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IASB veröffentlicht Änderungen an diversen IFRS-Standards im Zuge der sog. IBOR-Reform

Der IASB hat am 27. August 2020 Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16 veröffentlicht.

Die Änderungen stehen im Zusammenhang mit der Reform von Referenzzinssätzen (IBOR-Reform), speziell mit der Abbildung von Änderungen an vertraglichen Zahlungsströmen und Sicherungsbeziehungen, die in diesem Zusammenhang vorgenommen werden.

Die Ă„nderungen betreffen:

  • Ă„nderungen der vertraglichen Cashflows – FĂĽhrt eine Ă„nderung des Referenzzinssatzes zu geänderten vertraglichen Cashflows, ist der Buchwert der betreffenden Finanzinstrumente nicht anzupassen oder auszubuchen, sondern der Effektivzinssatz zu aktualisieren.
  • Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen – Eine Sicherungsbeziehung muss nicht allein aufgrund von im Zuge der IBOR-Reform erforderlichen Ă„nderungen beendet werden, wenn die Sicherungsbeziehung ansonsten weiterhin die anderen Voraussetzungen zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen erfĂĽllt.
  • Angabepflichten – Es sind Informationen ĂĽber neue Risiken, die sich aus der IBOR-Reform ergeben, und darĂĽber, wie der Ăśbergang zu neuen Referenzzinssätzen gehandhabt wird, offenzulegen.

Die Änderungen sind für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2021 beginnen, anzuwenden. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig.

IBOR-Reform: Exposure Draft zur Phase 2 veröffentlicht

Der IASB hat am 9. April 2020 einen Entwurf mit Vorschlägen für Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16 veröffentlicht (ED/2020/1 „Interest Rate Benchmark Reform – Phase 2“).

Die Vorschläge stehen im Zusammenhang mit der Reform von Referenzzinssätzen (IBOR-Reform), speziell mit der Abbildung von Änderungen an vertraglichen Zahlungsströmen und Sicherungsbeziehungen, die in diesem Zusammenhang erforderlich geworden sind, d.h., wenn diese als direkte Folge der IBOR-Reform notwendig ist und die neue und alte Basis für die Bestimmung der vertraglichen Zahlungsströme wirtschaftlich ausgeglichen sind.

Vorgeschlagen wird hierzu im Wesentlichen Folgendes:

  • Modifikationen von Finanzinstrumenten (einschlieĂźlich der Aktivierung bereits bestehender Fallback-Klauseln) sollen gemäß IFRS 9.B5.4.5 im Wege der Aktualisierung des Effektivzinssatzes, Modifikationen von Leasingverhältnissen durch Neubewertung gemäß IFRS 16.42 abgebildet werden;
  • Ausnahmen von den Vorschriften zur Beendigung von Sicherungsbeziehungen, die es Unternehmen ermöglichen sollen, durch die IBOR-Reform erforderlich gewordene Ă„nderungen an Designation und Dokumentation von Sicherungsbeziehungen (Designation eines neuen Referenzzinssatzes als gesichertes Risiko sowie entsprechende Aktualisierung der Hedge-Dokumentation) vorzunehmen, ohne dass dies eine Beendigung der betroffenen Sicherungsbeziehungen zur Folge hat; mit einer weiteren Ausnahme soll ein Recycling der Cashflow-Hedge-RĂĽcklage in Folge der Ă„nderung vertraglicher Zahlungsströme verhindert werden;
  • Ă„nderungen am „separately identifiable“-Kriterium, nach denen ein neuer Referenzzinssatz als einzeln identifizierbare Risikokomponente betrachtet werden soll, wenn ein Unternehmen vernĂĽnftigerweise erwartet, dass dieser innerhalb von 24 Monaten ab seiner Designation als nicht-vertraglich spezifizierte Risikokomponente das „separately identifiable“-Kriterium erfĂĽllen wird (verlässliche Bewertbarkeit muss jedoch bereits bei Designation gegeben sein); sowie
  • Zusätzliche Angabepflichten mit dem Ziel, den Abschlussadressaten in die Lage zu versetzen Art und Umfang der Risiken, die sich aus der IBOR-Reform fĂĽr das Unternehmen ergeben, den Umgang mit diesen Risiken sowie die Fortschritte des Unternehmens beim Ăśbergang auf neue Referenzzinssätze, nachvollziehen zu können.

Die vorgeschlagenen Änderungen an IFRS 4 dienen ausschließlich dazu, dass Versicherer, die IFRS 9 noch nicht anwenden, die Erleichterungen zur Abbildung von Modifikationen von Finanzinstrumenten unter IAS 39 analog anwenden.

Der IASB schlägt vor, dass die Änderungen für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2021 beginnen, anzuwenden sind. Eine vorzeitige Anwendung soll zulässig sein.

Stellungnahmen werden vom IASB bis zum 25. Mai 2020 erbeten.

Der Hinweis des IASB, zur Veröffentlichung, der auch den Entwurf enthält, ist über folgenden Link zu erreichen.

IBOR-Reform: Ă„nderungen an IFRS 9, IAS 39 und IFRS 7 von EU endorsiert

Am 15. Januar 2020 wurden die im September 2019 vom IASB im Zusammenhang mit der Reform von Referenzzinssätzen (z. B. LIBOR) veröffentlichten Änderungen an IFRS 9, IAS 39 und IFRS 7 mit der VERORDNUNG (EU) 2020/34 von der Europäischen Union übernommen.

Die Veröffentlichung der Verordnung im Amtsblatt der Europäischen Union erfolgte mit Datum vom 16. Januar 2020. Gem. Artikel 3 der VERORDNUNG (EU) 2020/34 tritt diese am zwanzigsten Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft.

FĂĽr weitere Informationen zu den Inhalten der Ă„nderungen verweisen wir auf unseren Blogbeitrag aus September 2019.

IASB trifft weitere vorläufige Entscheidungen zur IBOR-Reform (Phase 2)

Mit diesem Blogbeitrag möchten ich Sie zu aktuellen Entwicklungen der Phase 2 des IASB-Projekts zu den Auswirkungen der IBOR-Reform informieren.

Im Dezember hat der IASB Auswirkungen der Änderung von Referenzzinssätzen auf das Hedge Accounting nach IFRS 9 und IAS 39 diskutiert. dabei hat der IASB vorläufig entschieden weitere Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 vorzunehmen um folgende Erleichterungen zu gewähren:

  • Ă„nderungen der Hedge-Dokumentation, mit der das abgesicherte Risiko sowie die Beschreibung des Sicherungsinstrumentes oder des Grundgeschäfts redefiniert werden um diese auf einen neuen Referenzzinssatz zu beziehen, sollen unter IFRS 9 und IAS 39 nicht zur Beendigung des Hedge Accounting fĂĽhren, wenn diese Ă„nderungen unmittelbar aufgrund der IBOR-Reform erforderlich waren und auf wirtschaftlich gleichwertiger Basis vorgenommen werden.
  • Eine Ă„nderung der Methode zur Beurteilung der Effektivität von Sicherungsbeziehungen soll unter IAS 39 nicht zur Beendigung des Hedge Accounting fĂĽhren, wenn es aufgrund der IBOR-Reform nicht praktikabel ist, weiterhin die gleiche Methode anzuwenden, die in der ursprĂĽnglichen Hedge-Dokumentation festgelegt wurde.
  • Weitere spezifische Erleichterungen im Zusammenhang mit den Voraussetzungen fĂĽr Makro Hedges bzw. Portfolio Hedges gegen Zinsänderungsrisiken.

Erleichterungen im Zusammenhang mit der Bewertung von Grundgeschäften und Sicherungsinstrumenten sowie der Erfassung von Ineffektivitäten sind weiterhin nicht vorgesehen.

Bei den nächsten Sitzungen des IASB sollen folgende Themen im Zusammenhang mit der IBOR-Reform diskutiert werden:

  • Ende der Anwendbarkeit der im Rahmen von Phase 1 gewährten Erleichterungen;
  • Auswirkungen der IBOR-Reform auf andere IFRS-Standards;
  • Anhang Angaben (Phase 2) und
  • Ăśbergangsvorschriften und Inkrafttreten der vorgeschlagenen Ă„nderungen (Phase 2).

FĂĽr weitere AusfĂĽhrungen zur Abbildung der im Oktober 2019 erfolgten Ă„nderungen an Euribor und EONIA im Abschluss 2019 verweisen wir auf die Dezember-Ausgabe unserer International Accounting News, die in KĂĽrze erscheint.

IASB finalisiert Phase 1 seines Projekts zur „IBOR-Reform“

Der IASB hat Ă„nderungen an IFRS 9, IAS 39 und IFRS 7 veröffentlicht und damit die Phase 1 des Projekts „Interest Rate Benchmark Reform“ abgeschlossen. Die Vorschläge stehen im Zusammenhang mit der Reform von Referenzzinssätzen (z. B. LIBOR), speziell mit der gegenwärtig bestehenden Unsicherheit darĂĽber, wann und wie die aktuellen Referenzzinssätze ersetzt werden.

Die Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 haben zur Folge, dass Hedge-Beziehungen, die ansonsten in Folge dieser Unsicherheit zu beenden gewesen wären, fortzuführen sind. Dies wird dadurch erreicht, dass Unternehmen für Zwecke bestimmter zukunftsgerichteter Beurteilungen unterstellen sollen, dass der Referenzzinssatz, auf dem ein abgesicherter Zahlungsstrom oder die Zahlungsströme eines Sicherungsinstruments basieren, durch die Reform nicht verändert wird. Im Zusammenhang mit den vorgenannten Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 wird IFRS 7 um Angabepflichten ergänzt, die insbesondere Art und Umfang der Betroffenheit des Unternehmens von der Reform der Referenzzinssätze betreffen.

Die Ă„nderungen sind ĂĽberwiegend deckungsgleich mit den Vorschlägen in ED/2019/1 „Interest Rate Benchmark Reform“. Im Vergleich zum ED umfassen die finalen Ă„nderungen insbesondere eine zusätzliche Anpassung an IAS 39, wonach während der Unsicherheit durch die Reform auch solche Sicherungsbeziehungen weitergefĂĽhrt werden können, deren Effektivität auĂźerhalb der 80-125% Bandbreite liegt (wenn alle anderen Voraussetzungen erfĂĽllt sind).

Die Änderungen sind erstmals für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2020 beginnen, anzuwenden. Eine freiwillige vorzeitige Anwendung ist möglich.

Die Finalisierung der Ă„nderungen markiert zugleich den Beginn der Phase 2 des Projekts „Interest Rate Benchmark Reform“, während der sich der IASB mit den potenziellen Auswirkungen der tatsächlichen Ă„nderung von Referenzzinssätzen beschäftigen und die Notwendigkeit weiterer Standardänderungen erörtern wird.

Entwurf zu geplanten Ă„nderungen der Hedge-Accounting-Regelungen i. Z. m. der IBOR-Reform

Der IASB hat am 3. Mai 2019 einen Entwurf mit Vorschlägen fĂĽr Ă„nderungen an IFRS 9 und IAS 39 veröffentlicht (ED/2019/1 „Interest Rate Benchmark Reform“). Die Vorschläge stehen in Zusammenhang mit der Reform von Referenzzinssätzen (z. B. LIBOR), speziell mit der gegenwärtig bestehenden Unsicherheit darĂĽber, wann und wie die aktuellen Referenzzinssätze ersetzt werden. Unter den bestehenden Regelungen des IFRS 9 und des IAS 39 könnte diese Unsicherheit dazu fĂĽhren, dass ein Unternehmen Hedge-Beziehungen beenden muss.

Vor diesem Hintergrund schlägt der IASB die Einführung von Erleichterungen von bestimmten Anforderungen des Hedge Accounting nach IFRS 9 und IAS 39 vor. Danach sollen Unternehmen für Zwecke bestimmter zukunftsgerichteter Beurteilungen unterstellen, dass der Referenzzinssatz, auf dem ein abgesicherter Zahlungsstrom oder die Zahlungsströme eines Sicherungsinstruments basieren, durch die Reform nicht verändert werden. Auf diese Weise soll eine Beendigung von Hedge-Beziehungen als Folge der bestehenden Unsicherheit vermieden werden und die Entscheidungsrelevanz der Informationen in den Abschlüssen für Investoren gewahrt bleiben. Die vorgeschlagenen Änderungen sollen erstmals für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2020 beginnen anzuwenden sein. Eine freiwillige vorzeitige Anwendung soll möglich sein.

Die Vorschläge adressieren nur die Auswirkungen der Unsicherheit bis zur Ablösung der Referenzzinssätze (pre-replacement issues). Sobald mehr Informationen über die Ablösung der Referenzzinssätze vorliegen, wird der IASB mögliche Auswirkungen der tatsächlichen Ablösung analysieren (replacement issues) und entscheiden ob weitere Maßnahmen ergriffen werden.

Die Kommentierungsfrist endet am 17. Juni 2019.

Die Stellungnahme zur Veröffentlichung, die auch einen Link auf den Entwurf enthält, ist ĂĽber folgenden Link zu erreichen. Weitere Informationen zu dem Thema enthält auch unsere Publikation „IFRS direkt: Auswirkungen der Reform des LIBOR und anderer Referenzzinssätze – Geplante Ă„nderungen an IFRS 9 und IAS 39 (ED/2019/1)„.

FortfĂĽhrung von Sicherungsbeziehungen beim Ăśbergang von IAS 39 auf IFRS 9

Am 24. Juli 2014 veröffentlichte das IASB die vollständige Fassung von IFRS 9 Financial Instruments. Diese Fassung beinhaltet auch die bereits im November 2013 veröffentlichten neuen Regeln zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen (Hedge Accounting). Ein entsprechendes EU-Endorsement vorausgesetzt wird IFRS 9 spätestens auf Geschäftsjahre anzuwenden sein, die am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnen. Nach derzeitigem Stand wäre es auch nach Erstanwendung von IFRS 9 als Bilanzierungswahlrecht möglich für Zwecke des Hedge Accounting die bisherigen Hedge-Accounting Regeln des IAS 39 weiterhin anzuwenden. Es kann jedoch sinnvoll sein, von Anfang an den IFRS 9 anzuwenden, um beispielsweise von den Erleichterungen beim Effektivitätsnachweis oder von der Möglichkeit zur Absicherung von Komponenten nichtfinanzieller Posten zu profitieren. Die Umstellung kann jedoch auch zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen werden, der sich aus Sicht des Unternehmens als sinnvoll erweist.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie mit Sicherungsbeziehungen umzugehen ist, die bereits nach IAS 39 gebildet wurden und die nach Möglichkeit nach IFRS 9 fortgeführt werden sollen. Die Übergangsbestimmungen von IFRS 9 sehen dazu vor, dass Sicherungsbeziehungen, die sowohl die Anwendungsvoraussetzungen für Hedge Accounting nach IAS 39 als auch die diesbezüglichen Voraussetzungen nach IFRS 9 erfüllen, grundsätzlich als fortzuführende Sicherungsbeziehungen anzusehen sind. Es bleibt jedoch bis zum letzten Tag der Anwendung von IAS 39 zulässig, bestehende Sicherungsbeziehungen freiwillig aufzulösen und ab dem ersten Tag der Anwendung von IFRS 9 neue Sicherungsbeziehungen zu bilden.

Sollen die nach IAS 39 gebildeten Sicherungsbeziehungen nach IFRS 9 fortgefĂĽhrt werden, ist zu beachten, dass die Anwendungsvoraussetzungen fĂĽr Hedge Accounting in den beiden Standards nicht deckungsgleich sind. Dies betrifft insbesondere abweichende Anforderungen an den Nachweis der Effektivität der Sicherungsbeziehung und damit im Zusammenhang stehende zusätzliche Dokumentationsanforderungen. So entfällt zwar der retrospektive Effektivitätstest vollständig und fĂĽr den prospektiven Effektivitätstest die erforderliche Bandbreite fĂĽr die erwartete Effektivität der Sicherungsbeziehung (80% – 125%). Andererseits ist nach IFRS 9 ausdrĂĽcklich eine ökonomische Beziehung zwischen Grundgeschäft und Sicherungsinstrument nachzuweisen. Dabei sind auch die Umstände zu analysieren und zu dokumentieren, die Ineffektivitäten in der Sicherungsbeziehung hervorrufen können. Der reine Nachweis einer statistischen Korrelation der Wertentwicklungen innerhalb der bisher vorgeschriebenen Bandbreite genĂĽgt den Anforderungen nicht mehr. Neu ist auch die Verpflichtung zur Dokumentation der Methode, die zur Bestimmung der Absicherungsquote (hedge ratio) verwendet wird. Die hedge ratio muss grundsätzlich dem vom Unternehmen tatsächlich verwendeten Verhältnis zwischen den Mengen des Grundgeschäfts und des Sicherungsinstruments entsprechen, es sei denn, diese hedge ratio wĂĽrde zu Ineffektivitäten fĂĽhren, die den Zielen des Hedge Accounting widersprächen.

Vor diesem Hintergrund ist insbesondere Unternehmen, die in größerem Umfang Hedge Accounting betreiben, zu empfehlen, sich frühzeitig mit den neuen Dokumentationsanforderungen des IFRS 9 zu beschäftigen. Gerade bei Sicherungsbeziehungen, bei denen absehbar ist, dass ihre Laufzeit über den potenziellen Erstanwendungszeitpunkt der Hedge Accounting-Regelungen des IFRS 9 hinausgeht, ist es ggf. sinnvoll, schon heute eine IFRS 9-konforme Dokumentation anzufertigen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Einzig für die hedge ratio lassen die Übergangsbestimmungen des IFRS 9 eine Ausnahme zu: diese kann noch zum Übergangszeitpunkt durch sog. rebalancing den neuen Anforderungen entsprechend angepasst werden.

EMIR: Zeitpunkt der erstmaligen Meldepflicht sowie Endorsement der Ergänzung des IAS 39 zur Fortführung des Hedge Accounting bei Clearing

Aufgrund der am 16. August 2012 in Kraft getretenen EU-Verordnung “EMIR“ (European Market Infrastructure Regulation) über OTC-Derivate, zentrale Gegenparteien und Transaktionsregister ergibt sich für Derivate, die außerbörslich, also „over the counter“ (OTC), abgeschlossen wurden, eine Meldepflicht, d.h. solche Derivate sind an zentrale Transaktionsregister zu melden. Bis November dieses Jahres lief jedoch noch das Verfahren zur Zulassung der ersten Transaktionsregister. Nun steht mit dem 12. Februar 2014 das Datum fest, zu dem die betroffenen Derivate erstmalig zu melden sind. Ab diesem Zeitpunkt sind fortlaufend für alle abgeschlossenen und nachträglich geänderten OTC-Derivate bis spätestens zum nächsten Arbeitstag u.a. Angaben zum Vertrag und zur Gegenpartei an ein Transaktionsregister zu übermitteln.

Neben der Meldepflicht besteht künftig unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Clearingpflicht für OTC-Derivate, d.h. in den betroffenen Fällen ist die Zwischenschaltung einer zentralen Gegenpartei erforderlich (vgl. auch Blog-Beitrag vom 27. Juni 2013). Offen ist derzeit noch die Veröffentlichung der clearingpflichtigen Derivatekategorien. Hierzu will die ESMA bis September 2014 eine Konkretisierung in Form von technischen Regulierungsstandards veröffentlichen.

Aus dem Clearing ergeben sich auch Folgen für die Bilanzierung der betroffenen Derivate. Da die Zwischenschaltung einer zentralen Gegenpartei zur Ausbuchung des bestehenden OTC-Derivats und Einbuchung eines neuen Derivats führt, wäre eine ggf. vorher bestehende und als solche auch unter IFRS bilanzierte Sicherungsbeziehung (Hedge Accounting), für die das ursprüngliche Derivat als Sicherungsinstrument designiert worden ist, gemäß den bisherigen Vorschriften des IAS 39 zu beenden. Um dies zu vermeiden, wurden die Regelungen des IAS 39 im Juni dieses Jahres ergänzt  (vgl. auch Blog-Beitrag vom 27. Juni 2013). Die Übernahme in EU-Recht (sog. Endorsement) erfolgte am 19. Dezember, womit die ergänzten Regelungen des IAS 39 für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2014 beginnen, auch in der EU gültig sind.

Ich wĂĽnsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2014!

Neue Regeln für das Hedge Accounting – Risikoabsicherung endlich praktikabel?

 

Der International Accounting Standards Board (IASB) hat gestern, am 19. November 2013, eine neue Version von IFRS 9 mit einem Kapitel zu „Hedge Accounting“ veröffentlicht. Die künftigen Regelungen zum Hedge Accounting, die Teil von IFRS 9 sind, werden einen weiteren Teil des bisherigen Standards IAS 39 ablösen. Wesentliche Inhalte des bereits veröffentlichten Vorabentwurfs (Review Draft) wurden beibehalten. Für viele Unternehmen stellen die neuen Regelungen eine erhebliche Erleichterung dar.

Von einigen wesentlichen Ă„nderungen seien an dieser Stelle zwei exemplarisch herausgegriffen:

Effektivität

Ein notwendiges Kriterium für die bilanzielle Abbildung der Sicherungsbeziehung unter IAS 39 ist eine hinreichende Effektivität, die ein Maß für eine weitgehende Kompensation des gesicherten Risikos durch das Sicherungsinstrument darstellt. Hierfür sind bisher feste, quantitative Grenzwerte vorgegeben. Stellt sich beispielsweise am Ende der Periode heraus, dass die Wertänderung des Sicherungsinstruments nur 75 % der Wertänderung des gesicherten Risikos ausmacht, ist die Sicherungsbeziehung unter IAS 39 bilanziell aufzulösen, obwohl ökonomisch immer noch der überwiegende Teil des Risikos abgedeckt ist.

Dieses regelorientierte Vorgehen mit starren Grenzen weicht zukünftig einem prinzipienorientierten Ansatz. Solange eine Sicherungsbeziehung grundsätzlich geeignet ist, Risiken zu minimieren, und sich im Risikomanagement wiederfindet, kann sie fortgeführt werden, auch wenn sie im Einzelfall nicht zu 100 % effektiv ist. Die Ermittlung der Effektivität ist weiterhin erforderlich, um zu beurteilen „wie gut“ die Sicherungsbeziehung war, d.h. wie hoch die Ineffektivität (im Beispiel 25 %) ausgefallen ist, die im Ergebnis zu berücksichtigen ist.

Absicherung von Rohstoffen

Eine der grundlegenden Neuerungen des neuen Standard IFRS 9 betrifft die für das Hedge Accounting bislang geltende Unterscheidung zwischen finanziellen (z.B. Darlehen oder Wertpapiere) und nicht-finanziellen Grundgeschäften (z.B. Rohstoffe). Künftig können auch bei nicht-finanziellen Grundgeschäften einzelne Risikokomponenten isoliert betrachtet abgesichert werden, sofern diese Risikokomponenten eigenständig identifizierbar (separately identifiable) und zuverlässig messbar (reliably measurable) sind.

Dies ist eine gute Nachricht für Unternehmen, die Beschaffungs- oder Absatzgeschäfte gegen die Veränderung bestimmter Preisbestandteile absichern. In der Praxis war das sogenannte Commodity Hedging bilanziell bislang problematisch, da das zu sichernde Risiko (z.B. Aluminiumpreis) nach IAS 39 nicht separat betrachtet werden durfte. Vielmehr war der Vertrag als Ganzes als gesichertes Risiko im Hedge Accounting zu definieren, auch wenn tatsächlich nur Schwankungen einer Komponente über ein entsprechendes Sicherungsgeschäft abgesichert wurden.

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Da dem nicht-finanziellen Grundgeschäft im Regelfall Sicherungsinstrumente gegenüberstehen, die nur einzelne Komponenten (bspw. Aluminium, Kupfer & Zink) absichern, ist im Extremfall aufgrund der rechnerisch zu hohen Ineffektivität die Sicherungsbeziehung unter IAS 39 bilanziell als Ganzes unzulässig.

Mit IFRS 9 kann beispielsweise ein Automobilunternehmen jetzt die Komponenten eines Aluminiumgemischs separat als abgesichertes Risiko definieren, die auch tatsächlich durch Derivate abgesichert werden.

Ob unter den neuen Regelungen tatsächlich alles besser wird, kann erst die praktische Anwendung zeigen. Ein Schritt in die richtige Richtung ist auf jeden Fall gemacht! Mit Spannung erwartet die Gruppe der IFRS-Follower auch neue Regelungen zum Makro Hedge Accounting. Um die Anwendung von IFRS 9 nicht länger zu verzögern, hat der IASB diese allerdings in ein separates Projekt ausgelagert.

 

Ergänzung des IAS 39 – Novation of Derivatives and Continuation of Hedge Accounting

Der International Accounting Standards Board (IASB) hat heute, am 27. Juni 2013, eine Ergänzung des IAS 39 – „Novation of Derivatives and Continuation of Hedge Accounting“ – veröffentlicht.
 
Hintergrund der Änderungen ist die künftige Clearingpflicht für standardisierte OTC-Derivate (d.h. außerbörslich abgeschlossene), die sich aufgrund der European Market Infrastructure Regulation (EMIR) ergibt. Die Grafik veranschaulicht das Clearing eines Derivates über eine zentrale Gegenpartei.

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Da die Zwischenschaltung einer zentralen Vertragspartei zur Ausbuchung eines bestehenden OTC-Derivats und Einbuchung eines neuen Derivats führt, wäre eine ggf. vorher bestehende und als solche auch unter IFRS bilanzierte Sicherungsbeziehung (Hedge Accounting), für die das ursprüngliche Derivat als Sicherungsinstrument designiert worden ist, gemäß den bisherigen Vorschriften des IAS 39 zu beenden.

Sofern im Rahmen des Clearing keine Anpassung der Konditionen der neuen Derivate an möglicherweise seit dem Abschluss des alten Vertrages veränderte Marktkonditionen vorgenommen wird, hat das neu zu erfassende Derivat unter Umständen bereits zu Beginn einen Marktwert der ungleich Null ist und beispielsweise Zinsunterschiede zwischen dem ursprünglichen Abschlusszeitpunkt und dem Clearingzeitpunkt repräsentiert. Die Neudesignation des nun gegenüber der zentralen Gegenpartei gehaltenen Derivats als Sicherungsinstrument in einer neuen bilanziellen Sicherungsbeziehung steht damit aufgrund der vom Standard vorgegebenen Kriterien für Hedge Accounting vor dem Problem größerer Ineffektivitäten im Vergleich zur zuvor bestehenden Sicherungsbeziehung, obwohl sich wirtschaftlich an der Risikoabsicherung kaum etwas geändert haben mag.
 
Die Regelungen zur Ergänzung des IAS 39 sehen nun vor, dass ein Wechsel der Vertragspartei eines Sicherungsinstruments zu einer zentralen Gegenpartei („central counterparty“ oder auch „clearing agency“ genannt) oder zu einem Mitglied des Clearing („clearing member“) keine Beendigung des Hedge Accounting auslöst, sofern ein solcher Wechsel aufgrund gesetzlicher oder aufsichtsrechtlicher Anforderungen bzw. aufgrund der NeueinfĂĽhrung solcher Anforderungen erfolgt und nur Ă„nderungen fĂĽr das Sicherungsinstrument vereinbart werden, die fĂĽr den Wechsel der Vertragspartei notwendig sind. Solche Ă„nderungen umfassen auch z.B. Ă„nderungen bezĂĽglich der Sicherheiten und Aufrechnungsvereinbarungen sowie berechneter GebĂĽhren fĂĽr die Ăśbernahme des Clearing.
 
Die neuen Regelungen sind verpflichtend für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2014 beginnen, retrospektiv anzuwenden. Zusätzliche Anhangangaben sind in diesem Zusammenhang nicht erforderlich. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig. Wenn die neuen Regelungen vorzeitig angewendet werden, ist dies im Anhang anzugeben.

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