilnehmern sowie Unternehmen neue Informations- und Berichtspflichten zur Nachhaltigkeit auferlegt. Die Verordnung tritt nach Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft.

Künftig müssen (Mutter-)Unternehmen, die zur nichtfinanziellen (Konzern-)Berichterstattung nach der sog. CSR-Richtlinie (EU-Richtlinie 2014/95/EU) verpflichtet sind, angeben, wie und in welchem Umfang ihre Tätigkeiten mit als ökologisch nachhaltig einzustufenden „grünen“ Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind. Zudem geben Nicht-Finanzunternehmen den Anteil ihrer „grünen“ Umsatzerlöse und den Anteil ihrer „grünen“ Investitions- und Betriebsausgaben an. Über diese neuen Angabepflichten habe ich in meinem Blogbeitrag vom 20. April 2020 berichtet.

Damit ergeben sich bereits vor der geplanten Ăśberarbeitung der CSR-Richtlinie (siehe dazu der Blogbeitrag vom 21. Februar 2020) erweiterte Berichtspflichten in der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen, und zwar unmittelbar aus der Taxonomie-Verordnung.

Bereits Ende letzter Woche hat die Europäische Kommission FAQs zur Taxonomie-Verordnung veröffentlicht. Auf dieser Grundlage ist davon auszugehen, dass die erweiterten Berichtspflichten für Unternehmen, die unter die CSR-Richtlinie fallen, in Bezug auf die Umweltziele „Klimaschutz“ und „Anpassung an den Klimawandel“ bereits für alle Veröffentlichungen von nichtfinanziellen Berichterstattungen nach der CSR-Richtlinie ab dem 1. Januar 2022 gelten. Unternehmen mit beispielsweise Abschlussstichtag 31. Dezember 2021, die entsprechend der deutschen Regelung ihre nichtfinanzielle Berichterstattung bis spätestens vier Monate nach dem Abschlussstichtag veröffentlichen müssen, sind demnach nach aktuellem Kenntnisstand von der neuen Regelung betroffen und müssen die Taxonomie-Verordnung faktisch ab dem 1. Januar 2021 anwenden.

Die Umsetzungsfrist für die neuen Berichtspflichten ist knapp bemessen, denn zentrale Fragen zur Konkretisierung der neuen Berichtspflichten werden erst mit Verabschiedung eines delegierten Rechtsakts durch die Europäische Kommission geklärt werden. Dies soll bis spätestens 1. Juni 2021 erfolgt sein.

Die Taxonomie-Verordnung verpflichtet die Europäische Kommission zudem, bis zum 31. Dezember 2021 Bestimmungen zur Erweiterung der Taxonomie u.a. im Hinblick auf

  • Wirtschaftstätigkeiten mit nachteiligen Auswirkungen auf die ökologische Nachhaltigkeit („braune“ Taxonomie)
  • andere Nachhaltigkeitsziele wie soziale Ziele

zu veröffentlichen.

Ich werde Sie auf dem Laufenden halten.

Vorzeitige Anwendung des § 291 HGB: Überraschung im Bericht des Rechtsausschusses zur Umsetzung der ESEF-Verordnung

Die Umsetzung der sogenannten ESEF-Verordnung der EU-Kommission in das nationale Recht ist auf der Zielgeraden. Gestern wurde die Beschlussempfehlung und der Bericht des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz zum Regierungsentwurf des Umsetzungsgesetzes veröffentlicht. Heute stimmt der Bundestag über den Gesetzesentwurf in der Fassung des Rechtsausschusses ab.

Überraschungen waren im Bericht des Rechtsausschusses nicht zu erwarten und sind hinsichtlich der Umsetzung der ESEF-Verordnung auch nicht eingetreten. Das bedeutet, dass es bei der „Offenlegungslösung“ mit Prüfungspflicht geblieben ist: WpHG-Inlandsemittenten müssen für nach dem 31. Dezember 2019 beginnende Geschäftsjahre ihre Rechnungslegungsunterlagen ESEF-konform offenlegen, und die für Zwecke der ESEF-konformen Offenlegung wiedergegebenen Abschlüsse und Lageberichte sind durch den Abschlussprüfer zu prüfen. Ich habe darüber in meinem Blogbeitrag vom 24. Januar berichtet.

Eine Überraschung gibt es aber doch – eine Klarstellung zum ARUG II. Der Rechtsausschuss empfiehlt, dass § 291 HGB in der Fassung des ARUG II unmittelbar – und damit wie der neue § 292 HGB ohne Übergangsfrist – anzuwenden ist. Tritt das Gesetz wie empfohlen in Kraft, ist es damit für Teilkonzern-Mutterunternehmen mit einem übergeordneten Mutterunternehmen mit Sitz in der EU oder dem EWR unmittelbar zulässig, auf die Aufstellung, Prüfung und Offenlegung eines Konzernabschlusses und -lageberichts auch dann zu verzichten, wenn das überordnete Mutterunternehmen die gesetzlich geforderten Unterlagen in englischer (und nicht in deutscher) Sprache offenlegt. Bislang konnte diese Erleichterung erstmals für nach dem 31. Dezember 2020 beginnende Geschäftsjahre in Anspruch genommen werden.

Folge 14 der PwC Accounting and Reporting Talks online

Ein neuer Beitrag unserer Webcast-Reihe „PwC Accounting and Reporting Talks“ ist online. Als Reaktion auf die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Bilanzierung von Leasingverhältnissen nach IFRS hat der IASB am 28. Mai 2020 eine Erleichterung für Leasingnehmer verabschiedet. Karsten Ganssauge und Dr. Holger Meurer erläutern den Hintergrund für diese Änderung und wie Leasingnehmer von dieser Änderung profitieren.

Neugierig? Dann schauen Sie rein, auf unserer Homepage oder auf YouTube[, wie immer nur das Wesentliche, auf den Punkt gebracht. Weitere Informationen dazu finden Sie auch in unserem IFRS Direkt.

Ermittlung erwarteter Kreditverluste – Welche Fragen sollten PrĂĽfungsausschĂĽsse stellen?

Der Ausbruch des Coronavirus (COVID-19) und die zu seiner Eindämmung ergriffenen Maßnahmen hatten und haben einen erheblichen Einfluss auf die Kreditfähigkeit vieler Unternehmen und die mit der Schätzung erwarteter Kreditverluste (ECL) verbundenen Unsicherheiten. Im Ergebnis mussten Banken ihre Prozesse zur Schätzung der ECL nach IFRS 9 anpassen.

Ich möchte Sie hiermit auf eine Veröffentlichung aus dem PwC-Netzwerk hinweisen, die die 10 wichtigsten Fragen bereitstellt, die in diesem Zusammenhang von Prüfungsausschüssen oder CFOs von Banken gestellt werden sollten.

Sie erreichen die Publikation über folgenden Link:

Folge 13 der PwC Accounting and Reporting Talks online

Ein neuer Beitrag unserer Webcast-Reihe „PwC Accounting and Reporting Talks“ ist online – zu einem brandaktuellen Thema, den wichtigsten Bilanzierungsfragen rund um das Kurzarbeitergeld. Während die von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmer unter – seit März 2020 erleichterten – Voraussetzungen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben, steht den Arbeitgebern ein eigener Anspruch auf Erstattung von Sozialversicherungsbeiträgen zu. Dr. Peter Feige und Nina Schäfer zeigen die Unterschiede in der Bilanzierung dieser AnsprĂĽche auf und erläutern die Auswirkungen auf die IFRS- und HGB-AbschlĂĽsse der Unternehmen.

Neugierig? Dann schauen Sie rein, auf unserer Homepage oder auf YouTube, wie immer nur das Wesentliche, auf den Punkt gebracht.

IASB veröffentlicht Änderungen an IFRS 16 im Zusammenhang mit Covid-19

Wir hatten Sie in unserem Blog vom 24. April 2020  über geplante Ă„nderungen an IFRS 16 informiert, die Leasingnehmern die Bilanzierung von Mietzugeständnissen im Zusammenhang mit Covid-19 erleichtern sollen. Diese Ă„nderungen sind nunmehr heute mit einigen Anpassungen vom IASB veröffentlicht worden. Die Ă„nderung erlaubt es Leasingnehmern, auf die Beurteilung, ob ein Mietzugeständnis im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie in Bezug auf Leasingzahlungen, die ursprĂĽnglich bis zum 30. Juni 2021 fällig gewesen wären, eine „lease modification“ darstellt, zu verzichten und das Mietzugeständnis stattdessen so abzubilden, als handele es sich nicht um eine „lease modification“.
 
Erstmalig anzuwenden ist die Änderung in Perioden, die am oder nach dem 1. Juni 2020 beginnen, wobei eine vorzeitige Anwendung zulässig ist. Voraussetzung für die Anwendung in Deutschland ist ein rechtzeitiges Endorsement durch die EU.

DRSC verabschiedet DRS 28 zur Segmentberichterstattung

Unternehmen, die ihren HGB-Konzernabschluss freiwillig um eine Segmentberichterstattung erweitern, haben dabei derzeit DRS 3 zu beachten. Dieser Standard ist zwischenzeitlich umfassend überarbeitet worden. Am 29. Oktober 2019 wurde das Ergebnis dieser Überarbeitung als Entwurf eines neuen Standards – E-DRS 36 „Segmentberichterstattung“ – veröffentlicht. Ich hatte darüber in meinem Blogbeitrag vom 30. Oktober berichtet. Gestern hat das DRSC bekannt gegeben, dass der HGB-Fachausschuss des DRSC in seiner Sitzung am 12. Mai 2020 den finalen Standard als DRS 28 „Segmentberichterstattung“ verabschiedet hat.

DRS 28 liegt in seiner verabschiedeten Fassung noch nicht vor. Nach Aussagen des DRSC wurden in der verabschiedeten Fassung gegenüber der Entwurfsfassung vorwiegend redaktionelle Anpassungen vorgenommen. Inhaltliche Änderungen betreffen eine zusätzliche Regelung zur Zusammenfassung und Erläuterung zu „Alle sonstigen Segmente“ sowie die Empfehlung zur Angabe von Vorjahreszahlen.

Wird freiwillig eine Segmentberichterstattung erstellt, ist der neue Standard für Geschäftsjahre anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2020 beginnen. Eine frühere Anwendung wird empfohlen. Dafür muss der Standard durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz bekannt gemacht worden sein. Für diesen Zweck soll der Standard dem Ministerium zeitnah vorgelegt werden.

ESMA-Verlautbarung zur Zwischenberichterstattung 2020

In ihrer am 20. Mai veröffentlichten Verlautbarung führt die ESMA ihre Erwartungen an Zwischenabschlüsse nach IAS 34 und Zwischenlageberichte in 2020 vor dem Hintergrund der COVID- 19-Pandemie aus.

Im Einzelnen hebt die ESMA folgende Punkte hervor:

Zeitpunkt der Veröffentlichung von Halbjahresberichten
Aufgrund des Ziels der Zwischenberichterstattung, zeitnahe, relevante und zuverlässige Informationen bereitzustellen, fordert die ESMA die Unternehmen auf, die Veröffentlichung ihrer Halbjahresberichte trotz der derzeit schwierigen Situation nicht unangemessen zu verzögern. Zudem weist sie auf die Pflicht nach IAS 34.16A(h) hin, wesentliche nach der Zwischenberichtsperiode eingetretene Ereignisse, die im Zwischenabschluss nicht berücksichtigt wurden, anzugeben.

Halbjahresberichterstattung
Vorrangiges Ziel der Zwischenberichterstattung ist eine Aktualisierung der Informationen des letzten Jahresabschlusses. Das Hauptaugenmerk liegt daher auf neuen Tätigkeiten, Ereignissen und Umständen (IAS 34.6). Hinsichtlich des COVID-19-Ausbruchs erwartet die ESMA umfangreiche Erläuterungen und Aktualisierungen der Jahresabschlussinformationen in den Zwischenberichten.
Explizit verweist sie auf die Vorschriften des IAS 34.15ff. zur Erläuterung erheblicher Ereignisse und Geschäftsvorfälle (z. B. Angaben zur Abschreibung von Vorräten auf den Nettoveräußerungswert, zur Erfassung von Wertminderungen, zu Veränderungen im Unternehmensumfeld, die sich auf den Fair Value finanzieller Vermögenswerte und Schulden auswirken oder zu Kreditausfällen) sowie auf die allgemeinen Vorschriften des IAS 1.17 und .31, die ggf. zusätzliche Angaben erfordern, um Abschlussadressaten ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie Cashflows des Unternehmens als auch der Auswirkungen einzelner Geschäftsvorfälle/Ereignisse auf diese zu vermitteln. So könnten einige Informationen, die grds. nur für Jahresabschlüsse zwingend gefordert werden, nunmehr auch in den Zwischenberichten
angabepflichtig sein (z. B. Angaben zu Fördermaßnahmen, die die Einhaltung bestimmter Bedingungen erfordern).

Angaben zu wesentlichen Unsicherheiten, Going Concern und COVID-19 bezogenen Risiken
FĂĽr die meisten Unternehmen bestehen derzeit Unsicherheiten, die ein erhebliches Risiko von Anpassungen der Buchwerte von Aktiva und Passiva mit sich bringen. Daher sind nachfolgende Angaben im Zwischenbericht zu aktualisieren:

  •  IAS 1.125: Angaben zu den wichtigsten zukunftsbezogenen Annahmen sowie Angaben ĂĽber sonstige am Abschlussstichtag bestehende wesentliche Quellen von Schätzungsunsicherheiten
  • IAS 34.16A(d): Angaben zu Art und Umfang von Ă„nderungen bei Schätzungen von Beträgen, die in frĂĽheren Zwischenberichtsperioden des aktuellen Geschäftsjahres dargestellt wurden oder Ă„nderungen bei Schätzungen von Beträgen, die in frĂĽheren Geschäftsjahren dargestellt wurden

Bei Zweifeln am Going Concern sind Angaben nach IAS 1.25 zu den bestehenden Unsicherheiten erforderlich. Bei der Going Concern-Beurteilung erwartet die ESMA die BerĂĽcksichtigung aller verfĂĽgbaren zukunftsbezogenen Informationen ĂĽber einen Zeitraum von mindestens 12 Monaten nach dem Bilanzstichtag. Stark von COVID-19 betroffene Unternehmen, die weiter von Going
Concern ausgehen, haben Angaben zur Going Concern-Beurteilung, zugrunde gelegten Annahmen und dabei getroffenen erheblichen Ermessensentscheidungen zu machen.

Weitere Angabepflichten können sich aus IFRS 7 zu neuen finanziellen Risiken sowie aus IFRS 9 im Zusammenhang mit der Berechnung erwarteter Kreditverluste ergeben.

Wertminderung nicht-finanzieller Vermögenswerte
Die COVID 19-Auswirkungen dürften lt. ESMA i. d. R. Anhaltspunkte für die Wertminderung von Vermögenswerten i. S. v. IAS 36.9 und .12 mit sich bringen – mit der Folge der Notwendigkeit der Schätzung des erzielbaren Betrags betroffener Vermögenswerte und hiermit verbundener Anforderungen wie

  • sorgfältige Bestimmung von Cashflow-Projektionen ĂĽber einen relevanten Zeithorizont,
  • BerĂĽcksichtigung verschiedener Szenarien auf der Grundlage vernĂĽnftiger, realistischer Schätzungen und Annahmen,
  • Verwendung eines Abzinsungssatzes nach IAS 36.55.

Angaben zu den wesentlichen Ermessensentscheidungen und Annahmen bei der Schätzung des erzielbaren Betrages sind zu aktualisieren. Ebenso sind die Sensitivitätsanalysen anzupassen, z. B. durch Erweiterung der Bandbreite einer für möglich gehaltenen Änderung einer wesentlichen Annahme, auf der die Ermittlung des erzielbaren Betrages beruht.

Darstellung der COVID-19-bezogenen Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung
Eine gesonderte Darstellung der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in der Gewinn- und Verlustrechnung wird von der ESMA grds. nicht befĂĽrwortet. Stattdessen sollten Informationen (auch quantitativer Art) ĂĽber die wesentlichen Auswirkungen des COVID-19-Ausbruchs auf Posten der Gewinn- und Verlustrechnung in einer gesonderten Anhangangabe zusammenfassend dargestellt
werden.

Sonstige Angabeerfordernisse in Halbjahresberichten
Ergänzend erinnert die ESMA an die Einhaltung sonstiger IFRS-Anforderungen im Zwischenbericht. Explizit aufgeführt werden der Ansatz latenter Steuerforderungen und Steuererleichterungen (IAS 12), die Bewertung zum beizulegenden Zeitwert (IFRS 13), Rückstellungen und belastende Verträge (IAS 37) sowie Verbindlichkeiten aus Versicherungsverträgen. Auch die Entwicklungen in Bezug auf die Rechnungslegung für COVID-19-bezogene Mietzugeständnisse (siehe Blogbeitrag meines Kollegen Karsten Ganssauge zum Entwurf einer Änderung des IFRS 16) und das damit verbundene Endorsement-Verfahren soll von betroffenen Unternehmen überwacht werden.

Zwischenlagebericht
Für den Zwischenlagebericht empfiehlt die ESMA Informationen zu Zielen und Strategien, zum Geschäftsverlauf und der Lage (insb. der Finanzlage) sowie zur künftigen Entwicklung inklusive der Risiken, verbunden mit Angaben zu Annahmen und Schätzungen, die diesen Informationen zugrunde liegen. Darüber hinaus weist die ESMA darauf hin, dass sie die Fragen und Antworten zu ihren unverbindlichen Leitlinien zur Anwendung sogenannter Alternativer Leistungskennzahlen (APM) um
eine Frage ergänzt hat, wie die Auswirkungen der Corona-Krise auf APM dargestellt werden sollten. Mein Kollege Bernd Kliem hat darüber bereits in einem Blogbeitrag am 20. April berichtet. Ungeachtet dieser Empfehlungen sind bei der Aufstellung des Zwischenlageberichts die gesetzlichen Anforderungen (§§ 115 Abs. 4, 117 WpHG), konkretisiert durch DRS 16.34 ff. zu beachten.

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