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Folge 4 der PwC Accounting and Reporting Talks online

Der neueste Beitrag unserer Webcast-Reihe „PwC Accounting and Reporting Talks“ ist verfügbar – zu einem brandaktuellen Thema. Die Reform von EURIBOR, EONIA & Co. – auch als „IBOR-Reform“ bezeichnet – ist in aller Munde und betrifft eine Vielzahl von Finanzinstrumenten. In der Novemberausgabe unserer Webcast-Reihe erläutern Peter Flick und Christian Mertes, was sich hinter der Reform verbirgt und welche bilanziellen Folgen sich daraus ergeben, nach IFRS genauso wie nach HGB.

Neugierig? Dann schauen Sie rein, auf unserer Homepage oder auf YouTube, wie immer auf Deutsch und nur das Wesentliche, auf den Punkt gebracht.

IDW zu den handelsrechtlichen Auswirkungen der IBOR-Reform

EONIA, EURIBOR und andere IBOR-Zinssätze werden häufig als Referenzzinssätze für Finanzinstrumente – z.B. variabel verzinsliche Darlehen oder Zinsswaps – verwendet. Über die bevorstehende Änderung bzw. Ablösung dieser Zinssätze habe ich bereits in meinem Blogbeitrag vom 24. Januar 2019 berichtet.

Am 8. November wurde ein Rechnungslegungshinweis zu den handelsbilanziellen Folgen dieser sogenannten IBOR-Reform in der Zeitschrift „IDW Life“ veröffentlicht (IDW RH FAB 1.020), den der Fachausschuss Unternehmensberichterstattung des IDW zusammen mit dem Bankenfachausschuss des IDW verabschiedet hatte. Diese Verlautbarung enthält im Wesentlichen folgende Kernaussagen, die für alle Unternehmen gelten:

  • Eine Änderung des Referenzzinssatzes bei originären, variabel verzinslichen Finanzinstrumenten (z.B. Darlehen) führt nicht zu deren Ausbuchung.
  • Gleiches gilt für im Abschluss angesetzte derivative Finanzinstrumente (z.B. Zinsswaps).
  • Ändert sich der Referenzzinssatz bei (originären oder derivativen) Finanzinstrumenten, die in eine Bewertungseinheit einbezogen sind, bleibt die Bewertungseinheit grundsätzlich bestehen, es sei denn, sie ist nicht mehr prospektiv wirksam.
  • Etwaige Ausgleichsansprüche und -verpflichtungen infolge der Änderung des Referenzzinssatzes sind ergebnisneutral zu erfassen.

Ergänzend müssen Kreditinstitute eventuelle Änderungen der Zinszahlungsströme aufgrund der Änderung von Referenzzinssätzen bei der Rückstellungsermittlung im Rahmen der verlustfreien Bewertung des Bankbuchs berücksichtigen.

Damit halten sich die handelsbilanziellen Folgen der IBOR-Reform in der Regel in Grenzen.

Da der Rechnungslegungshinweis keinen konkreten Erstanwendungszeitpunkt enthält, ist er ab dem Veröffentlichungszeitpunkt in „IDW Life“ zu beachten.

IDW veröffentlicht überarbeitete Verlautbarung zu Anhangangaben zu Finanzinstrumenten

Am letzten Freitag hat das IDW bekannt gegeben, dass die überarbeitete Fassung einer Verlautbarung vom Hauptfachausschuss des IDW in seiner Sitzung am 8. Juni 2018 verabschiedet worden ist. Dabei handelt es sich um den Rechnungslegungshinweis zu den Anhangangaben nach § 285 Nr. 18, 19 und 20 HGB zu bestimmten Finanzinstrumenten bzw. zu den entsprechenden Angaben im Konzernanhang (IDW RH HFA 1.005).

Im Rahmen der Überarbeitung wurde insbesondere ein neuer Abschnitt zur Auslegung des durch das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz geänderten § 285 Nr. 20 HGB (Anhangangaben zu Finanzinstrumenten, die mit dem beizulegenden Zeitwert bewertet sind) eingefügt und dessen sachlicher Anwendungsbereich von den Angaben nach § 285 Nr. 19 HGB (Anhangangaben zu derivativen Finanzinstrumenten, die nicht zum beizulegenden Zeitwert bewertet sind) abgegrenzt. Danach fallen unter die Angabepflicht nach Nr. 20 ausschließlich Finanzinstrumente, für die sich der Bewertungsmaßstab „beizulegender Zeitwert“ ausdrücklich aus dem HGB ergibt, z.B. Vermögensgegenstände des Deckungsvermögens. Demgegenüber fallen unter die Angabepflicht nach Nr. 19 sämtliche derivativen Finanzinstrumente, die handelsrechtlich nach anderen Maßstäben bewertet werden, z.B. nicht in Bewertungseinheiten einbezogene Derivate, für die eine Drohverlustrückstellung zu passivieren ist.

Darüber hinaus wurden die Anhangangaben zu mit dem beizulegenden Zeitwert bewerteten Finanzinstrumenten inhaltlich konkretisiert, die Anforderungen an die übrigen, in der Verlautbarung behandelten Anhangangaben geringfügig überarbeitet sowie redaktionelle Änderungen vorgenommen.

Die überarbeitete Verlautbarung wird in Heft 7/2018 der Zeitschrift „IDW Life“ abgedruckt. Im Mitgliederbereich der Website des IDW ist eine Änderungsfassung im Vergleich zur bisherigen Fassung des IDW RH HFA 1.005 (Stand 24. November 2010) verfügbar.

Modifikation finanzieller Verbindlichkeiten – IASB bestätigt seine Auffassung

Der IASB hat in seiner Sitzung im Juli 2017 seine bisher vertretene Auffassung zur Bilanzierung modifizierter finanzieller Verbindlichkeiten bestätigt. Das IASB beschloss, eine diesbezügliche Klarstellung in die Basis for Conclusions zu IFRS 9 aufzunehmen.

Führt die Modifikation einer finanziellen Verbindlichkeit nicht zur Ausbuchung der Verbindlichkeit (sog. nicht-substanzielle Modifikation), sind nach Auffassung des IASB die Vorschriften des IFRS 9.B5.4.6 über Schätzungsänderungen von Cashflows von finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten anzuwenden. Demnach sind zum Zeitpunkt der Modifikation die fortgeführten Anschaffungskosten der Verbindlichkeit als Barwert der angepassten Cashflows der modifizierten Verbindlichkeit unter Anwendung des ursprünglichen Effektivzinssatzes zu ermitteln. Die Differenz zu den bisherigen fortgeführten Anschaffungskosten ist als Gewinn oder Verlust zu erfassen. Unternehmen, die nach IAS 39 eine hiervon abweichende Bilanzierungsmethode anwenden, müssen ihre Bilanzierungsrichtlinie zum Erstanwendungszeitpunkt von IFRS 9 (1. Januar 2018) retrospektiv umstellen. Der Umstellungseffekt kann in Übereinstimmung mit den Übergangsvorschriften zu IFRS 9 in den Gewinnrücklagen erfasst werden. Eine Anpassung der Vorjahreszahlen ist nicht erforderlich.

Diese Auffassung entspricht der zuletzt vom IFRS IC nach seiner Sitzung im Juni 2017 veröffentlichten vorläufigen Agenda-Entscheidung. Die Anpassung der Basis for Conclusions zu IFRS 9 soll im Zuge der anstehenden Änderung des IFRS 9 (“Prepayment Features with Negative Compensation”) und voraussichtlich im Oktober 2017 veröffentlicht werden.

Bereits im April 2017 hatte das IASB beschlossen, den nächsten Annual Improvements Cycle zu nutzen, um klarzustellen, dass in den 10%-Test zur Feststellung, ob eine finanzielle Verbindlichkeit infolge ihrer Modifikation auszubuchen ist, nur zwischen den Vertragsparteien oder für ihre Rechnung gezahlte Gebühren einzubeziehen sind.

Praktische Anwendungsfragen bei der Implementierung von IFRS 9 – Interaktion der Vorschriften zu Wertminderungen mit den Regelungen von IFRS 15 “Revenue Recognition“

Der im Juli 2014 veröffentlichte IFRS 9 „Financial Instruments“ enthält u.a. neue Vorschriften zur Erfassung von Wertminderungen finanzieller Vermögenswerte auf Basis des sog. expected credit losses-Modells. Bei Anwendung dieser Regelungen in Verbindung mit den neuen Vorschriften des IFRS 15 „Revenue from Contracts with Customers“ können sich für die Ermittlung der erwarteten Verluste (expected credit losses) von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie von contract assets i.S.d. IFRS 15 verschiedene Fragen ergeben.

Beispielsweise ist zur Bestimmung der erwarteten Verluste – und damit der zu erfassenden Wertminderung – der Barwert der Differenz aus vertraglichen Cashflows und den vom Unternehmen erwarteten Cashflows aus dem Vertrag zu ermitteln. Da contract assets nur in dem Umfang bilanziert werden, zu dem eine Realisierung hochwahrscheinlich ist, stellt sich die Frage, ob nur die bilanzierten Cashflows oder alle vertraglich möglichen Cashflows (d.h. auch die, die nicht hochwahrscheinlich sind) für die Ermittlung der Wertminderung zugrunde zu legen sind.

Sollte ein Vertrag gleichzeitig zu einer Forderung und einem contract asset mit gleicher Fälligkeit führen (bspw. wenn ein Teil des Entgelts von der Erfüllung bestimmter Bedingungen abhängt), stellt sich die Frage, in welchem Umfang die Cashflows, die das Unternehmen von dem Schuldner aus diesem Vertrag insgesamt erwartet, der Forderung bzw. dem contract asset zuzurechnen sind, insb. damit der Zuordnung der erwarteten Cashflows auf die Forderung bzw. das contract asset die jeweilige Höhe der Wertminderung beeinflusst wird.

Diese Fragestellungen befinden sich derzeit noch international in Diskussion. Über aktuelle Entwicklungen hierzu halten wir Sie auf dem Laufenden.

Praktische Anwendungsfragen bei der Implementierung von IFRS 9 – Klassifizierung finanzieller Vermögenswerte

Nachdem der IASB im Juli letzten Jahres die seit langem erwartete finale Fassung des IFRS 9 „Financial Instruments“ veröffentlichte, kommen nun im Rahmen von Projekten zur Implementierung der neuen Regelungen verschiedene Fragestellungen auf.

Insbesondere ist bei der Anwendung der Regelungen zur Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten („Classification and Measurement“) unklar, wie bestimmte Begriffe, die in diesem Zusammenhang verwendet werden, auszulegen sind. Will man beispielsweise den für die Klassifizierung erforderlichen sog. SPPI-Test (solely payments of principal and interest) auf ein Finanzinstrument vornehmen und analysieren, ob die vertraglichen Cashflows nur Tilgung und Zins beinhalten, stellen sich u.a. folgende Fragen:

Welche Cashflows sind als „vertragliche“ Cashflows anzusehen? Sind beispielsweise Cashflows, die aus einem vertraglichen Verweis auf gesetzliche Bestimmungen resultieren, auch vertragliche Cashflows? Wie verhält es sich, wenn gesetzliche Regelungen anwendbar sind und Cashflows daraus resultieren können, aber im Vertrag nicht explizit auf diese gesetzlichen Bestimmungen hingewiesen wird oder wenn beispielsweise der Gesetzgeber bzw. eine Aufsichtsbehörde in den Vertrag eingreifen kann (sog. „bail in clauses“)?

Wenn der Zins durch besondere Vertragsklauseln modifiziert wird und zu analysieren ist, ob die vertraglichen (undiskontierten) Cashflows signifikant von den (undiskontierten) Cashflows eines Instruments ohne modifizierte Features abweichen, stellt sich darüber hinaus die Frage, was in diesem Zusammenhang „signifikant“ bedeutet. Ist dieser Begriff beispielsweise vergleichbar mit dem Begriff „substanziell“, der bei den Regelungen zur Ausbuchung finanzieller Verbindlichkeiten verwendet wird und explizit im Standard mit 10 % quantifiziert wird?

Diese Fragestellungen befinden sich derzeit noch international in Diskussion. Über aktuelle Entwicklungen hierzu halten wir Sie auf dem Laufenden.

Neuer Standard zur Erfassung von Wertminderungen bei finanziellen Vermögenswerten – was lange währt, wird endlich gut?

Nach mehrjährigen Diskussionen, zahlreichen vorgeschlagenen und wieder verworfenen Konzepten und zwei Standardentwürfen (Exposure Drafts) hat der IASB heute zusammen mit den überarbeiteten Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften des IFRS 9 die endgültigen Regelungen zur Erfassung von Wertminderungen bei Finanzinstrumenten veröffentlicht.

Mit dem neuen Standard zu Wertminderungen ändert sich sowohl der Zeitpunkt, zu dem Abschreibungen berücksichtigt werden müssen, als auch die Höhe der Risikovorsorge grundlegend. War bisher für eine Abschreibung erforderlich, dass am Abschlussstichtag ein so genanntes „Verlustereignis“ (loss event) – zum Beispiel eine drohende Insolvenz oder eine Zahlungsstockung des Schuldners – eingetreten ist (Incurred Loss Model), sind unter den neuen Regelungen auch erwartete Verluste zu berücksichtigen (Expected Loss Model). Der IASB begegnet mit dieser Änderung dem in der Finanzmarktkrise aufgekommenen Vorwurf, dass in IFRS Abschlüssen Verluste in zu geringem Umfang (too little) und zu spät (too late) erfasst werden und wählt nun ein deutlich „vorsichtigeres“ Modell. Dass sich die internationale Rechnungslegung damit im Ergebnis dem Gedanken der Pauschalwertberichtigung und damit deutschem Handelsrecht annähert, ist dabei durchaus bemerkenswert.

Im Kern entsprechen die Vorschriften des endgültigen Standards weitgehend dem im März 2013 veröffentlichten Entwurf. Entsprechend richtet sich der Umfang der Erfassung von erwarteten Verlusten danach, ob sich das Ausfallrisiko der Vermögenswerte seit ihrem Zugang wesentlich verschlechtert hat. Liegt eine Verschlechterung vor und ist das Ausfallrisiko am Stichtag nicht als niedrig einzustufen, sind ab diesem Zeitpunkt sämtliche erwarteten Verluste über die gesamte Laufzeit zu erfassen (lifetime expected credit losses). Andernfalls sind nur die erwarteten Verluste zu berücksichtigen, die aus künftigen, möglichen Ereignissen (default events) innerhalb der nächsten zwölf Monate resultieren (12-month expected credit losses). Gerade der zweite Fall dürfte für die Praxis eine nicht zu unterschätzende Herausforderung darstellen. So wird aus dem Standard nicht hinreichend deutlich, wie ein default event definiert ist, unter welchen Voraussetzungen er „möglich“ ist und wie die aufwandswirksam zu erfassenden Verluste in Folge eines solchen Ereignissen von den übrigen erwarteten Verlusten, die auf der ersten Stufe (noch) nicht aufwandswirksam zu erfassen sind, abgegrenzt werden können.

Ebenfalls aus dem Entwurf übernommen wurden die Ausnahmeregelungen für bestimmte Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (bzw. so genannte contract assets i.S.d. IFRS 15) und Leasingforderungen. Für diese Vermögenswerte müssen (Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bzw. contract assets ohne wesentliche Finanzierungskomponente) bzw. dürfen (Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bzw. contract assets mit wesentlicher Finanzierungskomponente und Leasingforderungen) bereits bei Zugang sämtliche erwarteten Verluste berücksichtigt werden.

Der Standard ist – vorbehaltlich eines EU-Endorsement – verpflichtend ab dem 1. Januar 2018 anzuwenden. Diese auf den ersten Blick lange Übergangsfrist ist für die erforderliche Systemerstellung allerdings mehr als notwendig. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass Unternehmen auch die Wechselwirkungen mit dem Ende Mai veröffentlichten Standard zur Erlösrealisierung (IFRS 15) berücksichtigen müssen. Ob nach einer langen Phase der Diskussion somit tatsächlich alles gut geworden ist, muss sich noch zeigen.

Überarbeitung der Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften für Finanzinstrumente abgeschlossen

Der IASB hat heute mit dem Abschluss seines Projekts zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten neben den Regeln zu Wertminderungen auch die überarbeiteten Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften des IFRS 9 veröffentlicht. In der EU ist IFRS 9 in der ursprünglich bereits 2009 erlassenen Version mangels Übernahme noch nicht anwendbar. Außerhalb der EU sind die Vorschriften dagegen in vielen Ländern bereits umgesetzt worden und in Bezug auf ihre praktische Anwendbarkeit auf erhebliche Kritik gestoßen. Folgerichtig sah sich der Standardsetzer gezwungen, Änderungen vorzunehmen. Darüber hinaus bot dies auch die Gelegenheit, stärker als bislang die Zusammenhänge mir den geplanten Bilanzierungsvorschriften für Versicherungen sowie Aspekte der Konvergenz mit US-GAAP zu berücksichtigen.

Kern der Überarbeitung ist die Einführung einer zusätzlichen Bewertungskategorie für Schuldinstrumente. Standen dem Bilanzierenden für die Klassifizierung bisher lediglich die beiden Kategorien „fortgeführte Anschaffungskosten“ und „zum beizulegenden Zeitwert mit Wertänderungen im Gewinn oder Verlust“ zur Verfügung, so ist künftig auch eine Einstufung in die Kategorie „zum beizulegenden Zeitwert mit Wertänderungen im sonstigen Ergebnis (FVOCI)“ möglich. Eine solche Klassifizierung setzt voraus, dass ein Portfolio von Schuldinstrumenten einem Geschäftsmodell unterliegt, das sowohl das Halten zur Erzielung der vertraglichen Zahlungsströme als auch das Verkaufen vorsieht. Zusätzlich ist wie bislang bei der Kategorie „zu fortgeführten Anschaffungskosten“ der sogenannte Cashflow-Test zu erfüllen. Mit der Erfassung der Wertänderungen im sonstigen Ergebnis ist diese neue Kategorie mit der bisherigen Kategorie „zur Veräußerung verfügbar (afs)“ des IAS 39 vergleichbar. Hinsichtlich der Einführung dieser dritten Bewertungskategorie dürfte in der Praxis mit erheblichen Auslegungs- und Abgrenzungsschwierigkeiten zu rechnen sein.

Zudem wurde in diesem Zusammenhang für das Geschäftsmodell „Halten“, das bei bestandenem Cashflow-Test eine Bewertung der Vermögenswerte zu fortgeführten Anschaffungskosten vorsieht, klargestellt, dass Verkäufe nur in Ausnahmefällen mit den Grundprinzipien dieses Modells vereinbar sind. Folglich dürften beispielsweise die Liquiditätsportfolien der Banken künftig typischerweise nicht der Kategorie „zu fortgeführten Anschaffungskosten“, sondern der neuen Kategorie FVOCI zuzuordnen sein.

Weiterhin hat der IASB die Gelegenheit genutzt, den bereits angesprochenen Cashflow-Test in einigen Punkten zu erleichtern. Danach sind nicht mehr alle Elemente eines Instruments schädlich, die eine Modifikation der Zahlungsströme in Form von Zins- und Tilgungszahlungen bewirken. Lediglich solche, die zu einer mehr als wesentlichen Abweichung im Vergleich zu einem Idealinstrument ohne diese Elemente führen, ziehen eine ergebniswirksame Zeitwertbewertung nach sich.

Vergleicht man die nun vorliegenden finalen Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften des IFRS 9 mit denen seines Vorgängerstandards IAS 39, so muss aus unserer Sicht schon kritisch hinterfragt werden, ob der IASB sein ursprüngliches Ziel einer weniger komplexen Bilanzierung von Finanzinstrumenten erreicht hat.

IFRS 9 ist für am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnende Geschäftsjahre anzuwenden, eine freiwillige vorzeitige Anwendung ist erlaubt – beides vorbehaltlich einer fristgerechten Übernahme seitens der EU.

 

Re-Exposure Draft zum Leasing

Heute, am 16. Mai 2013, hat der IASB seinen überarbeiteten Entwurf zum neuen Leasingstandard veröffentlicht, welcher zukünftig IAS 17 ersetzen soll.

Die neuen Regelungen sehen auf Leasingnehmerseite vor, dass sämtliche Leasingverhältnisse nach dem right of use-Modell bilanziell als sogenannte Nutzungsrechte mit korrespondierender Leasingverbindlichkeit erfasst werden. Die Darstellung in der Gewinn- und Verlustrechnung und in der Kapitalflussrechnung hängt dann von der Klassifizierung des Leasingverhältnisses ab.

Der eigentlichen Klassifizierung soll in Zukunft eine Unterscheidung nach Art des Leasingobjektes vorgeschaltet sein. Nach den vorgegebenen Unterscheidungsmerkmalen ist damit zu rechnen, dass Leasingverhältnisse über Leasinggegenstände, die nicht den Immobilien zuzurechnen sind, grundsätzlich als Finanzierungsvorgänge angesehen werden, während angenommen wird, dass der Finanzierungsgedanke beim Immobilienleasing nicht im Vordergrund steht. Die Grundannahmen können anhand der Laufzeit des Leasingverhältnisses und der zu zahlenden Leasingraten jedoch widerlegt werden.

Auf Leasinggeberseite ähnelt die geplante bilanzielle Abbildung der derzeitigen Vorgehensweise bei Finanzierungs- und Operating Leases nach IAS 17. Auf Grund der geänderten Klassifizierungskriterien werden jedoch insbesondere bei Leasingverhältnissen über Nicht-Immobilien in Zukunft die Leasingobjekte meist auszubuchen und das Leasingverhältnis als Verkauf mit anhängender Finanzierung darzustellen sein.

Sofern nach Ende der Laufzeit ein Restwert aus dem Leasingobjekt erwartet wird, erfolgt der Ausweis beim Leasinggeber getrennt von der Leasingforderung und ggf. unter Berücksichtigung eines erwarteten Gewinns aus diesem Restwert.

Sowohl auf Leasingnehmer – als auch auf Leasinggeberseite ergeben sich damit erhebliche Auswirkungen auf die Bilanzierung von Leasingverhältnissen. Insbesondere die Einführung der Grundannahme zur bilanziellen Abbildung je nach Art des Leasingobjektes und die Schwellen zur Widerlegung dieser Annahme erhöhen die Komplexität.

Über den Erstanwendungszeitpunkt schweigt sich der Board bisher aus und behält sich eine Entscheidung darüber für die Beratungsphase im Anschluss an die Kommentierungsfrist vor.

IFRS 9: Standardentwurf zu Wertminderungen für Finanzinstrumente

Nach mehrjähriger Diskussion und zwei zwischenzeitlich wieder verworfenen Vorschlägen hat der IASB am 7. März 2013 den lange erwarteten Standardentwurf zu Wertminderungen für Finanzinstrumente (ED/2013/3, Financial Instruments: Expected Credit Losses) veröffentlicht. Das darin vorgeschlagene Wertminderungsmodell folgt im Kern dem sog. „expected loss“-Ansatz.

Ziel der Risikovorsorge ist es, eine Verschlechterung der Kreditqualität im Zeitablauf bis hin zum endgültigen Ausfall eines finanziellen Vermögenswerts ersichtlich zu machen. Daher geht das neue Modell von drei Phasen („stages“) aus, die die Entwicklung der Kreditqualität eines finanziellen Vermögenswertes ab dem Zugang abbilden sollen. Je nach Phase, in der sich das Instrument befindet, unterscheiden sich die Höhe der Risikovorsorge und die Ermittlung der Zinserträge.

Die Risikovorsorge in Phase 1, in der sich grds. alle Finanzinstrumente bei Zugang befinden, umfasst den sog. „12-month expected credit loss”. In Phase 2 und 3, wenn eine wesentliche Erhöhung des dem Instrument inhärenten Ausfallrisikos eingetreten ist, entspricht die Risikovorsorge dem „lifetime expected credit loss“. Unterschiede liegen hier in der Zinserfassung.

Die Kommentierungsfrist zum Standardentwurf endet am 5. Juli 2013.

Kritisch zu sehen sind an dem Modell aus unserer Sicht an erster Linie die Ermittlung der Wertberichtigung für die erste Phase, da hier auf mögliche (possible) Verlustereignisse der ersten 12 Monate und die sich aus diesen ergebenden Ausfälle abgestellt werden soll. Man denke etwa an das Ereignis „Arbeitslosigkeit des Kreditnehmers“ und sich hieraus ergebende Ausfälle über die Laufzeit. Darüber hinaus ergeben sich aus den vielen Möglichkeiten zur Festlegung von Indikatoren für den Wechsel insbesondere in Phase 2 Spielräume, die eine spätere Vergleichbarkeit von Abschlüssen vor dem Hintergrund des Modells fraglich erscheinen lassen.

Während die Pflicht für kurzfristige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und das Wahlrecht zum Überspringen von Phase 1 im Fall von Leasingforderungen und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen mit Finanzierungskomponente für die Bilanzierer eine operative Erleichterung darstellen, ist grds. nicht klar, weshalb es ein solches Wahlrecht für andere Vermögenswerte im Scope nicht geben sollte.

Nach langen Wehen ist also immer noch eine schwere Geburt des Impairment zu erwarten und eine umfassende Nachsorge durch den anwendenden Bilanzierer und dessen Prüfer.

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